Vor gut hundert Jahren war es eine Beleidigung, heute steht es auf Transparenten beim CSD, auf Buchrücken in Universitätsbibliotheken und im Titel eines Aktionsplans der Bundesregierung: das Wort queer. Kaum ein Begriff aus diesem Feld hat einen so weiten Weg hinter sich. Die Bedeutung von queer lässt sich knapp fassen: Es ist ein Sammelbegriff für Menschen, die nicht heterosexuell oder nicht cisgeschlechtlich sind, und zugleich eine Selbstbezeichnung, die bewusst offen bleibt.
Hier erfährst du, woher das Wort stammt, warum Menschen es für sich wählen und andere es ablehnen, was hinter der Queer Theory steckt und wie sich queer zu LGBTQ, cis und nicht-binär verhält. Ohne Fachjargon und ohne dir vorzuschreiben, wie du dich selbst nennen sollst.
Was bedeutet queer?
Im Deutschen ist queer ein Anglizismus, also ein aus dem Englischen übernommenes Wort. Der Duden führt es als Adjektiv und beschreibt damit Menschen, deren sexuelle Orientierung nicht heterosexuell ist, außerdem Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht dem bei der Geburt eingetragenen Geschlecht entspricht oder die sich nicht-binär verstehen. Im Alltag begegnet dir das Wort vor allem in zwei Verwendungen, die man auseinanderhalten sollte:
- Als Sammelbegriff: „die queere Community“, „eine queere Jugendgruppe“, „queeres Leben auf dem Land“. Gemeint sind dann viele Gruppen zugleich, etwa lesbische, schwule, bisexuelle, pansexuelle und asexuelle Menschen, trans, inter und nicht-binäre Personen und alle, die sich in keinem dieser Wörter wiederfinden.
- Als Selbstbezeichnung: „Ich bin queer.“ Hier beschreibt jemand die eigene Identität, oft ganz bewusst, ohne genauer zu sagen, was das im Einzelnen heißt.
Beides ist korrekt, aber es ist nicht dasselbe. Dass jemand zur queeren Community gezählt wird, bedeutet nicht, dass diese Person sich selbst queer nennt. Eine Frau, die sich seit Jahrzehnten als lesbisch bezeichnet, kann sehr bewusst bei diesem Wort bleiben. Ein bisexueller Mann findet „bi“ vielleicht treffender. Umgekehrt gibt es Menschen, die sich queer nennen und nie ein genaueres Etikett benutzen.
Dazu kommt eine politische Färbung: Für viele steht queer auch für Kritik an der Heteronormativität, also an der selten ausgesprochenen Annahme, dass es genau zwei Geschlechter gibt und Heterosexualität der Maßstab für alles andere ist.
Außerdem steckt das Wort in Zusammensetzungen mit eigener Bedeutung. Eine queerplatonische Beziehung etwa ist eine enge, verbindliche Bindung ohne romantischen Rahmen, ein Begriff aus dem Umfeld von Aromantik und Asexualität. Und wer in der Literaturwissenschaft einen Roman „queert“, liest ihn gezielt darauf hin, welche Vorstellungen von Geschlecht und Begehren er stillschweigend voraussetzt.
Herkunft: Wie aus einem Schimpfwort eine Selbstbezeichnung wurde
Woher das englische Wort ursprünglich stammt, ist nicht abschließend geklärt. Oft wird eine Verwandtschaft mit dem deutschen „quer“ vermutet, der Duden nennt diese Verbindung allerdings nur als Möglichkeit und hält die weitere Herkunft für ungeklärt. Sicher ist die frühe Bedeutung: Seit dem 16. Jahrhundert heißt queer im Englischen so viel wie seltsam, sonderbar oder merkwürdig, zunächst ganz ohne Bezug auf Sexualität.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verschob sich das. Als einer der frühesten Belege für eine Anspielung auf Homosexualität gilt ein Brief des Marquess of Queensberry aus dem Jahr 1894, der in den Gerichtsverfahren um Oscar Wilde verlesen wurde. Im 20. Jahrhundert setzte sich die Bedeutung „homosexuell“ vor allem im amerikanischen Englisch durch; der Duden datiert sie auf die 1920er-Jahre. Im allgemeinen Sprachgebrauch blieb queer damit über Jahrzehnte eine Beschimpfung.
Die Wende kam aus dem Aktivismus. Ende der 1980er-Jahre, mitten in der Aids-Krise, formierten sich in den USA Gruppen, die nicht länger höflich um Akzeptanz bitten wollten. Im März 1990 gründeten Aktivistinnen und Aktivisten aus dem Umfeld der Protestbewegung ACT UP in New York die Gruppe Queer Nation. Bei der New Yorker Pride-Parade im Juni wurde ein anonymes Flugblatt mit dem Titel „Queers Read This“ verteilt, das meist diesem Kreis zugeschrieben wird. Es räumte ein, dass das Wort unbequem sei, sah darin aber eine ironische Waffe, die man den Homophoben aus der Hand nehmen und gegen sie wenden könne. Außerdem sei es, anders als „gay“, nicht auf Männer beschränkt.
Diesen Vorgang nennt man Reclaiming, also Rückaneignung: Eine Gruppe übernimmt die Bezeichnung, mit der sie herabgesetzt wurde, und füllt sie mit Selbstbewusstsein. Das Deutsche kennt dasselbe Muster. Wörter wie „schwul“ oder „Lesbe“ galten lange als abwertend, bevor die Emanzipationsbewegungen der 1970er-Jahre sie zu stolzen Eigenbezeichnungen machten. Sogar eine Farbe hat eine solche Umdeutung erlebt, wie der Beitrag über die Lavender Marriage zeigt.
Nach Deutschland kam queer in den 1990er-Jahren, zuerst in die Szene und in die Wissenschaft. Heute steht es im Duden, und im November 2022 beschloss das Bundeskabinett einen Aktionsplan mit dem Titel „Queer leben“. Seine Geschichte als Beschimpfung gehört vor allem zum englischen Sprachraum; ins Deutsche gelangte das Wort bereits in seiner zurückeroberten, selbstbewussten Bedeutung.
Queer sein: Warum Menschen dieses Wort wählen
Wer sich queer nennt, könnte oft auch ein genaueres Wort benutzen und entscheidet sich trotzdem für das offenere. Häufig genannte Gründe:
- Offen bleiben: Manche erleben ihre Anziehung oder ihr Geschlecht als zu vielschichtig für ein einzelnes Etikett. Queer beschreibt, ohne festzunageln.
- Raum für Veränderung: Wer merkt, dass sich das eigene Empfinden über die Jahre verschiebt, muss bei queer nicht jedes Mal das Wort austauschen.
- Mehrere Ebenen in einem Wort: Eine nicht-binäre Person, die sich zu Frauen hingezogen fühlt, oder eine trans Frau, die bisexuell ist: Queer bündelt Orientierung und Geschlechtsidentität, ohne dass beides einzeln erklärt werden muss.
- Privatsphäre: „Ich bin queer“ ist eine Auskunft ohne Details. Wer mehr wissen möchte, muss nachfragen, und die Person entscheidet, ob sie antwortet.
- Zugehörigkeit und Haltung: Für viele drückt das Wort aus, Teil einer Gemeinschaft zu sein und Normen rund um Geschlecht und Liebe kritisch zu betrachten.
Genauso gibt es nachvollziehbare Gründe, das Wort für sich abzulehnen. Manche verbinden es mit der Erinnerung an Beschimpfungen. Andere haben sich lesbisch oder schwul mühsam erkämpft und möchten diese Wörter nicht in einem Sammelbegriff aufgehen lassen. Manche intergeschlechtliche Menschen befürchten, dass ihre Anliegen, die sich teils deutlich von Fragen der Orientierung unterscheiden, in einem so weiten Begriff weniger sichtbar werden. Und manche lehnen schlicht die politische Färbung ab, die mitschwingt.
Beide Haltungen sind legitim, und für beide gilt: Ein Identitätsbegriff gehört der Person, die ihn für sich verwendet. Zudem wandeln sich diese Wörter mit den Generationen. In den 1950er-Jahren sprachen Teile der Bewegung von „Homophilen“, in den 1970ern setzten sich schwul und lesbisch durch, seit den 1990ern kommt queer hinzu, ohne die älteren Wörter ungültig zu machen.
Queer Theory: Was die Wissenschaft unter queer versteht
Parallel zum Aktivismus wanderte das Wort an die Universitäten. Den Ausdruck Queer Theory prägte die Film- und Kulturtheoretikerin Teresa de Lauretis. Sie wählte ihn im Februar 1990 als Titel einer Arbeitstagung an der University of California in Santa Cruz; die Beiträge erschienen 1991 in einem von ihr herausgegebenen Themenheft der Zeitschrift differences. Ihr Anliegen war zweifach. Lesbische und schwule Sexualitäten sollten nicht länger als Abweichung von der Heterosexualität untersucht werden, sondern aus sich selbst heraus. Und die Unterschiede innerhalb dieser Gruppen, etwa zwischen Frauen und Männern oder entlang von Herkunft und Hautfarbe, sollten sichtbar werden, statt in einem einheitlichen „lesbisch und schwul“ zu verschwinden.
Bemerkenswert ist, was danach geschah: Nur wenige Jahre später ging de Lauretis selbst auf Abstand zu ihrer Wortschöpfung. Der Begriff sei, so ihre Kritik, rasch von genau den etablierten Institutionen vereinnahmt worden, gegen die er sich ursprünglich richten sollte.
Als einer der einflussreichsten Grundtexte gilt ein Buch, das kurz zuvor erschienen war: Gender Trouble von Judith Butler (1990), auf Deutsch 1991 unter dem Titel Das Unbehagen der Geschlechter. Der Text ist anspruchsvoll, seine Kernideen lassen sich aber ohne Fachsprache zusammenfassen:
- Geschlecht entsteht durch Wiederholung. Nach Butler ist Geschlecht nicht einfach etwas, das man besitzt, sondern etwas, das durch unzählige wiederholte Handlungen hervorgebracht wird: Gesten, Kleidung, Sprechweisen, gegenseitige Erwartungen. Butler nennt das performativ. Gemeint ist ausdrücklich kein Kostüm, das man morgens nach Laune auswählt, denn die Wiederholungen folgen Normen, die lange vor uns existierten.
- Auch der Körper ist nicht frei von Deutung. Verbreitet ist die Vorstellung, das biologische Geschlecht sei die feste Grundlage und das soziale Geschlecht liege als Rolle obendrauf. Butler hält diese Trennung für zu einfach: Schon wie eine Gesellschaft Körper einteilt und benennt, ist von kulturellen Vorstellungen geprägt.
- Die heterosexuelle Matrix. Mit diesem Begriff beschreibt Butler die Erwartung, dass Körper, Geschlechtsidentität und Begehren lückenlos zusammenpassen müssen. Ein weiblicher Körper soll demnach eine Frau ergeben, die Männer begehrt, und umgekehrt. Wer aus dieser Kette herausfällt, gilt als Abweichung.
- Drag als Lehrstück. Wenn eine Dragqueen Weiblichkeit überzeichnet darstellt, wird erkennbar, dass auch die vermeintlich natürliche Weiblichkeit auf Nachahmung und Einübung beruht. Ein Original, von dem alles andere nur Kopie wäre, gibt es in dieser Lesart nicht.
Unumstritten war das Buch nie; in Deutschland warfen Kritikerinnen Butler etwa vor, den Körper aus dem Blick zu verlieren. Prägend wurde es trotzdem, weil es zeigte, dass scheinbar natürliche Kategorien eine Geschichte haben und sich verändern können.
Einen gut lesbaren Einstieg bietet Annamarie Jagose. Ihre Einführung Queer Theory von 1996, die auch auf Deutsch erschienen ist, zeichnet nach, wie die Queer Theory aus den Homophilen-Gruppen der Nachkriegszeit, der Schwulenbewegung und dem lesbischen Feminismus hervorging. Jagose betont, dass queer dort ansetzt, wo biologisches Geschlecht, soziales Geschlecht und Begehren nicht so zusammenpassen, wie die Norm es erwartet, und dass sich das Wort einer festen Definition bewusst entzieht. Diese Unschärfe ist kein Versehen, sondern gehört zum Programm.
Im Alltag brauchst du keine dieser Theorien, um das Wort richtig zu benutzen. Sie erklären aber, warum queer so schwer in einen einzigen Satz passt: Es war nie als weitere Schublade gedacht, sondern als Frage an das Schubladensystem selbst.
Queer und LGBTQ: Sammelbegriff und Buchstabe
Die Abkürzungen wirken auf den ersten Blick wie Buchstabensalat, folgen aber einer einfachen Logik: Sie zählen Gruppen auf. Im Deutschen liest man häufig LSBTIQ*, im Englischen LGBTQ oder die längere Form LGBTQIA+. Die Buchstaben stehen für:
- L: lesbisch
- S beziehungsweise G: schwul, englisch gay
- B: bisexuell
- T: trans
- I: intergeschlechtlich
- Q: queer, im Englischen manchmal auch questioning, also Menschen, die ihre Orientierung oder Identität noch für sich klären
- A: meist asexuell und aromantisch
- Sternchen oder Plus: Platzhalter für alle, die in den Buchstaben nicht eigens auftauchen
Queer steckt also selbst als Buchstabe in der Reihe und dient zugleich oft als Kurzform für die ganze Reihe. Der Unterschied liegt in der Herangehensweise: Die Abkürzung benennt Gruppen einzeln und macht sie so sichtbar. Queer verzichtet auf die Aufzählung und fasst unter einem Wort zusammen, was von der Norm abweicht. Manche Organisationen bevorzugen deshalb die Abkürzung, damit niemand in einem Oberbegriff untergeht, andere das kürzere queer, das nicht ständig verlängert werden muss.
Wichtig für den Alltag: Queer ist nicht automatisch gleichbedeutend mit schwul, lesbisch oder trans. Wer sich queer nennt, kann eines davon sein, mehreres davon oder nichts davon. Auch Menschen, die sich etwa als demisexuell beschreiben, verstehen sich teils als queer und teils nicht. Rückschlüsse auf das Liebesleben, die Beziehungsform oder den Körper einer Person erlaubt das Wort jedenfalls nicht.
Queer, cis und nicht-binär: zwei Ebenen, ein Oberbegriff
Viele Missverständnisse entstehen, weil zwei Ebenen vermischt werden. Die eine ist die Geschlechtsidentität, also das innere Wissen darum, welches Geschlecht man hat. Die andere ist die Orientierung, also die Richtung von Anziehung und Verliebtheit. Queer kann auf beiden Ebenen gemeint sein, und genau das macht den Begriff so weit.
Cis stammt vom lateinischen cis für „diesseits“ und beschreibt Menschen, deren Geschlechtsidentität mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Das Gegenstück ist trans, lateinisch für „jenseits“. Im Deutschen prägte der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch 1991 den Ausdruck zissexuell; das englische cisgender verbreitete sich ab Mitte der 1990er-Jahre. Cis sagt etwas über das Geschlecht aus, nichts über die Orientierung. Deshalb schließen sich cis und queer nicht aus: Eine cis Frau, die Frauen liebt, oder ein bisexueller cis Mann können sich ohne Widerspruch queer nennen.
Nicht-binär, oft auch nonbinär geschrieben, bezeichnet eine Geschlechtsidentität jenseits der Einteilung in ausschließlich Mann oder Frau. Viele nicht-binäre Menschen zählen sich zur queeren Community, einige nennen sich auch genderqueer. Austauschbar sind die Wörter trotzdem nicht: Nicht-binär ist eine konkrete Aussage über das eigene Geschlecht, queer ein Oberbegriff, der sehr viel mehr umfasst. Was nicht-binär im Einzelnen bedeutet und wie es um Pronomen steht, erklärt der Artikel über nonbinäre Identität.
Bei Orientierungen ist es ähnlich: Pansexuell oder bisexuell sagt genauer, worum es geht, queer bleibt allgemeiner, und beides kann zugleich stimmen.
Respektvoll über queere Menschen sprechen
Respektvoller Sprachgebrauch verlangt kein Fachwissen, sondern Aufmerksamkeit. Ein paar Grundsätze tragen weit:
- Die Selbstbezeichnung übernehmen. Nennt sich jemand queer, ist queer das passende Wort. Nennt sich jemand lesbisch, schwul oder bi, dann eben das, auch wenn dir queer moderner vorkommt.
- Nicht von außen zuschreiben. „Die ist doch bestimmt queer“ ist eine Vermutung über einen anderen Menschen, keine Beschreibung. Ob und wie sich jemand einordnet, entscheidet allein diese Person, und ob sie es anderen erzählt, ebenso.
- Lieber als Eigenschaft. Als Adjektiv klingt das Wort meist am selbstverständlichsten: „queere Menschen“, „eine queere Kollegin“. Substantivierungen wie „die Queeren“ wirken dagegen schnell, als spräche man über eine fremde Gruppe.
- Auf den Ton achten. Dasselbe Wort kann stolz oder verächtlich klingen. Wer es spöttisch einsetzt, holt genau die alte Bedeutung zurück, die so mühsam überwunden wurde.
- Nachfragen ist erlaubt, aber nicht immer nötig. Wenn ein Begriff im Gespräch wichtig wird und du unsicher bist, frag ruhig, welches Wort für die Person passt. Fragen nach Körper oder Sexleben gehören dagegen nicht in ein gewöhnliches Gespräch.
Erzählt dir jemand, queer zu sein, ist das ein Moment des Vertrauens und kein Anlass für ein Verhör. Wie man darauf gut reagiert und was Menschen bei ihrem eigenen Coming-out bedenken können, beschreibt ein eigener Beitrag.
Auch beim Kennenlernen begegnet dir das Wort, etwa in Profiltexten. Dort signalisiert es meist Offenheit und nicht eine bestimmte Vorliebe; was im Einzelfall gemeint ist, klärt am besten ein Gespräch. Praktische Hinweise rund ums queere Daten findest du im Artikel zu LGBTQ-Dating in Deutschland.
Häufige Fragen
Was ist queer und nicht binär?
Nicht-binär beschreibt eine Geschlechtsidentität jenseits von ausschließlich Mann oder Frau. Queer ist ein Oberbegriff für alle, die nicht heterosexuell oder nicht cis sind. Nicht-binäre Menschen werden deshalb meist zur queeren Community gezählt, ob sie sich selbst queer nennen, entscheiden sie aber selbst.
Sind LGBTQ und queer das Gleiche?
Nicht ganz. LGBTQ ist eine Abkürzung, die einzelne Gruppen aufzählt, und queer ist darin einer der Buchstaben. Im Alltag werden beide oft gleichbedeutend verwendet, wenn die gesamte Community gemeint ist. Der Unterschied: Die Abkürzung nennt Gruppen einzeln beim Namen, queer fasst sie unter einem offenen Wort zusammen.
Was ist queer und cis?
Cis heißt, dass die Geschlechtsidentität zum bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht passt. Queer kann sich dagegen auch auf die Orientierung beziehen. Darum kann jemand cis und queer zugleich sein, zum Beispiel eine bisexuelle cis Frau. Cis ist also nicht das Gegenteil von queer, sondern das Gegenstück zu trans.
Ist queer ein Schimpfwort?
Heute in aller Regel nicht mehr. Im Englischen war queer lange eine Beleidigung, bis Aktivistinnen und Aktivisten das Wort um 1990 bewusst für sich übernahmen. Inzwischen ist es eine verbreitete Selbstbezeichnung. Entscheidend bleiben Ton und Absicht: Spöttisch gebraucht kann es weiterhin verletzen, und manche lehnen es wegen seiner Geschichte für sich ab.
Ist queer dasselbe wie schwul?
Nein. Schwul beschreibt Männer, die sich zu Männern hingezogen fühlen. Queer ist deutlich weiter und umfasst viele Orientierungen und Geschlechtsidentitäten. Ein schwuler Mann kann sich queer nennen, muss es aber nicht, und längst nicht jede queere Person ist schwul.
Was heißt queer auf Deutsch?
Eine genaue Übersetzung gibt es nicht. Das englische Wort bedeutete ursprünglich etwa seltsam oder sonderbar, doch diese Bedeutung schwingt im heutigen Gebrauch nicht mehr mit. Im Deutschen wird queer unübersetzt aus dem Englischen übernommen und bezeichnet Menschen, die nicht heterosexuell oder nicht cisgeschlechtlich sind, sowie die Gemeinschaft, zu der sie gehören.
Fazit: Ein offenes Wort mit langer Geschichte
Queer ist zweierlei: ein Sammelbegriff für Menschen, die nicht heterosexuell oder nicht cis sind, und eine persönliche Selbstbezeichnung, die absichtlich Spielraum lässt. Seine Geschichte führt von einem englischen Wort für Sonderbares über eine jahrzehntelange Beschimpfung zur selbstbewussten Rückeroberung um 1990 und von dort in Hörsäle, Wörterbücher und Regierungsprogramme.
Für den Alltag genügt ein einfacher Kompass: das Wort verwenden, das jemand für sich gewählt hat, nicht über andere spekulieren und Fragen stellen, wenn sie dem Gespräch dienen und nicht bloß der Neugier. Ob du dich selbst queer nennst, ein genaueres Wort bevorzugst oder gar keines: Diese Entscheidung liegt bei dir, und sie darf sich mit der Zeit ändern.











