Einstein Zitate begegnen dir auf Kaffeetassen, in Motivationsposts und unter Bewerbungsratgebern. Das Problem: Ein großer Teil davon stammt gar nicht von Albert Einstein. Sein Name verleiht jedem Satz den Glanz des Genies, und deshalb wandern kluge, witzige oder rätselhafte Sprüche gern zu ihm, ganz gleich, wer sie zuerst formuliert hat. Dieser Artikel trennt sauber: Hier findest du Zitate von Einstein mit Fundstelle, also mit Brief, Buch, Rede oder Interview samt Jahr, geordnet nach Themen. Daneben steht jeweils, ob du den deutschen Originalwortlaut liest oder eine Rückübersetzung aus dem Englischen. Und am Ende erfährst du, welche berühmten Sätze Einstein so nie gesagt hat.
Einstein Zitate: Warum so viele davon falsch sind
Einstein schrieb und sprach hauptsächlich Deutsch. Seine Briefe, Aufsätze und die Sammlung Mein Weltbild (Querido Verlag, Amsterdam 1934) liegen im Original vor. Nach seiner Emigration 1933 erschienen viele Äußerungen aber zuerst auf Englisch, etwa in amerikanischen Zeitungen und Magazinen. Wer solche Sätze heute auf Deutsch liest, bekommt eine Übersetzung einer Übersetzung, manchmal mit erheblichen Verschiebungen.
Dazu kommt eine dritte Gruppe: Sätze, die ihm nachträglich in den Mund gelegt wurden. Alice Calaprice trennt in The Ultimate Quotable Einstein (Princeton University Press, 2011) belegte Zitate mit Quelle von solchen, die Einstein nur zugeschrieben oder fälschlich zugeschrieben werden. Daran orientieren wir uns, ergänzt um die Belege auf Wikiquote und die Recherchen von Quote Investigator.
Für dich heißt das: Jedes Zitat unten trägt einen von drei Vermerken.
- Original deutsch: Der Wortlaut stammt so von Einstein selbst.
- Rückübersetzung: Das Original ist englisch erschienen, die deutsche Fassung ist unsere eigene, möglichst wörtliche Übertragung.
- Zugeschrieben oder nicht belegt: Es gibt keine verlässliche Fundstelle bei Einstein.
Übrigens: Einstein starb am 18. April 1955. Nach deutschem Recht endet der Urheberschutz 70 Jahre nach Ablauf des Todesjahres, seine Texte sind also seit dem 1. Januar 2026 gemeinfrei. Deshalb können wir hier deutsche Originale im Wortlaut zitieren.
Einstein Zitate über Fantasie und Neugier
Kaum ein Thema verbindet man so stark mit Einstein wie die Lust am Fragen. Dazu gibt es tatsächlich viele echte Belege, allerdings selten in der knappen Form, in der sie heute kursieren.
- „Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.“ – Original deutsch, Brief an seinen späteren Biografen Carl Seelig vom 11. März 1952. Seelig hatte gefragt, ob Einstein seine Begabung von Vater oder Mutter geerbt habe.
- „Der Urquell aller technischen Errungenschaften ist die göttliche Neugier und der Spieltrieb des bastelnden und grübelnden Forschers und nicht minder die konstruktive Phantasie des technischen Erfinders.“ – Original deutsch, Rede zur Eröffnung der Funkausstellung in Berlin am 22. August 1930.
- „Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht.“ – Original deutsch, Essay „Wie ich die Welt sehe“, abgedruckt in Mein Weltbild (1934). Im selben Absatz heißt es, wer nicht mehr staunen könne, sei „sozusagen tot und sein Auge erloschen“.
- „Ich bin Künstler genug, um frei aus meiner Fantasie zu schöpfen. Fantasie ist wichtiger als Wissen. Wissen ist begrenzt. Fantasie umspannt die Welt.“ – Rückübersetzung. So steht es englisch im Interview mit George Sylvester Viereck, das die Saturday Evening Post am 26. Oktober 1929 druckte.
- „Das Wichtige ist, nicht aufzuhören zu fragen. Die Neugier hat ihren eigenen Grund, da zu sein.“ – Rückübersetzung. Einstein sagte das dem Redakteur William Miller, das Magazin LIFE veröffentlichte es am 2. Mai 1955, gut zwei Wochen nach seinem Tod. Im selben Gespräch fällt die Mahnung, nie die „heilige Neugier“ zu verlieren.
Der Fantasie-Satz steht im Interview mitten in einem Gedankengang über wissenschaftliche Arbeit, nicht als Lebensmotto. Einstein meinte die Vorstellungskraft als Werkzeug der Forschung, nicht als Aufruf zum Tagträumen.
Einstein Zitate über das Leben
Viele Einstein Zitate zum Leben, die als Bild geteilt werden, sind unbelegt. Die echten Stellen sind leiser und oft persönlich.
- „Wie merkwürdig ist die Situation von uns Erdenkindern. Für einen kurzen Besuch ist jeder da. Er weiß nicht wofür, aber manchmal glaubt er, es zu fühlen.“ – Original deutsch, „Wie ich die Welt sehe“, Mein Weltbild (1934). Spätere Ausgaben und Übersetzungen weichen im Wortlaut teils ab, wir zitieren die Erstausgabe.
- „Man ist da für die anderen Menschen.“ – Original deutsch, gleiche Stelle. Einstein fährt fort, er denke täglich daran, wie sehr sein Leben auf der Arbeit lebender und verstorbener Menschen beruhe.
- „Meine Ideale, die mir voranleuchteten und mich mit frohem Lebensmut immer wieder erfüllten, waren Güte, Schönheit und Wahrheit.“ – Original deutsch, ebenda.
- „Wer sein eigenes Leben und das seiner Mitmenschen als sinnlos empfindet, der ist nicht nur unglücklich, sondern auch kaum lebensfähig.“ – Original deutsch, „Vom Sinn des Lebens“, Mein Weltbild (1934).
- „Denn beim Menschen ist es wie beim Velo. Nur wenn er fährt, kann er bequem die Balance halten.“ – Original deutsch, Brief an seinen Sohn Eduard vom 5. Februar 1930. „Velo“ ist das schweizerische Wort für Fahrrad.
- „Ein glücklicher Mensch ist zu zufrieden mit der Gegenwart, um sich viele Gedanken über die Zukunft zu machen.“ – Übersetzung aus dem Französischen. Einstein schrieb den Satz mit 17 Jahren in einem französischen Schulaufsatz über seine Zukunftspläne, datiert auf den 18. September 1896.
- „Nur ein Leben, das für andere gelebt wird, ist lebenswert.“ – Rückübersetzung. Seine Antwort auf eine Frage der Zeitschrift Youth zitierte die New York Times am 20. Juni 1932 auf Englisch.
Am Fahrrad-Zitat siehst du, wie ein echter Satz poliert wird. Im Netz liest du meist: „Das Leben ist wie Fahrradfahren. Um die Balance zu halten, musst du in Bewegung bleiben.“ Das ist die geglättete englische Fassung, zurück ins Deutsche gebracht. Einstein sprach im Brief an seinen Sohn vom Menschen, nicht vom Leben. Wer den Gedanken weiterspinnen möchte, findet verwandte Stimmen unter den Lebensweisheiten und in unseren Sprüchen zum Nachdenken.
Auch über Erfolg hat sich Einstein geäußert. Sein Rat, lieber ein Mensch von Wert als ein Mensch des Erfolgs zu werden, stammt aus demselben LIFE-Gespräch von 1955. Wir haben ihn bei den Erfolgssprüchen eingeordnet.
Albert Einstein Zitate über Wissenschaft und Denken
Hier ist die Quellenlage am besten, weil Einsteins Briefe an Kollegen ediert vorliegen.
- „Raffiniert ist der Herrgott, aber boshaft ist er nicht.“ – Original deutsch, Bemerkung in Princeton im Mai 1921. Anlass waren Messungen, die angeblich seiner speziellen Relativitätstheorie widersprachen. Der Satz wurde später über einem Kamin im Mathematikgebäude der Universität eingemeißelt.
- „Autoritätsdusel ist der größte Feind der Wahrheit.“ – Original deutsch, Brief an Jost Winteler, seinen ehemaligen Gastvater aus der Aarauer Schulzeit, vom 8. Juli 1901.
- „Es ist die wichtigste Kunst des Lehrers, die Freude am Schaffen und am Erkennen zu erwecken.“ – Original deutsch, aus der Ansprache „Lehrer und Schüler“, abgedruckt in Mein Weltbild.
- „Wenige sind imstande, von den Vorurteilen der Umgebung abweichende Meinungen gelassen auszusprechen; die Meisten sind sogar unfähig, überhaupt zu solchen Meinungen zu gelangen.“ – Original deutsch, aus den „Neun Aphorismen“, die Einstein für die Festschrift zum 80. Geburtstag des Rabbiners Leo Baeck beisteuerte (London 1954).
- „Es ist bequem mit dem Einstein. Jedes Jahr widerruft er, was er das vorige Jahr geschrieben hat.“ – Original deutsch, Brief an den Physiker Paul Ehrenfest vom 26. Dezember 1915, also kurz nach Abschluss der allgemeinen Relativitätstheorie.
Einstein und Gott: Zitate über Religion
Gläubige wie Atheisten berufen sich gern auf Einstein, oft mit herausgelösten Halbsätzen. Die belegten Stellen ergeben ein differenzierteres Bild.
- „Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns kaum näher. Jedenfalls bin ich überzeugt, daß der nicht würfelt.“ – Original deutsch, Brief an Max Born vom 4. Dezember 1926. Gemeint ist die Quantenmechanik, „der Alte“ ist Einsteins scherzhafter Name für Gott. Daraus wurde das geflügelte Wort „Gott würfelt nicht“.
- „Ich glaube an Spinozas Gott, der sich in der Harmonie des Seienden offenbart, nicht an einen Gott, der sich mit Schicksalen und Handlungen der Menschen abgibt.“ – Original deutsch, Antworttelegramm vom 24. April 1929 an den New Yorker Rabbiner Herbert S. Goldstein, der knapp gefragt hatte, ob Einstein an Gott glaube. Hier in normaler Schreibung statt im Telegrammstil.
- „Einen Gott, der die Objekte seines Schaffens belohnt und bestraft, der überhaupt einen Willen hat nach Art desjenigen, den wir an uns selbst erleben, kann ich mir nicht einbilden.“ – Original deutsch, „Wie ich die Welt sehe“, Mein Weltbild (1934).
- „In diesem Sinne und nur in diesem gehöre ich zu den tief religiösen Menschen.“ – Original deutsch, gleiche Stelle. Gemeint ist das Staunen über die Ordnung der Natur und das, was sich unserem Verstand entzieht.
- „Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen.“ – Original deutsch, Brief an den Philosophen Eric Gutkind vom 3. Januar 1954.
- „Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“ – Rückübersetzung. Der Satz stammt aus Einsteins englischem Beitrag zu einer Konferenz über Wissenschaft, Philosophie und Religion in New York, gedruckt 1941.
Einstein lehnte also einen persönlichen Gott ab, der in das Leben einzelner Menschen eingreift, beschrieb sich aber zugleich als religiös im Sinne eines tiefen Staunens. Einem Briefschreiber, der 1954 von Einsteins angeblicher Frömmigkeit gelesen hatte, antwortete er sinngemäß, das sei eine systematisch wiederholte Unwahrheit; wenn es in ihm etwas Religiöses gebe, dann die grenzenlose Bewunderung für den Bau der Welt. Wer nur eine Hälfte dieser Aussagen zitiert, macht ihn zum Kronzeugen einer Position, die er so nicht vertreten hat.
Zitate von Einstein über Frieden, Krieg und Freiheit
Einstein war lange überzeugter Kriegsgegner. Seine schärfsten Sätze stehen im Essay „Wie ich die Welt sehe“.
- „Mein politisches Ideal ist das demokratische. Jeder soll als Person respektiert und keiner vergöttert sein.“ – Original deutsch, Mein Weltbild (1934). Er ergänzt, es sei eine Ironie des Schicksals, dass ihm selbst so viel Verehrung entgegengebracht werde.
- „Wenn einer mit Vergnügen in Reih und Glied zu einer Musik marschieren kann, dann verachte ich ihn schon; er hat sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde.“ – Original deutsch, ebenda.
- „Heldentum auf Kommando, sinnlose Gewalttat und die leidige Vaterländerei, wie glühend hasse ich sie, wie gemein und verächtlich erscheint mir der Krieg.“ – Original deutsch, ebenda.
- „Ich weiß nicht, mit welchen Waffen der Dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im Vierten wird man mit Stöcken und Steinen kämpfen.“ – Rückübersetzung, überliefert aus einem Interview mit Alfred Werner in der Zeitschrift Liberal Judaism (April/Mai 1949). Ähnliche Wendungen kursierten schon 1948, Einstein hat also womöglich einen bekannten Gedanken aufgegriffen.
Der Essay entstand um 1930. Ab 1933 rückte Einstein angesichts des nationalsozialistischen Deutschlands von einem strikten Pazifismus ab. Die Sätze zeigen also eine Haltung, nicht seine Position zu jeder Zeit.
Einsteins Humor: belegte Zitate zum Schmunzeln
Diese lustigen Zitate sind echt und zeigen einen trockenen, manchmal derben Witz.
- „Was ich zu Bachs Lebenswerk zu sagen habe: Hören, spielen, lieben, verehren und – das Maul halten!“ – Original deutsch, Antwort auf eine Umfrage der Zeitschrift Reclams Universum, 1928.
- „Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.“ – Original deutsch, „Neun Aphorismen“ (1954).
- „Ich habe schon wieder was verbrochen in der Gravitationstheorie, was mich ein wenig in Gefahr setzt, in einem Tollhaus interniert zu werden.“ – Original deutsch, Brief an Paul Ehrenfest vom 4. Februar 1917.
- Seine „Anwendung des Relativitätsprinzips zum Ergötzen des Lesers“: In Deutschland heiße er „deutscher Gelehrter“, in England „Schweizer Jude“. Falle er einmal in Ungnade, werde es genau umgekehrt sein. – Original deutsch, Zusatz zu seinem Artikel für die Londoner Times, November 1919; hier gekürzt wiedergegeben.
- „Liebe Nachwelt! Wenn Ihr nicht gerechter, friedlicher und überhaupt vernünftiger sein werdet, als wir sind bzw. gewesen sind, so soll euch der Teufel holen.“ – Original deutsch, abgedruckt in Helen Dukas und Banesh Hoffmann, Albert Einstein: The Human Side (1979).
Auch zur Liebe gibt es eine überlieferte Pointe: 1933 kritzelte er sinngemäß an den Rand eines Briefes, Verliebtsein gehöre keineswegs zu den größten Dummheiten der Menschheit, nur sei daran eben nicht die Gravitation schuld. Mehr zu echten und falschen Liebeszitaten findest du bei den Zitaten über die Liebe. Wer generell Witz mit sauberer Herkunft sucht, wird bei unseren lustigen Sprüchen im Abschnitt mit geprüften Zitaten fündig.
Diese Sätze hat Einstein so nie gesagt
Für keinen der folgenden Klassiker gibt es eine Fundstelle bei Einstein.
Die Definition von Wahnsinn
„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“ Das ist wohl das bekannteste Einstein Zitat über Wahnsinn, und es ist nicht von ihm. Der Gedanke taucht Anfang der 1980er-Jahre im Umfeld von Selbsthilfegruppen wie Al-Anon und Narcotics Anonymous auf. Mit Einsteins Namen verbunden wurde er nach Quote Investigator erst um 1990. Calaprice führt ihn ausdrücklich unter den falschen Zuschreibungen.
Zwei Dinge sind unendlich
„Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit, aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ Die früheste bekannte Spur führt zum Psychotherapeuten Fritz Perls. In einem Buch von 1969 behauptet er, Einstein habe ihm den ersten Teil persönlich gesagt. Unabhängig bestätigt ist das nicht, in einer anderen Fassung spricht Perls nur von einem großen Astronomen. Der Nachsatz über das Universum ist noch jünger und taucht erst Ende der 1970er-Jahre auf.
Der Fisch, der auf Bäume klettern soll
„Jeder ist ein Genie. Aber wenn du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, dass er dumm ist.“ Die Grundidee ist eine Tierfabel über Schule und Begabung, die um 1898/99 in einer amerikanischen Fachzeitschrift für Erziehung erschien. Einsteins Name taucht nach Quote Investigator erst 2004 in einem Selbsthilfebuch auf. Belege aus seiner Hand gibt es keine.
Weitere Fälschungen und Fehlzuschreibungen
- „Es gibt nur zwei Arten zu leben: als wäre nichts ein Wunder oder als wäre alles eines.“ Erste Spur ist ein Tagebuch aus den 1940er-Jahren, dessen Verfasser nicht angibt, woher er den Satz hat.
- „Nicht alles, was zählt, kann gezählt werden.“ Geht auf den Soziologen William Bruce Cameron zurück, Buch von 1963.
- „Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ Keinerlei Beleg bei Einstein.
- „Welch triste Epoche, in der es leichter ist, ein Atom zu zertrümmern als ein Vorurteil.“ Nicht nachgewiesen.
- „Wenn du es einem Sechsjährigen nicht erklären kannst, hast du es nicht verstanden.“ Unbelegt; ähnliche Sätze werden auch anderen Physikern zugeschrieben.
- „Inmitten der Schwierigkeit liegt die Möglichkeit.“ Stammt aus einem Interview mit dem Physiker John Archibald Wheeler von 1979, der damit Einsteins Arbeitsweise beschrieb, ohne zu sagen, Einstein habe es so formuliert.
- Der „Brief an Lieserl“ über die Liebe als universelle Kraft. Ein Internet-Text, der weder im Einstein-Archiv noch in den edierten Schriften vorkommt. Die Leitung des Einstein Papers Project hat ihn als nicht von Einstein stammend bezeichnet.
Ähnliche Muster findest du bei englischsprachigen Klassikern von Oscar Wilde bis Mark Twain, gesammelt im Abschnitt „Falsch zugeschrieben“ unserer englischen Sprüche.
Echt, aber zugespitzt: Wenn aus Einstein ein Kalenderspruch wird
Dazwischen liegt eine Grauzone: Sätze mit wahrem Kern, die gekürzt, geglättet oder aus dem Zusammenhang gelöst wurden.
- „So einfach wie möglich, aber nicht einfacher.“ Eine Verdichtung. In seiner Herbert-Spencer-Vorlesung in Oxford am 10. Juni 1933 sprach Einstein sinngemäß davon, die Grundelemente einer Theorie so einfach und so wenige wie möglich zu halten, ohne die Erfahrung unzureichend abzubilden. Die knappe Form ist später entstanden.
- „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Vermutlich eine freie Weiterentwicklung eines Telegramms vom Mai 1946. Darin warnte Einstein, die entfesselte Kraft des Atoms habe alles verändert außer unserer Art zu denken.
- „Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn man alles vergessen hat, was man in der Schule gelernt hat.“ Einstein hat den Satz 1936 in einer Rede über Erziehung tatsächlich verwendet, ihn aber ausdrücklich einem ungenannten witzigen Kopf zugeschrieben. Er zitiert also selbst.
- Relativität mit heißem Ofen und nettem Gegenüber. Eine Laienerklärung, die laut Überlieferung seine Sekretärin Helen Dukas Reportern weitergab. Einen festen Wortlaut von Einstein gibt es nicht.
- „Gott würfelt nicht.“ Der Gedanke ist echt und kehrt bei Einstein in mehreren Varianten wieder, etwa 1942 in einem Brief an Cornelius Lanczos. Die knappe Formel ist aber eine Verdichtung, deren bekanntester Beleg die Born-Briefstelle von 1926 ist.
Ein Sonderfall ist das Zitat im Zitat. In „Wie ich die Welt sehe“ zitiert Einstein Arthur Schopenhauer: Ein Mensch könne zwar tun, was er will, aber nicht wollen, was er will. Im Netz steht dieser Satz heute nicht selten unter Einsteins Namen, obwohl er ihn klar als fremden Gedanken kennzeichnet.
So prüfst du ein Einstein-Zitat selbst
Bevor du ein Zitat auf eine Karte schreibst oder als Status teilst, lohnt sich ein kurzer Check.
- Fundstelle suchen: Steht unter dem Satz ein Brief, ein Buch, eine Rede oder ein Interview mit Jahr? Ein bloßer Name reicht nicht.
- Sprache prüfen: Klingt die deutsche Fassung sehr glatt und modern, ist sie oft aus dem Englischen zurückübersetzt. Echte Einstein-Sätze haben häufig alte Rechtschreibung und längere Satzbögen.
- Tonfall abgleichen: Sätze im Coaching-Ton sind bei Einstein verdächtig.
- Nachschlagen: Wikiquote führt eigene Abschnitte für belegte und zweifelhafte Einstein-Zitate, Quote Investigator verfolgt viele Fälle bis zur ältesten Spur.
- Im Zweifel ehrlich kennzeichnen: „Einstein zugeschrieben“ ist eine faire Lösung, wenn dir der Satz gefällt, die Herkunft aber unklar bleibt.
Gerade bei einem Mann, der „Autoritätsdusel“ für den größten Feind der Wahrheit hielt, wäre es schade, ihn mit fremden Federn zu schmücken. Suchst du eher Mutmacher für den Alltag, sind die motivierenden Sprüche eine gute Anlaufstelle.
Häufige Fragen
Wie lautet das berühmte Zitat von Albert Einstein?
Meist ist „Gott würfelt nicht“ gemeint. Im Original schrieb Einstein am 4. Dezember 1926 an Max Born, er sei überzeugt, dass „der Alte“ nicht würfle, und meinte damit seine Zweifel an der Quantenmechanik. Ebenfalls sehr bekannt ist „Fantasie ist wichtiger als Wissen“ aus einem Interview von 1929.
Was sagte Einstein zu Gott?
Einstein glaubte nicht an einen persönlichen Gott, der Menschen belohnt oder straft, und sagte das mehrfach deutlich. 1929 telegrafierte er, er glaube an Spinozas Gott, der sich in der Harmonie des Seienden zeige. Zugleich nannte er sich in einem bestimmten Sinn religiös: als jemand, der über die Ordnung der Natur staunt.
Was ist das berühmteste Zitat?
Bei Einstein ist das berühmteste Ergebnis eigentlich eine Formel, kein Satz: die Äquivalenz von Masse und Energie aus dem Jahr 1905. Unter seinen Worten zählen „Gott würfelt nicht“ und der Satz über Fantasie und Wissen zu den meistzitierten. Beide sind echt, liegen aber nur verkürzt oder rückübersetzt im Umlauf.
Hat Einstein gesagt, Wahnsinn sei, immer wieder das Gleiche zu tun?
Nein. Für diesen Satz gibt es keinen Beleg bei Einstein. Er taucht Anfang der 1980er-Jahre in Selbsthilfegruppen auf und wurde erst um 1990 mit Einstein verknüpft. In Calaprices Standardsammlung steht er unter den falschen Zuschreibungen.
Was hat Einstein über Fantasie gesagt?
Im Interview mit George Sylvester Viereck, erschienen am 26. Oktober 1929 in der Saturday Evening Post, sagte Einstein auf Englisch, Fantasie sei wichtiger als Wissen, weil Wissen begrenzt sei. Auf Deutsch kennen wir den Satz nur als Rückübersetzung. Gemeint war die Vorstellungskraft als Motor der Forschung.
Darf ich Einstein-Zitate frei verwenden?
Ja, für Einsteins eigene Texte gilt das seit dem 1. Januar 2026, weil der Urheberschutz 70 Jahre nach seinem Todesjahr 1955 abgelaufen ist. Vorsicht bei fremden Übersetzungen: Die können eigenständig geschützt sein. Und bei Fake-Zitaten ist das Problem ohnehin nicht das Recht, sondern die falsche Herkunft.
Fazit: Die echten Einstein Zitate sind die besseren
Wer sich auf belegte Einstein Zitate beschränkt, verliert nichts, im Gegenteil. Die Originale sind kantiger, witziger und oft berührender als die geglätteten Netzsprüche: der Sohn, dem er das Velo als Bild fürs Gleichgewicht schenkt, der Physiker, der über seine eigenen Widerrufe spottet, der Mann, der das Geheimnisvolle für das Schönste hält. Prüfe beim nächsten Zitat kurz die Fundstelle und kennzeichne Unsicheres ehrlich.











