Eine Trauerkarte schreiben fällt fast allen schwer: Die Karte liegt aufgeklappt auf dem Tisch, der Stift ist bereit, und im Kopf herrscht Stille. Dabei erwartet niemand ein kleines Kunstwerk. Im Gedächtnis bleiben meist die Karten, in denen jemand spürbar an die Familie und an den verstorbenen Menschen gedacht hat. In dieser Anleitung gehst du die Karte Schritt für Schritt durch: von der passenden Anrede über den ersten Satz und die Erinnerung bis zum Gruß. Dazu kommen Umschlag, Zeitpunkt, Geld oder Spende und mehr als ein Dutzend vollständig ausformulierte Musterkarten für typische Situationen.
Einzelne Formeln und kurze Sätze für das Kondolieren findest du gesammelt in unseren Beileid-Sprüchen, Verse und Zitate für Karte und Anzeige in den Trauersprüchen. Hier geht es um die Karte als Ganzes: darum, wie aus einzelnen Sätzen ein Text wird, der nach dir klingt und zu den Menschen passt, die ihn lesen.
Bevor du anfängst: vier Dinge, die du klären solltest
Viele Schreibblockaden entstehen, weil zu viele Fragen gleichzeitig im Raum stehen. Kläre ein paar davon vorher.
- An wen genau schreibst du? Die Karte richtet sich an die Lebenden, nicht an den verstorbenen Menschen. Wer öffnet sie: die Witwe, der erwachsene Sohn, die ganze Familie?
- Wie nah stehst du ihnen? Einer engen Freundin schreibst du anders als dem Nachbarn aus dem dritten Stock. Je näher ihr euch seid, desto persönlicher und länger darf der Text sein.
- Was weißt du schon? Lies die Traueranzeige genau. Dort stehen meist der vollständige Name, oft auch der Rufname, die Namen der engsten Angehörigen, die Traueranschrift und manchmal Wünsche der Familie, etwa eine Spende statt Blumen.
- Was möchtest du anbieten? Entscheide vorher, ob und welche Hilfe du wirklich leisten kannst.
Schreib den Text zuerst auf einen Zettel oder ins Handy und übertrage ihn erst dann in die Karte. So bleibt die Karte frei von Korrekturen.
Trauerkarte schreiben in 6 Schritten
Ob du sie Trauerkarte, Beileidskarte oder Kondolenzkarte nennst: Eine feste Gliederung braucht sie nicht, eine Reihenfolge zum Entlanghangeln aber hilft. Die sechs Schritte ergeben zusammen meist fünf bis zehn Sätze – genug für die Innenseite einer Klappkarte.
1. Die Anrede
Sprich die Menschen so an, wie du es auch sonst tust. Wer sich duzt, bleibt beim Du, wer sich siezt, beim Sie. Ein plötzlicher Wechsel ins Förmliche wirkt in einer Trauerkarte eher fremd als respektvoll. Details dazu folgen im nächsten Abschnitt.
2. Der erste Satz: den Verlust beim Namen nennen
Der Einstieg muss nicht originell sein. Er soll zeigen, dass du Bescheid weißt und berührt bist. Nenne den verstorbenen Menschen dabei mit Namen, so wie die Familie ihn genannt hat: „Opa Heinz“, „deine Mama“, „Ihr Mann Rolf“. Das Wort Tod darfst du schreiben. Benutzt die Familie in der Anzeige eine sanftere Wendung wie „eingeschlafen“ oder „von uns gegangen“, kannst du dich daran orientieren.
3. Die Erinnerung: das Herz der Karte
Dieser Teil macht aus einer höflichen Karte eine, die tröstet. Oft reicht ein einziges Bild. Wenn dir nichts einfällt, helfen diese Fragen:
- Wann hast du den Menschen zuletzt gesehen, und wie war er da?
- Gab es einen Satz, eine Angewohnheit oder ein Gericht, das zu ihm gehörte?
- Was hast du von ihr gelernt oder ihr zu verdanken?
- Was werden andere an ihm vermissen – im Verein, in der Straße, in der Firma?
Die amerikanische Etikette-Autorin Emily Post hat 1922 ein schönes Bild dafür gefunden: Jede Karte bringe sinngemäß nur einen einzelnen Zweig mit, aber viele solcher Zweige könnten bei den Hinterbliebenen zu einem ganzen Erinnerungsgarten werden. Deine kleine Begebenheit steht also nicht allein, sondern neben vielen anderen. Wer bei der Trauerfeier selbst sprechen wird, kann sich für die Karte bewusst eine andere Erinnerung aufheben als für die Trauerrede.
4. Ein Wort an die Hinterbliebenen
Nach der Erinnerung wendest du dich wieder den Lesenden zu. Du kannst würdigen, was sie getragen haben, etwa die Pflege in den letzten Monaten, oder ihnen etwas wünschen: Kraft, Ruhe, Menschen an ihrer Seite. Ratschläge, wie man richtig trauert, gehören nicht in die Karte.
5. Das Angebot, wenn es ehrlich ist
Ein Hilfsangebot ist kein Pflichtbestandteil. Wenn du eins machst, dann so konkret, dass die Familie nur noch Ja sagen muss: ein Tag, eine Aufgabe, eine Uhrzeit. Ergänze, dass keine Antwort nötig ist.
6. Gruß und Unterschrift
Zum Schluss folgt eine Grußformel, die zu eurer Nähe passt, und darunter dein Name. Unterschreibe mit Vor- und Nachnamen, wenn die Familie dich nicht sicher zuordnen kann, und ergänze zum Beispiel „aus dem Chor“ oder „Nachbarin aus Nr. 14“. Schreibt ihr als Paar oder Familie, setzt jeder seinen Namen selbst darunter.
Die passende Anrede für die Trauerkarte
An der Anrede merken die Lesenden zuerst, ob die Karte wirklich ihnen gilt. Diese Varianten haben sich bewährt:
- Enge Freunde und Familie: Liebe Anna, / Lieber Jonas, / Ihr Lieben, – genau so, wie du sonst schreibst.
- Eine ganze Familie, die du gut kennst: Liebe Anna, lieber Jonas, liebe Kinder, – lieber alle einzeln nennen als nur den Nachnamen.
- Eine Familie, die du eher flüchtig kennst: Liebe Familie Brandt, – das ist warm genug und trotzdem zurückhaltend.
- Eine Witwe oder ein Witwer, den du siezt: Liebe Frau Brandt, / Lieber Herr Yilmaz, – das „Liebe“ ist in privaten Trauerkarten auch beim Sie üblich und klingt freundlicher als „Sehr geehrte“.
- Vorgesetzte, Kunden, Menschen, die du kaum kennst: Sehr geehrte Frau Ortmann, – hier passt die förmliche Variante, besonders bei einer Karte im Namen einer Firma.
- Erwachsene Kinder, deren Eltern du kanntest: Liebe Sabine, lieber Martin, – die Namen stehen oft in der Traueranzeige.
Bei der Schreibweise helfen ein paar Regeln aus dem amtlichen Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung. Nach der Anrede steht üblicherweise ein Komma, und der folgende Text beginnt klein („Liebe Anna, die Nachricht …“). Seltener ist das Ausrufezeichen, nach dem groß weitergeschrieben wird; in der Schweiz fehlt das Zeichen oft ganz. Das höfliche Sie und Ihr schreibst du immer groß. Du, dein, ihr und euer werden grundsätzlich kleingeschrieben, in Briefen und damit auch in Karten darfst du sie aber großschreiben. Beides ist richtig. Die Grußformel am Ende bleibt meist ohne Satzzeichen.
Was schreibt man in eine Trauerkarte, wenn die Worte fehlen?
Manchmal wirkt das Geschehene zu groß für jede Anleitung. Dann helfen ein paar einfache Strategien:
- Sprachlosigkeit aussprechen. Ein ehrlicher Satz darüber, dass dir die Worte fehlen, ist kein Scheitern, sondern ein Anfang.
- Eine Erinnerung statt drei. Du musst kein Lebensbild zeichnen. Ein einziger Moment, gut beschrieben, berührt mehr als eine Aufzählung von Eigenschaften.
- Von dir aus sprechen. Schreib, was du fühlst und was du vermisst, statt zu erklären, was die Familie jetzt fühlen sollte. Wie solche Sätze gebaut sind, zeigt unser Beitrag über Ich-Botschaften.
- Ein Vers als Brücke. Ein kurzes Zitat oder ein paar Zeilen aus einem Gedicht können den Einstieg erleichtern, wenn darunter noch ein, zwei eigene Sätze folgen. Gemeinfreie Gedichte findest du bei unseren Trauergedichten.
Trauerkarte schreiben: Beispiele und Musterkarten
Die folgenden Texte sind vollständige Karten, keine Bausteine. Namen und Details sind ausgedacht. Nutze eine Vorlage als Gerüst und ergänze sie um das, was nur du über diesen Menschen weißt. Karten für einen plötzlichen Tod und für ein Team folgen weiter unten.
Kurze Trauerkarte an Bekannte
Liebe Frau Kessler,
vom Tod Ihres Vaters habe ich mit großer Traurigkeit erfahren. Ich erinnere mich gern an seine freundlichen Grüße über den Gartenzaun. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie viel Kraft in den kommenden Wochen.
In stiller Anteilnahme
Miriam Lorenz
An die enge Freundin, deren Mutter gestorben ist
Liebe Julia,
seit du mich angerufen hast, denke ich ununterbrochen an dich und an deine Mama. Ich sehe sie noch vor mir, wie sie uns nach der Schule Pfannkuchen gebacken und dabei jedes Mal behauptet hat, das Rezept sei streng geheim. Sie hat mich behandelt, als gehörte ich zur Familie, und das werde ich nie vergessen.
Ich weiß, dass gerade nichts leichter wird, nur weil jemand etwas Liebes schreibt. Trotzdem sollst du wissen, dass ich da bin. Am Samstag bringe ich dir etwas zu essen vorbei und bleibe, so lange du magst – oder ich stelle es nur vor die Tür. Du entscheidest.
Ich hab dich lieb.
Deine Lena
An den Nachbarn, dessen Frau gestorben ist
Lieber Herr Yilmaz,
die Nachricht vom Tod Ihrer Frau hat uns sehr traurig gemacht. Wir werden Ayla vermissen – ihr Lachen im Treppenhaus und die Tomatenpflanzen, die sie jeden Sommer mit uns geteilt hat. Man hat gespürt, wie sehr Sie beide zusammengehört haben.
Wenn wir Ihnen in den nächsten Wochen den Einkauf mitbringen dürfen, klingeln Sie einfach bei uns. Wir freuen uns über jede Gelegenheit, etwas für Sie zu tun.
Mit herzlichen Grüßen und in Gedanken bei Ihnen
Petra und Frank Hoffmann
An eine Familie, die du nur flüchtig kennst
Liebe Familie Brandt,
wir kennen uns nur vom Sportplatz, aber dort war Ihr Großvater eine feste Größe: Bei jedem Heimspiel stand er am Geländer und hat jedes Kind angefeuert, nicht nur die eigenen Enkel. Viele Eltern im Verein werden diesen Anblick vermissen.
Wir denken an Sie und wünschen Ihnen Zeit und Ruhe zum Abschiednehmen.
In Verbundenheit
Familie Petersen
An einen Kollegen, dessen Vater gestorben ist
Lieber Daniel,
es tut mir sehr leid, dass dein Vater gestorben ist. Ich kannte ihn nur aus deinen Erzählungen, aber die waren immer so lebendig, dass ich das Gefühl hatte, ihn ein bisschen zu kennen – vor allem seine Leidenschaft für alte Motorräder.
Nimm dir alle Zeit, die du brauchst. Um die laufenden Aufträge kümmere ich mich, du musst dich um nichts sorgen. Und wenn du zurück bist und reden magst, weißt du, wo mein Schreibtisch steht.
Herzliche Grüße
Tobias
An die Chefin, deren Mann gestorben ist
Liebe Frau Dr. Albers,
mit großer Betroffenheit habe ich vom Tod Ihres Mannes erfahren. Ich erinnere mich an die Weihnachtsfeier, bei der er so begeistert von Ihrer gemeinsamen Reise nach Norwegen erzählt hat. Man hat gemerkt, wie viel Sie beide verbunden hat.
Ich wünsche Ihnen Kraft und Menschen, die Ihnen jetzt nahe sind. Bitte machen Sie sich um das Büro keine Gedanken.
Mit stillen Grüßen
Ihre Sandra Wolff
In der Familie: an die Tante, deren Mann gestorben ist
Liebe Tante Gisela,
ich kann noch gar nicht glauben, dass Onkel Werner nicht mehr da ist. Für mich war er immer der Mann, der jedes kaputte Fahrrad wieder hinbekommen hat und dabei so geduldig erklärt hat, dass ich am Ende selbst schrauben konnte. Diese Geduld hat er mir mitgegeben.
Ihr wart über fünfzig Jahre zusammen, und ich mag mir kaum vorstellen, wie still das Haus jetzt ist. Ich komme nächste Woche für ein paar Tage zu dir. Wir können zusammen Fotos anschauen oder einfach Kaffee trinken.
In Liebe
Deine Nichte Katrin
Nach langer Krankheit: an den Sohn, der gepflegt hat
Lieber Martin,
deine Mutter ist gestorben, und ich denke an dich und an all die Monate, in denen du sie begleitet hast. Wie selbstverständlich du jeden Abend nach der Arbeit zu ihr gefahren bist, hat mich tief beeindruckt. Sie hat bei unserem letzten Besuch zu mir gesagt, wie stolz sie auf dich ist.
Jetzt darfst du müde sein und traurig und alles dazwischen. Wenn du Hilfe beim Ausräumen der Wohnung brauchst, halte ich mir die nächsten zwei Samstage frei.
Ich umarme dich
Andreas
Wenn du den verstorbenen Menschen nicht kanntest
Liebe Sophie,
ich habe deinen Bruder leider nie kennengelernt, aber ich weiß, wie viel er dir bedeutet hat. Wenn du von euren Wanderungen erzählt hast, hat man gehört, wie nah ihr euch wart. Es tut mir so leid, dass er nicht mehr da ist.
Ich bin für dich da – zum Reden, zum Schweigen, zum Spazierengehen. Ich rufe dich nächste Woche an, und du musst nicht rangehen, wenn dir nicht danach ist.
Fühl dich fest gedrückt
Deine Carla
An Eltern, die ihr Kind verloren haben
Liebe Nina, lieber Stefan,
es gibt keine Worte für das, was ihr gerade durchlebt. Ich denke an euch und an Jonas. Ich werde nie vergessen, wie er beim Sommerfest stolz seine selbst gebaute Murmelbahn vorgeführt hat und gar nicht mehr aufhören wollte zu erklären, wie sie funktioniert.
Ihr müsst nicht antworten. Ich bin da, heute und auch in vielen Monaten noch.
In tiefer Verbundenheit
Eure Bettina
Nach plötzlichem Tod oder Suizid: behutsam schreiben
Kommt der Tod unerwartet, durch einen Unfall, einen Herzstillstand oder einen Suizid, stehen die Angehörigen oft unter Schock. Zur Trauer kommen häufig offene Fragen und manchmal Schuldgefühle. Eine Karte hilft hier, wenn sie sich ganz auf den Menschen und die Familie richtet.
- Die Ursache muss nicht in die Karte. Du musst weder schreiben, wie jemand gestorben ist, noch zeigen, dass du es weißt. Erzähl lieber vom Leben dieses Menschen.
- Keine Fragen, keine Deutungen. Ein Warum, eine Vermutung oder ein Satz wie „Hätte man das nicht merken müssen?“ hat in einer Trauerkarte keinen Platz.
- Vorsicht bei der Wortwahl. Nach einem Suizid sprechen Fachleute von Suizid als neutralem Begriff. „Selbstmord“ rückt das Geschehen sprachlich in die Nähe eines Verbrechens, und auch „Freitod“ sehen viele kritisch, weil es eine freie Entscheidung nahelegt. Am einfachsten ist es, die Todesart gar nicht zu benennen, es sei denn, die Familie spricht selbst offen darüber.
- Da sein statt erklären. Was in den ersten Tagen hilft, ist das Gefühl, nicht gemieden zu werden.
Musterkarte nach einem plötzlichen Tod
Liebe Frau Schäfer, lieber Herr Schäfer,
wir sind fassungslos über den plötzlichen Tod von Lukas. Er hat in unserer Werkstatt seine Ausbildung gemacht und war vom ersten Tag an jemand, auf den man sich verlassen konnte – pünktlich, neugierig und immer mit einem Witz auf den Lippen, wenn es stressig wurde. Er fehlt uns jeden Tag.
Wir denken an Sie und an Ihre ganze Familie und wünschen Ihnen Menschen, die Sie jetzt halten.
In tiefer Trauer
Thomas Berger und das ganze Team der Werkstatt
Musterkarte nach einem Suizid
Liebe Miriam,
ich bin unendlich traurig, dass Jan nicht mehr lebt. Ich denke so oft an die Abende auf eurem Balkon, an seine Lieblingsplatten und daran, wie genau er zugehört hat, wenn jemand Sorgen hatte. Dieser Mensch bleibt in meinem Herzen.
Ich bin für dich da, ohne Fragen und ohne Erwartungen. Ich melde mich am Wochenende, und wenn du lieber allein sein möchtest, ist das völlig in Ordnung.
In Liebe
Deine Hanna
Trauerkarte von der Abteilung, dem Team oder dem Verein
Stirbt eine Kollegin oder ein Vereinsmitglied, schreibt oft eine Gruppe gemeinsam. Damit kein Durcheinander aus Unterschriften entsteht, hilft etwas Organisation:
- Eine Person schreibt den Haupttext. Oben steht ein kurzer gemeinsamer Text mit Anrede, Anteilnahme und Gruß. Darunter ist Platz für persönliche Zeilen.
- Klare Namen. Alle unterschreiben mit Vor- und Nachnamen, damit die Familie weiß, wer an sie gedacht hat.
- Zügig und diskret. Gib die Karte in einem Umschlag herum und vereinbare, bis wann sie zurück sein soll. So kommt sie nicht erst nach Wochen an.
- Geld transparent machen. Hat das Team für Blumen oder eine Spende gesammelt, schreib in die Karte, wofür das Geld verwendet wurde. Eine Summe musst du nicht nennen.
Die Abläufe ähneln denen bei einer Abschiedskarte im Büro, wie wir sie bei den Abschiedssprüchen für Kollegen beschreiben. Der Ton ist hier allerdings ein anderer: ruhig, warm und ohne jede Pointe.
Musterkarte im Namen der Abteilung
Liebe Familie Krämer,
mit großer Trauer haben wir vom Tod von Birgit erfahren. Fast zwanzig Jahre hat sie unsere Abteilung mitgeprägt. Sie hatte für jede neue Kollegin ein offenes Ohr, wusste immer, wo welche Akte liegt, und hat jeden Geburtstag im Kalender gehabt. Ohne sie ist es bei uns spürbar leiser.
Statt Blumen haben wir, wie in der Anzeige gewünscht, gemeinsam für den Hospizverein gespendet. Wir denken an Sie.
In stiller Verbundenheit
Ihre Kolleginnen und Kollegen aus der Personalabteilung
Karte, Umschlag und Handschrift
Eine schlichte Klappkarte mit ruhigem Motiv ist fast immer richtig: Natur, Licht, ein Blatt, ein Vogel. Vorgedruckte Texte innen sind in Ordnung, ersetzen aber nicht deine eigenen Zeilen. Ist die Karte innen leer, schreibst du meist auf die rechte Seite; die linke bleibt frei oder bekommt einen kurzen Vers.
Der schwarze Rand, den manche Trauerkarten bis heute haben, war früher übrigens vor allem ein Zeichen der Trauernden selbst. Emily Post beschreibt in ihrem Etikette-Buch von 1922, dass Menschen in Trauer Briefpapier und Umschläge mit schwarzem Rand benutzten und die Breite des Randes anzeigte, wie nah ihnen der verstorbene Mensch stand. Für dich als Absender ist er keine Pflicht.
Schreib mit der Hand, am besten mit dunkler Tinte oder einem Kugelschreiber, der nicht schmiert. Die Handschrift muss nicht schön sein, aber lesbar. Lieber weniger Text in Ruhe als viel Text in Eile.
Beim Umschlag gilt: Adressiere an die Lebenden. Ist ein Ehepartner gestorben, steht nur noch der Name der Witwe oder des Witwers darauf, etwa „Frau Helga Brandt“. Schreibst du an alle, passt „Familie Brandt“ oder „Frau Helga Brandt und Familie“. Nennt die Anzeige eine eigene Traueranschrift, nimm diese. Vergiss den Absender auf der Rückseite nicht: Viele Familien bedanken sich später für die Anteilnahme, und dafür brauchen sie deine Adresse. Wie Hinterbliebene das angehen, steht in unserem Beitrag zur Danksagung nach einem Trauerfall.
Wann und wie die Karte ankommt
Viele schreiben in den Tagen zwischen Todesnachricht und Beerdigung, eine feste Regel gibt es aber nicht. Du kannst die Karte per Post schicken, persönlich in den Briefkasten werfen oder zur Trauerfeier mitbringen; dort steht oft ein Tisch oder eine Schale, in die die Gäste ihre Karten legen.
Hast du den Moment verpasst, schreib trotzdem. Was du dann am besten sagst, findest du in den Beileid-Sprüchen im Abschnitt zum nachträglichen Beileid.
Geld oder Spende in die Trauerkarte?
Ob man Geld in eine Trauerkarte legt, ist von Region zu Region und von Familie zu Familie verschieden. Mancherorts ist ein kleiner Betrag für Blumen oder Grabschmuck verbreitet, anderswo irritiert er eher. Pflicht ist es nirgends.
- Die Anzeige hat Vorrang. Steht dort ein Spendenwunsch, etwa für ein Hospiz oder eine Stiftung, folgst du am besten diesem Wunsch. In der Karte kannst du erwähnen, dass du gespendet hast; die Höhe bleibt deine Sache.
- Den Zweck benennen. Legst du Geld bei, schreib dazu, wofür es gedacht ist, zum Beispiel für Blumen. So wirkt es nicht, als würdest du annehmen, die Familie könne die Beerdigung nicht bezahlen.
- Bargeld nicht lose verschicken. Gib eine Karte mit Geld lieber persönlich ab, statt sie mit der Post zu schicken.
- Im Zweifel fragen. Jemand aus dem Umfeld der Familie weiß meist, was dort üblich ist.
Online-Kondolenzbuch oder Karte auf Papier?
Viele Zeitungen und Bestattungshäuser bieten inzwischen digitale Kondolenzbücher an, in die jeder einen Eintrag schreiben kann. Das passt gut, wenn du weit weg wohnst. Bedenke aber: Diese Einträge sind meist öffentlich. Private Erinnerungen, Kosenamen oder Hinweise auf Krankheit und Todesumstände gehören nicht dorthin.
Eine Nachricht aufs Handy kann ein guter erster Schritt sein, die Karte trotzdem folgen. Sie hat einen Vorteil, den kein Bildschirm bietet: Man kann sie in die Hand nehmen, aufstellen, in eine Kiste legen und Jahre später wieder lesen.
Letzter Blick, bevor du den Umschlag schließt
Bevor die Karte abgeht, lies sie ein letztes Mal mit diesen Fragen im Hinterkopf:
- Sind alle Namen richtig geschrieben, auch der des verstorbenen Menschen?
- Passt die Anrede zu den Menschen, die die Karte öffnen?
- Geht es im Text um den verstorbenen Menschen und die Familie, nicht vor allem um dich?
- Kannst du dein Angebot wirklich einlösen?
- Steht nichts über Todesursache, Erbe oder Schuld darin?
- Ist deine Unterschrift für die Familie eindeutig zuzuordnen?
- Steht dein Absender auf dem Umschlag?
Häufige Fragen
Was schreibe ich in eine Trauerkarte Beispiel?
Eine einfache Trauerkarte besteht aus Anrede, einem Satz zum Verlust, einer Erinnerung und einem Gruß, zum Beispiel: „Liebe Frau Kessler, vom Tod Ihres Vaters habe ich mit großer Traurigkeit erfahren. Ich erinnere mich gern an seine freundlichen Grüße über den Gartenzaun. In stiller Anteilnahme, Miriam Lorenz.“
Wie schreibt man herzliches Beileid in eine Trauerkarte?
Am Satzanfang oder als eigene Zeile schreibst du „Herzliches Beileid“ groß, im Satz klein: „Ich spreche dir mein herzliches Beileid aus.“ Die Formel wirkt wärmer, wenn ein persönlicher Satz folgt, etwa eine Erinnerung an den verstorbenen Menschen. Manche empfinden „herzlich“ als unpassend und wählen „aufrichtiges Beileid“ oder „mein tiefes Mitgefühl“.
Welche Textbeispiele gibt es für ein Beileidsschreiben?
Für ein Beileidsschreiben gibt es kurze Karten für Bekannte, persönliche Karten für Freunde und Familie, förmlichere Texte für Vorgesetzte und Gruppenkarten im Namen eines Teams. Für jede dieser Situationen findest du oben eine ausformulierte Musterkarte.
Was schreibt man Angehörigen von Verstorbenen?
Angehörigen schreibt man, dass man an sie denkt, nennt den verstorbenen Menschen beim Namen und teilt, wenn möglich, eine kleine Erinnerung. Dazu passt ein Wunsch für die kommende Zeit und, falls ehrlich gemeint, ein konkretes Hilfsangebot. Ratschläge, Fragen zur Todesursache und Vergleiche mit eigenen Verlusten lässt du besser weg.
Schreibt man Du in einer Trauerkarte groß oder klein?
Du hast die Wahl. Das amtliche Regelwerk sieht für du, dein, ihr und euer die Kleinschreibung vor, erlaubt in Briefen und Karten aber ausdrücklich auch die Großschreibung. Das höfliche Sie und Ihr schreibst du dagegen immer groß. Bleib innerhalb der Karte bei einer Variante.
Wie beschriftet man den Umschlag einer Trauerkarte?
Der Umschlag geht an die Hinterbliebenen, nie an den verstorbenen Menschen. Üblich sind „Familie Brandt“, „Frau Helga Brandt und Familie“ oder bei einem verstorbenen Ehepartner nur der Name der Witwe oder des Witwers. Steht in der Anzeige eine Traueranschrift, verwende diese, und schreib deinen Absender auf die Rückseite.
Fazit: Eine Trauerkarte muss nicht perfekt sein, nur ehrlich
Wer eine Trauerkarte schreibt, sucht oft nach den richtigen Worten und übersieht dabei, dass es sie nicht gibt. Was zählt, ist das Zeichen: Jemand hat an die Familie gedacht, sich an den verstorbenen Menschen erinnert und sich die Zeit genommen, das aufzuschreiben. Halte dich an die sechs Schritte, nimm eine der Musterkarten als Gerüst und ersetze alles, was nicht nach dir klingt. Eine einzige echte Erinnerung trägt mehr als jede schöne Formulierung. Und wenn du ein Angebot gemacht hast, lös es ein – auch dann noch, wenn die Karte längst im Regal steht.









