Wichteln beginnt oft mit einer Nachricht in der Gruppe: „Wir wichteln dieses Jahr, wer ist dabei?“ Wie lost ihr aus, ohne dass jemand sich selbst zieht? Wie viel Geld ist angemessen? Und was schenkst du einem Menschen, von dem du kaum mehr kennst als den Vornamen?
Dieser Ratgeber erklärt die Regeln, stellt Schrottwichteln, Julklapp und Secret Santa vor und sammelt Ideen für Wichtelgeschenke ohne Produktliste. Dazu kommt, was Ökonomie und Soziologie über den Brauch wissen.
Wichteln: was das Wort bedeutet und woher es kommt
Beim Wichteln lost eine Gruppe aus, wer wen beschenkt. Jede und jeder zieht einen Namen, besorgt für diesen Menschen ein Geschenk und bleibt meist unerkannt. So gibt jede Person genau ein Päckchen und bekommt genau eins.
Im Wort steckt der Wicht, althochdeutsch „wiht“, belegt seit dem 9. Jahrhundert und ursprünglich ein Wesen oder Ding, auch ein Dämon. Der Wichtel ist die Verkleinerungsform, mittelhochdeutsch „wihtel“, für Zwerge, Kobolde und Heinzelmännchen. Dasselbe Wort lebt in „nicht“ weiter: Althochdeutsch „niowiht“ hieß sinngemäß „nicht irgendein Ding“.
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Kostenlos registrieren💕 100.000+ Singles sind schon dabeiDen Namen des Brauchs erklärt man meist mit dem hilfreichen Hausgeist, der Gutes tut, ohne sich blicken zu lassen. Nicht zu verwechseln ist das Wichteln mit der Wichteltür, hinter der in manchen Familien im Advent nach skandinavischem Vorbild ein Wichtel einzieht und den Kindern Streiche spielt.
So geht Wichteln: die Regeln Schritt für Schritt
Ein amtliches Regelwerk gibt es nicht, aber diese Reihenfolge hat sich bewährt:
- Runde festlegen: Frag offen, wer mitmachen will. Wichteln funktioniert nur freiwillig, eine Absage braucht keine Begründung. Paare, die sich ohnehin beschenken, könnt ihr beim Losen voneinander ausschließen.
- Obergrenze ansetzen: Nennt einen festen Betrag, etwa zehn oder fünfzehn Euro, und richtet ihn nach dem schmalsten Budget in der Runde. Wer etwas selbst macht, darf darunter bleiben.
- Termine setzen: Gelost wird zwei bis drei Wochen vor der Übergabe, für die ihr einen festen Tag vereinbart, etwa die Weihnachtsfeier.
- Auslosen: Klassisch kommen alle Namen auf Zettel in eine Mütze. Ziehen alle gleichzeitig, erwischt ab vier Leuten in knapp zwei von drei Durchgängen mindestens eine Person den eigenen Zettel. Das ist Wahrscheinlichkeitsrechnung, kein Pech. Vereinbart deshalb: Wer sich selbst zieht, sagt es, und alle losen neu. Bequemer sind Losverfahren im Netz, die jeder Person nur ihren Treffer schicken und meist auch Ausnahmen wie Paare berücksichtigen. Gib dort nur nötige Daten an.
- Hinweise statt Wunschliste: Jede Person notiert drei Stichworte – was sie mag, was sie auf keinen Fall will und was sie nicht verträgt. Die Spannung bleibt, die gröbsten Fehlgriffe fallen weg.
- Anonym übergeben: Auf dem Päckchen steht nur der Name der beschenkten Person. Ob der Wichtel am Ende erraten wird, sich zu erkennen gibt oder geheim bleibt, klärt ihr vorher.
- Ersatzpäckchen bereithalten: Wer organisiert, hat ein neutrales Geschenk in Reserve, falls jemand krank wird oder ein Paket nicht ankommt.
Varianten: Schrottwichteln, Julklapp und Secret Santa
Klassisch, mit Wunschzettel oder Motto
Klassisch entscheidet der Wichtel allein, was ins Päckchen kommt. Beim Wunschwichteln notiert jede Person ein paar Wünsche unter der Obergrenze, und der Wichtel wählt daraus. Beim Mottowichteln gibt die Runde ein Thema vor, etwa ein Buch aus dem eigenen Regal oder etwas Selbstgemachtes. Manche strecken das Spiel über den Advent: Der Wichtel hinterlässt mehrmals Kleinigkeiten und zeigt sich erst bei der Feier.
Schrottwichteln: Regeln mit Würfel
Hier bringt jede Person etwas von zu Hause mit, das sie loswerden will: Fehlkäufe, doppelte Geschenke, Deko, die nicht mehr passt. Schrott heißt nicht kaputt. Was in die Runde kommt, ist sauber, vollständig und brauchbar, nur eben ungeliebt. Eigens gekaufter Scherzkram verfehlt die Idee, Vorhandenes weiterziehen zu lassen. Verbreitet ist dieses Grundgerüst:
- Erste Runde: Alle Päckchen liegen in der Mitte. Reihum wird gewürfelt, und wer eine Sechs hat, nimmt sich eines und packt es aus.
- Zweite Runde: Ist die Mitte leer, läuft ein Küchenwecker. Jetzt löst die Augenzahl Aktionen aus. Eine Sechs heißt etwa, einer anderen Person ein Geschenk abzunehmen, eine Eins, mit dem Nachbarn zu tauschen.
- Ende: Klingelt der Wecker, behält jede Person, was gerade vor ihr liegt.
Welche Zahl was bewirkt, legt jede Runde vor dem ersten Wurf fest. Mit neu gekauften Geschenken läuft dasselbe Spiel als Würfelwichteln.
Julklapp: der Vorläufer aus Schweden
In Norddeutschland heißt das Wichteln oft Julklapp, nach schwedisch „jul“ für Weihnachten und „klappa“ für klopfen. Dahinter steht ein alter Volksbrauch: Jemand pochte an Tür oder Fenster und warf Strohfiguren oder Scherzgaben in die Stube, ohne sich zu zeigen. Oft lagen Verse bei, gern auch spöttische. Laut dem Wörterbuch der Schwedischen Akademie ist das Wort seit 1741 belegt, ins Deutsche kam es im 18. Jahrhundert. Die Sitte, Weihnachtsgeschenke zu verteilen, entstand in Schweden übrigens demselben Wörterbuch zufolge unter deutschem Einfluss.
Secret Santa und andere Namen
Im Englischen heißt das Spiel Secret Santa, also heimlicher Weihnachtsmann. In Irland und Australien ist oft von Kris Kringle die Rede, einer Abwandlung des deutschen „Christkindl“, und in Teilen Österreichs von „Engerl und Bengerl“.
Fern- und Online-Wichteln
Lebt die Runde verstreut, wird per Post gewichtelt: mit spätestem Versandtag, mehr Vorlauf für Sendungen ins Ausland und gemeinsamem Auspacken im Videotelefonat. Rein digital eignet sich, was ohne Versand ankommt, etwa eine Einladung fürs neue Jahr oder ein selbst eingesprochenes Gedicht.
Wichteln im Büro, in der Familie und im Freundeskreis
Im Büro stellt Wichteln alle gleich: Für jede Person gilt dieselbe Obergrenze, unabhängig von Gehalt und Position. Deshalb spielt die Chefin oder der Chef nach denselben Regeln mit oder gar nicht. Bezieht Leute im Homeoffice über einen Versandtermin ein und bedenkt, dass nicht alle Weihnachten feiern; als Jahresabschluss macht vielleicht trotzdem jemand mit. Mehr zu Geschenken im Kollegenkreis steht in den Ratgebern zu Weihnachtsgeschenken für Frauen und Weihnachtsgeschenken für Männer.
In der Familie löst Wichteln ein Mengenproblem: Beschenken sich acht Erwachsene gegenseitig, sind das 56 Päckchen, beim Wichteln acht. Kinder nehmt ihr am besten aus und beschenkt sie wie gewohnt. Ein echter Wunschzettel ist hier in Ordnung, und die Obergrenze erspart Haushalten mit kleinerem Budget den Vergleich. Warum ungeklärte Geldfragen gerade im Dezember Reibung erzeugen, zeigt der Artikel über Weihnachtsstress in der Beziehung.
Im Freundeskreis ist am meisten erlaubt, vom Würfel bis zum Schrott. Wer die Feiertage ohne Familie verbringt, kann aus dem Wichtelabend ein eigenes Fest machen; Anregungen bietet der Text über Weihnachten als Single.
Wichtelgeschenke: Ideen für jede Runde
Gute Wichtelgeschenke kommen aus drei Töpfen: Verbrauchbares, Selbstgemachtes und kleine Erlebnisse. Marken braucht es dafür nicht, eher einen Einfall.
Fürs Büro, wenn du die Person kaum kennst:
- ein bewurzelter Ableger deiner Zimmerpflanze im Glas
- eine Blumenzwiebel im Topf, die nach den Feiertagen austreibt
- ein Wärmekissen mit Kirschkernfüllung für kalte Schreibtischtage
- ein Knobelspiel für die Mittagspause
Für die Familie, in der ihr euch gut kennt:
- ein Gutschein für eine Stunde Technikhilfe, etwa am neuen Telefon
- ein Buch, das dir viel bedeutet, mit einer Widmung
- eine Spende im Namen der beschenkten Person, sofern sie das mag
- Suppe im Glas: Linsen und Gewürze in Schichten, die Kochanleitung auf dem Etikett
Für Freunde, die Spaß verstehen:
- eine Einladung zum Sonntagsfrühstück im Januar
- Kakao am Stiel: ein Block Schokolade auf einem Holzlöffel zum Einrühren in heiße Milch
- ein Rätsel in mehreren Teilen, das erst am Ende den Wichtel verrät
- eine handgeschriebene Liste mit Liedern, die dich durch das Jahr getragen haben
Originell wird ein Wichtelgeschenk selten durch Ausgefallenes, eher durch einen Bezug zur Runde, etwa einen Insider vom letzten Ausflug. Mehr Ideen findest du bei den selbstgemachten Geschenken. Für die Karte am Päckchen sammeln die Weihnachtsgedichte eigens Verse für Wichtelrunden, Formulierungshilfen gibt es beim Text für die Weihnachtskarte.
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Meist wird vor Publikum ausgepackt, und die Anonymität schützt nur den Schenkenden: Wer beschenkt wird, kann weder ausweichen noch sich erklären. Die typischen Fehler:
- Der Lacher auf fremde Kosten: Lacht die Runde, während eine Person rot wird, war es kein guter Witz. Wann Humor kippt, zeigen die lustigen Weihnachtsgrüße.
- Botschaften über den Körper: Waage, Diätbuch, Faltencreme oder Deo sagen beim Auspacken einen Satz, den niemand laut aussprechen würde.
- Alkohol als Selbstverständlichkeit: Wer nicht trinkt, müsste seine Gründe mit der Flasche in der Hand vor allen erklären. Ohne klaren Hinweis nimm etwas anderes.
- Zutaten im Dunkeln: Nüsse, Gluten oder Milch sind für manche tabu, also gehören bei Selbstgemachtem alle Zutaten aufs Etikett.
- Anzügliches im Kollegenkreis: Was unter Freunden ein Gag ist, kann im Büro als Belästigung ankommen.
- Großzügigkeit über der Grenze: Wer deutlich mehr ausgibt, lässt die Päckchen der anderen klein wirken.
Warum Wichteln funktioniert: Ökonomie und Soziologie
Ungeschriebene Regeln. Der Soziologe Theodore Caplow ließ Anfang 1979 in der US-Stadt Muncie, bekannt als „Middletown“, 110 zufällig ausgewählte Erwachsene zu ihrem Weihnachtsfest 1978 befragen. Er fand Regeln, die fast alle befolgten, ohne sie benennen zu können, etwa diese: Ein Geschenk soll zeigen, dass man den anderen kennt, es soll überraschen, und sein Wert soll zur Nähe der Beziehung passen. Schenken war für Caplow eine Sprache, deren Wörter Gegenstände sind. Zwei Familien seiner Stichprobe losten ihre Geschenke aus, bei Feiern außerhalb der Familie war das nahezu Standard. Bei Büro- und Vereinsfeiern, schrieb er, gibt und bekommt jeder ein kleines Geschenk, nur nicht vom selben Menschen. Das Los erspart allen die Rechnung, wie viel ihnen eine Beziehung wert ist.
Weniger Fehlgriffe. Der Ökonom Joel Waldfogel ließ 1993 Studierende der Yale University schätzen, was ihnen ihre Weihnachtsgeschenke wert waren, verglichen mit dem vermuteten Preis. Zwischen einem Zehntel und einem Drittel des Wertes ging verloren, am meisten bei Geschenken von Tanten, Onkeln und Großeltern, am wenigsten bei Freunden und Partnern. Je ferner sich Menschen stehen, desto eher geht ein Geschenk am Geschmack vorbei, und im Büro ist Distanz der Normalfall. In „Scroogenomics“ (2009) rät er zu Bargeld, Gutscheinen oder Spenden. Wichteln lässt sich als Kompromiss lesen: Das Ritual bleibt, die Zahl möglicher Fehlgriffe schrumpft.
Gegenseitigkeit ohne Rechnung. Marcel Mauss beschrieb 1925 drei Pflichten, die den Gabentausch tragen: geben, annehmen, erwidern. Der Soziologe Alvin Gouldner fasste 1960 die Norm der Gegenseitigkeit, die er für nahezu universell hielt, in zwei Mindestforderungen: Wer dir geholfen hat, dem hilfst du, und ihm schadest du nicht. Beim Wichteln wird das Erwidern umgeleitet: Du beschenkst nicht deinen Wichtel, sondern jemand anderen. Niemand steht bei einem bestimmten Menschen in der Kreide, und doch gibt jede Person etwas zurück, an die Runde. Die Obergrenze hält diesen Kreis gerecht.
Häufige Fragen
Wie geht das Wichteln?
Alle losen aus, wen sie beschenken, per Zettel oder online. Jede Person besorgt für den gezogenen Namen ein Geschenk innerhalb des abgesprochenen Betrags. An einem festen Termin werden die Päckchen anonym verteilt und ausgepackt.
Was bedeutet das Wort Wichteln?
Wichteln heißt, sich in einer Gruppe per Los gegenseitig zu beschenken, meist anonym. Das Verb geht auf den Wichtel zurück, die Verkleinerung von Wicht, althochdeutsch „wiht“ für Wesen oder Ding. Der Name soll an Hausgeister erinnern, die unbemerkt Gutes tun.
Was kann man beim Wichteln schenken?
Verbrauchbares, Selbstgemachtes oder ein kleines Erlebnis unter der Obergrenze. Im Büro passen neutrale Dinge wie ein Pflanzenableger oder ein Knobelspiel, in der Familie darf es persönlicher sein. Meide Alkohol, Anspielungen aufs Aussehen und Zutaten, die jemand nicht verträgt.
Was ist Schrottwichteln?
Beim Schrottwichteln bringt jede Person einen ungeliebten, aber sauberen und brauchbaren Gegenstand aus dem eigenen Haushalt mit. Die verpackten Päckchen werden per Würfel verteilt und danach in einer Runde mit Zeitlimit getauscht. Was am Ende vor dir liegt, gehört dir.
Was ist der Unterschied zwischen Wichteln und Julklapp?
Im Kern keiner: In Norddeutschland ist Julklapp ein anderes Wort für Wichteln. Der schwedische Name bedeutet etwa Weihnachtsklopfen und erinnert an einen Brauch, bei dem Gaben nach einem Klopfen anonym ins Haus flogen. Typisch ist ein mehrfach verpacktes Päckchen.
Wie viel gibt man beim Wichteln aus?
So viel, wie die Runde vorher als Obergrenze festlegt, zum Beispiel zehn oder fünfzehn Euro. Den Betrag sollten alle ohne Mühe aufbringen können. Selbstgemachtes darf darunter bleiben, deutlich mehr auszugeben wirkt dagegen unfair.
Fazit: ein Los, eine Grenze, ein guter Einfall
Wichteln nimmt dem Dezember Druck: Du suchst für einen Menschen etwas aus statt für alle, und statt zu rechnen, wie viel dir wer wert ist, gilt eine gemeinsame Obergrenze. Mehr braucht es kaum: eine faire Auslosung, ein paar Stichworte und ein Geschenk, über das sich jemand freut, ohne vor allen rot zu werden. Der Rest ist Spiel.
Quellen & weiterführende Literatur
- (1984): Rule enforcement without visible means: Christmas gift giving in Middletown. American Journal of Sociology, 89(6), 1306-1323
- (1993): The deadweight loss of Christmas. The American Economic Review, 83(5), 1328-1336
- (1960): The norm of reciprocity: A preliminary statement. American Sociological Review, 25(2), 161-178







