Schrottwichteln: Regeln mit Würfel und lustige Ideen

Schrottwichteln erklärt: Regeln Schritt für Schritt, Würfel-Belegung mit Eieruhr, Varianten wie Auktion oder Fernrunde und viele Ideen aus Keller und Küche.

von Daniel Weber13 Min. Lesezeit
Schrottwichteln: Regeln mit Würfel und lustige Ideen
Inhalt 10 Abschnitte
  1. Was ist Schrottwichteln? Der Unterschied zum klassischen Wichteln
  2. Schrottwichteln Regeln: der Ablauf Schritt für Schritt
  3. Schrottwichteln mit Würfel: Augenzahlen, Eieruhr und Tauschrunden
  4. Weitere Spielvarianten: Auktion, Geschichten und Fernrunde
  5. Was als Schrott zählt – und was nicht
  6. Schrottwichteln Ideen: Fundstücke nach Fundort sortiert
  7. Schrottwichteln im Büro, in der Familie und unter Freunden
  8. Verpacken: Tarnung gehört zum Spiel
  9. Tipps für Gastgeber:innen: Material, Platz und Zeitpunkt
  10. Warum das Spiel so gut funktioniert: Humor, Geld, Kreislauf

Schrottwichteln ist die Wichtelrunde für alle, die im Dezember lieber lachen als shoppen: Jede Person bringt ein verpacktes Fundstück von zu Hause mit, das sie selbst nicht mehr braucht, und ein Würfel entscheidet, wer am Ende mit welchem Päckchen heimgeht. Die singende Plüschfigur, Fonduegabeln ohne Fonduetopf, die Schneekugel aus einem längst vergessenen Urlaub – genau solche Dinge sorgen für die besten Momente des Abends.

Hier erfährst du, wie die Regeln funktionieren, welche Augenzahl was auslösen kann, welche Varianten es neben dem Würfel gibt und wo die Grenze zwischen witzigem Schrott und echtem Müll verläuft. Dazu kommt eine lange Liste mit Ideen, nach Fundort sortiert.

Was ist Schrottwichteln? Der Unterschied zum klassischen Wichteln

Beim klassischen Wichteln zieht jede Person per Los einen Namen und kauft für genau diesen Menschen ein Geschenk. Schrottwichteln dreht das Prinzip in zwei Punkten um. Erstens wird nichts gekauft: Ins Päckchen kommt etwas, das schon im eigenen Haushalt liegt und dort keinen Platz mehr verdient. Zweitens gibt es keine feste Zuordnung. Niemand weiß vorher, wer welches Paket bekommt, und selbst nach dem Auspacken wechseln die Dinge noch den Besitzer.

Damit verschiebt sich auch der Reiz. Beim normalen Wichteln hofft man auf ein Geschenk, das passt. Beim Schrottwichteln hofft man auf das kurioseste Teil des Abends oder darauf, das schlimmste Stück rechtzeitig loszuwerden. Ein guter Treffer ist hier nicht unbedingt nützlich, sondern einer, über den die ganze Runde lacht. Wie das klassische Losverfahren mit Obergrenze abläuft, erklärt unser Ratgeber zum Wichteln mit allen Varianten.

Im englischsprachigen Raum ähnelt dem Spiel der White Elephant Gift Exchange, bei dem ebenfalls skurrile Dinge reihum ausgepackt und einander abgenommen werden.

Schrottwichteln Regeln: der Ablauf Schritt für Schritt

Ein verbindliches Regelwerk gibt es nicht, jede Runde baut sich ihre eigene Fassung. Dieser Ablauf hat sich als Grundgerüst bewährt:

  1. Regeln mit der Einladung schicken: Schreib dazu, dass es ein Schrottwichteln wird, wie viele Päckchen jede Person mitbringt (meist eines) und was nicht erlaubt ist. So steht niemand mit verdorbener Marmelade oder einem teuren Neukauf da.
  2. Päckchen sammeln: Beim Ankommen legt jede Person ihr verpacktes Fundstück ohne Namen in die Mitte des Tisches oder auf eine Decke am Boden.
  3. Verteilrunde: Alle sitzen im Kreis, reihum wird gewürfelt. Fällt die vereinbarte Zahl, darf sich die Person ein Päckchen aus der Mitte nehmen. Ob sofort ausgepackt wird oder erst am Schluss, legt ihr vorher fest.
  4. Tauschrunde: Sobald die Mitte leer ist, beginnt der eigentliche Spaß. Ein Timer läuft verdeckt, und jede gewürfelte Zahl löst nun eine Aktion aus: tauschen, abnehmen, weitergeben.
  5. Schluss: Klingelt der Timer, endet das Spiel sofort, auch mitten in einem Wurf. Wer gerade welches Päckchen vor sich hat, nimmt es mit nach Hause.
  6. Nachspiel: Viele Runden erlauben danach eine freie Tauschbörse, bei der man mit Einverständnis tauschen darf. Was keiner will, wandert in eine Kiste zum Weitergeben.

Wichtig ist, dass alle die Regeln kennen, bevor der erste Würfel rollt. Streit entsteht fast immer dann, wenn eine Augenzahl mitten im Spiel neu ausgelegt wird.

Schrottwichteln mit Würfel: Augenzahlen, Eieruhr und Tauschrunden

In der Verteilrunde reicht eine einfache Regel: Wer eine Sechs würfelt, holt sich ein Päckchen aus der Mitte. Bei großen Gruppen dauert das lange, deshalb lassen manche Runden auch die Eins gelten oder schicken zwei Würfel in entgegengesetzter Richtung um den Tisch.

Für die Tauschrunde lohnt sich eine Belegung aller sechs Augenzahlen. Ein Vorschlag, den du frei anpassen kannst:

  • Eins: Alle Päckchen auf dem Tisch wandern einen Platz nach links.
  • Zwei: Du tauschst eines deiner Päckchen mit der Person rechts neben dir.
  • Drei: Durchatmen – es passiert nichts, der Würfel geht weiter.
  • Vier: Du darfst dir ein beliebiges Päckchen von einer anderen Person nehmen.
  • Fünf: Du musst eines deiner Päckchen an eine Person deiner Wahl abgeben.
  • Sechs: Alle Päckchen wandern einen Platz nach rechts.

Die Eieruhr ist das zweite Herzstück. Stellt sie so, dass niemand das Ziffernblatt sieht, sonst taktiert jeder auf die letzten Sekunden hin. Für acht bis zwölf Leute passen meist zehn bis fünfzehn Minuten. Spannender wird es, wenn eine unbeteiligte Person die Zeit heimlich festlegt.

Damit das Tempo hoch bleibt, wird der Würfel ohne Pause weitergereicht, und wer zögert, verliert seinen Wurf. Ein Würfelbecher oder eine flache Schale verhindert, dass der Würfel unter dem Sofa verschwindet. Ob in der Tauschrunde ausgepackte oder verpackte Geschenke wandern, verändert das Spiel: Ausgepackt wird es taktisch, verpackt bleibt es reines Glück bis zur Auflösung am Ende.

Weitere Spielvarianten: Auktion, Geschichten und Fernrunde

Wer den Würfel schon kennt oder ihn bei kleinen Gruppen zu langatmig findet, probiert eine dieser Varianten mit denselben Fundstücken.

Auspacken oder abnehmen

Diese Form lehnt sich an das englische Vorbild an. Die Reihenfolge wird per Zahlenzettel ausgelost. Wer dran ist, packt entweder ein neues Päckchen aus oder nimmt einer anderen Person ein bereits ausgepacktes Teil ab. Wem etwas abgenommen wird, wählt seinerseits neu. Damit kein Gegenstand endlos kreist, ist ein Stück nach dem dritten Besitzerwechsel eingefroren.

Schrottwichteln-Auktion

Jede Person bekommt dieselbe Menge Spielgeld, etwa Streichhölzer, Bonbons oder Knöpfe. Die Päckchen werden einzeln und verpackt versteigert: Geboten wird nach Schütteln, Abwiegen in der Hand und einem kurzen Werbetext der Moderation, die jedes Paket anpreist wie auf dem Flohmarkt. Wer sein Spielgeld früh verpulvert, schaut bei den letzten Paketen zu.

Geschichten-Variante

Wer ein Teil auspackt, muss sofort eine erfundene Herkunftsgeschichte erzählen: Dieses Salatbesteck hat angeblich eine Kreuzfahrt überlebt, jene Vase einen Umzug quer durch Europa. Am Ende stimmt die Runde über die beste Legende ab. Eine Abwandlung: Die schenkende Person legt einen anonymen Zettel mit der wahren Geschichte bei, der erst zum Schluss vorgelesen wird.

Online- oder Fernrunde

Im Videocall hält jede Person ihr eigenes nummeriertes Päckchen bereit. Eine Person würfelt vor der Kamera oder nutzt einen Zufallsgenerator, und die Zahlen bestimmen, welche Nummer an wen geht. Danach packt jede Person ihr Päckchen live aus, bevor es per Post an den neuen Besitzer geht. So bleibt die Überraschung, auch wenn der Gegenstand erst Tage später ankommt.

Weitere Ideen ohne Material findest du in unseren Weihnachtsspielen für Familie und Feier, für eine Wissensrunde eignet sich das Weihnachtsquiz mit Lösungen.

Was als Schrott zählt – und was nicht

Das Wort Schrott ist augenzwinkernd gemeint: Gemeint sind Dinge, die funktionieren, sauber sind und jemand anderem vielleicht noch Freude machen, nur eben nicht der Person, die sie mitbringt. Klare Grenzen halten den Abend angenehm:

  • Nichts Kaputtes: Ein Gerät ohne Stecker oder ein Puzzle mit fehlenden Teilen ist kein Gag, sondern Entsorgung auf Kosten anderer.
  • Nichts Verdorbenes: Essbares nur ungeöffnet und mit gültigem Datum, bei Selbstgemachtem mit Zutatenliste.
  • Nichts Benutztes aus dem Hygienebereich: Angebrochene Cremes, gebrauchte Bürsten oder getragene Wäsche haben im Spiel nichts verloren.
  • Nichts Gefährliches: Keine Medikamente, Chemikalien, scharfen Klingen oder Geräte, deren Sicherheit du nicht prüfen kannst.
  • Nichts Verletzendes: Alles, was auf Gewicht, Alter, Aussehen oder Lebensumstände anspielt, trifft beim Auspacken vor Publikum eine konkrete Person.
  • Nichts Anzügliches im Büro: Was unter engen Freunden ein Lacher ist, kann im Kollegenkreis als übergriffig ankommen.
  • Nichts mit persönlichen Daten: Alte Telefone oder Speicherkarten nur vollständig zurückgesetzt, Fotos und Briefe bleiben zu Hause.
  • Nichts aus der Runde selbst: Das Geschenk, das dir eine anwesende Person im Vorjahr gemacht hat, gehört nicht in den Topf, es sei denn, genau das ist bei euch Tradition.

Eine gute Faustregel: Würdest du dich über das Teil zumindest amüsieren, wenn du es selbst auspacken müsstest? Dann ist es richtiger Schrottwichtel-Schrott. Wann ein Witz kippt, lässt sich auch an unseren lustigen Weihnachtsgrüßen ablesen.

Schrottwichteln Ideen: Fundstücke nach Fundort sortiert

Die besten Schrottwichtel-Geschenke findest du nicht im Laden, sondern beim Aufräumen. Geh mit dieser Liste durch Küchenschubladen, Kellerregale und Kisten mit Mitbringseln.

Aus Küche und Haushalt

  • ein Eierschneider, der seit Jahren in der Schublade liegt
  • Ausstecher für Plätzchen in seltsamen Formen, etwa Dinosaurier oder Bundesländer
  • eine Eiswürfelform in Herz- oder Totenkopfform
  • Salz- und Pfefferstreuer als Tierpaar
  • eine Tasse mit einem Spruch, über den du nie lachen konntest
  • ein Spezialgerät für genau ein Lebensmittel, zum Beispiel ein Erdbeerschneider
  • Serviettenringe oder Platzsets aus einem vergangenen Jahrzehnt
  • eine Backform in Lammform, passend zu Ostern, verschenkt im Dezember

Aus Keller, Dachboden und Werkstatt

  • ein Puzzle mit sehr viel Himmel, vollständig und nachgezählt
  • ein altes Brettspiel, bei dem alle Figuren noch da sind
  • eine Taschenlampe in Tierform
  • ein Bilderrahmen, in dem noch das Musterfoto steckt
  • eine Fahrradklingel mit Motiv
  • doppeltes Werkzeug, etwa ein zweiter Satz Inbusschlüssel

Deko-Kitsch und Mitbringsel

  • eine Schneekugel mit einem Motiv, das niemand zuordnen kann
  • eine Porzellanfigur, die seit dem letzten Umzug im Karton wohnt
  • Kunstblumen in einer Farbe, die in der Natur nicht vorkommt
  • Kühlschrankmagnete aus Orten, an denen du nie warst
  • eine singende Figur, deren Batterien lose beiliegen
  • übrig gebliebene Osterdeko, die im Dezember besonders fehl am Platz wirkt
  • eine Duftkerze, die eher nach Badreiniger riecht

Bücher, Musik und Spiele

  • ein Reiseführer, so alt, dass die Hälfte der Tipps nicht mehr stimmt
  • ein Wandkalender vom vergangenen Jahr mit besonders kitschigen Bildern
  • ein Kochbuch für ein Küchengerät, das kaum jemand besitzt
  • Musik auf Kassette oder CD aus einer längst vergessenen Phase
  • ein Kartenspiel mit Regeln, die niemand versteht

Kleidung und Accessoires, ungetragen

  • Socken mit wildem Muster, noch mit Etikett
  • ein Weihnachtspullover, der blinkt oder klingelt
  • eine Krawatte in einer gewagten Farbe
  • eine Mütze mit riesigem Bommel
  • ein Regenponcho, original verpackt

Kurioses und Werbegeschenke

  • ein Kugelschreiber mit Lichtfunktion oder ein Antistressball von einer Messe
  • ein Kopfkrauler aus Draht
  • ein Gartenzwerg in ungewöhnlicher Pose
  • ein Schuhanzieher mit extralangem Stiel
  • Restdeko von Halloween, Fasching oder einer Mottoparty
  • ein Kaktus aus Plastik für alle, die keine Pflanze am Leben halten

Ess- und Trinkbares mit Augenmaß

  • eine ungeöffnete Gewürzmischung mit unerwartetem Namen
  • eine Teesorte, die nicht deinen Geschmack getroffen hat
  • Süßigkeiten aus dem Urlaub mit unlesbarer Zutatenliste, sofern ihr sie übersetzt beilegt
  • eine Konserve mit exotischem Inhalt
  • eine besonders scharfe Soße für die Mutigen

Bei allem Essbaren gilt: verschlossen, mit gültigem Mindesthaltbarkeitsdatum und mit erkennbaren Zutaten, damit niemand mit Allergie raten muss. Alkohol nur, wenn die Runde das ausdrücklich will.

Schrottwichteln im Büro, in der Familie und unter Freunden

Im Büro passt Schrottwichteln zur Weihnachtsfeier oder in eine lange Mittagspause, weil niemand Geld ausgeben muss und Hierarchien keine Rolle spielen. Mitmachen ist freiwillig, Anzügliches fällt weg, und Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice holt ihr per Videocall dazu. Weitere Programmpunkte sammeln unsere Ideen für die Weihnachtsfeier.

In der Familie sitzen oft mehrere Generationen am Tisch. Für Kinder lohnt sich ein eigener Stapel mit kindgerechten Fundstücken, damit niemand enttäuscht vor einer Krawatte sitzt. Großeltern haben in Kellern und Vitrinen oft die besten Kandidaten samt Geschichte. Erbstücke und Dinge mit Erinnerungswert gehören allerdings nicht in den Topf.

Unter Freunden ist am meisten erlaubt: Insider und der berüchtigte Lampenschirm aus der ersten WG bekommen ihren großen Auftritt. Manche Freundeskreise küren das hässlichste Teil zum Wanderpokal, der im nächsten Jahr wieder ins Spiel muss. Wer die Feiertage allein verbringt, macht aus dem Abend ein eigenes kleines Fest; Anregungen bietet der Text über Weihnachten als Single. Auch zum Jahreswechsel funktioniert das Spiel, kombiniert mit unseren Spielen für Silvester.

Verpacken: Tarnung gehört zum Spiel

Ein gutes Päckchen verrät möglichst wenig über seinen Inhalt. Je mehr gerätselt wird, desto größer die Wirkung beim Auspacken:

  • Form verschleiern: Kleine Dinge kommen in einen großen Karton. Eine Rolle Küchenpapier macht aus einer Tasse einen undefinierbaren Zylinder.
  • Geräusche dämpfen: Zeitungspapier oder alte Tücher verhindern, dass es beim Schütteln verräterisch klappert.
  • Wiederverwenden: Geschenkpapier vom Vorjahr, Packpapier aus Paketen oder ein alter Kissenbezug passen zum Gedanken des Spiels.
  • Nicht übertreiben: Fünf Lagen Klebeband sind lustig, solange keine Eieruhr läuft. Läuft sie doch, kostet das Gefummel Spielzeit.

Tipps für Gastgeber:innen: Material, Platz und Zeitpunkt

  • Regeln auf den Tisch: Ein Zettel mit der Belegung der Augenzahlen erspart Diskussionen und hilft allen, die zum ersten Mal mitspielen.
  • Material bereitlegen: Zwei Würfel, eine Schale, ein Timer und zwei, drei Ersatzpäckchen für Gäste, die ihr Fundstück vergessen haben.
  • Platz schaffen: Ein runder Tisch oder ein Kreis auf dem Teppich ist ideal. Gläser stehen besser abseits, denn beim Tauschen wird es hektisch.
  • Zeitpunkt wählen: Nach dem Essen, wenn alle satt und gut gelaunt sind, läuft das Spiel am besten.
  • Für Ausgleich sorgen: Wer am Ende sichtbar Pech hatte, wählt bei der Tauschbörse zuerst.
  • An den Rest denken: Was niemand mitnehmen will, kommt in eine Kiste und geht an ein Tauschregal, einen Sozialladen oder auf den Flohmarkt.

Bei großen Runden hilft eine Moderation, die den Würfel im Blick behält, Regelfragen schnell entscheidet und beim Auspacken die Pointen setzt.

Warum das Spiel so gut funktioniert: Humor, Geld, Kreislauf

Der erste Grund ist Humor. Wenn alle wissen, dass im Topf vor allem Kurioses liegt, entsteht keine Erwartung, die enttäuscht werden kann. Selbst das scheußlichste Teil hat einen Wert – als Lacher, als Geschichte, als Tauschobjekt.

Der zweite Grund liegt im Umgang mit Geld. Der Soziologe Theodore Caplow beschrieb in seiner Studie zum Weihnachtsschenken in der US-Stadt Muncie ungeschriebene Regeln, an die sich die meisten Befragten hielten. Eine davon: Der Wert eines Geschenks soll zur Nähe der Beziehung passen. Genau diese stille Rechnung fällt beim Schrottwichteln weg. Weil niemand etwas kauft, misst auch niemand, wie viel ihm die anderen wert sind.

Der dritte Grund ist das Weitergeben. Der Ökonom Joel Waldfogel kam 1993 in Befragungen zu dem Ergebnis, dass Beschenkte ihre Weihnachtsgeschenke im Schnitt geringer bewerteten, als diese gekostet hatten. Das erklärt zumindest, warum in vielen Haushalten Dinge liegen, die intakt, aber ungeliebt sind. Schrottwichteln gibt ihnen eine zweite Runde, statt sie im Schrank vergessen zu lassen – und wer Pech hat, setzt das Teil im nächsten Jahr einfach wieder ein.

Häufige Fragen

Was versteht man unter Schrottwichteln?

Schrottwichteln ist ein Wichtelspiel, bei dem jede Person ein verpacktes, ungeliebtes Fundstück von zu Hause mitbringt statt eines gekauften Geschenks. Per Würfel oder Los wird verteilt und getauscht. Es geht um Spaß und Überraschung, nicht um Nutzen oder Wert.

Wie tut man Schrottwichteln?

Alle legen ihr Päckchen in die Mitte und würfeln reihum; bei der vereinbarten Zahl nimmt man sich eines. Ist die Mitte leer, läuft verdeckt ein Timer, und jede Augenzahl löst eine Tauschaktion aus. Klingelt der Timer, nimmt jede Person mit, was gerade vor ihr liegt.

Was kann man für Schrottwichteln nehmen?

Geeignet sind saubere, vollständige und funktionierende Dinge, die du selbst nicht mehr brauchst: Küchenhelfer, Deko-Kitsch, Mitbringsel, alte Spiele, ungetragene Kleidung oder ungeöffnete Lebensmittel mit gültigem Datum. Kaputtes, Benutztes aus dem Hygienebereich und Verletzendes bleiben draußen.

Welche lustigen Ideen gibt es für Schrottwichteln?

Gut kommen eine Schneekugel mit rätselhaftem Motiv, ein blinkender Weihnachtspullover, eine singende Figur, ein Spezialschneider für ein einziges Lebensmittel oder ein uralter Reiseführer an. Lustig wird es durch das Kuriose am Gegenstand, nie durch Spott über eine Person.

Was ist der Unterschied zwischen Schrottwichteln und Wichteln?

Beim klassischen Wichteln lost du einen Namen und kaufst für diese Person ein Geschenk innerhalb einer Obergrenze. Beim Schrottwichteln wird nichts gekauft, und die Zuordnung entscheidet erst der Würfel, oft mit Tauschrunde danach. Das eine zielt auf Freude, das andere auf Lacher.

Darf man für das Schrottwichteln etwas kaufen?

Eigentlich nicht, denn der Kern des Spiels ist, Vorhandenes weiterzugeben. Wer gar nichts Passendes findet, sucht auf einem Flohmarkt oder in einem Sozialkaufhaus nach einem gebrauchten Kuriosum. Eigens neu gekaufte Scherzartikel widersprechen dem Gedanken und machen die Runde ungleich.

Fazit: Guter Schrott braucht klare Regeln

Schrottwichteln nimmt Druck raus: Niemand muss Geld ausgeben, niemand muss raten, was jemand anderem gefällt, und das schlimmste Teil des Abends wird oft zum liebsten Gesprächsthema. Damit das gelingt, braucht es vorher abgesprochene Augenzahlen, eine verdeckte Eieruhr und eine klare Grenze zwischen witzigem Fundstück und Müll. Der Rest ergibt sich beim Würfeln.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Caplow, T. (1984): Rule enforcement without visible means: Christmas gift giving in Middletown. American Journal of Sociology, 89(6), 1306-1323
  2. Waldfogel, J. (1993): The deadweight loss of Christmas. The American Economic Review, 83(5), 1328-1336
Verfasst von Daniel Weber2 Quellen angegeben
Daniel Weber

Daniel Weber

Daniel ist Dating-Coach und Kommunikationsexperte. Er zeigt dir, wie du mit Charme und Selbstbewusstsein überzeugst – vom Flirt bis zum ersten Date.

Seit 2024 · Flirten, Dating-Tipps, Kommunikation

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