Cuckold ist ein altes englisches Wort mit einer erstaunlichen Wendung. Jahrhundertelang war es ein Spottname für den Ehemann, den seine Frau hinter seinem Rücken betrügt. Heute meint es meist das Gegenteil von Heimlichkeit: einen Menschen, den es reizt, dass die eigene Partnerin oder der eigene Partner mit jemand anderem Sex hat, mit seinem Wissen und oft auf seinen Wunsch. Hier liest du, woher der Begriff kommt, was die Forschung über die Fantasie weiß, wie sich Cuckolding von Fremdgehen unterscheidet und wie ihr als Paar darüber sprechen könnt.
Cuckold: was der Begriff heute bedeutet
Als Cuckold bezeichnet sich heute meist jemand, der Erregung daraus zieht, dass die Partnerin oder der Partner Sex mit einer dritten Person hat. Manche wollen dabei zusehen, andere nur davon wissen oder hinterher davon hören. Die Praxis heißt Cuckolding, in der Szene kurz „Cuck“. Eine Cuckold-Beziehung ist eine Partnerschaft, in der diese Rollenverteilung verabredet ist, ob einmalig oder auf Dauer.
Wie eng der Begriff zu fassen ist, bleibt umstritten. Für manche gehört das Gefühl dazu, zurückgesetzt oder gedemütigt zu werden. Fachstudien fassen ihn weiter und sprechen von Cuckolding, sobald jemand die sexuelle Begegnung des Partners mit einer anderen Person erregend findet, mit oder ohne Demütigung.
Unstrittig ist die Linie, die die heutige Bedeutung von der alten trennt: Wissen und Einverständnis. Wer betrogen wird, ist im heutigen Sinn kein Cuckold, sondern schlicht betrogen. An Geschlecht oder Orientierung ist die Rolle nicht gebunden, es gibt sie bei Frauen ebenso wie in gleichgeschlechtlichen Paaren.
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Im Englischen ist das Wort seit dem 13. Jahrhundert belegt. Es stammt vom altfranzösischen cucuault, gebildet aus cucu für den Kuckuck und einer abwertenden Endung. Erklärt wird das meist mit dem Kuckucksweibchen, das seine Eier in fremde Nester legt. Eigentlich ist der Kuckuck also der Eindringling, doch der Spott traf den, in dessen Nest das fremde Ei liegt. Im Deutschen lebt dasselbe Bild im Kuckuckskind fort.
Schon vor rund 500 Jahren kannte das Englische außerdem das Wort wittol, gebildet aus einem alten Verb für „wissen“ und „cuckold“. Es bezeichnete den Ehemann, der von der Untreue seiner Frau weiß und sie hinnimmt. Der heutige Cuckold steht diesem Wort näher als dem ursprünglichen. Das ältere deutsche Gegenstück heißt Hahnrei. Laut dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen meinte es zunächst den kastrierten Hahn, dem man die abgeschnittenen Sporen in den Kamm setzte, wo sie wie kleine Hörner weiterwuchsen. Mit diesem Brauch erklärt das Wörterbuch auch die Redensart, jemandem Hörner aufzusetzen.
Herodot erzählt im ersten Buch seiner Historien von Kandaules, König von Lydien, der seine Frau für die schönste aller Frauen hielt und seinen Leibwächter Gyges drängte, sie heimlich nackt zu sehen. Gyges gehorchte widerwillig. Die Königin bemerkte ihn und stellte ihn vor die Wahl, den König zu töten oder selbst zu sterben. Gyges tötete Kandaules. Nach dem König ist der Candaulismus benannt, und seine Geschichte liest sich wie ein Lehrstück darüber, was fehlt, wenn niemand gefragt wird.
Cuckquean, Hotwife, Bull: die Begriffe im Umfeld
Die wichtigsten Wörter aus dem Umfeld:
- Cuckquean ist das weibliche Gegenstück, seit dem 16. Jahrhundert belegt, damals für die Frau eines untreuen Mannes. Heute meint es eine Frau, die es reizt, wenn ihr Partner oder ihre Partnerin mit jemand anderem schläft.
- Hotwife heißt eine Frau in fester Beziehung, die mit Wissen und oft auf Wunsch ihres Partners Sex mit anderen hat. Im Mittelpunkt steht ihre Lust, der Partner erlebt das eher mit Stolz als mit Unterlegenheit. Trennscharf ist diese Abgrenzung zum Cuckolding nicht.
- Bull nennt die Szene die dritte Person, meist einen Mann. Pornos überladen die Rolle mit Klischees von Dominanz, im echten Leben ist der Bull ein Mensch mit eigenen Wünschen und Grenzen.
- Candaulismus beschreibt die Lust daran, den eigenen Partner anderen zu zeigen, nackt, in knapper Kleidung oder auf Bildern. Es geht ums Vorzeigen, nicht zwingend um Sex mit Dritten, doch beides überschneidet sich oft.
Einteilungen wie „C1 bis C3“, wie sie etwa in Shop-Ratgebern auftauchen, sind keine Fachbegriffe.
Warum Cuckolding manche erregt
Für das Buch „Tell Me What You Want“ befragte der US-Sozialpsychologe Justin Lehmiller 4.175 Erwachsene in den USA zu ihren Fantasien. 58 Prozent der Männer und rund ein Drittel der Frauen hatten sich schon einmal ausgemalt, wie der Partner oder die Partnerin mit jemand anderem schläft. Eine spätere Auswertung derselben Daten ergab: Frauen fantasierten öfter über die umgekehrte Rolle als über das Zusehen, also darüber, selbst mit einer anderen Person Sex zu haben, während der Partner zuschaut. Bei Männern überwog die Zuschauerrolle.
Dass es nicht nur um heterosexuelle Paare geht, zeigt eine 2018 veröffentlichte Studie von Lehmiller, dem klinischen Psychologen David Ley und dem Sex-Kolumnisten Dan Savage mit 580 überwiegend schwulen Männern. BDSM-Motive tauchten bei ihnen seltener auf als in früheren Befunden zu heterosexuellen Männern, dafür hing die Fantasie mit Lust am Zuschauen und an Gruppensex zusammen. Wer sie umgesetzt hatte, berichtete überwiegend Gutes. Laut Lehmiller lief es aber eher ungünstig für Menschen mit starker Verlustangst und für Paare, denen Nähe und Austausch fehlten.
Warum die Vorstellung erregt, ist weniger klar. Ley interviewte für sein Buch „Insatiable Wives“ Paare, in denen die Frau mit Billigung des Mannes andere Liebhaber hat, und hörte sehr verschiedene Gründe. Die wichtigsten Erklärungsversuche, keiner davon gesichert:
- Tabu: Wo Treue als selbstverständlich gilt, hat ihr verabredeter Bruch einen eigenen Reiz.
- Eifersucht als Verstärker: Manche erleben den Stich der Eifersucht als Teil der Erregung. Bei anderen löst dasselbe Gefühl Angst oder Wut aus.
- Mitfreude: die Freude an der Lust des anderen, in polyamoren Kreisen Compersion genannt.
- Stolz: zu sehen, dass andere den eigenen Partner begehren. Hier liegt die Nähe zum Candaulismus.
- Hingabe oder Erniedrigung: Für manche ist das Zurücktreten selbst der Reiz, teils mit masochistischer Note, für viele spielt Demütigung dagegen keine Rolle. Was hinter der Lust an Erniedrigung stecken kann, behandelt der Text über Masochisten.
Die evolutionspsychologische Idee der Spermienkonkurrenz, nach der ein Rivale Männer biologisch anstachelt, ist umstritten und erklärt kaum, warum auch Frauen und schwule Männer die Fantasie kennen. Ein schwacher Selbstwert lässt sich aus den Daten nicht ablesen: Bei Lehmiller ging die Fantasie eher mit etwas höherem Selbstwertgefühl einher, dazu mit größerer Lust auf neue, intensive Erlebnisse.
Cuckold-Fantasie: Kopfkino ist kein Auftrag
Eine Fantasie beschreibt, was dich erregt, nicht zwingend, was du erleben willst. Lehmiller betont diesen Unterschied, und seine Befragung zeigt beide Seiten: Mehr als drei Viertel hätten ihre Lieblingsfantasie gern einmal ausgelebt, getan hatte es weniger als ein Drittel. Wer es wagte, fand es meist mindestens so gut wie erwartet, besonders in Beziehungen, die ohnehin gut liefen. Ausgerechnet Dreier, also ebenfalls Szenen mit einer weiteren Person, gingen am seltensten gut aus.
Im Kopf bestimmst du das Drehbuch: Die dritte Person tut, was die Szene verlangt, und Eifersucht bleibt ein Gewürz in genau der Dosis, die dir gefällt. In der Wirklichkeit hat der Dritte eigene Wünsche, dein Partner eigene Gefühle, und die Dosis lässt sich nicht vorher einstellen. Viele behalten die Fantasie deshalb für sich oder teilen sie nur als Gedankenspiel. Das ist kein Verzicht, sondern ein vollwertiger Umgang mit ihr. Wie ihr so etwas teilt, ohne dass daraus eine Forderung wird, beschreibt der Ratgeber Sexuelle Fantasien mit dem Partner teilen.
Cuckold-Beziehung, Fremdgehen, Swinging: die Unterschiede
Cuckolding zählt zu den einvernehmlich nicht-monogamen Lebensweisen. Die Nachbarbegriffe im Vergleich:
- Fremdgehen geschieht heimlich und bricht eine Absprache, Cuckolding beruht auf einer. Das alte Wort für den Betrogenen steht heute also für das Gegenteil von Betrug.
- Swinging meint meist, dass beide Partner gemeinsam Sex mit anderen haben. Beim Cuckolding ist die Rollenverteilung oft einseitig: Einer erlebt, der andere schaut zu oder weiß davon.
- Offene Beziehung heißt in der Regel, dass beide unabhängig voneinander Freiräume haben. Eine Cuckold-Beziehung ähnelt eher der einseitig offenen Beziehung, nur dass der zurückbleibende Teil selbst Lust daraus zieht.
- Polyamorie zielt auf mehrere Liebesbeziehungen. Beim Cuckolding bleibt die emotionale Bindung meist exklusiv, geteilt wird die Sexualität.
Weitere Spielarten der Öffnung und bewährte Regeln stehen im Überblick Was ist eine offene Beziehung?
Wenn du es ansprechen willst oder dein Partner es tut
Ob du den Anfang machst oder dein Partner: Das erste Gespräch prägt alles Weitere. Ein paar Grundsätze helfen:
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Kostenlos testen →⭐ Von über 100.000 Singles empfohlen- Erst die Fantasie, dann die Praxis. Sag klar, ob du von einem Gedankenspiel erzählst oder von einem Wunsch. Wer davon hört, darf erst einmal nur zuhören.
- Genau nachfragen. Was reizt: das Zusehen, das Erzählen danach, der Stolz, das Zurücktreten? Oft trägt ein kleiner Teil des Szenarios den größten Teil des Reizes.
- Zustimmung aller, auch der dritten Person. Sie muss wissen, worauf sie sich einlässt, auch bei Rollenspielen mit Machtgefälle. Ein Ja aus Angst, den anderen sonst zu verlieren, ist kein Ja.
- Grenzen konkret machen. Was ist erlaubt, was bleibt euch vorbehalten, was gilt für Kondome und Tests? Fotos und Videos nur mit Einwilligung aller Abgebildeten: Intime Bilder ohne Erlaubnis weiterzugeben, kann in Deutschland strafbar sein.
- Ausstieg jederzeit. Jede beteiligte Person kann abbrechen, auch mittendrin und ohne Begründung.
- Eifersucht einplanen. Was in der Fantasie reizt, kann in der Wirklichkeit wehtun. Wer zu Verlustangst neigt, geht lieber langsamer vor. Wie sich das Gefühl begleiten lässt, ohne dass es die Beziehung steuert, zeigt der Ratgeber Eifersucht loslassen.
- Nachgespräch. Nach einer ersten Erfahrung braucht es Zeit füreinander und ein ruhiges Gespräch an einem der folgenden Tage. Warum die Zeit danach so viel Gewicht hat, erklärt der Text über Aftercare.
Und wenn dein Partner das Thema anspricht und du es nicht willst? Dann reicht ein Nein, ohne Rechtfertigung.
„Cuck“ als Schimpfwort im Netz
Seit Mitte der 2010er-Jahre ist „Cuck“ im englischsprachigen Netz ein verbreitetes Schimpfwort, zuerst populär im politischen Schlagabtausch, dann in Foren und Kommentarspalten. Gemeint ist ein Mann, der als schwach, unterwürfig oder fremdbestimmt hingestellt werden soll, Wörterbücher führen das Wort als abwertend. Es lebt vom jahrhundertealten Spott über den betrogenen Ehemann und hat mit der einvernehmlichen Praxis wenig zu tun, außer dass es sie lächerlich machen will.
Häufige Fragen
Was bedeutet das Wort Cuckolding?
Cuckolding bezeichnet heute eine Fantasie oder Praxis, bei der jemand es erregend findet, dass der Partner oder die Partnerin mit einer anderen Person Sex hat, mit Wissen und Zustimmung aller. Ursprünglich meinte das englische Verb to cuckold das Gegenteil: einen Ehemann heimlich zu betrügen.
Was bedeutet es, wenn man Cuckold-Fantasien hat?
Zunächst nur, dass dich diese Vorstellung erregt. Damit bist du in großer Gesellschaft: In einer umfangreichen US-Befragung kannten gut die Hälfte der Männer und etwa jede dritte Frau solche Fantasien. Sie verpflichten zu nichts, und eine einvernehmlich gelebte Vorliebe gilt heute nicht als Störung. Wo die Fachwelt die Grenze zieht, erklärt der Text über den Fetisch.
Was ist ein Cuckold?
Ein Cuckold ist heute meist ein Mann, der es genießt, wenn seine Partnerin oder sein Partner mit seinem Einverständnis Sex mit anderen hat, ob er zusieht, davon weiß oder es sich nur vorstellt. Früher hieß so der betrogene Ehemann, auf Deutsch Hahnrei. Das weibliche Gegenstück heißt Cuckquean.
Was ist Candaulismus?
Candaulismus ist die Lust daran, den eigenen Partner anderen zu zeigen: nackt, in aufreizender Kleidung oder auf Bildern. Der Name geht auf König Kandaules zurück, der laut Herodot seine Frau ohne ihr Wissen nackt seinem Leibwächter zeigte. Heute gelebt setzt das die Zustimmung der gezeigten Person voraus, bei jedem einzelnen Foto.
Was ist der Unterschied zwischen Cuckold und Hotwife?
Beide Begriffe beschreiben ähnliche Konstellationen mit anderem Schwerpunkt. Beim Cuckolding steht oft der zurücktretende Partner im Fokus, manchmal mit einer Prise Unterlegenheit. Beim Hotwifing stehen die Frau und ihre Lust im Mittelpunkt, ihr Partner erlebt das eher mit Stolz. In der Praxis verschwimmen die Grenzen.
Ist Cuckolding Fremdgehen?
Nein, solange alle Beteiligten Bescheid wissen und frei zugestimmt haben. Fremdgehen lebt von Heimlichkeit, Cuckolding von Absprachen. Zum Vertrauensbruch wird es, wenn vereinbarte Grenzen verletzt werden oder jemand nur unter Druck zugestimmt hat.
Fazit: eine Fantasie mit langer Vorgeschichte
Cuckold war über Jahrhunderte ein Spottwort für den betrogenen Ehemann. Heute beschreibt es meist eine verabredete Konstellation, in der gerade das Wissen den Unterschied macht. Die Fantasie ist verbreitet, bei Frauen wie bei Männern und unabhängig von der Orientierung, ihre Gründe sind vielfältig. Ob du sie im Kopf behältst, teilst oder ausprobierst, entscheidest du mit denen, die es betrifft. Entscheidend ist, dass alle wirklich gefragt wurden.
Quellen & weiterführende Literatur
- (2018): The psychology of gay men’s cuckolding fantasies. Archives of Sexual Behavior, 47(4), 999-1013
- (2018): Tell Me What You Want: The Science of Sexual Desire and How It Can Help You Improve Your Sex Life. Da Capo Lifelong Books
- (2009): Insatiable Wives: Women Who Stray and the Men Who Love Them. Rowman & Littlefield







