Oscar Wilde Zitate: 49 echte Sätze mit Werk und Figur

Oscar Wilde Zitate über Liebe, Leben und Freundschaft: 49 echte Sätze mit Werk, Akt und sprechender Figur, dazu englische Originale und die bekanntesten Fakes.

von Nina Hofmann16 Min. Lesezeit
Oscar Wilde Zitate: 49 echte Sätze mit Werk und Figur
Inhalt 10 Abschnitte
  1. Warum Oscar Wilde Zitate so gut funktionieren
  2. Die berühmtesten Oscar Wilde Zitate
  3. Oscar Wilde Zitate über die Liebe
  4. Oscar Wilde Zitate über das Leben
  5. Oscar Wilde Zitate über Freundschaft und Gesellschaft
  6. Oscar Wilde Dorian Gray Zitate über Kunst und Schönheit
  7. Der ernste Wilde: Zitate aus De Profundis
  8. Oscar Wilde Zitate auf Englisch
  9. 5 Sprüche, die Oscar Wilde zugeschrieben werden – ohne Beleg
  10. Wer spricht? Figur und Autor richtig zitieren

Oscar Wilde Zitate gehören zu den meistgeteilten Sätzen der Weltliteratur, und kaum ein Autor wird so oft schief zitiert. Das liegt nicht nur an erfundenen Sprüchen, sondern an einer Eigenheit seines Werks: Die schärfsten Pointen spricht fast immer eine Figur, ein zynischer Lord, ein gelangweilter Dandy, eine Dame mit Vergangenheit. Wer „Oscar Wilde sagte …“ schreibt, legt ihm oft eine Haltung in den Mund, die er auf der Bühne gerade vorführt. Hier findest du 49 echte Zitate nach Themen, jeweils mit Werk, Akt oder Kapitel und sprechender Figur. Alle deutschen Fassungen sind eigene Übersetzungen der Redaktion; bei den wichtigsten Sätzen steht das englische Original dabei. Dazu: welche beliebten Sprüche gar nicht von ihm stammen.

Warum Oscar Wilde Zitate so gut funktionieren

Wilde, 1854 in Dublin geboren und 1900 in Paris gestorben, war ein Meister des Epigramms: eines kurzen, zugespitzten Satzes, der sich vom Zusammenhang lösen lässt und trotzdem trägt. Sein Lieblingswerkzeug war das Paradox. Er nimmt eine Redensart, die alle kennen, und dreht ein einziges Wort um. In Ernst sein ist alles behauptet Jack, er habe gerade die Wahrheit gesagt, „rein und einfach“. Algernon antwortet, die Wahrheit sei selten rein und nie einfach. Aus einer Floskel wird so eine Beobachtung über Menschen.

Gelungene Formeln hat Wilde gern wiederverwertet. Der Satz über Leute, die von allem den Preis und von nichts den Wert kennen, steht im Bildnis des Dorian Gray und wieder in Lady Windermeres Fächer. Der Gedanke, dass Kinder ihre Eltern erst lieben, dann beurteilen und ihnen selten vergeben, ist im Roman Erzählerkommentar und später Rede von Lord Illingworth. Die Pointen gehörten also Wilde, doch er verteilte sie an Figuren, die damit etwas bezwecken.

Die Kapitelangaben zum Dorian Gray folgen der Buchausgabe von 1891 mit 20 Kapiteln, nicht der kürzeren Zeitschriftenfassung von 1890. Wildes Texte sind gemeinfrei, deutsche Übersetzungen anderer Übersetzer aber oft noch geschützt, deshalb übertragen wir selbst.

Die berühmtesten Oscar Wilde Zitate

Diese acht Sätze begegnen dir am häufigsten. Alle sind belegt, aber nur einen davon hat Wilde auch unter eigenem Namen gedruckt.

  • „Ich kann allem widerstehen, nur der Versuchung nicht.“ – Lord Darlington im Flirt mit der verheirateten Lady Windermere, Lady Windermeres Fächer, 1. Akt (Uraufführung 1892). Original: I can resist everything except temptation.
  • „Wir alle liegen in der Gosse, doch manche von uns sehen zu den Sternen hinauf.“ – Lord Darlington, Lady Windermeres Fächer, 3. Akt. Seine Freunde verspotten ihn prompt als romantisch.
  • „Ein Mensch, der von allem den Preis kennt und von nichts den Wert.“ – Lord Darlington im 3. Akt auf Cecil Grahams Frage, was ein Zyniker sei.
  • „Schlimmer als ins Gerede zu kommen, ist auf der ganzen Welt nur eines: nicht ins Gerede zu kommen.“ – Lord Henry, Das Bildnis des Dorian Gray, Kapitel 1, zum Maler Basil.
  • „Der einzige Weg, eine Versuchung loszuwerden, ist, ihr nachzugeben.“ – Lord Henry, Dorian Gray, Kapitel 2. Original: The only way to get rid of a temptation is to yield to it. Damit beginnt er, den jungen Dorian zu verführen.
  • „Einen Elternteil zu verlieren, Mr. Worthing, kann man als Unglück ansehen. Beide zu verlieren, wirkt wie Nachlässigkeit.“ – Lady Bracknell, Ernst sein ist alles, 1. Akt (Uraufführung 1895), beim Verhör ihres möglichen Schwiegersohns.
  • „Die Wahrheit ist selten rein und niemals einfach.“ – Algernon, Ernst sein ist alles, 1. Akt. Original: The truth is rarely pure and never simple.
  • „Wer sich selbst liebt, beginnt eine Romanze fürs ganze Leben.“ – Lord Goring, Ein idealer Gatte, 3. Akt (Uraufführung 1895), zu seinem Diener Phipps, während er sich im Spiegel betrachtet. Original: To love oneself is the beginning of a lifelong romance.

Der letzte Satz ist der Sonderfall: Wilde veröffentlichte ihn im Dezember 1894 auch unter eigenem Namen, in seiner Aphorismenreihe Phrases and Philosophies for the Use of the Young, wenige Wochen vor der Uraufführung des Stücks. Im Stück ist er Selbstironie eines Dandys. Wie sich der Gedanke ernsthaft für den Alltag nutzen lässt, zeigen unsere Selbstliebe Sprüche.

Oscar Wilde Zitate über die Liebe

Die meisten Liebessätze stammen von Lord Henry Wotton, der nichts ernst nimmt. Sie klingen zynisch, weil der Sprecher zynisch ist.

  • „Wer verliebt ist, fängt stets damit an, sich selbst zu täuschen, und endet stets damit, andere zu täuschen. Das nennt die Welt dann eine Romanze.“ – Lord Henry, Dorian Gray, Kapitel 4, als Dorian ihm von der Schauspielerin Sibyl Vane erzählt.
  • „Wer treu ist, kennt nur die banale Seite der Liebe. Die Untreuen kennen ihre Tragödien.“ – Lord Henry, Dorian Gray, Kapitel 1. Original: Those who are faithful know only the trivial side of love: it is the faithless who know love’s tragedies.
  • „Der einzige Unterschied zwischen einer Laune und einer lebenslangen Leidenschaft besteht darin, dass die Laune ein wenig länger hält.“ – Lord Henry, Dorian Gray, Kapitel 2. Dorian antwortet errötend, dann solle ihre Freundschaft eben eine Laune sein.
  • „Romantik lebt von der Wiederholung, und Wiederholung verwandelt ein Begehren in eine Kunst. Außerdem ist jedes Mal, wenn man liebt, das einzige Mal, dass man je geliebt hat.“ – Lord Henry, Dorian Gray, Kapitel 17, im Wortgefecht mit der Herzogin von Monmouth.
  • „Nicht die Vollkommenen brauchen Liebe, sondern die Unvollkommenen.“ – Sir Robert Chiltern, Ein idealer Gatte, 2. Akt, zu seiner Frau, die ihn auf einen Sockel gestellt hat. Original: It is not the perfect, but the imperfect, who have need of love.
  • „Das eigentliche Wesen der Romantik ist die Ungewissheit.“ – Algernon, Ernst sein ist alles, 1. Akt. Er findet Heiratsanträge unromantisch, weil man ja angenommen werden könnte.
  • „Das Glück eines verheirateten Mannes hängt von den Menschen ab, die er nicht geheiratet hat.“ – Lord Illingworth, Eine Frau ohne Bedeutung, 3. Akt (Uraufführung 1893), zu Gerald, den er als Sekretär einstellen will.

Für eine Hochzeitskarte taugt ehrlicherweise nur Sir Robert Chilterns Satz. Er fällt in einem Moment echter Not: Chiltern bittet seine Frau, ihn trotz eines alten Fehlers weiter zu lieben. Wer eher Zärtliches als Geistreiches sucht, wird in unseren Zitaten über die Liebe oder bei den Liebessprüchen fündig.

Oscar Wilde Zitate über das Leben

Über das Leben sprechen Wildes Figuren selten feierlich, und gerade dadurch wirken viele Sätze bis heute frisch.

  • „Wirklich zu leben ist das Seltenste, was es gibt. Die meisten Menschen existieren nur, das ist alles.“ – Wilde selbst im Essay Die Seele des Menschen im Sozialismus (1891). Original: Most people exist, that is all.
  • „Das Leben ist viel zu wichtig, um je ernsthaft darüber zu sprechen.“ – Lord Darlington, Lady Windermeres Fächer, 1. Akt, auf die Frage, warum er so leichtfertig vom Leben rede.
  • „Auf dieser Welt gibt es nur zwei Tragödien. Die eine besteht darin, nicht zu bekommen, was man will, die andere darin, es zu bekommen.“ – Dumby, Lady Windermeres Fächer, 3. Akt. Er fügt hinzu, die zweite sei die weitaus schlimmere.
  • „Erfahrung – so nennt jeder seine Fehler.“ – Dumby, Lady Windermeres Fächer, 3. Akt. Kurz zuvor hat Cecil Graham dieselbe Pointe auf einen einzelnen Freund gemünzt; Dumby macht daraus eine Regel für alle.
  • „Das Ziel des Lebens ist Selbstentfaltung. Die eigene Natur vollkommen zu verwirklichen, dafür ist jeder von uns hier.“ – Lord Henry, Dorian Gray, Kapitel 2.
  • „Die Jugend ist das Einzige, was zu besitzen sich lohnt.“ – Lord Henry, Dorian Gray, Kapitel 2. Original: Youth is the one thing worth having. Kurz darauf spricht Dorian vor seinem Porträt den verhängnisvollen Wunsch aus, ewig jung zu bleiben.
  • „Heutzutage sterben die meisten Leute an einer Art schleichendem gesunden Menschenverstand und merken zu spät, dass man nur eines nie bereut: die eigenen Fehler.“ – Lord Henry, Dorian Gray, Kapitel 3.
  • „Der einzige Unterschied zwischen dem Heiligen und dem Sünder ist, dass jeder Heilige eine Vergangenheit hat und jeder Sünder eine Zukunft.“ – Lord Illingworth, Eine Frau ohne Bedeutung, 3. Akt. Original: Every saint has a past, and every sinner has a future.
  • „Das Leben ist nie gerecht, Robert. Und vielleicht ist das für die meisten von uns auch ganz gut so.“ – Lord Goring, Ein idealer Gatte, 2. Akt, zu seinem Freund, der eine Erpressung fürchtet.
  • „Die erste Pflicht im Leben ist, so künstlich wie möglich zu sein. Worin die zweite besteht, hat bisher niemand herausgefunden.“ – Wilde selbst, Phrases and Philosophies for the Use of the Young (1894). Im Idealen Gatten lässt er Mrs. Cheveley die Formel abwandeln: Die erste Pflicht einer Frau gelte ihrer Schneiderin.

Als Lebensmotto funktionieren viele dieser Sätze nur mit ihrer Ironie. Leichtere Kost für den Status findest du bei den lustigen Sprüchen.

Oscar Wilde Zitate über Freundschaft und Gesellschaft

Freundschaft ist bei Wilde selten ein warmes Thema. Seine Figuren bewegen sich in der Londoner Oberschicht, wo man Freunde und Feinde mit derselben Sorgfalt auswählt.

  • „Lachen ist gar kein schlechter Anfang für eine Freundschaft, und für ihr Ende ist es bei Weitem das beste.“ – Lord Henry, Dorian Gray, Kapitel 1. Original: Laughter is not at all a bad beginning for a friendship, and it is far the best ending for one.
  • „Meine Freunde wähle ich nach ihrem guten Aussehen, meine Bekannten nach ihrem guten Charakter und meine Feinde nach ihrem guten Verstand.“ – Lord Henry, Dorian Gray, Kapitel 1.
  • „Zwischen Männern und Frauen ist keine Freundschaft möglich. Es gibt Leidenschaft, Feindschaft, Anbetung, Liebe, aber keine Freundschaft.“ – Lord Darlington, Lady Windermeres Fächer, 2. Akt. Lady Windermere hat ihn gerade gebeten, ihr ein Freund zu sein. Er antwortet so, weil er ihr im nächsten Atemzug seine Liebe gesteht: eine taktische Behauptung, keine Lehre.
  • „Wahre Freunde sollten alles gemeinsam haben.“ – der Müller im Märchen Der ergebene Freund aus Der glückliche Prinz und andere Märchen (1888). Original: Real friends should have everything in common. Der Müller nutzt den schönen Satz, um seinem gutmütigen Freund Hans alles abzunehmen und nichts zurückzugeben.
  • „Dazuzugehören ist bloß langweilig. Nicht dazuzugehören ist eine Tragödie.“ – Lord Illingworth, Eine Frau ohne Bedeutung, 3. Akt, über die feine Gesellschaft.
  • „Fragen sind niemals indiskret. Antworten manchmal schon.“ – Mrs. Cheveley, Ein idealer Gatte, 1. Akt.
  • „Moral ist einfach die Haltung, die wir gegenüber Leuten einnehmen, die wir persönlich nicht ausstehen können.“ – Mrs. Cheveley, Ein idealer Gatte, 2. Akt, zu Lady Chiltern, die ihr Vorhaltungen macht.

Der Müller zeigt, warum der Sprecher zählt: Auf einer Freundschaftskarte wirkt sein Satz rührend, im Märchen ist er die Ausrede eines Ausbeuters. Wenn dich die spitzere Seite solcher Sätze reizt, schau in unsere sarkastischen Sprüche, dort stehen Wilde und andere Spötter mit Fundstelle.

Oscar Wilde Dorian Gray Zitate über Kunst und Schönheit

Im Roman gibt es genau eine Stelle, an der Wilde ohne Maske spricht: die Vorrede, die er für die Buchausgabe von 1891 ergänzt und mit seinem Namen unterschrieben hat. Die kurzen Thesen antworten auf die Empörung über den Zeitschriftenabdruck.

  • „Es gibt kein moralisches oder unmoralisches Buch. Bücher sind gut geschrieben oder schlecht geschrieben. Das ist alles.“ – Wilde, Vorrede zum Dorian Gray. Original: There is no such thing as a moral or an immoral book.
  • „Was die Kunst in Wahrheit spiegelt, ist der Betrachter, nicht das Leben.“ – Wilde, Vorrede zum Dorian Gray.
  • „Alle Kunst ist völlig nutzlos.“ – Wilde, letzter Satz der Vorrede. Original: All art is quite useless. Gemeint ist: Kunst muss keinem Zweck dienen.
  • „Jedes Porträt, das mit Gefühl gemalt ist, ist ein Porträt des Künstlers, nicht des Modells.“ – der Maler Basil Hallward, Dorian Gray, Kapitel 1. So begründet er, warum er das Bild nicht ausstellt.
  • „Der Mensch ist am wenigsten er selbst, wenn er in eigener Person spricht. Gib ihm eine Maske, und er wird dir die Wahrheit sagen.“ – Gilbert im Dialog Der Kritiker als Künstler, erschienen im Band Intentions (1891). Original: Give him a mask, and he will tell you the truth.
  • „Das Leben ahmt die Kunst weit mehr nach als die Kunst das Leben.“ – Vivian im Dialog Der Verfall der Lüge, ebenfalls in Intentions. Original: Life imitates art far more than Art imitates life.
  • „Man sollte entweder ein Kunstwerk sein oder ein Kunstwerk tragen.“ – Wilde selbst, Phrases and Philosophies for the Use of the Young (1894).

Der Satz von der Maske ist der Schlüssel zum ganzen Werk: Wilde hielt die Maske nicht für Versteckspiel, sondern für den ehrlicheren Weg. Wer ihn zitiert, sollte wissen, welche Maske gerade spricht.

Der ernste Wilde: Zitate aus De Profundis

1895 wurde Wilde wegen homosexueller Handlungen, die damals in England strafbar waren, zu zwei Jahren Zuchthaus mit Zwangsarbeit verurteilt. Im Gefängnis von Reading schrieb er Anfang 1897 einen langen Brief an Lord Alfred Douglas. Sein Freund und Nachlassverwalter Robert Ross veröffentlichte 1905, nach Wildes Tod, eine stark gekürzte Fassung unter dem Titel De Profundis. Hier spricht Wilde ohne Figuren über sich selbst.

  • „Die meisten Menschen sind andere Menschen. Ihre Gedanken sind die Meinungen anderer, ihr Leben ist Nachahmung, ihre Leidenschaften sind ein Zitat.“ Original: Most people are other people.
  • „Wo Leid ist, ist heiliger Boden.“ Original: Where there is sorrow there is holy ground.
  • „Hinter Freude und Lachen kann ein grobes, hartes, gefühlloses Wesen stecken. Hinter dem Leid aber steckt immer Leid. Der Schmerz trägt, anders als das Vergnügen, keine Maske.“
  • „Das schlimmste Laster ist die Oberflächlichkeit. Was ganz erfasst ist, ist richtig.“ Original: The supreme vice is shallowness.
  • „Die eigenen Erfahrungen zu bereuen heißt, die eigene Entwicklung anzuhalten.“
  • „Das letzte Geheimnis ist man selbst.“ Original: The final mystery is oneself.

Spannend ist der Bruch: Der Autor, der so viel über Masken geschrieben hat, stellt im Gefängnis fest, dass der Schmerz keine trägt. Weil diese Sätze ohne Ironie auskommen, passen sie auch in eine Trauerkarte oder Abschiedsrede.

Oscar Wilde Zitate auf Englisch

Für Instagram, Tattoo oder Karte willst du oft das Original. Neben den Sätzen oben sind diese kurzen Zeilen beliebt; die Übertragung in Klammern ist unsere eigene.

  • Ideals are dangerous things. Realities are better. (Ideale sind gefährlich, die Wirklichkeit ist besser.) – Mrs. Erlynne, Lady Windermeres Fächer, 4. Akt, zur jungen Lady Windermere.
  • To define is to limit. (Definieren heißt begrenzen.) – Lord Henry, Dorian Gray, Kapitel 17.
  • Nothing succeeds like excess. (Nichts hat so viel Erfolg wie das Übermaß.) – Lord Illingworth, Eine Frau ohne Bedeutung, 3. Akt.
  • Memory is the diary that we all carry about with us. (Das Gedächtnis ist das Tagebuch, das wir alle bei uns tragen.) – Miss Prism, Ernst sein ist alles, 2. Akt. Cecily wendet ein, meist stehe darin, was nie passiert sei.

Achte auf Schreibweisen, denn sie schwanken zwischen den Ausgaben. In der verbreiteten Online-Ausgabe des Dorian Gray steht realize, in De Profundis dagegen realised; im Idealen Gatten heißt es lifelong, in der Aphorismenreihe life-long. Für ein Tattoo übernimmst du eine Ausgabe buchstabengenau. Mehr Hilfe zu Satzbau und Übersetzung geben dir unsere englischen Sprüche.

5 Sprüche, die Oscar Wilde zugeschrieben werden – ohne Beleg

Wilde gehört neben Mark Twain und Einstein zu den Autoren, denen das Internet am liebsten fremde Pointen schenkt. Die Belege stammen aus den Recherchen von Quote Investigator und unserer Suche in den Originaltexten.

„Sei du selbst, alle anderen gibt es schon.“

Englisch Be yourself; everyone else is already taken. In Wildes Werken ist der Satz nicht nachweisbar. Quote Investigator fand den frühesten exakten Treffer in einem namenlosen Usenet-Beitrag von Ende 1999. Der Irrtum ist trotzdem verständlich: In Die Seele des Menschen im Sozialismus schreibt Wilde, über dem Tor der neuen Welt werde Be thyself stehen, „sei du selbst“. Und in De Profundis klagt er, die meisten Menschen seien andere Menschen.

„Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“

Im deutschsprachigen Netz sehr verbreitet, aber ohne Fundstelle bei Wilde. Quote Investigator führt den Spruch auf den brasilianischen Schriftsteller Fernando Sabino zurück, der ihn 1988 seinem Vater zuschrieb. Bekannt machte ihn unter anderem der Film Best Exotic Marigold Hotel von 2011.

„Vergib deinen Feinden immer, nichts ärgert sie mehr.“

Der früheste passende Beleg ist laut Quote Investigator eine Ratgeberliste des britischen Autors Percy Colson von 1949. Erst 1954 druckte ein Magazin den Satz mit Wildes Namen, ohne Quelle.

„Ich habe nichts zu verzollen außer meinem Genie.“

Diese Szene soll sich 1882 bei Wildes Ankunft in New York abgespielt haben. Gedruckt erscheint sie aber zuerst 1910 in einem Wilde-Kalender, also fast drei Jahrzehnte später und nach seinem Tod. Möglich ist die Anekdote, belegt ist sie nicht; erzähl sie als Legende.

„Arbeit ist der Fluch der trinkenden Klasse.“

Das Wortspiel kursierte schon zu Wildes Lebzeiten ohne Autor und wurde ihm erst später zugeschrieben. Die Einzelheiten haben wir bei den lustigen Sprüchen über Arbeit zusammengetragen.

Noch häufiger trifft es Twain, siehe unsere Mark Twain Zitate.

Wer spricht? Figur und Autor richtig zitieren

Der häufigste Fehler bei echten Wilde-Zitaten ist der falsche Sprecher. Ein schönes Beispiel liefert das Märchen Die bemerkenswerte Rakete aus demselben Band wie der ergebene Freund. Dort prahlt ein Feuerwerkskörper, er sei so klug, dass er manchmal selbst kein Wort von dem verstehe, was er sage. Der Satz geistert als Wildes Selbstbeschreibung durchs Netz. Tatsächlich verspottet Wilde damit eine eitle Rakete, die am Ende unbemerkt verpufft.

Ähnlich bei Lord Henry: Er ist die glänzendste Stimme des Romans, aber nicht sein Held, und seine Ratschläge treiben Dorian in den Ruin. Daraus ergeben sich drei einfache Regeln:

  • Nenne die Figur: „– Lord Henry in Oscar Wildes Das Bildnis des Dorian Gray, Kapitel 2“ ist ehrlicher als „– Oscar Wilde“.
  • Prüfe den Zusammenhang: Ein Satz, der im Stück eine Verführung, eine Ausrede oder einen Spott vorbereitet, passt nicht auf jede Karte.
  • Unterscheide die Textsorten: Vorrede, Essays, Phrases and Philosophies und De Profundis sind Wildes eigene Stimme. Romane, Stücke und Märchen sind Figurenrede, auch wenn die Pointe von ihm stammt.

Häufige Fragen

Was ist das berühmteste Zitat von Oscar Wilde?

Am bekanntesten ist wohl „Ich kann allem widerstehen, nur der Versuchung nicht“. Es stammt aus Lady Windermeres Fächer, 1. Akt, und gehört Lord Darlington. Ähnlich oft zitiert wird sein Blick aus der Gosse zu den Sternen.

Was sind die bekanntesten Zitate?

Eine objektive Rangliste gibt es nicht. Zu den meistzitierten Sätzen überhaupt zählen Klassiker von Shakespeare, Goethe, Einstein und eben Wilde, wobei gerade bei Einstein und Wilde viele Fassungen unbelegt sind. Von Wilde zählen die Versuchung, der Zyniker mit Preis und Wert und die Sterne über der Gosse zu den meistgeteilten.

Was sagte Oscar Wilde über die Liebe?

Meist ließ er Figuren darüber spotten, allen voran Lord Henry im Dorian Gray: Verliebte täuschten erst sich und dann andere, die Treuen kennten nur die banale Seite der Liebe. Ernst gemeint wirkt dagegen Sir Robert Chilterns Satz, nicht die Vollkommenen, sondern die Unvollkommenen bräuchten Liebe.

Welche berühmten Zitate stammen von Oscar Wilde über das Leben?

Belegt sind etwa „Das Leben ist viel zu wichtig, um je ernsthaft darüber zu sprechen“ von Lord Darlington, die zwei Tragödien von Dumby und Wildes eigener Satz aus einem Essay von 1891, wirklich zu leben sei das Seltenste überhaupt.

Hat Oscar Wilde „Sei du selbst, alle anderen gibt es schon“ gesagt?

Nein, dafür gibt es keinen Beleg. Der englische Satz taucht nach den Recherchen von Quote Investigator erstmals Ende der 1990er-Jahre im Internet auf, ein Jahrhundert nach Wildes Tod. Echt sind verwandte Gedanken: Be thyself im Essay über den Sozialismus und die Klage aus De Profundis, die meisten Menschen seien andere Menschen.

Fazit: Wilde zitieren heißt, die Maske mitzunennen

Oscar Wildes Sätze sind so pointiert, dass sie ohne ihren Zusammenhang weiterleben. Ein Bonmot von Lord Henry klingt auf der Karte nach Lebensweisheit und war im Roman ein Gift. Wer Werk, Akt und Figur dazuschreibt, zitiert nicht nur korrekter, sondern versteht auch mehr: wann Wilde spielt, wann seine Figuren spotten und wann er, wie in De Profundis, ohne jede Maske schreibt. Und wirkt ein Spruch zu glatt, um wahr zu sein, prüf ihn: Das Original ist fast immer besser als die Fälschung.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Wilde, O. (1891): The Picture of Dorian Gray. Ward, Lock and Company
  2. Wilde, O. (1893): Lady Windermere's Fan. Elkin Mathews and John Lane
  3. Wilde, O. (1905): De Profundis. Methuen & Co.
Redaktionell geprüft von Nina Hofmann3 Quellen angegeben
Nina Hofmann

Nina Hofmann

Nina schreibt über die großen Fragen der Liebe: Selbstliebe, Trennungen, toxische Muster und emotionale Heilung. Ihr Ansatz verbindet Psychologie mit echtem Mitgefühl.

Seit 2024 · Liebespsychologie, Selbstentwicklung, Emotionale Muster

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