Rumi Zitate: echte Verse und 7 falsche Zuschreibungen

Rumi Zitate mit Masnawi-Vers und Ghasel-Nummer: was der persische Mystiker über Liebe, Sehnsucht und Tod schrieb und welche Sprüche nicht von ihm stammen.

von Daniel Weber14 Min. Lesezeit
Rumi Zitate: echte Verse und 7 falsche Zuschreibungen
Inhalt 9 Abschnitte
  1. Dschalal ad-Din Rumi: wer er war und was er schrieb
  2. Rumi Zitate über die Liebe
  3. Sehnsucht und Trennung: das Lied der Rohrflöte
  4. Rumi Zitate über den Tod
  5. Rumi über die Wahrheit: der Elefant im Dunkeln
  6. Rumi Sprüche über Wandel und Loslassen
  7. Rumi auf Deutsch: Friedrich Rückerts Ghaselen
  8. Instagram-Rumi: 7 Sprüche, die nicht oder nicht so von ihm stammen
  9. Warum so viele falsche Rumi Zitate kursieren

Rumi Zitate stehen auf Hochzeitskarten, Yogamatten und unter unzähligen Sonnenuntergangsfotos. Ein großer Teil davon stammt aber nicht aus seinen Werken, sondern aus sehr freien englischen Nachdichtungen, aus einem spirituellen Lehrbuch der 1970er-Jahre oder von ganz anderen Dichtern. Hier findest du Verse, die wirklich im Masnawi oder im Diwan des persischen Mystikers stehen, jeweils mit Buch und Vers oder Ghasel-Nummer, geordnet nach Liebe, Sehnsucht, Tod, Wahrheit und Wandel. Dazu sieben populäre Sprüche, bei denen du skeptisch sein solltest.

Zur Zählung: „Masnawi I 1741“ meint Buch I, Vers 1741 in der Ausgabe des Cambridger Orientalisten Reynold A. Nicholson; Ghasel-Nummern folgen der kritischen Diwan-Ausgabe von Badiozzaman Foruzanfar. Die deutschen Fassungen sind eigene Übersetzungen nach Nicholsons gemeinfreier englischer Prosa (er starb 1945). Friedrich Rückert steht im Wortlaut des 19. Jahrhunderts.

Dschalal ad-Din Rumi: wer er war und was er schrieb

Dschalal ad-Din Muhammad, den man im Westen Rumi und in der Türkei Mevlana nennt, kam 1207 in Zentralasien zur Welt. Als Geburtsort gilt traditionell Balch im heutigen Afghanistan, manche Forscher nennen Wachsch im heutigen Tadschikistan. Sein Vater Baha ad-Din Walad war ein angesehener Theologe und Prediger. Die Familie zog nach Westen und ließ sich schließlich in Konya nieder, der Hauptstadt der anatolischen Seldschuken. Das Land hieß damals „Rum“, nach dem einst oströmischen Reich, daher sein Beiname.

Rumi wurde Rechtsgelehrter und Lehrer wie sein Vater. Den Wendepunkt brachte 1244 die Begegnung mit dem Wanderderwisch Schams-e Tabrizi. Aus dem angesehenen Gelehrten wurde ein Dichter, der Musik und den kreisenden Tanz in sein geistliches Leben aufnahm. Schams verschwand nach wenigen Jahren aus Konya, die Umstände sind bis heute ungeklärt. Rumi starb am 17. Dezember 1273 in Konya.

Zwei Werke tragen seinen Ruhm:

  • Das Masnawi, ein Lehrgedicht in sechs Büchern mit mehr als 25.000 Doppelversen. Es verbindet Geschichten, Gleichnisse und Koranauslegung.
  • Der Diwan-e Schams-e Tabrizi, eine Sammlung von mehr als 3.000 Ghaselen und rund 2.000 Vierzeilern. Viele Gedichte nennen am Ende statt Rumis Namen den von Schams, daher der Titel.

Rumi war gläubiger Muslim, seine Verse sind voller Koranbezüge und Bilder aus der islamischen Mystik, dem Sufismus. Das gehört dazu, auch wenn seine Bilder von Liebe und Sehnsucht weit darüber hinaus Menschen ansprechen. Der Mevlevi-Orden beruft sich auf ihn; seine Sema-Zeremonie mit den kreisenden Derwischen steht auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes. Wer tiefer einsteigen will: Die Islamwissenschaftlerin Annemarie Schimmel hat ihm 1978 eine ausführliche Monographie über Leben und Werk gewidmet.

Rumi Zitate über die Liebe

Liebe ist bei Rumi selten bloß Romantik. Meist meint er die Liebe zu Gott, beschrieben mit denselben Bildern wie die Liebe zwischen zwei Menschen. Die folgenden Stellen stammen aus dem ersten Buch des Masnawi, in dem es um einen König und eine kranke Magd geht, deren Leiden kein Arzt versteht, bis einer erkennt: Ihr Herz ist krank, nicht ihr Körper.

„Die Krankheit des Liebenden ist anders als alle anderen Krankheiten: Die Liebe ist das Astrolabium der Geheimnisse Gottes.“

Masnawi I 110, eigene Übersetzung nach Nicholson. Das Astrolabium war das Messgerät der Sternkundigen. Rumi sagt also: Durch die Liebe vermisst der Mensch, was er sonst nicht erfassen kann.

„Ob die Liebe von dieser Seite kommt oder von jener, am Ende führt sie uns dorthin.“

Masnawi I 111, eigene Übersetzung nach Nicholson. Nicholson ergänzt in Klammern: irdisch oder himmlisch. Auch die irdische Liebe ist für Rumi ein Weg, kein Irrweg.

„Was immer ich zur Erklärung der Liebe sage: Komme ich zur Liebe selbst, schäme ich mich dafür.“

Masnawi I 112, eigene Übersetzung nach Nicholson. Gleich danach heißt es, die Liebe ohne Zunge sei klarer als jede Auslegung der Zunge.

„Wen du für den Liebenden gehalten hast, den sieh als den Geliebten an.“

Masnawi I 1740, eigene Übersetzung nach Nicholson. Wer liebt, wird auch geliebt; die Rollen sind nicht fest verteilt.

Aus dem Diwan stammt ein kleines Zwiegespräch, das an ein Verhör erinnert. Jemand klopft an, ein Unsichtbarer fragt zurück:

„Er sprach: ‚Wer ist an der Tür?‘ Ich sprach: ‚Dein demütiger Diener.‘ (…) Ich sprach: ‚Die Tränen sind mein Zeuge, die Blässe meines Gesichts mein Beweis.‘“

Diwan, Ghasel 436 (bei Nicholson Nr. XIV), eigene Übersetzung nach Nicholson. Der Liebende soll seine Liebe vor einem Richter beweisen, und der lässt die Zeugen nicht gelten. Wenn dich solche Stellen ansprechen, findest du in unseren Zitaten über die Liebe weitere belegte Sätze von Goethe bis zur Bibel.

Sehnsucht und Trennung: das Lied der Rohrflöte

Das Masnawi beginnt nicht mit einer Lehre, sondern mit einem Klang. Eine Rohrflöte, persisch „ney“, klagt darüber, dass man sie aus dem Schilf geschnitten hat. Diese ersten 18 Verse gelten vielen Lesern als Herzstück des ganzen Werks. In der Deutung der Mevlevi und vieler Kommentatoren steht die Flöte für die Seele, die sich nach ihrem Ursprung sehnt.

„Hör auf die Rohrflöte, wie sie erzählt und über Trennungen klagt. Sie sagt: ‚Seit man mich aus dem Röhricht geschnitten hat, bringt meine Klage Mann und Frau zum Seufzen.‘“

Masnawi I 1–2, eigene Übersetzung nach Nicholson. Im persischen Text heißt es „Trennungen“ im Plural. Nicholson hat seine Übersetzung dieser ersten Zeile später noch einmal überarbeitet; am Sinn ändert das nichts.

„Jeder, der fern von seinem Ursprung lebt, sehnt die Zeit zurück, in der er mit ihm vereint war.“

Masnawi I 4, eigene Übersetzung nach Nicholson. Ein Satz über Heimweh, der auf Fernbeziehungen ebenso passt wie auf verlorene Orte.

„Der Klang der Flöte ist Feuer, nicht Wind. (…) Die Flöte ist Gefährtin aller, die von einem Freund getrennt wurden.“

Masnawi I 9 und 11, eigene Übersetzung nach Nicholson. Vers 10 nennt es ausdrücklich das Feuer der Liebe. Sehnsucht ist bei ihm kein Makel, sondern ein Zeichen, dass einem etwas wirklich wichtig ist. Wie du mit diesem Gefühl im Alltag umgehst, beschreibt unser Ratgeber zur Sehnsucht nach Liebe.

Rumi Zitate über den Tod

Rumis Todestag, der 17. Dezember, wird in Konya bis heute als „Scheb-i Arus“ begangen, als Hochzeitsnacht: Der Tod gilt als Vereinigung mit dem Geliebten, mit Gott. Das bekannteste Gedicht dazu nimmt das eigene Begräbnis vorweg:

„Wenn sich am Tag meines Todes meine Bahre bewegt, glaube nicht, mein Herz sei noch in dieser Welt. (…) Wenn du mich ins Grab legst, sag nicht ‚Lebwohl, lebwohl!‘ Denn das Grab ist ein Vorhang vor der Gemeinschaft des Paradieses.“

Diwan, Ghasel 911 (bei Nicholson Nr. XXIV), eigene Übersetzung nach Nicholson. Wenig später folgt das Bild von Sonne und Mond: Was wie ein Untergang aussieht, sei in Wahrheit ein Aufgang. Für eine Trauerkarte eignet sich der Text, wenn der Verstorbene gläubig war oder die Familie diese Hoffnung teilt. Weltliche Alternativen findest du in unseren Trauersprüchen.

Im dritten Buch des Masnawi denkt Rumi den Tod als Stufe eines Aufstiegs:

„Ich starb als Mineral und wurde Pflanze, ich starb als Pflanze und gelangte zum Tier. Ich starb als Tier und wurde Mensch: Warum also sollte ich mich fürchten? Wann bin ich durch Sterben weniger geworden?“

Masnawi III 3901–3902, eigene Übersetzung nach Nicholson. Die Reihe geht weiter: Auch als Mensch werde er sterben, um unter den Engeln aufzusteigen, und schließlich etwas werden, das in keine Vorstellung passt. Die Stelle endet mit einem Koranvers über die Rückkehr zu Gott. Manche lesen die Verse als Lehre von der Seelenwanderung. Der Zusammenhang spricht eher für einen inneren Weg: Unmittelbar davor (III 3900) fordert Rumi, die „Kuh“ des triebhaften Selbst zu opfern, wie Nicholson in Klammern erläutert. Gemeint ist das Absterben des Ego auf dem Weg zu Gott.

Rumi über die Wahrheit: der Elefant im Dunkeln

Rumis berühmteste Geschichte über die Wahrheit ist ein Gleichnis, das in Indien schon lange vor ihm erzählt wurde. Im dritten Buch des Masnawi wird ein Elefant in einem dunklen Haus ausgestellt. Die Besucher tasten ihn ab: Wer den Rüssel greift, hält ihn für ein Wasserrohr, wer das Ohr fühlt, für einen Fächer, wer ein Bein umfasst, für eine Säule. Dann zieht Rumi den Schluss:

„Hätte jeder eine Kerze in der Hand gehabt, wäre der Widerspruch aus ihren Worten verschwunden.“

Masnawi III 1268, eigene Übersetzung nach Nicholson. Im nächsten Vers vergleicht er das Auge der Sinne mit der Handfläche: Sie reicht nie an das Ganze heran. Streit entsteht, weil jeder nur seinen Ausschnitt kennt. Rumi plädiert nicht dafür, dass alles gleich wahr sei, sondern für ein Licht, das mehr zeigt als die eigene Hand.

„Der Beweis der Sonne ist die Sonne selbst: Wenn du den Beweis verlangst, wende dein Gesicht nicht von ihr ab.“

Masnawi I 116, eigene Übersetzung nach Nicholson. Manche Wahrheiten lassen sich nicht herleiten, nur ansehen.

Wie mühsam die Suche nach dem Wesentlichen ist, zeigt ein Ghasel, das an die Anekdote vom Philosophen Diogenes mit der Laterne erinnert:

„Gestern zog der Meister mit einer Lampe durch die Stadt und rief: ‚Teufel und Tier bin ich leid, einen Menschen will ich.‘“

Diwan, Ghasel 441 (bei Nicholson Nr. XVI), eigene Übersetzung nach Nicholson. Kurz davor sagt der Sprecher, er begehre gerade das, was sich nicht finden lasse. Das Gedicht feiert das Suchen selbst.

Rumi Sprüche über Wandel und Loslassen

Viele Rumi Sprüche über Veränderung sind nicht belegt. Die echten Verse sind weniger glatt, dafür eindringlicher, etwa diese Stelle aus dem Prolog des Masnawi:

„Mein Sohn, sprenge deine Ketten und sei frei! Wie lange willst du noch Knecht von Silber und Gold sein?“

Masnawi I 19, eigene Übersetzung nach Nicholson. Gleich danach folgt das Bild vom Krug, der das Meer nicht fassen kann. Weitere Gedanken in diese Richtung sammeln unsere Loslassen Sprüche.

Und ein Vers, der den bekanntesten „Rumi-Spruch“ der sozialen Netzwerke vorwegnimmt, ohne ihm wörtlich zu gleichen:

„Wenn die Durstigen in der Welt nach Wasser suchen, so sucht auch das Wasser in der Welt nach den Durstigen.“

Masnawi I 1741, eigene Übersetzung nach Nicholson. Rumi meint damit, dass die Liebe Gottes dem Suchenden entgegenkommt. Gleich danach rät er, still zu werden und zu lauschen, statt weiter zu reden.

Rumi auf Deutsch: Friedrich Rückerts Ghaselen

Lange bevor Rumi in Amerika populär wurde, gab es ihn auf Deutsch. Der Dichter und Orientalist Friedrich Rückert schrieb um 1819 Ghaselen nach Rumi, vor allem auf Grundlage der Übersetzungen des Wiener Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall. Es sind Nachdichtungen: Rückert übernahm die Form mit dem wiederkehrenden Reimwort, gestaltete den Inhalt aber frei. Für Rumis genauen Wortlaut taugen sie nur bedingt, als deutsche Dichtung sind sie bis heute schön. Die Nummern folgen der Ausgabe „Aus den Ghaselen des Mewlana Dschelaleddin Rumi“ im Verlag Otto Hendel.

„Mit deiner Seele hat sich meine / Gemischt, wie Wasser mit dem Weine. / Wer kann den Wein vom Wasser trennen, / Wer dich und mich aus dem Vereine?“

Rückert, Ghasel 13. Zwei Seelen, die sich nicht mehr trennen lassen. Mehr gemeinfreie Verse dieser Art findest du unter unseren Liebesgedichten.

„Sage nicht, die Liebe habe dich verlassen; / Wen hat Liebe je verlassen? kannst du’s sagen?“

Rückert, Ghasel 8. Ein Trostgedicht aus lauter Mahnungen, nicht zu klagen, zu fragen oder zu zagen.

„Nach welchem ich frage, wo ist er? / Den in mir ich trage, wo ist er?“

Rückert, Ghasel 20. Der Sprecher fragt Wächter, Mond und Sonne nach dem Geliebten, den er doch in sich trägt.

„Wohl endet Tod des Lebens Not, / Doch schauert Leben vor dem Tod.“

Rückert, Ghasel 4. Wo die Liebe erwacht, stirbt hier das Ich, „der dunkele Despot“. Leise Worte dieser Art sammeln auch unsere Sprüche für die Seele.

Schon 1838 legte der Wiener Orientalist Vincenz von Rosenzweig eine größere Auswahl aus dem Diwan auf Deutsch vor. Nicholson bescheinigte ihr 1898 in der Einleitung seiner eigenen Auswahl allerdings zahlreiche Übersetzungsfehler.

Instagram-Rumi: 7 Sprüche, die nicht oder nicht so von ihm stammen

Diese Sätze laufen massenhaft unter Rumis Namen. Bei einigen ist die wahre Herkunft bekannt, bei anderen fehlt jede Fundstelle.

  • Jenseits von richtig und falsch gebe es ein Feld, wo man sich treffe: Das ist ein Vierzeiler aus dem Diwan, allerdings in der freien Fassung des US-Dichters Coleman Barks. Im Persischen ist nicht von richtig und falsch die Rede, sondern von Unglaube und Islam, jenseits derer eine weite Ebene liege. Der Rumi-Übersetzer Ibrahim Gamard verweist dazu auf ein Zeitungsinterview von 2002, in dem Barks sagte, er habe den Islam herausgenommen. Aus einem Gedicht über den mystischen Weg wurde so eine Toleranzformel.
  • Komm, komm, wer immer du bist: Der Vierzeiler mit der Zeile, dies sei keine Karawane der Verzweiflung, gilt vielen als Inbegriff von Mevlanas Offenheit. Forscher halten es für wahrscheinlicher, dass er auf den viel früheren Sufi Abu Said Abu’l-Chair zurückgeht oder später in die Rumi-Überlieferung geraten ist. Seine Echtheit gilt als nicht gesichert.
  • Deine Aufgabe sei nicht, nach Liebe zu suchen, sondern die Barrieren zu finden, die du gegen sie errichtet hast: Der Satz steht fast wörtlich in „A Course in Miracles“, einem 1976 erschienenen spirituellen Lehrbuch der US-Psychologin Helen Schucman, Kapitel 16. Bei Rumi gibt es ihn nicht.
  • Wir tragen die Wunder in uns, die wir draußen suchen: Das ist der englische Arzt Thomas Browne, „Religio Medici“ von 1643, Teil I, Abschnitt 15.
  • Ich bin weder Christ noch Jude noch Muslim: Dieses Ghasel hat Nicholson 1898 als Nr. XXXI übersetzt, und es wird bis heute oft als Beleg für einen Rumi jenseits der Religionen angeführt. Laut Ibrahim Gamard fehlt es jedoch in den frühen Handschriften des Diwan. Es zählt zu den Stücken aus Nicholsons Auswahl, die die Forschung heute nicht mehr für echt hält.
  • Was du suchst, sucht dich; Gestern war ich klug und wollte die Welt verändern: Für beide Sätze nennt keine seriöse Sammlung eine Stelle im Masnawi, im Diwan oder in Rumis Prosa, und wir haben keine gefunden. Der erste erinnert an Masnawi I 1741 über die Durstigen und das Wasser, ist aber eine moderne Verdichtung.
  • Die „vierzig Regeln der Liebe“: Sie stammen aus dem Roman „Aşk“ der türkisch-britischen Autorin Elif Şafak von 2009, international bekannt als „The Forty Rules of Love“. Dort spricht eine Romanfigur namens Schams diese Regeln aus. Es ist Literatur über Rumi, keine Überlieferung von ihm oder von Schams.

Wie verbreitet solche Fälschungen bei großen Namen sind, zeigen auch unsere Artikel zu Buddha Zitaten und Konfuzius Zitaten.

Warum so viele falsche Rumi Zitate kursieren

Den Rumi-Boom in den USA hat vor allem Coleman Barks ausgelöst. Er las kein Persisch, sondern formte die wissenschaftlichen Übersetzungen von Nicholson und dessen Schüler Arthur J. Arberry sowie Rohfassungen des Sprachwissenschaftlers John Moyne zu freien Versen um. Sein Band „The Essential Rumi“ von 1995 ist bis heute seine bekannteste Sammlung. Er hat Rumi vielen Menschen nahegebracht, doch seine Texte sind eher eigene Dichtungen nach Rumi. Sie sind urheberrechtlich geschützt und stehen hier deshalb nicht im Wortlaut.

2017 beschrieb die Journalistin Rozina Ali im Magazin „The New Yorker“, wie in diesen Fassungen der islamische Hintergrund verschwindet. Der Islamwissenschaftler Omid Safi kritisierte darin, westliche Leser hätten sich Rumi angeeignet und den Glauben, aus dem er schrieb, ausgeblendet. Die Kritik richtet sich nicht gegen Nachdichtungen, sondern dagegen, sie mit dem Original zu verwechseln.

So prüfst du ein Zitat, bevor du es auf eine Karte schreibst:

  • Steht eine Fundstelle dabei, also Masnawi mit Buch und Vers oder Diwan mit Ghasel-Nummer?
  • Klingt der Satz nach Ratgeber-Englisch, ohne Bild, ohne Gott, ohne Wein und Geliebten? Dann ist Vorsicht angebracht.
  • Nennt die Quelle einen Übersetzer? Nicholson, Arberry oder Rückert lassen sich nachschlagen, ein bloßes „Rumi“ nicht.

Häufige Fragen

Was sind die schönsten Zitate von Rumi?

Zu den schönsten echten Rumi Zitaten zählen der Anfang des Masnawi über die klagende Rohrflöte, der Vers über die Liebe als Astrolabium der Geheimnisse Gottes (Masnawi I 110) und das Gleichnis vom Elefanten im Dunkeln. Was am schönsten ist, hängt vom Anlass ab; wichtig ist eine überprüfbare Fundstelle.

Was sagt Rumi über Liebe?

Rumi beschreibt die Liebe als Weg zu Gott, der auch über die menschliche Liebe führen kann. Im Masnawi heißt es, ob sie von dieser oder jener Seite komme, am Ende führe sie dorthin (I 111). Erklären lasse sie sich kaum, schreibt er: Vor der Liebe selbst schäme er sich jeder Erklärung.

Welche Zitate von Rumi über die Wahrheit gibt es?

Am bekanntesten ist das Gleichnis vom Elefanten im dunklen Haus (Masnawi III 1259–1269): Jeder ertastet nur einen Teil und hält ihn für das Ganze. Hätte jeder eine Kerze, gäbe es keinen Streit. Dazu kommt der Vers, der Beweis der Sonne sei die Sonne selbst (Masnawi I 116).

Welche Zitate von Rumi zum Tod gibt es?

Belegt sind vor allem das Ghasel 911 aus dem Diwan, in dem der Sprecher bittet, an seinem Grab nicht „Lebwohl“ zu sagen, und die Verse aus Masnawi III 3901–3906, in denen er vom Mineral über Pflanze und Tier zum Menschen aufsteigt und fragt, wann er durch Sterben je weniger geworden sei.

Sind alle Rumi-Zitate echt?

Nein. Viele bekannte Rumi Zitate gehen auf freie englische Nachdichtungen zurück, einige stammen von anderen Autoren wie Thomas Browne oder aus „A Course in Miracles“. Echt ist ein Zitat erst, wenn es sich im Masnawi, im Diwan oder in Rumis Prosa nachweisen lässt, idealerweise mit Buch und Vers oder Ghasel-Nummer.

Wer war Schams-e Tabrizi?

Schams-e Tabrizi war ein Wanderderwisch aus Täbris, dem Rumi 1244 in Konya begegnete. Die Freundschaft veränderte Rumis Leben und machte ihn zum Dichter. Nach einigen Jahren verschwand Schams spurlos. Rumi benannte seinen großen Gedichtband nach ihm, den Diwan-e Schams-e Tabrizi.

Fazit: Der echte Rumi ist fremder und reicher als sein Instagram-Double

Der Rumi der Sinnsprüche ist glatt, religionslos und leicht zu teilen. Der Rumi des Masnawi und des Diwan spricht von Gott, vom Koran, von Wein und vom verschwundenen Freund, er klagt, erzählt und schweigt mitten im Gedicht. Wenn du ein Rumi-Zitat verwendest, nimm eines mit Fundstelle und gib ihm einen Satz Zusammenhang mit. Dann zitierst du nicht nur einen berühmten Namen, sondern wirklich den Dichter aus Konya.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Nicholson, R. A. (1898): Selected Poems from the Divani Shamsi Tabriz. Cambridge University Press
Redaktionell geprüft von Daniel Weber1 Quellen angegeben
Daniel Weber

Daniel Weber

Daniel ist Dating-Coach und Kommunikationsexperte. Er zeigt dir, wie du mit Charme und Selbstbewusstsein überzeugst – vom Flirt bis zum ersten Date.

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