Adventskranz Bedeutung: Kerzen, Farben und Geschichte

Adventskranz Bedeutung erklärt: woher der Brauch stammt, was die 4 Kerzen und ihre Farben bedeuten und wie du die Sonntage zu zweit oder allein gestaltest.

von Laura Bergmann11 Min. Lesezeit
Adventskranz Bedeutung: Kerzen, Farben und Geschichte
Inhalt 8 Abschnitte
  1. Geschichte des Adventskranzes: Wicherns Wagenrad
  2. Vom evangelischen Norden in katholische Kirchen
  3. Adventskranz Bedeutung: Kreis, Grün und Licht
  4. Bedeutung der 4 Kerzen: keine einheitliche Tradition
  5. Adventskranz Farben: Bedeutung von Rot, Violett, Rosa und Weiß
  6. Warum es vier Adventssonntage gibt
  7. Wann und wie du die Kerzen anzündest
  8. Der Adventskranz als Ritual: zu zweit, mit Kindern, in der WG, allein

Die Adventskranz Bedeutung erschließt sich am besten, wenn du weißt, wofür er ursprünglich gedacht war: Er war ein Zählwerk für ungeduldige Kinder. Erst später kamen Tannengrün, die vier Kerzen und die vielen Deutungen dazu, die heute auf Kirchenseiten, in Kindergärten und in Familien kursieren. Hier erfährst du, woher der Brauch stammt, was Kreis, Grün und Licht bedeuten können, warum sich bei den Kerzenfarben evangelische und katholische Gewohnheiten unterscheiden und wie du den Kranz als kleines Sonntagsritual nutzt – zu zweit, mit Kindern, in der WG oder allein.

Wo die Überlieferung unsicher ist, etwa bei der Kerzenzahl des ersten Kranzes, sagen wir das dazu.

Geschichte des Adventskranzes: Wicherns Wagenrad

Der Adventskranz geht auf den evangelischen Theologen Johann Hinrich Wichern (1808–1881) zurück. Er hatte 1833 vor den Toren Hamburgs, im heutigen Stadtteil Horn, das Rauhe Haus gegründet, eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen. Er gilt außerdem als Begründer der Inneren Mission.

Die Kinder im Rauhen Haus fragten im Dezember immer wieder, wie lange es noch bis Weihnachten dauere. Wichern antwortete darauf 1839 mit einem großen hölzernen Rad, das im Betsaal aufgehängt wurde. Vom ersten Adventssonntag an kam jeden Tag eine brennende Kerze hinzu, bis an Heiligabend alle leuchteten.

Wie viele Kerzen dieses Rad trug, hing vom Kalender ab: so viele, wie Tage zwischen dem ersten Advent und dem 24. Dezember lagen. Das sind je nach Jahr mindestens 22 und höchstens 28. Feste Angaben wie 23 oder 24 Kerzen passen deshalb höchstens auf ein bestimmtes Jahr. Für 2026, wenn der erste Advent auf den 29. November fällt, wären es 26 Lichter.

Weit verbreitet ist die Darstellung, Wichern habe vier große weiße Kerzen für die Sonntage und kleine rote für die Werktage verwendet. So erzählen es auch kirchliche Seiten. Ein Sprecher des Rauhen Hauses hat 2020 gegenüber dem Evangelischen Pressedienst allerdings erklärt, dass es dafür im Archiv keinen Beleg gebe. Überliefert ist dort nur eine Strichzeichnung, auf der die Kerzen gleich groß wirken; ihre Farbe lässt sich darauf nicht erkennen. Die Unterscheidung von Sonntags- und Werktagskerzen ist also gut möglich, aber nicht gesichert.

Sicherer ist die nächste Etappe: Ab etwa 1860 wurde das Rad mit Tannengrün geschmückt. Aus dem Zählbrett wurde damit ein Kranz. Für die Wohnstuben des Bürgertums war das Wagenrad allerdings viel zu groß, also schrumpfte der Kranz – und mit ihm die Zahl der Lichter auf die vier Sonntage. Das Rauhe Haus hält bis heute an der ursprünglichen Form mit einer Kerze pro Tag fest.

Vom evangelischen Norden in katholische Kirchen

Zunächst blieb der Brauch eine evangelische Angelegenheit in Norddeutschland. Er wanderte über Gemeindehäuser, Kinderheime und Schulen weiter, und die Jugendbewegung des frühen 20. Jahrhunderts trug ihn in neue Kreise. Laut der volkskundlichen Brauchdatenbank der Universität Innsbruck kam er in den Familien erst richtig an, als sich die Form mit vier Kerzen durchgesetzt hatte.

In katholischen Kirchen tauchte der Kranz deutlich später auf. Als erster Beleg gilt ein Adventskranz mit vier Kerzen in einer Kölner Kirche im Jahr 1925; das Erzbistum Köln formuliert das vorsichtig mit „soll“. Für München wird 1930 genannt. Breit in katholische Gemeinden und Haushalte gelangte er vielerorts erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Alpenraum setzte er sich nach den Innsbrucker Angaben erst ab der Mitte des 20. Jahrhunderts durch, zuerst in den Städten und auf dem Land eher zögerlich.

Auch in die USA ist der Kranz gereist und hat dort eigene Farbregeln bekommen, die bis heute auf deutsche Wohnzimmer zurückwirken – mehr dazu bei den Farben.

Adventskranz Bedeutung: Kreis, Grün und Licht

Wichern ging es um eine anschauliche Wartezeit. Die meisten Deutungen, die heute verbreitet sind, wurden dem Kranz erst im Lauf der Zeit beigelegt. Kirchliche Erklärungen greifen vor allem drei Elemente auf:

  • Das Licht: Die Kerzen stehen in christlicher Lesart für Jesus Christus, den das Johannesevangelium als Licht der Welt bezeichnet. Dass es von Woche zu Woche heller wird, macht die Erwartung des Festes sichtbar – in der dunkelsten Zeit des Jahres ein sehr sinnfälliges Bild.
  • Der Kreis: Ein Ring hat weder Anfang noch Ende. Kirchen lesen ihn deshalb gern als Zeichen für Ewigkeit, manche auch für den Erdkreis, über den sich das Licht ausbreiten soll.
  • Das Grün: Tanne, Fichte oder Kiefer behalten ihre Nadeln auch im Winter. Das immergrüne Reisig gilt daher als Zeichen für Leben und Hoffnung mitten in der kalten Jahreszeit.

Verbindlich ist keine dieser Lesarten. Wer mit dem Christentum wenig anfangen kann, nimmt den Kranz oft schlicht als Kalender aus Licht, der auf die Wende zu längeren Tagen zuläuft. Beides hat Platz.

Bedeutung der 4 Kerzen: keine einheitliche Tradition

Viele Seiten ordnen jeder der vier Kerzen einen festen Namen zu. Das klingt nach alter Überlieferung, doch im Umlauf sind mehrere Reihen nebeneinander, die aus unterschiedlichen Zusammenhängen stammen:

  1. Tugenden oder Grundworte: Hoffnung, Frieden, Freude und Liebe sind die bekannteste Reihe. Sie taucht in Andachten und Kindergeschichten auf, hat aber keine verbindliche Quelle, und die Reihenfolge schwankt.
  2. Personen aus der Liturgie: Eine ältere Zuordnung benennt die Kerzen nach Gestalten aus den Sonntagslesungen, etwa nach dem Propheten Jesaja, Johannes dem Täufer, Josef und Maria.
  3. Stationen der Weihnachtsgeschichte: Daneben kursieren Reihen wie Prophetenkerze, Bethlehemkerze, Hirtenkerze und Engelskerze, die die Erzählung bis zur Geburt nachzeichnen.
  4. Die Sonntagsevangelien selbst: Wer nah an der heutigen katholischen Leseordnung bleiben will, orientiert sich an den Themen der Sonntage. Am ersten geht es um Wachsamkeit und das Kommen Christi, am zweiten und dritten steht Johannes der Täufer im Mittelpunkt, am vierten die Ereignisse vor der Geburt, je nach Lesejahr mit Josef oder Maria.

Keine dieser Reihen ist falsch, keine die einzig richtige. Such dir aus, was zu dir passt, oder gib den Kerzen gar keinen Namen.

Adventskranz Farben: Bedeutung von Rot, Violett, Rosa und Weiß

Die Liturgie schreibt für die Kerzen am Adventskranz keine Farbe vor. Darauf weist der Liturgiewissenschaftler Marco Benini auf katholisch.de hin. Gewohnheiten gibt es trotzdem:

  • Rot: In Deutschland vermutlich lange die gängigste Wahl, im evangelischen Bereich ebenso wie in vielen katholischen Familien; im Erzgebirge gelten rote Kerzen als traditionell. Gedeutet wird Rot mal als Farbe der Liebe, mal – so das Erzbistum Köln – als Hinweis auf das Blut Christi.
  • Violett: die liturgische Farbe des Advents. Sie steht für Besinnung, Umkehr und Vorbereitung; Priester tragen sie in dieser Zeit im Gottesdienst.
  • Rosa: eine aufgehellte Variante des Violetts für den dritten Adventssonntag, an dem die Vorfreude betont wird.
  • Weiß oder Naturwachs: Weiß verbindet man mit Wicherns Sonntagskerzen, wobei deren Farbe, wie oben beschrieben, nicht gesichert ist. Kerzen in der Farbe von Bienenwachs galten früher als besonders kostbar.

Die heute in vielen katholischen Gemeinden verbreitete Kombination aus drei violetten Kerzen und einer rosafarbenen ist übrigens eher ein Rückimport. Benini zeichnet nach, dass die 1937 ausgewanderte Kölnerin Therese Mueller den Adventskranz 1941 auf einer liturgischen Tagung in den USA vorstellte und der ebenfalls ausgewanderte Pfarrer Martin Hellriegel dort durchsetzte, die roten Kerzen durch die liturgischen Farben zu ersetzen. Von dort kam die violett-rosa Variante später nach Deutschland zurück.

Eine richtige Farbe gibt es also nicht. Wichtiger ist, dass du weißt, was du mit deiner Wahl verbindest.

Warum es vier Adventssonntage gibt

Das lateinische adventus heißt Ankunft. Die Adventszeit bereitet auf Weihnachten vor und war früher auch eine Fastenzeit. Ihre Länge war lange uneinheitlich: Je nach Region zählte man vier bis sechs, mancherorts mehr Sonntage.

Für die römische Kirche gilt Papst Gregor der Große (um 600) als derjenige, der die Zahl auf vier festlegte. Überall galt das damit noch nicht. Nach einem Bericht des Evangelischen Pressedienstes entzündete sich 1038 ein Streit, weil ein Straßburger Bischof den Advent eine Woche früher beginnen ließ als üblich; eine Synode im pfälzischen Kloster Limburg bekräftigte daraufhin die vier Sonntage. Bis heute gibt es Ausnahmen: Im ambrosianischen Ritus, der vor allem im Erzbistum Mailand gefeiert wird, dauert der Advent sechs Wochen.

Für den Kalender heißt das: Der vierte Advent ist der letzte Sonntag vor dem 25. Dezember, und der erste liegt drei Wochen davor. Dieser fällt immer in die Zeit vom 27. November bis 3. Dezember und eröffnet zugleich das neue Kirchenjahr. Weil Heiligabend auf jeden Wochentag fallen kann, ist der Advent mal nur gut drei, mal volle vier Wochen lang. 2026 sind die Adventssonntage der 29. November sowie der 6., 13. und 20. Dezember.

Wann und wie du die Kerzen anzündest

Die Grundregel ist einfach: Mit jedem Adventssonntag kommt ein Licht dazu, bis am vierten der ganze Kranz brennt. Die Tageszeit ist frei. Liturgisch beginnt ein Sonntag schon mit dem Abendgebet am Vorabend; wer den ersten Advent am Samstagabend einläutet, liegt also nicht daneben. In vielen katholischen Gemeinden werden die Kränze zum ersten Advent gesegnet, oft im Gottesdienst am Samstagabend oder Sonntag. Bistümer wie die Diözese Linz bieten auch Vorlagen an, mit denen Familien den Kranz zu Hause selbst segnen können.

Eine feste Reihenfolge gibt es nicht. Verbreitet ist die Gewohnheit, die Kerzen nebeneinander der Reihe nach anzuzünden, sodass sich beim Abbrennen eine Art Treppe ergibt. Ob du im oder gegen den Uhrzeigersinn gehst, ist Geschmackssache.

Und weil Tannengrün im Dezember austrocknet: Lass brennende Kerzen nie unbeaufsichtigt, stell den Kranz auf eine feuerfeste Unterlage, weit weg von Vorhängen, und tausch Kerzen rechtzeitig aus, bevor sie bis ins Grün herunterbrennen.

Der Adventskranz als Ritual: zu zweit, mit Kindern, in der WG, allein

Der eigentliche Wert des Kranzes liegt heute oft weniger in der Deko als in dem festen Moment, den er schafft: vier Sonntage, vier verabredete Augenblicke. Kaufen musst du dafür nichts. Ein paar Anregungen, je nachdem, wie du lebst:

Als Paar

Verabredet eine feste Zeit, etwa Sonntag um fünf, und legt die Handys in ein anderes Zimmer. Wer die Kerze anzündet, stellt eine Frage, die über den Alltag hinausgeht: Was war in dieser Woche gut? Worauf freust du dich bis zum Fest? Was möchtest du im neuen Jahr anders machen? Gerade wenn ihr zum ersten Mal zusammen auf die Feiertage zugeht, ist das eine entspannte Gelegenheit, die heiklen Fragen früh zu klären – Hinweise dazu findest du im Beitrag über die ersten Weihnachten als Paar.

Mit Kindern

Kinder verstehen den Kranz am besten so, wie Wichern ihn gemeint hat: als Uhr bis Weihnachten. Lass sie die Kerzen zählen und erzählen, was seit dem letzten Sonntag passiert ist. Kombinieren lässt sich das mit dem täglichen Türchen; Anregungen für kleine Botschaften stehen bei den Sprüchen für den Adventskalender. Am 4. Dezember, dem Barbaratag, könnt ihr außerdem Barbarazweige ins Wasser stellen und beobachten, ob sie bis Heiligabend blühen. An einem der Sonntage passt eine Runde aus den Weihnachtsspielen gut ans Kerzenlicht.

In der WG

Ein gemeinsamer Kranz auf dem Küchentisch ist ein unkomplizierter Anlass, sich einmal pro Woche zu sehen, auch wenn sonst alle aneinander vorbeileben. Wechselt euch ab, wer anzündet und wer das Sonntagsfrühstück übernimmt. Wenn ihr Lust auf mehr habt, ist der dritte oder vierte Advent ein guter Termin, um die Lose für das Wichteln zu ziehen.

Allein

Auch ohne Mitbewohner oder Familie im Haus kann der Kranz ein Anker sein. Manche zünden die Kerze an und rufen dabei jemanden an, den sie lange nicht gesprochen haben. Andere schreiben an jedem Adventssonntag eine Nachricht; Ideen dafür findest du bei den Adventsgrüßen. Wieder andere lesen vor dem Anzünden ein Gedicht, etwa aus den Adventsgedichten für jeden Sonntag. Hauptsache, der Moment gehört dir.

Häufige Fragen

Welche Bedeutung haben die 4 Kerzen am Adventskranz?

Die vier Kerzen stehen für die vier Sonntage vor Weihnachten: Jede Woche kommt ein Licht hinzu, bis zum Fest alle brennen. Christlich gelesen verweist das wachsende Licht auf Christus als Licht der Welt. Feste Namen wie Hoffnung, Frieden, Freude und Liebe sind verbreitet, gehören aber zu keiner einheitlichen Tradition.

Was bedeutet die 3. Kerze am Adventkranz?

Die dritte Kerze gehört zum dritten Adventssonntag, der in der katholischen Liturgie Gaudete heißt, nach dem lateinischen Ruf „Freut euch“ aus dem Philipperbrief. Auf Kränzen mit violetten Kerzen ist sie deshalb oft rosa: Die Vorfreude überwiegt, das Fest ist nah. Bei einheitlich roten Kerzen hat sie keine eigene Farbe.

Woher kommt die Tradition des Adventskranzes?

Der Adventskranz stammt aus Hamburg. Johann Hinrich Wichern hängte 1839 im Rauhen Haus ein Holzrad mit einer Kerze für jeden Adventstag auf, damit die Kinder die Zeit bis Weihnachten zählen konnten. Ab etwa 1860 kam Tannengrün dazu, später schrumpfte der Kranz auf vier Kerzen und verbreitete sich über die evangelischen Gebiete hinaus.

Warum gibt es den 1., 2., 3. und 4. Advent?

Weil die Adventszeit in der westlichen Kirche vier Sonntage umfasst. Papst Gregor der Große gilt als derjenige, der diese Zahl um 600 für Rom festlegte; vorher und regional noch lange danach schwankte sie. Der erste Advent eröffnet das Kirchenjahr, der vierte ist der letzte Sonntag vor dem 25. Dezember.

Wann zündet man die Kerzen am Adventskranz an?

Üblich ist es, die Kerzen an den Adventssonntagen anzuzünden: am ersten eine, an jedem weiteren eine mehr. Die Uhrzeit ist frei. Da liturgisch schon der Vorabend zum Sonntag zählt, ist auch Samstagabend möglich. Unter der Woche darfst du die bisherigen Kerzen ebenfalls brennen lassen, solange jemand dabei ist.

Fazit: ein Zählwerk, das zum Ritual wurde

Der Adventskranz begann als praktische Antwort auf eine Kinderfrage und ist heute ein Brauch, der evangelische und katholische Haushalte gleichermaßen prägt. Vieles, was über ihn erzählt wird – feste Kerzennamen, die einzig richtige Farbe, eine exakte Kerzenzahl am ersten Kranz – ist bei näherem Hinsehen offener, als es klingt. Das ist eher eine Einladung als ein Problem: Du kannst den Kranz so deuten, wie es zu deinem Leben passt. Ob du betest, Fragen stellst oder still ins Licht schaust, entscheidend ist der wiederkehrende Moment. Und wenn am vierten Advent alle Kerzen brennen, sind die Weihnachtsgrüße nicht mehr weit.

Redaktionell geprüft von Laura Bergmann
Laura Bergmann

Laura Bergmann

Laura ist Psychologin und Beziehungsexpertin. Sie schreibt über Partnerschaft, Bindungsverhalten und Sexualität – immer ehrlich, fundiert und alltagsnah.

Seit 2024 · Beziehung, Sexualität, Bindungspsychologie

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