Christkind: Herkunft, Bedeutung und wer die Geschenke bringt

Christkind: Woher der Gabenbringer stammt, was Luther wirklich damit zu tun hat, wo es statt des Weihnachtsmanns kommt und was du Kindern antworten kannst.

von Daniel Weber14 Min. Lesezeit
Christkind: Herkunft, Bedeutung und wer die Geschenke bringt
Inhalt 12 Abschnitte
  1. Christkind Bedeutung: ein Wort, zwei Ebenen
  2. Christkind Herkunft: vom Nikolaustag zur Bescherung
  3. Christkind und Luther: was die Quellen belegen
  4. Christkind oder Jesuskind: zwei Figuren unter einem Namen
  5. Wie das Christkind aussieht: Engel, Licht und Glöckchen
  6. Wo sagt man Christkind? Regionen im Überblick
  7. Christkind oder Weihnachtsmann: wie die Konkurrenz entstand
  8. Wer bringt die Geschenke – und wann?
  9. Das Nürnberger Christkind und der Christkindlesmarkt
  10. Briefe ans Christkind: Wunschzettel und Weihnachtspostfilialen
  11. Gibt es das Christkind? Wenn Kinder nachfragen
  12. Christkind für Erwachsene: eine Idee zum Weitergeben

Das Christkind ist eine der wenigen Weihnachtsfiguren, die fast niemand je zu Gesicht bekommt: Es schmückt angeblich den Baum, legt die Geschenke darunter und ist verschwunden, bevor das Glöckchen klingelt. In vielen Familien im Süden und Westen des deutschen Sprachraums ist es selbstverständlich, anderswo kennt man es nur aus Liedern. Hier erfährst du, woher die Figur stammt, was an der verbreiteten Luther-Erklärung dran ist, warum das Christkind nicht einfach das Jesuskind ist und wie es zum Konkurrenten des Weihnachtsmanns wurde. Dazu kommen das Nürnberger Christkind, Briefe an die Weihnachtspostfilialen und die Frage, die irgendwann jedes Kind stellt.

Christkind Bedeutung: ein Wort, zwei Ebenen

Wörtlich meint „Christkind“ das Kind Christus, also Jesus als Neugeborenen in der Krippe. In diesem Sinn taucht das Wort in alten Kirchenliedern und Gebeten auf, und in diesem Sinn verwenden es Theologinnen und Theologen bis heute. Daneben hat sich im Brauchtum eine zweite Bedeutung herausgebildet: eine eigenständige Gestalt, die am Heiligen Abend Geschenke bringt. Diese Botenfigur hat mit dem Säugling in der Krippe nur noch den Namen gemeinsam.

Wenn Kinder sagen, „das Christkind war da“, denken sie selten an ein Baby. Sie meinen ein lichtes, meist engelhaftes Wesen, das durch das Fenster hereinkommt, den Baum entzündet und dann weiterzieht. Genau diese Doppeldeutigkeit macht die Figur so interessant – und sorgt dafür, dass die Frage „Ist das Christkind jetzt Jesus oder ein Engel?“ in vielen Wohnzimmern ohne eindeutige Antwort bleibt.

Sprachlich gibt es regionale Spielarten. In Bayern und Österreich hört man häufig „Christkindl“, in Franken steckt die mundartliche Form im Namen des Christkindlesmarkts, und das bekannte englische „Kris Kringle“ gilt als Verballhornung der süddeutschen Verkleinerungsform.

Christkind Herkunft: vom Nikolaustag zur Bescherung

Um die Herkunft zu verstehen, lohnt ein Blick auf den Kalender des Mittelalters. Beschenkt wurden Kinder damals nicht an Weihnachten, sondern an Heiligengedenktagen: vor allem am 6. Dezember, dem Tag des Bischofs Nikolaus von Myra, in manchen Gegenden auch am 28. Dezember, dem Tag der Unschuldigen Kinder. Eine Bescherung am Heiligen Abend, wie sie heute üblich ist, kannte man so noch nicht.

Mit der Reformation geriet dieses System ins Wanken. Die Reformatoren lehnten die Verehrung der Heiligen ab, und damit stand auch der Nikolaus als Gabenbringer zur Debatte. An seine Stelle sollte eine Figur treten, die direkt auf Christus verweist. So wanderten die Geschenke – zumindest in evangelischen Haushalten – vom Nikolaustag auf Weihnachten, und als Absender galt der „Heilige Christ“.

Aus diesem eher abstrakten „Heiligen Christ“ wurde im Lauf der Zeit das anschaulichere Christkind. Nach der Deutung der Volkskundlerin Ingeborg Weber-Kellermann, die dem Weihnachtsfest eine ganze Kultur- und Sozialgeschichte gewidmet hat, konnte die Volksfantasie mit dem erwachsenen, unanschaulichen Christus wenig anfangen und schuf sich deshalb eine zartere, verschleierte Kindergestalt. Eine bewusste Erfindung war das nicht, eher ein langsamer Wandel über Generationen.

Was die Nikolausfigur selbst betrifft, Bischofsstab, Stiefel und Vorabend-Bräuche: Das ist in unseren Nikolaussprüchen mit einer kurzen Einführung zum 6. Dezember erklärt.

Christkind und Luther: was die Quellen belegen

In vielen Ratgebern steht der Satz, Martin Luther habe das Christkind erfunden. Das klingt griffig, ist aber eine starke Vereinfachung. Fachleute halten die Rolle Luthers für wichtig, eine Urheberschaft im engen Sinn gilt aber als nicht gesichert. Ein Lehrbeauftragter für Religionswissenschaft der Universität Hamburg hat die These 2025 ausdrücklich als umstritten bezeichnet.

Was sich belegen lässt, ergibt ein gemischtes Bild:

  • Predigtkritik: In einer Predigt zum Nikolaustag von 1527 soll Luther die Nikolauslegenden als kindisches Zeug abgetan haben; Geschenke gehörten nach dieser Lesart zum Christfest.
  • Haushaltspraxis: Nach einer Untersuchung von Erika Kohler zu Luther und dem Festbrauch wurde im Hause Luther seit 1531 im Namen des „Heiligen Christ“ beschert.
  • Gegenbeleg: Eine Hausrechnung der Eheleute Luther aus dem Jahr 1535, die heute im Hauptstaatsarchiv Dresden liegt, verzeichnet ausdrücklich Ausgaben für „Niclasgeschenke“. Die Familie hielt also parallel noch am Nikolausbrauch fest.
  • Ältere Spuren: Der Liturgiewissenschaftler Stephan Wahle vertritt, dass ein Christkind als Gabenbringer bereits vor Luther bekannt war und Luther womöglich beide Figuren nebeneinander gelten ließ.

Unterm Strich gilt Luther eher als prominenter Förderer einer Entwicklung, die schon in Gang war, nicht als ihr alleiniger Urheber. Überliefert ist auch, dass in Straßburg 1570 Nikolausumzüge untersagt worden sein sollen, damit die Kinder den Christ als Geber verstehen – ein Hinweis darauf, dass es der neuen Figur nicht von selbst gelang, den Heiligen zu verdrängen. Wer die Geschichte erzählt, liegt deshalb mit „Luther hat den Wechsel befördert“ richtiger als mit „Luther hat das Christkind erfunden“.

Übrigens schrieb Luther 1535 für seine Familie das Lied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Die erste Strophe findest du mit Einordnung bei unseren klassischen Weihnachtsgedichten.

Christkind oder Jesuskind: zwei Figuren unter einem Namen

In der christlichen Kunst ist das Christkind schlicht das Jesuskind. Kunsthistorische Nachschlagewerke datieren die frühesten erhaltenen Einzelfiguren des Jesusknaben auf die Zeit um 1300; dargestellt ist ein männliches, etwa einjähriges, meist unbekleidetes Kind. Solche Figuren standen in Klöstern und Kirchen; beim mittelalterlichen Brauch des Kindelwiegens wurden sie zur Weihnachtszeit mancherorts in einer Wiege geschaukelt.

Die Gestalt, die Geschenke bringt, sieht ganz anders aus. Sie stammt vermutlich aus Umzugsbräuchen und Krippenspielen der frühen Neuzeit. Dort lief ein als „Christkind“ verkleidetes Kind einer Schar weiß gekleideter Engel voran, oft gespielt von Mädchen mit offenem Haar und Schleier. Aus dieser Rolle im Schauspiel wurde nach und nach eine selbstständige Figur, deren Bezug zu Jesus immer unschärfer wurde.

Wie fließend die Grenze ist, zeigt Theodor Storms Gedicht „Knecht Ruprecht“, erschienen 1862. Darin ruft das Christkind den Knecht aus dem Himmelstor heraus zu sich:

Und droben aus dem Himmelstor / Sah mit großen Augen das Christkind hervor; / Und wie ich so strolcht’ durch den finstern Tann, / Da rief’s mich mit heller Stimme an:

Wenige Zeilen später redet Ruprecht dieselbe Gestalt mit „lieber Herre Christ“ an. Für Storm waren Christkind und Christus offenbar noch eins, auch wenn sein Christkind sich benimmt wie ein Bote aus dem Himmel. Den vollständigen Kontext rund um Ruprecht und Nikolaus findest du in unseren Nikolausgedichten.

Heute gehen die Vorstellungen weit auseinander. Manche Familien erklären das Christkind bewusst als Jesus, andere als Engel, der in seinem Auftrag kommt, wieder andere lassen die Frage offen. Keine dieser Antworten ist falsch; sie spiegeln unterschiedliche Traditionen und Glaubenshaltungen.

Wie das Christkind aussieht: Engel, Licht und Glöckchen

Auf Postkarten, Christbaumschmuck und Weihnachtsmärkten hat sich ein bestimmtes Bild durchgesetzt: ein Kind oder eine junge Frau mit blonden Locken, weißem Gewand, Flügeln und oft einem Heiligenschein oder einer Krone. Der Theologe und Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti beschreibt die Figur trotzdem als geschlechtslos, also weder als Mädchen noch als Jungen gedacht. Dass sie in der Öffentlichkeit fast immer von Mädchen verkörpert wird, geht auf die alten Krippenspiele zurück.

Viel wichtiger als das Aussehen ist in der Familientradition aber, dass man das Christkind gerade nicht sieht. Typische Elemente in vielen Haushalten:

  • Das Wohnzimmer bleibt am Nachmittag des 24. Dezember verschlossen.
  • Ein offenes Fenster dient als Ein- und Ausgang.
  • Ein Glöckchen kündigt an, dass das Christkind gerade fort ist und die Kinder hereindürfen.
  • Manchmal bleibt ein Engelshaar oder eine Feder als „Spur“ zurück.

Diese Unsichtbarkeit unterscheidet das Christkind am deutlichsten vom Weihnachtsmann, der in vielen Familien persönlich klingelt, einen Sack trägt und ein Gedicht hören möchte.

Wo sagt man Christkind? Regionen im Überblick

Die Verbreitung des Christkinds ist eine kleine Pointe der Kirchengeschichte. Ursprünglich eine evangelische Figur, kam es erst später in katholische Gegenden. Nach Darstellung der Universität Hamburg wurde es etwa zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Bayern und im Rheinland heimisch. Heute ist es dagegen gerade dort am festesten verankert, während viele evangelische Regionen zum Weihnachtsmann übergegangen sind.

Grob lässt sich die Lage heute so beschreiben – ohne scharfe Grenzen, denn Familien bringen ihre Bräuche beim Umzug mit:

  • Christkind verbreitet: Bayern, Baden-Württemberg, das Saarland, das Rheinland und Teile Westfalens, außerdem evangelisch geprägte Gegenden wie Franken, die Pfalz und Teile Hessens.
  • Weihnachtsmann verbreitet: der Norden und große Teile Mittel- und Ostdeutschlands.
  • Österreich und Südtirol: Hier ist das Christkind klar die Regel.
  • Deutschschweiz: Ein Sonderfall – im 19. Jahrhundert galt das Christkind dort mancherorts als katholisch, im 20. Jahrhundert verdrängte es am Heiligen Abend weitgehend den Chlaus.
  • Nachbarländer: Auch im Elsass, in Luxemburg, in Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien und Kroatien kommt traditionell ein Christkind; auf Tschechisch heißt es Ježíšek, auf Ungarisch Jézuska.

Genaue Anteile lassen sich schwer angeben, weil Familien ihre Bräuche beim Umzug mitnehmen und sich Traditionen mischen. Fest steht: Die Grenze verläuft nicht entlang der Konfession, sondern durch Regionen, Dialekte und Familiengeschichten.

Christkind oder Weihnachtsmann: wie die Konkurrenz entstand

Der Weihnachtsmann ist deutlich jünger als das Christkind. Er entwickelte sich im 19. Jahrhundert aus älteren Nikolausbildern, wurde aber vom Bischofsgewand befreit und zu einer weltlichen Gestalt. Als frühe Wegmarken gelten das Lied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben aus dem Jahr 1835 und eine Zeichnung von Moritz von Schwind aus dem Jahr 1847, die einen bärtigen alten Mann als Geschenkbringer zeigt und den Titel „Herr Winter“ trug.

Parallel entstand in den USA der Santa Claus, an dessen Bild der deutschstämmige Zeichner Thomas Nast ab den 1860er-Jahren maßgeblich mitwirkte. Rot-weiße Darstellungen kursierten schon in den 1920er-Jahren. Werbebilder eines amerikanischen Getränkekonzerns ab 1931 haben diese Version weltweit verbreitet; erfunden haben sie den Weihnachtsmann aber nicht, auch wenn sich diese Legende hartnäckig hält.

In Deutschland übernahm der Weihnachtsmann vor allem in evangelischen Regionen die Rolle, die einst das Christkind gegen den Nikolaus eingenommen hatte. Damit drehte sich die Geschichte ein Stück weit im Kreis: Die Figur, die den katholischen Heiligen ersetzen sollte, wurde selbst von einem Nachfahren des Heiligen verdrängt. In katholischen Gegenden blieb das Christkind dagegen die vertraute Figur, auch weil sein Name unmittelbar an die Geburt Jesu erinnert.

Für Kinder ist die Konkurrenz oft Gesprächsstoff auf dem Schulhof. Ein kleines Gedicht, das genau diese Frage aufgreift, steht in unseren Weihnachtsgedichten für Kinder unter „Christkind oder Weihnachtsmann?“.

Wer bringt die Geschenke – und wann?

Im deutschsprachigen Raum hat sich der Abend des 24. Dezember als Bescherungstermin durchgesetzt, egal ob Christkind oder Weihnachtsmann kommt. Das ist international eher ungewöhnlich: In vielen englischsprachigen Ländern liegen die Geschenke erst am Morgen des 25. unter dem Baum. Als Gründe für den Abendtermin gelten die Christmette und die bürgerliche Familienfeier, die sich im 19. Jahrhundert herausbildete.

Wenn du wissen willst, wer bei dir in der Region zuständig ist, hilft eine einfache Faustregel:

  • Nikolaus füllt am 6. Dezember Stiefel und Säckchen – das ist in fast allen Regionen gleich.
  • Christkind bringt am 24. Dezember die großen Geschenke, vor allem im Süden und Westen sowie in Österreich.
  • Weihnachtsmann übernimmt denselben Termin im Norden und Osten.
  • Heilige Drei Könige spielen als Gabenbringer im deutschen Sprachraum kaum eine Rolle, anders als etwa in Spanien.

In gemischten Familien entstehen daraus manchmal eigene Lösungen: Das Christkind bringt die Geschenke, der Weihnachtsmann taucht auf der Feier im Kindergarten auf, und niemand nimmt daran Anstoß.

Das Nürnberger Christkind und der Christkindlesmarkt

Die bekannteste sichtbare Verkörperung ist das Nürnberger Christkind. Seit 1933 tritt es jedes Jahr beim Christkindlesmarkt öffentlich auf. Bis Ende der 1960er-Jahre übernahmen Schauspielerinnen die Rolle; seit 1969 wird alle zwei Jahre eine junge Nürnbergerin gewählt.

Die Voraussetzungen sind über die Jahre weitgehend gleich geblieben. Bewerben können sich junge Frauen zwischen 16 und 19 Jahren mit Wohnsitz in Nürnberg; genannt werden außerdem eine Mindestgröße von 1,60 Metern sowie Schwindelfreiheit und Wetterfestigkeit, denn der Auftritt findet hoch oben und unter freiem Himmel statt. Das Auswahlverfahren wurde mehrfach angepasst, mal mit Publikumsabstimmung, zuletzt mit einer Jury aus Stadt, Theater und Medien.

Das Kostüm folgt dem klassischen Bild: blonde Locken, goldene Krone, weiß-goldenes Gewand. Höhepunkt ist die Eröffnung des Markts, bei der das Christkind von der Empore der Frauenkirche einen feierlichen Prolog spricht. Nach Angaben des Markts ist das 2026 am Freitag, 27. November, um 17:30 Uhr; der Markt läuft bis zum 24. Dezember. Danach nimmt das Christkind während seiner zweijährigen Amtszeit zahlreiche Termine in Franken wahr und reist auch zu Weihnachtsmärkten in den USA.

Der Markt selbst lässt sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen und gilt als einer der ältesten seiner Art. Der Name verweist auf den Gabenbringer: Hier kauften die Nürnberger ein, was das Christkind am Heiligen Abend bringen sollte.

Briefe ans Christkind: Wunschzettel und Weihnachtspostfilialen

Der Wunschzettel gehört in Christkind-Familien fest dazu. Viele Kinder legen ihn ab Anfang Dezember aufs Fensterbrett, damit das Christkind ihn nachts abholen kann; manchmal ist er am nächsten Morgen verschwunden, manchmal liegt ein Stück Schokolade daneben. Wer lieber den Postweg nimmt, findet in Deutschland drei Weihnachtspostfilialen, die im Namen des Christkinds antworten:

  • Engelskirchen im Oberbergischen Land (Nordrhein-Westfalen), wo seit den 1980er-Jahren Briefe an das Christkind beantwortet werden.
  • Himmelstadt in Unterfranken (Bayern), seit 1986 eine der Weihnachtspostfilialen.
  • Himmelpforten bei Stade (Niedersachsen), seit 1962 aktiv und damit das älteste Weihnachtspostamt des Landes.

Insgesamt gibt es bundesweit sieben solcher Filialen, die übrigen antworten im Namen des Weihnachtsmanns oder des Nikolaus. In Österreich ist das Sonderpostamt im Wallfahrtsort Christkindl bei Steyr seit 1950 eine feste Adresse. Die genauen Anschriften und den Einsendeschluss veröffentlicht die Deutsche Post jedes Jahr neu – für 2026 lohnt deshalb ein Blick auf die aktuelle Übersicht, bevor der Brief eingeworfen wird. Wichtig ist eine vollständige Absenderadresse auf dem Umschlag, sonst kann keine Antwort zurückkommen.

Wenn dein Kind lieber dichtet als schreibt: In unseren Kinderversen gibt es eigens einen kleinen Reim zum Brief ans Christkind, der sich gut auf den Wunschzettel malen lässt. Für die Wartezeit davor eignen sich kurze Botschaften aus unseren Adventskalender-Sprüchen.

Gibt es das Christkind? Wenn Kinder nachfragen

Irgendwann kommt die Frage, bei manchen Kindern früh, bei anderen spät, manchmal auch, weil ein älteres Geschwisterkind etwas ausplaudert. Eine richtige Antwort für alle gibt es nicht; Familien gehen damit sehr unterschiedlich um, und das ist in Ordnung. Ein paar Gedanken, die vielen helfen:

  • Zurückfragen: „Was glaubst du denn?“ zeigt dir, ob dein Kind eine Bestätigung sucht oder die Wahrheit hören möchte.
  • Die Idee erklären: Das Christkind steht in vielen Familien für das Schenken aus Liebe, ohne Gegenleistung. Diese Idee bleibt, auch wenn die Eltern die Päckchen gepackt haben.
  • Einweihen statt entlarven: Größere Kinder genießen es oft, nun selbst Teil des Geheimnisses zu sein und für jüngere Geschwister „Christkind zu spielen“.
  • Glauben respektieren: Für gläubige Familien hat das Christkind eine religiöse Dimension, über die sich unabhängig von der Bescherung sprechen lässt.

Für die religiöse Seite ist die Geburtsgeschichte selbst ein guter Einstieg. In unserer Weihnachtsgeschichte für Kinder findest du sie kindgerecht erzählt, samt einem Abschnitt, der biblischen Text und spätere Ausschmückungen auseinanderhält – eine Unterscheidung, die auch beim Christkind hilft.

Christkind für Erwachsene: eine Idee zum Weitergeben

Das Christkind ist nicht nur Kindersache. Viele Erwachsene haben ein Ritual, bei dem sie selbst einmal das unsichtbare Christkind spielen: ein Päckchen ohne Absender vor der Tür einer Nachbarin, eine Karte für einen Kollegen, der allein feiert, ein anonym bezahlter Kaffee. Dahinter steckt dieselbe Idee wie im alten Brauch – Schenken, ohne dafür gesehen zu werden.

Wer Weihnachten ohne Partner oder Familie verbringt, kann dieses Prinzip auch auf sich selbst anwenden und sich einen Abend so einrichten, wie es guttut. Anregungen dazu stehen in unserem Beitrag über Weihnachten als Single. Und in Freundeskreisen und Büros lebt der Gedanke im Wichteln weiter, das in manchen Ländern sogar nach dem Christkind benannt ist.

Häufige Fragen

Was genau ist das Christkind?

Das Christkind ist im Brauchtum eine meist engelhafte, unsichtbare Gestalt, die am Heiligen Abend die Geschenke bringt. Der Name bedeutet ursprünglich „Kind Christus“, also das Jesuskind. Im Volksglauben hat sich daraus eine eigene Botenfigur entwickelt, die vor allem im Süden und Westen des deutschen Sprachraums sowie in Österreich verbreitet ist.

Ist das Jesuskind das Christkind?

Theologisch ja: Christkind bezeichnet das neugeborene Jesuskind. Die Figur, die Geschenke bringt, hat sich davon aber gelöst und wird meist als lichtes, engelhaftes Wesen vorgestellt. Ob Familien sie als Jesus selbst, als Engel in seinem Auftrag oder als freie Märchengestalt erklären, hängt von Tradition und Glauben ab.

Wo sagt man Christkind?

Vom Christkind spricht man vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, im Saarland, im Rheinland, in Franken, der Pfalz und Teilen Hessens, außerdem in Österreich, Südtirol und der Deutschschweiz. Im Norden und Osten Deutschlands bringt dagegen meist der Weihnachtsmann die Geschenke. Exakte Grenzen gibt es nicht.

Warum kommt das Christkind und nicht der Weihnachtsmann?

Weil das Christkind in diesen Regionen schon Tradition hatte, bevor der Weihnachtsmann im 19. Jahrhundert populär wurde, und weil sich Bräuche über Generationen in den Familien weitervererben. Im Norden setzte sich die jüngere Figur durch, im Süden blieb die ältere. Welche kommt, entscheidet letztlich jede Familie selbst.

Ist das Christkind ein Mädchen oder ein Junge?

Weder noch: Der Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti beschreibt die Figur als geschlechtslos. Dass sie meist von Mädchen dargestellt wird, etwa in Nürnberg, geht auf alte Krippenspiele und Umzüge zurück, in denen weiß gekleidete Mädchen die Engelschar bildeten. Das Jesuskind der Kunst ist dagegen ein Junge.

Wann kommt das Christkind?

Das Christkind kommt am Abend des 24. Dezember, meist nach dem Gottesdienst oder dem Abendessen. Ein Glöckchen zeigt an, dass es da war und die Kinder ins Weihnachtszimmer dürfen. Der Nikolaus bringt seine kleinen Gaben schon am 6. Dezember, das ist ein eigener Brauch.

Fazit: ein Gabenbringer mit verschlungener Geschichte

Das Christkind ist eine Figur, die niemand geplant hat: Aus dem reformatorischen Wunsch, den Heiligen Nikolaus durch Christus zu ersetzen, aus Krippenspielen mit weiß gekleideten Mädchen und aus der Fantasie vieler Generationen ist ein Wesen entstanden, das heute ausgerechnet in katholischen Regionen zuhause ist. Luther hat diesen Wandel befördert, erfunden hat er ihn nach heutigem Wissensstand nicht allein. Ob bei dir das Christkind, der Weihnachtsmann oder beide kommen, sagt mehr über Herkunft und Familie als über richtig oder falsch – und das Geheimnis, wer wirklich hinter dem Glöckchen steckt, darf ruhig noch ein paar Jahre eines bleiben.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Weber-Kellermann, I. (1978): Das Weihnachtsfest. Eine Kultur- und Sozialgeschichte der Weihnachtszeit. C. J. Bucher
  2. Becker-Huberti, M. (1998): Feiern, Feste, Jahreszeiten: Lebendige Bräuche im ganzen Jahr. Herder
Redaktionell geprüft von Daniel Weber2 Quellen angegeben
Daniel Weber

Daniel Weber

Daniel ist Dating-Coach und Kommunikationsexperte. Er zeigt dir, wie du mit Charme und Selbstbewusstsein überzeugst – vom Flirt bis zum ersten Date.

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