Am Nikolausabend klopft vielen Kindern das Herz bis zum Hals: Der Stiefel ist geputzt, draußen wird es früh dunkel, und gleich soll man dem Nikolaus Gedicht und Lied vortragen. Damit die Wahl leichter fällt, findest du hier Nikolausgedichte in zwei Teilen: alte Texte, deren Wortlaut wir an Projekt Gutenberg-DE, Wikisource oder Scans alter Ausgaben geprüft haben, und neue Gedichte für Kleinkinder, Kita und Schule, für Paare, für heitere Runden und für stille Momente.
Der Schrägstrich markiert jeweils einen Zeilenwechsel. Bei den alten Texten bleibt die historische Schreibweise stehen, also etwa „seyn“ und „thut“. Alle neuen Gedichte darfst du frei abschreiben, umstellen und mit Namen versehen.
Nikolausgedicht oder Nikolausspruch – und woher der Brauch kommt
Ein Nikolausgedicht erzählt eine kleine Szene: Jemand stapft durch Schnee und Dunkelheit, ein Stiefel wartet vor der Tür, ein Sack geht auf, ein Kind lauscht. Dafür braucht es mindestens vier, meist acht oder mehr Zeilen und einen Schluss mit Pointe. Wer nur eine Zeile für den Zettel im Stiefel, einen Kartentext oder einen Gruß fürs Handy sucht, wird bei den Nikolaussprüchen schneller fündig.
Hinter dem Brauch steht Nikolaus von Myra, ein Bischof des 4. Jahrhunderts aus dem Gebiet der heutigen Türkei. Sein Gedenktag ist der 6. Dezember. Über sein Leben ist wenig gesichert, über ihn erzählt wird umso mehr. Die bekannteste Legende handelt von einem verarmten Vater, der seinen drei Töchtern keine Mitgift geben konnte. Nikolaus soll in drei Nächten heimlich je einen Klumpen Gold durch dessen Fenster geworfen haben. Deshalb halten Nikolausfiguren oft drei goldene Kugeln oder Äpfel in der Hand – ein Detail, das in zwei der alten Texte weiter unten wieder auftaucht.
Bekannte Nikolausgedichte: alte Texte mit geprüftem Wortlaut
Alte Gedichte, die wirklich vom Nikolaus handeln, sind seltener, als viele Sammlungen vermuten lassen. Manche Verse, die im Netz als „alt“ oder „Volksgut“ kursieren, lassen sich nirgends nachweisen. Und das berühmteste Stück der Gattung ist streng genommen ein Weihnachtsgedicht: In Theodor Storms „Knecht Ruprecht“ schickt das Christkind den Knecht los, nicht der Bischof. Den Anfang von Storms Gedicht findest du bei den Weihnachtsgedichten. Die folgenden Texte stammen von Autoren, die seit weit über siebzig Jahren tot sind, und sind damit gemeinfrei.
Des Knaben Wunderhorn: „St. Niklas“ (1808)
Achim von Arnim und Clemens Brentano nahmen dieses kleine Rollenspiel in den Kinderlieder-Anhang ihrer Volksliedsammlung auf. Es hat drei Sprecher. Zuerst kündigt der Vater an, Sankt Niklaus sei unterwegs, um zu prüfen, was die Kinder im Jahr gelernt haben, und er habe Puppen aus Zucker im Sack. Bemerkenswert: Der Heilige reist hier aus Moskau an, wo er laut Text besonders geehrt wird. Danach sprechen Kind und Nikolaus:
Kind: Ich bitte dich Sankt Niklaus sehr, / In meinem Hause auch einkehr, / Bring Bücher, Kleider und auch Schuh, / Und noch viel schöne gute Sachen dazu, / So will ich lernen wohl, / Und fromm seyn, wie ich soll. / Amen.
Sankt Niklas: Gott grüß euch lieben Kinderlein, / Ihr sollt Vater und Mutter gehorsam seyn, / So soll euch was Schönes beschehret seyn; / Wenn ihr aber dasselbige nicht thut, / So bringe ich euch den Stecken und die Ruth. / Amen.
Quelle: Des Knaben Wunderhorn, Band 3, Kinderlieder; Wortlaut geprüft an Projekt Gutenberg-DE.
Ferdinand Freiligrath: „Kinderlied“ (1844)
Dieses Gedicht klingt in der zweiten Strophe wie ein harmloser Kindervers:
Niklas ist ein braver Mann, / Herzensgut und mild von Sitten; / Niklas hat ein Renngespann / Und dahinter einen Schlitten. / Hoch im Norden steht sein Haus; / Reiche Gaben teilt er aus, / Wenn die Kinder hübsch ihn bitten.
Quelle: Ferdinand Freiligrath, „Ein Glaubensbekenntnis“, datiert St. Goar, Februar 1844; Wortlaut geprüft an Projekt Gutenberg-DE.
Wer weiterliest, merkt, dass hier etwas nicht stimmt. Der Untertitel lautet „Zum 6. Dezember (a. St.)“, also nach altem Stil, dem damals in Russland gültigen Kalender. Später ist von Juchtenleder und Zobelpelz die Rede, vom Polen, der „matt geworden“ sei und nun an der Weichsel knie, und von Kindern, die zu Nikolaus als „Onkel und Papa“ aufschauen. Die Anspielungen deuten auf den russischen Zaren Nikolaus I. und auf alle, die sich vor ihm verbeugen – „Drum gebückt euch und geschmiegt“, heißt es in der vorletzten Strophe. Freiligrath, der sich mit diesem Band offen der politischen Dichtung zuwandte, tarnte seine Satire als Nikolauslied. Für Kinder taugt allenfalls die zweite Strophe, für einen Nikolausabend unter Erwachsenen ist das ganze Gedicht eine kleine Entdeckung.
Otto Julius Bierbaum: „Christoph, Rupprecht, Nikolaus“ (1901)
Bierbaum stellt in seinem Band „Irrgarten der Liebe“ gleich drei Gabenbringer nebeneinander: den heiligen Christophorus, Knecht Rupprecht und den Nikolaus. Augenzwinkernd gibt er zu, dass alles „Legend und Mär“ sei, und beschreibt, wie die drei auf alten Bildern aussehen: „Drei Aepfel trägt der Nikolaus, / Sieht väterlich und ernsthaft aus.“ Die drei Äpfel verweisen auf die Goldklumpen aus der Legende. Die Schlussstrophe eignet sich gut, um den Sack zu öffnen:
Christoph, Rupprecht, Nikolaus! / Schüttet eure Säcke aus, / Schüttet sie mit Lachen, / Blickt mit hellen Augen drein / Und laßt wohl gesegnet sein / Eure Siebensachen.
Quelle: Otto Julius Bierbaum, „Irrgarten der Liebe“, Berlin und Leipzig 1901; Wortlaut abgeglichen mit dem Scan dieser Ausgabe und mit zeno.org.
Weitere Spuren: Hans Sachs, der „Struwwelpeter“ und ein Lied
Schon 1551 dichtete Hans Sachs ein Schwanklied, in dem ein Landsknecht mit einer Nikolausfigur am Wegrand um Geld würfelt und am Ende den Pfarrer überlistet, der die Münzen aus dem Opferstock holen wollte. Auch dort hält die Figur drei goldene „Knöpfe“ in der Hand. In Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“ von 1845 taucht ein „großer Nikolas“ mit Tintenfass auf, der drei Jungen bestraft, weil sie einen anderen Jungen wegen seiner Hautfarbe verspotten; die Geschichte gilt heute wegen ihrer Darstellung als umstritten. Franz Grillparzer stellte in einem Spottvers dem Nikolaus den Krampus gegenüber. Dieser Vierzeiler ist aber in zwei Fassungen mit verschiedenen Titeln überliefert, deshalb zitieren wir ihn nicht. Gesungen statt aufgesagt wird „Lasst uns froh und munter sein“, ein Nikolauslied aus dem 19. Jahrhundert, das möglicherweise aus dem Hunsrück stammt und dessen Textdichter nicht sicher bekannt ist.
Rute und Zuckerpuppen: was die alten Texte verraten
Liest man die alten Stücke nebeneinander, fällt eines auf: Der Nikolaus kommt darin als Prüfer. Im Wunderhorn will er wissen, was die Kinder „In Beten, Schreiben, Singen und Lesen“ gelernt haben, und wer nicht gehorcht, bekommt „den Stecken und die Ruth“. Freiligrath spielt mit genau dieser Drohung, und auch im „Struwwelpeter“ straft der Nikolas. Ein aufgesagtes Gedicht oder Gebet ist in diesem Bild eine Art Prüfungsleistung: Wer es kann, gilt als brav.
Heute will kaum jemand, dass ein Vierjähriger vor einem bärtigen Fremden zittert. Die neuen Gedichte unten lassen die Rute deshalb weg. Sie erzählen vom Warten, vom Stiefel, von Mandarinen und vom heimlichen Schenken, also vom Kern der Legende statt von ihrer strengen Auslegung.
Kurze Nikolausgedichte für Kleinkinder
Für Zwei- bis Vierjährige zählen zwei Dinge: ein Takt, den man mitklatschen kann, und Wörter, die das Kind kennt. Diese Vierzeiler lassen sich in wenigen Tagen lernen. Das dritte ist ein Rätsel, die Lösung steht darunter.
Stiefel putzen, blank und fein – / heute Nacht passt viel hinein. / Stell ihn draußen vor das Haus: / Morgen sieht er anders aus.
Was raschelt da im Flur so sacht? / Wer schleicht herum um Mitternacht? / Am Morgen ist mein Stiefel voll – / der Nikolaus war da! Wie toll!
Ich bin rund und leuchte hell, / schälen geht bei mir ganz schnell. / Morgens lieg ich obenauf – / na, wer bin ich? Kommst du drauf?
Lösung: die Mandarine.
Augen zu und schlaf jetzt ein, / draußen ist schon Sternenschein. / Wenn du träumst, dann kommt er still, / weil er dich nicht wecken will.
Nikolausgedichte zum Aufsagen in Kita und Schule
In der Gruppe funktionieren Gedichte, bei denen die Hände etwas zu tun haben oder bei denen mehrere Kinder abwechselnd sprechen. In vielen Kitas folgt der Nikolaus wenige Wochen nach dem Laternenfest zu Sankt Martin. Ein Bewegungsgedicht wie das folgende lernt sich in der Zwischenzeit fast von selbst.
Bewegungsgedicht für die Kita
Hoch die Mütze, lang der Bart – / Nikolaus ist auf der Fahrt. / Stapft durch Schnee und stapft durchs Feld, / bis er an der Haustür hält. / Pocht ans Fenster: eins, zwei, drei – / und dann ist er schon vorbei. / Morgen früh, dann schauen wir / in den Stiefel: Was ist hier?
Dazu die Bewegungen: Bei „Mütze“ legen die Kinder die Hände über dem Kopf zu einer Spitze zusammen, bei „Bart“ streichen sie übers Kinn, bei „stapft“ gehen sie auf der Stelle, bei „eins, zwei, drei“ klopfen sie in die Luft, und zum Schluss halten sie eine Hand über die Augen wie zum Ausschauen.
Der Stiefel erzählt (für die Grundschule)
Ich bin ein Stiefel, grau und alt, / im Herbst war ich oft nass und kalt. / Ich lief durch Pfützen, lief durch Laub, / ich trug den Matsch, ich trug den Staub. / Doch heute bin ich blank geputzt, / kein Fleck, kein Krümel, nichts verschmutzt. / Jetzt steh ich still vor unsrer Tür / und warte – und ich weiß, wofür.
Zwiegespräch für zwei Kinder
Kind: Ich muss dir etwas ehrlich sagen: / Ich war nicht brav an allen Tagen.
Nikolaus: Das weiß ich längst, mein liebes Kind – / weil Kinder eben Kinder sind.
Kind: Und füllst du trotzdem meinen Schuh?
Nikolaus: Na klar! Und morgen – was tust du?
Kind: Dann teil ich meine Nüsse aus / mit allen Leuten hier im Haus.
Das Zwiegespräch greift die Form des alten Wunderhorn-Stücks auf, dreht sie aber um: Statt zu drohen, fragt der Nikolaus nach dem nächsten Tag.
Lustige Nikolausgedichte
Heitere Verse leben oft von einer ungewohnten Perspektive. Hier sprechen der Nikolaus selbst, seine Ausgabe aus Schokolade und ein Elternteil nach einer kurzen Nacht. Sie passen für Familienfeiern, für eine Runde unter Kollegen und für alle, die nachts um zwölf noch Stiefel füllen.
Der Nikolaus hat Sorgen
Ich bin der Nikolaus. Gebt acht: / Ich komm zum Sechsten, in der Nacht. / Der Herr mit Rentier und Gebimmel / saust später erst durch euren Himmel. / Er hat sich viel bei mir geborgt: / den Bart, den Sack. Ich bin besorgt: / Fängt er jetzt auch mit Stiefeln an, / dann bin ich arbeitslos. Und dann?
Der Schokoladennikolaus spricht
Ich bin klein und innen hohl, / eingepackt in Stanniol, / Mütze, Bart und Bischofsstab – / alles, was ich jemals hab. / Morgen kommt ein Kind, o Graus, / und packt mich mit Freuden aus. / Erst die Mütze, dann der Bart. / Nikolaus sein? Ziemlich hart.
Elternnacht
Um zwölf bin ich noch auf den Beinen / und fülle Stiefel für die Kleinen. / Ein Apfel rollt, die Tüte kracht, / der Hund bellt los – na, gute Nacht. / Um fünf ruft’s aus dem Kinderzimmer: / „Er war schon da!“, so laut wie immer. / Ich gähne nur und sag: „Ich weiß.“ / Wer Nikolaus spielt, zahlt den Preis.
Gedichte zum Nikolaus für Erwachsene und Paare
Zwischen Erwachsenen ist der 6. Dezember ein kleiner, fast heimlicher Feiertag: Niemand muss etwas schenken, und gerade deshalb freut man sich über einen gefüllten Schuh. Das erste Gedicht passt für Paare, das zweite für alle, die inzwischen selbst den Stiefel füllen, das dritte ist ein freier Vers über die Legende.
Wir sind zu alt für diesen Brauch, / das sagst du jedes Jahr, ich auch. / Und doch schleicht einer nachts hinaus / mit einer Tüte durch das Haus. / Heut Nacht im Flur, da standen wir: / zwei Wichtel mit Geschenkpapier. / Ab jetzt ist zwischen uns zwei klar: / Zu alt ist keiner, Jahr für Jahr.
Ich weiß noch, wie die Diele knarrte, / als ich mit sechs im Dunkeln stand, / und wie ich durch den Türspalt starrte, / die kalte Klinke in der Hand.
Heut steh ich selbst an jener Stelle, / der Beutel knistert in der Nacht, / und drüben an der Zimmerschwelle / ist noch ein kleines Kind erwacht.
Ich tu, als hätt’ ich nichts gesehen, / wie damals jemand. Das ist Brauch. / Ich lass es leise schlafen gehen. / Am Morgen glaubt es noch. Ich auch.
Die Legende erzählt von einem verarmten Vater, / der seinen drei Töchtern nichts mitgeben konnte. / In drei Nächten fiel Gold durch sein Fenster. / Ich mag an der Geschichte am meisten, / was sie dem Vater erspart: / das Klopfen an fremde Türen, / den gesenkten Blick, / die Bitte, die im Hals stecken bleibt. / Manche Geschenke sind am größten, / wenn sie kommen, / bevor jemand darum bitten muss.
Kleine Gedichte für den Stiefel
Ein Zettel obenauf macht aus Nüssen und Schokolade eine persönliche Geste. Diese zwei Vierzeiler sind für Menschen gedacht, die eigentlich „zu groß“ für den Brauch sind: für Jugendliche und für die Eltern oder Großeltern, die früher selbst die Stiefel gefüllt haben. Einzeilige Kärtchentexte findest du bei den Nikolaussprüchen.
Mit fünfzehn glaubt man nicht mehr dran / und stellt den Stiefel trotzdem raus. / Gut so. Wer heimlich hoffen kann, / der hat ein bisschen Glück im Haus.
Du hast mir früher Jahr für Jahr / den Schuh gefüllt – ich weiß, wer’s war. / Heut hab ich deinen Schuh entdeckt / und dir was Süßes reingesteckt.
Ein Nikolausgedicht aufsagen – ohne Druck
Ein Gedicht für den Nikolaus ist ein Geschenk des Kindes, keine Eintrittskarte für den gefüllten Sack. Wenn ein Kind am Abend verstummt, hilft kein Drängen. Ein paar Wege, die den Moment leichter machen:
- Gemeinsam sprechen: Geschwister oder die ganze Gruppe sagen das Gedicht im Chor auf, schüchterne Kinder können darin mitschwimmen.
- Reimwörter ergänzen lassen: Ein Erwachsener spricht die Zeile, das Kind ruft nur das letzte Wort. Das klappt schon mit Zweijährigen.
- Hände beschäftigen: Beim Bewegungsgedicht schauen alle auf die Gesten, nicht auf das Kind.
- Ein Lied statt eines Gedichts: Singen fällt vielen Kindern leichter als Sprechen, weil die Melodie den Text trägt.
Wer den Nikolaus spielt, geht beim Zuhören in die Knie und begegnet dem Kind auf Augenhöhe. Aus dem goldenen Buch liest er Gutes vor, keine Liste von Verfehlungen. Und wenn ein Kind gar nichts sagen mag, bekommt es trotzdem seine Mandarine.
Häufige Fragen
Welche bekannten Nikolausgedichte gibt es?
Am bekanntesten ist Theodor Storms „Knecht Ruprecht“, das streng genommen von Weihnachten handelt. Belegte alte Nikolaustexte sind das Rollenspiel „St. Niklas“ aus „Des Knaben Wunderhorn“ (1808), Ferdinand Freiligraths satirisches „Kinderlied“ von 1844 und Otto Julius Bierbaums „Christoph, Rupprecht, Nikolaus“ von 1901. Viele weitere Verse im Netz tragen keinen nachprüfbaren Verfasser.
Welche Reime gibt es zum Nikolaus?
Neben überlieferten Kinderreimen ohne bekannten Verfasser gibt es viele neue, wie die Vierzeiler in diesem Artikel. Wer selbst reimt, kommt mit diesen sauberen Paaren weit: Nikolaus auf Haus, aus und Graus, Bart auf Fahrt, Nuss auf Schluss, Sack auf Geschmack, Schnee auf Tee. „Stiefel“ reimt sich auf fast nichts, deshalb steht es besser in der Mitte einer Zeile. Vorsicht bei Stab und ab: Das eine wird lang, das andere kurz gesprochen, der Reim hinkt.
Welche Zitate gibt es zum Nikolaus?
Gut belegt und gemeinfrei sind zum Beispiel Bierbaums Zeilen „Drei Aepfel trägt der Nikolaus, / Sieht väterlich und ernsthaft aus“, Freiligraths „Niklas ist ein braver Mann, / Herzensgut und mild von Sitten“ (im Gedicht ironisch gemeint) und die Bitte aus dem Wunderhorn: „Ich bitte dich Sankt Niklaus sehr, / In meinem Hause auch einkehr“. Zitate ohne Autor, Werk und Jahr lässt du besser weg.
Muss ein Kind dem Nikolaus ein Gedicht aufsagen?
Nein. Das Aufsagen ist ein Brauch, keine Bedingung für den gefüllten Stiefel. In alten Texten war das Aufsagen eine Prüfung, heute soll es Freude machen. Wenn ein Kind sich nicht traut, kann es im Chor mitsprechen, ein Lied singen, ein Bild überreichen oder einfach zuhören. Ein ängstliches Kind vor dem Nikolaus bloßzustellen, verdirbt den Abend für alle.
Wie lang sollte ein Nikolausgedicht für Kinder sein?
Für Kinder unter vier Jahren reichen zwei bis vier Zeilen, im Kindergartenalter vier bis acht, in der Grundschule auch acht bis zwölf. Wichtiger als die Länge ist der Takt: Gleich lange Zeilen mit klarem Paarreim prägen sich schneller ein als ein längerer Text mit wechselndem Rhythmus. Lieber ein kurzes Gedicht sicher als ein langes mit Hängern.
Was unterscheidet ein Nikolausgedicht von einem Nikolausspruch?
Ein Nikolausgedicht hat mehrere Zeilen, einen durchgehenden Rhythmus und erzählt meist eine kleine Szene, etwa vom Warten auf den Nikolaus oder vom Stiefel vor der Tür. Ein Spruch besteht aus ein bis zwei Sätzen, oft ungereimt, und passt auf ein Kärtchen oder in eine Nachricht. Gedichte trägt man vor, Sprüche liest man.
Fazit: alte Fundstücke, neue Verse
Die schönsten alten Nikolausgedichte sind keine frommen Kinderverse, sondern kleine Überraschungen: ein Rollenspiel aus dem Wunderhorn, eine getarnte Satire, ein augenzwinkerndes Bild mit drei Äpfeln. Für das Aufsagen am 6. Dezember taugen meist die neuen Verse besser, weil sie ohne Rute auskommen und den Kern der Legende erzählen: heimlich schenken. Für die Sonntage davor und danach findest du eigene Adventsgedichte und kurze Adventsgrüße, für das Fest selbst die Weihnachtsgrüße.









