Heinrich Heine Gedichte: Loreley, Liebesgedichte und Zitate

Heinrich Heine Gedichte im Wortlaut der Erstdrucke: Loreley, Fichtenbaum, Liebesgedichte aus dem Buch der Lieder, späte Verse, Grabgedicht und Zitate mit Quelle.

Zu den Gedichten
von Sophia Richter14 Min. Lesezeit
Heinrich Heine Gedichte: Loreley, Liebesgedichte und Zitate
Inhalt 11 Abschnitte
  1. Wer Heinrich Heine war
  2. Die bekanntesten Heinrich Heine Gedichte
  3. Heine Gedichte über die Liebe
  4. Ironie und Stimmungsbruch: Heines Markenzeichen
  5. Kurze Heine Gedichte
  6. Politische Gedichte: Nachtgedanken und Wintermärchen
  7. Späte Gedichte aus der Matratzengruft
  8. Heines Grab auf dem Montmartre und das Gedicht „Wo?“
  9. Heinrich Heine Zitate mit Fundstelle
  10. Heine zugeschrieben, aber unbelegt oder verändert
  11. Heine gemeinfrei online lesen

Heinrich Heine Gedichte kennt fast jeder, oft ohne es zu wissen: die Jungfrau, die über dem Rhein ihr goldenes Haar kämmt, den Mai, in dem die Liebe aufgeht, den Seufzer über Deutschland, der einen nachts wach hält. Heine war Liebesdichter und Spötter zugleich. Hier findest du seine bekanntesten Verse im Wortlaut der Erstdrucke, mit Sammlung und Jahr, dazu kurze und politische Gedichte, späte Texte aus dem Krankenbett, belegte Zitate und Sätze, die man ihm nur nachsagt.

Geprüft haben wir die Texte an Scans der Originalausgaben bei Wikisource: „Buch der Lieder“ (1827), „Neue Gedichte“ (1844) und „Romanzero“ (1851), alle bei Hoffmann und Campe in Hamburg erschienen. Die alte Schreibung bleibt stehen, also „Thränen“ und „seyn“. Steht ein Gedicht schon vollständig in einem anderen Beitrag dieses Blogs, verlinken wir dorthin.

Wer Heinrich Heine war

Heine kam am 13. Dezember 1797 in Düsseldorf als Harry Heine zur Welt, Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie. Sein reicher Onkel Salomon, Bankier in Hamburg, finanzierte ihm erst ein Tuchgeschäft, das bald scheiterte, dann das Jurastudium. In Hamburg verliebte sich Harry unglücklich in seine Cousine Amalie. Biografen verbinden viele Liebesgedichte mit dieser Erfahrung, wie eng Leben und Verse zusammenhängen, bleibt aber Deutung. 1824 besuchte er Goethe in Weimar, dessen Lyrik du bei den Goethe Gedichten findest. 1825 ließ er sich evangelisch taufen und hieß fortan Heinrich.

Das „Buch der Lieder“ von 1827, eine Auswahl seiner Gedichte aus zehn Jahren, machte ihn berühmt. 1831 zog Heine nach Paris, 1835 verbot der Deutsche Bund seine Schriften, 1841 heiratete er die Französin Augustine Crescence Mirat, die er Mathilde nannte. Im Mai 1848 brach er zusammen und verbrachte die letzten acht Jahre fast gelähmt im Bett. Er starb am 17. Februar 1856 in Paris.

Die bekanntesten Heinrich Heine Gedichte

Zwei Texte fehlen in keiner Heine-Auswahl, beide stammen aus dem „Buch der Lieder“.

Die Lore-Ley: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ (Buch der Lieder, 1827)

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, / Daß ich so traurig bin; / Ein Mährchen aus alten Zeiten, / Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt, / Und ruhig fließt der Rhein; / Der Gipfel des Berges funkelt / Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet / Dort oben wunderbar / Ihr gold’nes Geschmeide blitzet, / Sie kämmt ihr gold’nes Haar.

Sie kämmt es mit gold’nem Kamme, / Und singt ein Lied dabei; / Das hat eine wundersame, / Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe / Ergreift es mit wildem Weh; / Er schaut nicht die Felsenriffe, / Er schaut nur hinauf in die Höh’.

Ich glaube, die Wellen verschlingen / Am Ende Schiffer und Kahn; / Und das hat mit ihrem Singen / Die Lore-Ley gethan.

Ohne Titel als Nummer II im Zyklus „Die Heimkehr“, „Buch der Lieder“ (1827), S. 178 f.; zuerst gedruckt 1824 in der Berliner Zeitschrift „Der Gesellschafter“.

Eine uralte Sage ist die Lore-Ley, heute meist Loreley geschrieben, nicht: Die Figur hatte Clemens Brentano 1801 für eine Ballade erfunden. Heine rahmt das Märchenbild mit einem Ich, das nicht weiß, warum es traurig ist, und mit einem zögernden „Ich glaube“ am Schluss. Dazwischen glänzt so viel Gold, dass man diese Distanz leicht überliest. Zum Volkslied wurde der Text durch Friedrich Silchers Melodie von 1837.

Ein Fichtenbaum steht einsam (Buch der Lieder, 1827)

[…] / Er träumt von einer Palme, / Die, fern im Morgenland, / Einsam und schweigend trauert / Auf brennender Felsenwand.

Aus dem „Lyrischen Intermezzo“, S. 137. Die erste Strophe mit der verschneiten Fichte im Norden steht bei unseren Liebesgedichten.

Zwei Bäume, die sich nie begegnen werden, Eis gegen Wüstenhitze. Das Wort Liebe fällt kein einziges Mal, und doch lesen die meisten das Gedicht als Bild für zwei Menschen, die getrennt dasselbe fühlen. Für eine Fernbeziehung findest du kaum einen knapperen Text.

Heine Gedichte über die Liebe

Das „Buch der Lieder“ erzählt in vielen kurzen Strophen von Verliebtheit, Zurückweisung und Trotz, in einer Sprache, die wie ein Volkslied klingt. Robert Schumann vertonte 1840 sechzehn Gedichte aus dem „Lyrischen Intermezzo“ als Zyklus „Dichterliebe“. Einzelne Liebeszeilen Heines sammeln auch die Zitate über die Liebe.

Im wunderschönen Monat Mai (Buch der Lieder, 1827)

[…] / Im wunderschönen Monat Mai, / Als alle Vögel sangen, / Da hab ich ihr gestanden / Mein Sehnen und Verlangen.

Das Eröffnungsgedicht des „Lyrischen Intermezzos“, S. 112; die erste Strophe mit den aufspringenden Knospen steht bei den Liebeszitaten. Die zweite Strophe wiederholt die erste wie ein Echo, nur wird aus dem Gefühl jetzt ein Geständnis. Ob die Angebetete antwortet, verrät Heine nicht.

Du bist wie eine Blume (Buch der Lieder, 1827)

[…] / Mir ist, als ob ich die Hände / Auf’s Haupt dir legen sollt’, / Betend, daß Gott dich erhalte / So rein und schön und hold.

Aus „Die Heimkehr“, S. 223; die erste Strophe steht ebenfalls bei den Liebesgedichten. Nach den Biografen Jan-Christoph Hauschild und Michael Werner haben es über dreihundert Komponisten vertont. Lies genau: Der Sprecher bewundert, fühlt dabei aber Wehmut, und seine Geste ist ein Segen, kein Werben. Manche hören darin die Sorge, dass diese Reinheit nicht bleibt.

Sie liebten sich beide, doch keiner (Buch der Lieder, 1827)

Sie liebten sich beide, doch keiner / Wollt’ es dem andern gestehn; / Sie sahen sich an so feindlich, / Und wollten vor Liebe vergehn.

Sie trennten sich endlich und sah’n sich / Nur noch zuweilen im Traum; / Sie waren längst gestorben, / Und wußten es selber kaum.

Aus „Die Heimkehr“, S. 210. Wer je zu stolz für den ersten Schritt war, erkennt sich in der dritten Zeile: feindliche Blicke als Tarnung für ein zu großes Gefühl. Die zweite Strophe treibt das ins Absurde, die beiden sind innerlich tot und merken es nicht.

Ein Jüngling liebt ein Mädchen (Buch der Lieder, 1827)

Ein Jüngling liebt ein Mädchen, / Die hat einen Andern erwählt; / Der Andre liebt eine Andre, / Und hat sich mit dieser vermählt.

Das Mädchen heurathet aus Aerger / Den ersten besten Mann, / Der ihr in den Weg gelaufen; / Der Jüngling ist übel dran.

Es ist eine alte Geschichte, / Doch bleibt sie immer neu; / Und wem sie just passiret, / Dem bricht das Herz entzwei.

Aus dem „Lyrischen Intermezzo“, S. 144, auch Teil der „Dichterliebe“. Zwei Strophen klingen wie Klatsch, fast komisch in ihrer Kettenreaktion, erst die letzte Zeile nimmt den Schmerz ernst.

Ironie und Stimmungsbruch: Heines Markenzeichen

Heine liebte die Romantik und misstraute ihr zugleich. Oft baut er eine gefühlvolle Szene auf, Mondschein, Meer, Seufzer, und zieht in der letzten Zeile den Teppich weg. Die Literaturwissenschaft nennt das Stimmungsbruch. Kälter werden die Gedichte dadurch nicht, eher ehrlicher. Im „Lyrischen Intermezzo“ lässt er eine Teegesellschaft gelehrt über platonische Liebe plaudern, und sogar den Winter verspottet er, nachzulesen bei den Wintergedichten.

Das Fräulein stand am Meere (Neue Gedichte, 1844)

Das Fräulein stand am Meere / Und seufzte lang und bang, / Es rührte sie so sehre / Der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! seyn Sie munter, / Das ist ein altes Stück; / Hier vorne geht sie unter / Und kehrt von hinten zurück.

Aus dem Zyklus „Seraphine“ in den „Neuen Gedichten“, S. 71. Die erste Strophe könnte in jedem romantischen Album stehen, die zweite antwortet mit Astronomie und einem Augenzwinkern, das man heute fast als Flirt lesen kann.

Kurze Heine Gedichte

Heines kürzeste Texte passen auf eine Postkarte. Den Frühlingsgruß „Leise zieht durch mein Gemüth“ aus den „Neuen Gedichten“ findest du vollständig bei den kurzen Gedichten, hier zwei weitere mit je acht Zeilen.

Ich hatte einst ein schönes Vaterland (Neue Gedichte, 1844)

Ich hatte einst ein schönes Vaterland. / Der Eichenbaum / Wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft. / Es war ein Traum.

Das küßte mich auf deutsch, und sprach auf deutsch / (Man glaubt es kaum / Wie gut es klang) das Wort: „ich liebe dich!“ / Es war ein Traum.

Teil III von „In der Fremde“, S. 159, geschrieben im Pariser Exil. Heimweh und Liebe fallen in eins, und der Kehrreim nimmt beides zurück.

Das Glück ist eine leichte Dirne (Romanzero, 1851)

Das Glück ist eine leichte Dirne, / Und weilt nicht gern am selben Ort; / Sie streicht das Haar dir von der Stirne / Und küßt dich rasch und flattert fort.

Frau Unglück hat im Gegentheile / Dich liebefest an’s Herz gedrückt; / Sie sagt, sie habe keine Eile, / Setzt sich zu dir an’s Bett und strickt.

Der Auftakt der „Lamentationen“ im „Romanzero“, S. 118, geschrieben in den Jahren, in denen Heine nicht mehr aufstehen konnte. Trotzdem ist das letzte Bild beinahe gemütlich.

Politische Gedichte: Nachtgedanken und Wintermärchen

In Paris spottete Heine über Fürsten, Zensur und Frömmelei, ohne den Liedton zu verlieren.

Nachtgedanken (Neue Gedichte, 1844)

Denk ich an Deutschland in der Nacht, / Dann bin ich um den Schlaf gebracht, / Ich kann nicht mehr die Augen schließen, / Und meine heißen Thränen fließen.

[…]

Nach Deutschland lechzt’ ich nicht so sehr, / Wenn nicht die Mutter dorten wär’; / Das Vaterland wird nie verderben, / Jedoch die alte Frau kann sterben.

Geschrieben 1843, das letzte der „Zeitgedichte“, S. 274–276. Der Anfang wird gern als Klage über deutsche Zustände zitiert, im Gedicht geht es aber vor allem um die Mutter in Hamburg, die Heine zwölf Jahre nicht gesehen hatte. Am Ende bricht französisches Tageslicht durchs Fenster, und seine Frau lächelt die Sorgen weg.

Deutschland. Ein Wintermärchen (1844)

Ende 1843 reiste Heine erstmals seit seiner Auswanderung nach Hamburg. Daraus wurde ein Versepos in 27 Kapiteln, gedruckt in den „Neuen Gedichten“ und im selben Jahr als zensierte Einzelausgabe. An der Grenze hört er ein Harfenmädchen vom Himmel singen und antwortet:

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text, / Ich kenn’ auch die Herren Verfasser; / Ich weiß, sie tranken heimlich Wein / Und predigten öffentlich Wasser.

Ein neues Lied, ein besseres Lied, / O Freunde, will ich Euch dichten! / Wir wollen hier auf Erden schon / Das Himmelreich errichten.

Caput I, nach den „Neuen Gedichten“, S. 281. Glück soll es auf Erden geben, nicht erst im Jenseits.

Späte Gedichte aus der Matratzengruft

Im Nachwort zum „Romanzero“ (1851) nennt Heine sein Krankenlager die „Matratzengruft zu Paris“, in die kein grünes Blatt hereinrauscht, nur Straßenlärm und Klaviergeklimper. Die Gedichte dieser Jahre sind trotzdem oft komisch, und eines zählt zu seinen schönsten Liebesgedichten.

Der Asra (Romanzero, 1851)

Täglich ging die wunderschöne / Sultanstochter auf und nieder / Um die Abendzeit am Springbrunn, / Wo die weißen Wasser plätschern.

Täglich stand der junge Sklave / Um die Abendzeit am Springbrunn, / Wo die weißen Wasser plätschern; / Täglich ward er bleich und bleicher.

Eines Abends trat die Fürstin / Auf ihn zu mit raschen Worten: / Deinen Namen will ich wissen, / Deine Heimath, deine Sippschaft!

Und der Sklave sprach: ich heiße / Mohamet, ich bin aus Yemmen, / Und mein Stamm sind jene Asra, / Welche sterben wenn sie lieben.

Aus dem ersten Buch des „Romanzero“, S. 58. Kein Reim, nur ein gleichmäßiger Takt wie das Plätschern des Brunnens. Die Antwort des Sklaven ist Herkunftsangabe und Liebeserklärung zugleich.

Heines Grab auf dem Montmartre und das Gedicht „Wo?“

Heine wurde auf dem Pariser Friedhof Montmartre begraben. Mathilde starb 27 Jahre nach ihm und liegt, wie er es wollte, im selben Grab. Das heutige Grabmal von 1901 trägt eine Marmorbüste des dänischen Bildhauers Louis Hasselriis und darunter die drei Strophen von „Wo?“. Das Gedicht fragt, wo der Wandermüde einmal ruhen wird, unter Palmen im Süden oder unter Linden am Rhein, und endet gelassen mit Sternen als Totenlampen. Den ganzen Text findest du bei den Trauergedichten. In seine Gedichtbände hat Heine es nicht aufgenommen, die Düsseldorfer Heine-Ausgabe druckt es im Anhang zu den „Neuen Gedichten“.

Schon im „Romanzero“ malte er sich den Friedhof aus. In „Gedächtnißfeier“ steigt Mathilde mit einem Kranz zu ihm hinauf:

Doch vielleicht an solchem Tage, / Wenn das Wetter schön und milde, / Geht spazieren auf Montmartre / Mit Paulinen Frau Mathilde.

Weil er ihr da oben keinen Stuhl anbieten kann, schickt er sie am Ende fürsorglich mit der Kutsche heim. Zärtlicher und selbstironischer hat kaum jemand über das eigene Grab geschrieben.

Heinrich Heine Zitate mit Fundstelle

  • „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher / Verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ – „Almansor“, Tragödie, gedruckt 1823, gesprochen von der Figur Hassan
  • „O weine nicht! Wie glüh’nde Naftatropfen, / So fallen deine Thränen auf mein Herz.“ – ebenfalls „Almansor“ (1823)
  • „Ich bin ein deutscher Dichter, / Bekannt im deutschen Land“ – „Wenn ich an deinem Hause“, „Die Heimkehr“, „Buch der Lieder“ (1827)
  • „Die Stadt selbst ist schön, und gefällt einem am besten, wenn man sie mit dem Rücken ansieht.“ – über Göttingen, „Die Harzreise“ (1826)
  • „Wenn du aber gar nichts hast, / Ach, so lasse dich begraben“ – „Weltlauf“, erstes Gedicht der Reihe „Lazarus“ im „Romanzero“ (1851)

Heines bekannteste Auskunft über das eigene Dichten, dass er aus großen Schmerzen kleine Lieder mache, steht im „Lyrischen Intermezzo“ und ist bei den Liebeszitaten belegt. Nach demselben Prinzip prüfen wir die Goethe Zitate.

Heine zugeschrieben, aber unbelegt oder verändert

  • „Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“ Verändert. Im „Almansor“ beginnt der Satz mit „Das war ein Vorspiel nur“ und antwortet auf eine Verbrennung des Korans in Granada. Heine schrieb ihn um 1820, mehr als hundert Jahre vor der Bücherverbrennung von 1933, an die heute unter anderem eine Tafel mit diesem Zitat auf dem Berliner Bebelplatz erinnert.
  • „Ich weiß nicht, was soll das bedeuten.“ Ein häufiger Verschreiber, im Druck steht „was soll es bedeuten“.
  • „Denk ich an Deutschland in der Nacht“ als reine Politik. Der Wortlaut stimmt, die Deutung greift zu kurz, denn das Gedicht handelt vom Heimweh nach der Mutter.
  • „Wasser predigen und Wein trinken.“ Die Redensart wird meist auf das „Wintermärchen“ zurückgeführt. Dort steht es konkreter: Die Verfasser frommer Lieder tranken heimlich Wein und predigten öffentlich Wasser.
  • „Gott wird mir verzeihen, das ist sein Beruf.“ Kein geschriebener Satz Heines, sondern ein überliefertes Wort vom Sterbebett, auf Französisch. Der Schriftsteller Alfred Meißner gab es 1856 in seinen Erinnerungen wieder, andere Zeitgenossen erzählten es in abweichender Form.
  • „Wenn die Welt untergeht, ziehe ich nach Mecklenburg.“ In Heines Werken haben wir dafür keine Fundstelle gefunden. Der Satz kursiert ebenso unter Bismarcks Namen, auch dort ohne gesicherte Quelle.
  • Die Lore-Ley mit „Verfasser unbekannt“. Oft heißt es, NS-Lesebücher hätten das Lied ohne Heines Namen gedruckt. Die Germanistin Anja Oesterheld hat das 2011 untersucht und als Mythos beschrieben, ein Beleg fehlt.

Faustregel: Ein echtes Heine-Zitat gehört zu einem Gedicht, einer Prosaschrift oder einem datierten Brief. Fehlt die Fundstelle, lies im Volltext nach, bevor du es teilst.

Heine gemeinfrei online lesen

Wikisource bietet das „Buch der Lieder“ von 1827, die „Neuen Gedichte“ von 1844 und den „Romanzero“ von 1851 mit Scans der Originalseiten. Das Heinrich-Heine-Portal der Universität Trier stellt die historisch-kritische Düsseldorfer Ausgabe und Heines Briefe digital bereit, auch Projekt Gutenberg-DE führt viele Texte. Zum Einstieg eignen sich „Lyrisches Intermezzo“ und „Die Heimkehr“. Wer einen Gegenpol sucht, findet bei den Rilke Gedichten einen Dichter, der fast nie ironisch wird.

Häufige Fragen

Was ist das berühmteste Gedicht von Heinrich Heine?

Das berühmteste Gedicht von Heinrich Heine ist die Lore-Ley mit dem Anfang „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“. Sie erschien 1824 und steht seit 1827 im „Buch der Lieder“. Durch Friedrich Silchers Melodie von 1837 wurde sie zum Volkslied, das bis heute gesungen wird.

Welches Gedicht steht auf Heines Grab?

Auf Heines Grab auf dem Pariser Friedhof Montmartre steht sein Gedicht „Wo?“, das nach der letzten Ruhestätte des Wandermüden fragt. Die drei Strophen sind unter einer Marmorbüste von Louis Hasselriis eingemeißelt, das Grabmal entstand 1901. Neben Heine ruht seine Frau Mathilde.

Wie lautete das berühmte Zitat von Heinrich Heine?

Am häufigsten zitiert wird „Denk ich an Deutschland in der Nacht, / Dann bin ich um den Schlaf gebracht“ aus den „Nachtgedanken“ von 1843. Ebenso bekannt ist der Satz aus „Almansor“ über Bücher und Menschen, die verbrannt werden. Beide sind echt, werden aber oft verkürzt oder umformuliert.

Welche Gedichte von Heinrich Heine sind die besten?

Eine objektive Rangliste gibt es nicht. Häufig genannt werden die Lore-Ley, „Ein Fichtenbaum steht einsam“, „Im wunderschönen Monat Mai“, „Du bist wie eine Blume“, „Ein Jüngling liebt ein Mädchen“, „Sie liebten sich beide“, „Leise zieht durch mein Gemüth“, „Nachtgedanken“, „Der Asra“ und „Wo?“.

Welches Heine-Gedicht passt in eine Liebeskarte?

In eine Liebeskarte passen „Im wunderschönen Monat Mai“ bei frischer Verliebtheit, „Ein Fichtenbaum steht einsam“ bei einer Fernbeziehung und „Leise zieht durch mein Gemüth“ als kleiner Gruß. Gedichte mit bitterem Schluss wie „Sie liebten sich beide“ nimmst du besser nur, wenn ihr schwarzen Humor mögt.

Ist Heinrich Heine gemeinfrei?

Ja. Heine starb 1856, und das Urheberrecht endet 70 Jahre nach Ablauf des Todesjahres. Seine Originaltexte sind deshalb seit dem 1. Januar 1927 frei, du darfst sie abschreiben, vortragen und drucken. Geschützt sein können nur Kommentare und Übersetzungen heutiger Ausgaben.

Fazit: Heine liest man mit einem Lächeln

Heine schreibt über die Liebe, wie sie sich oft anfühlt: überwältigend und ein bisschen lächerlich zugleich. Seine Gedichte singen wie Volkslieder und stechen in der letzten Zeile. Wenn du einen Vers verschenkst, nimm den echten Wortlaut, nenne Sammlung und Jahr und lies ihn vorher laut. Dann hörst du, ob er zärtlich klingt oder augenzwinkernd, und meistens ist er beides.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Heine, H. (1827): Buch der Lieder. Hoffmann und Campe
  2. Heine, H. (1844): Neue Gedichte. Hoffmann und Campe
  3. Heine, H. (1851): Romanzero. Hoffmann und Campe
Verfasst von Sophia Richter3 Quellen angegeben
Sophia Richter

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