Shakespeare Zitate: Liebe, Leben, Hamlet – mit Akt und Szene

Shakespeare Zitate mit englischem Original und deutscher Fassung: Liebe, Leben, Hamlet, Romeo und Julia, Macbeth, Sonette – dazu Fälschungen und der Kontext.

von Nina Hofmann16 Min. Lesezeit
Shakespeare Zitate: Liebe, Leben, Hamlet – mit Akt und Szene
Inhalt 12 Abschnitte
  1. Die berühmtesten Shakespeare Zitate
  2. Shakespeare Zitate Liebe: was Verliebte auf der Bühne sagen
  3. Romeo und Julia Zitate
  4. Shakespeare Zitate aus Hamlet
  5. Macbeth: Zitate über Ehrgeiz, Schuld und Zeit
  6. Zitate aus den Komödien: Narren, Masken, Verwechslungen
  7. Shakespeare Zitate über das Leben und die Vergänglichkeit
  8. Shakespeares Sonette: Sonett 18 und andere in eigener Übersetzung
  9. Shakespeare Zitate Englisch: Tipps fürs Original
  10. Shakespeare zugeschrieben, aber nicht von ihm
  11. Echt, aber oft falsch zitiert oder missverstanden
  12. Wer spricht? Shakespeare richtig zitieren

Shakespeare Zitate begegnen dir öfter, als du denkst: im Kreuzworträtsel, in der Hochzeitsrede, auf Tassen und in Filmtiteln. Meist kennst du nur die losgelöste Zeile, ohne zu wissen, wer sie auf der Bühne sagt und ob sie ernst gemeint ist. Hier findest du die bekanntesten Sätze aus Hamlet, Romeo und Julia, Macbeth, den Komödien und den Sonetten, jeweils mit englischem Original, Stück, Akt und Szene. Die deutschen Fassungen stammen aus der klassischen Übersetzung von August Wilhelm Schlegel und seinen Mitstreitern; wo es keine gemeinfreie Übertragung gibt, steht eine eigene Übersetzung.

William Shakespeare wurde 1564 in Stratford-upon-Avon getauft und starb dort 1616. Er hinterließ rund drei Dutzend Theaterstücke und 154 Sonette. Fast alles davon ist Figurenrede: Ein Satz gehört zuerst einer Figur, und die kann lügen, schwärmen, spotten oder sich gründlich irren.

Die berühmtesten Shakespeare Zitate

Eine amtliche Rangliste gibt es nicht. Diese Zeilen tauchen aber in fast jeder Sammlung auf und haben teils eigene Redensarten hervorgebracht.

  • To be, or not to be, that is the question. – „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.“ (Hamlet III,1; Hamlet allein auf der Bühne)
  • Something is rotten in the state of Denmark. – „Etwas ist faul im Staate Dänemarks.“ (Hamlet I,4; der Wachoffizier Marcellus)
  • O Romeo, Romeo, wherefore art thou Romeo? – „O Romeo! Warum denn Romeo?“ (Romeo und Julia II,2; Julia)
  • All the world’s a stage. – „Die ganze Welt ist Bühne / Und alle Fraun und Männer bloße Spieler.“ (Wie es euch gefällt II,7; der schwermütige Jaques)
  • A horse! a horse! my kingdom for a horse! – „Ein Pferd! ein Pferd! mein Königreich für ein Pferd!“ (Richard III. V,4; Richard in der verlorenen Schlacht)
  • Et tu, Brute? – „Brutus, auch du?“ (Julius Cäsar III,1; Cäsar beim Attentat, im Original auf Latein)

Auffällig ist, wie wenige davon Lebensweisheiten sind. Es sind Krisenmomente: ein Prinz, der ans Sterben denkt, ein König am Ende, ein Freund, der zusticht. Shakespeare presst sie in Zeilen, die man nach einmaligem Hören behält.

Shakespeare Zitate Liebe: was Verliebte auf der Bühne sagen

Viele Shakespeare Zitate über die Liebe stehen in Komödien, und dort ist Liebe selten nur schön. Sie macht blind, verwirrt und lächerlich. Weitere Liebeszeilen von Shakespeare in eigener Übertragung, etwa Julias grenzenlose Huld, findest du in unserer Sammlung Zitate über die Liebe; hier stehen sie mit Schlegels Wortlaut und Bühnenkontext.

  • The course of true love never did run smooth. – „Rann nie der Strom der treuen Liebe sanft.“ (Ein Sommernachtstraum I,1; Lysander zu Hermia, die er gegen den Willen ihres Vaters heiraten will)
  • Who ever loved that loved not at first sight? – „Wer liebte je und nicht beim ersten Blick?“ (Wie es euch gefällt III,5; die Schäferin Phöbe zitiert damit eine Zeile ihres Zeitgenossen Christopher Marlowe)
  • Love is blind, and lovers cannot see / The pretty follies that themselves commit. – „Doch Lieb ist blind, Verliebte sehen nicht / Die artgen Kinderein, die sie begehen.“ (Der Kaufmann von Venedig II,6; Jessica, als Junge verkleidet auf der Flucht)
  • If music be the food of love, play on. – „Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, / Spielt weiter!“ (Was ihr wollt I,1; Herzog Orsino)
  • I do love nothing in the world so well as you: is not that strange? – „Ich liebe nichts in der Welt so sehr, als Euch; ist das nicht seltsam?“ (Viel Lärmen um nichts IV,1; Benedikt zu Beatrice, übersetzt von Wolf Graf Baudissin)
  • One that loved not wisely but too well – „Von einem, der nicht klug, doch zu sehr liebte“ (Othello V,2; Othello über sich selbst kurz vor seinem Ende, ebenfalls Baudissin)

Orsinos Auftakt ist kein reines Lob der Musik: Er wünscht sich so viel davon, dass die Lust daran erkrankt und stirbt, er will also von seiner Verliebtheit geheilt werden. Und Benedikt gesteht seine Liebe ausgerechnet der Frau, mit der er sich das ganze Stück über Wortgefechte liefert. Wer so einen Satz in eine Karte schreibt, schenkt ein wenig Selbstironie mit. Klassischer im Ton sind die romantischen Sprüche, ganze Verse stehen bei den Liebesgedichten.

Romeo und Julia Zitate

Die bekanntesten Romeo und Julia Zitate stammen fast alle aus der Balkonszene. Schlegel übertrug das Stück 1797.

  • Did my heart love till now? Forswear it, sight! – „Liebt ich wohl je? Nein, schwör es ab, Gesicht! / Du sahst bis jetzt noch wahre Schönheit nicht.“ (I,5; Romeo beim ersten Blick auf Julia, kurz nachdem er noch einer anderen nachgetrauert hat)
  • But soft, what light through yonder window breaks? / It is the east, and Juliet is the sun. – „Doch still, was schimmert durch das Fenster dort? / Es ist der Ost, und Julia die Sonne!“ (II,2; Romeo)
  • What’s in a name? That which we call a rose / By any other word would smell as sweet. – „Was ist ein Name? Was uns Rose heißt, / Wie es auch hieße, würde lieblich duften.“ (II,2; Julia; je nach Druck steht word oder name)
  • Parting is such sweet sorrow – „Nun gute Nacht! So süß ist Trennungswehe, / Ich rief wohl gute Nacht, bis ich den Morgen sähe.“ (II,2; Julia)
  • These violent delights have violent ends. – „So wilde Freude nimmt ein wildes Ende.“ (II,6; Bruder Lorenzo kurz vor der heimlichen Trauung)
  • A plague o’ both your houses! – „Hol der Henker eure beiden Häuser!“ (III,1; der tödlich verwundete Mercutio)
  • It was the nightingale, and not the lark. – „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche.“ (III,5; Julia am Morgen nach der Hochzeitsnacht)

Das berühmte wherefore heißt nicht „wo“, sondern „warum“. Julia sucht Romeo nicht im Garten, sie hadert damit, dass ausgerechnet er ein Montague ist. Mercutio verflucht im Original beide Familien mit der Pest, Schlegel macht daraus einen derben Henkersfluch. Und der Satz über die wilde Freude ist im Stück eine Warnung des Mönchs an den überstürzten Bräutigam.

Shakespeare Zitate aus Hamlet

Kein Stück hat so viele Wendungen in den Alltag geschickt wie Hamlet, die Tragödie um den dänischen Prinzen, dessen Onkel den Vater ermordet und die Mutter geheiratet hat. Schlegels Übersetzung erschien 1798.

  • Frailty, thy name is woman! – „Schwachheit, dein Nam’ ist Weib!“ (I,2; Hamlet über seine Mutter, die kaum einen Monat nach der Beerdigung wieder geheiratet hat)
  • Give every man thy ear, but few thy voice. – „Dein Ohr leih’ jedem, wen’gen deine Stimme.“ (I,3; Polonius zu seinem Sohn Laertes)
  • There are more things in heaven and earth, Horatio, / Than are dreamt of in your philosophy. – „Es gibt mehr Ding’ im Himmel und auf Erden, / Als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.“ (I,5; Hamlet nach der Begegnung mit dem Geist)
  • The time is out of joint. – „Die Zeit ist aus den Fugen.“ (I,5; Hamlet)
  • Brevity is the soul of wit. – „Weil Kürze denn des Witzes Seele ist“ (II,2; Polonius, mitten in einer weitschweifigen Rede)
  • Though this be madness, yet there is method in’t. – „Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode.“ (II,2; Polonius beiseite)
  • There is nothing either good or bad … – „An sich ist nichts weder gut noch böse, das Denken macht es erst dazu.“ (II,2; Hamlet, der Dänemark ein Gefängnis nennt)
  • The readiness is all. – „In Bereitschaft sein ist alles.“ (V,2; Hamlet vor dem Fechtkampf)
  • The rest is silence. – „Der Rest ist Schweigen.“ (V,2; Hamlets letzte Worte)

Polonius verdient einen zweiten Blick. Der Oberkämmerer redet viel, belauscht andere und wird hinter einem Vorhang erstochen. Wenn ausgerechnet er die Kürze lobt, lacht das Publikum. Ernsthaft zitiert werden trotzdem seine Ratschläge an Laertes, auch der Satz über die Treue zu sich selbst, den wir bei den Sprüchen über Lügen eingeordnet haben. Shakespeare legt kluge Sätze gern einer Figur in den Mund, die selbst nicht danach lebt.

Macbeth: Zitate über Ehrgeiz, Schuld und Zeit

Macbeth ist die kürzeste und finsterste der großen Tragödien: Ein Feldherr ermordet seinen König, angetrieben von einer Prophezeiung und von seiner Frau. Die deutsche Fassung im Schlegel-Tieck-Shakespeare stammt von Dorothea Tieck, der Tochter Ludwig Tiecks.

  • Fair is foul, and foul is fair. – „Schön ist wüst, und wüst ist schön.“ (I,1; die drei Hexen)
  • the milk of human kindness – „Es ist zu voll von Milch der Menschenliebe“ (I,5; Lady Macbeth fürchtet, ihr Mann sei zu weich für den Mord)
  • What’s done is done. – „Geschehn ist, was geschehn.“ (III,2; Lady Macbeth)
  • Out, damned spot! out, I say! – „Fort, verdammter Fleck, fort, sag ich!“ (V,1; Lady Macbeth schlafwandelnd)
  • What’s done cannot be undone. – „Was geschehen ist, kann man nicht ungeschehn machen.“ (V,1; dieselbe Szene)
  • Life’s but a walking shadow, a poor player – „Leben ist nur ein wandelnd Schattenbild, / Ein armer Komödiant“ (V,5; Macbeth nach dem Tod seiner Frau, in der Rede, die mit „Morgen, und morgen, und dann wieder morgen“ beginnt)

Spannend ist das Echo zwischen drittem und fünftem Akt. Erst beruhigt Lady Macbeth ihren Mann, Geschehenes sei eben geschehen. Später wiederholt sie den Gedanken im Schlaf, nun als Verzweiflung: Es lässt sich nicht rückgängig machen. Wer den Satz heute als gelassenes Schulterzucken benutzt, zitiert also die Hälfte einer Geschichte über Schuld, die nicht vergeht. William Faulkner entnahm übrigens den Titel seines Romans The Sound and the Fury derselben Rede, in der das Leben ein Märchen voller Klang und Wut heißt.

Zitate aus den Komödien: Narren, Masken, Verwechslungen

In den Komödien wird verkleidet, verwechselt und gefoppt. Viele Sätze daraus klingen wie Weisheiten, sind aber Spott, Spiel oder Teil einer Intrige.

  • Lord, what fools these mortals be! – „O die tollen Sterblichen!“ (Ein Sommernachtstraum III,2; der Kobold Puck, den Schlegel „Droll“ nennt)
  • The lunatic, the lover and the poet / Are of imagination all compact. – „Wahnwitzige, Poeten und Verliebte / Bestehn aus Einbildung.“ (Ein Sommernachtstraum V,1; Herzog Theseus)
  • All that glisters is not gold. – „Alles ist nicht Gold, was gleißt.“ (Der Kaufmann von Venedig II,7; Inschrift im goldenen Kästchen, die der Prinz von Marokko vorliest)
  • How far that little candle throws his beams! / So shines a good deed in a naughty world. – „Wie weit die kleine Kerze Schimmer wirft! / So scheint die gute Tat in arger Welt.“ (Der Kaufmann von Venedig V,1; Porzia)
  • Some are born great, some achieve greatness … – „Einige werden hoch geboren, einige erwerben Hoheit, und einigen wird sie zugeworfen.“ (Was ihr wollt II,5; aus einem gefälschten Brief)

Der letzte Satz zeigt, wie viel Kontext ausmacht. Die Kammerzofe Maria fälscht einen Liebesbrief ihrer Herrin, um den eitlen Verwalter Malvolio bloßzustellen. Er liest die Zeile laut, fühlt sich zu Höherem berufen und trägt bald gelbe Strümpfe, weil der Brief es so will. Als Motivationsspruch taugt der Satz trotzdem; im Stück ist er eine Falle. Ähnlich doppelbödig sind die Sätze, die Oscar Wilde seinen Dandys in den Mund legt.

Shakespeare Zitate über das Leben und die Vergänglichkeit

Wer Shakespeare Zitate über das Leben sucht, findet Sätze über Mut, Schicksal und die Kürze des Daseins.

  • … our little life / Is rounded with a sleep. – „Wir sind solcher Zeug / Wie der zu Träumen, und dies kleine Leben / Umfaßt ein Schlaf.“ (Der Sturm IV,1; der Zauberer Prospero beendet ein Geisterspiel)
  • Cowards die many times before their deaths; / The valiant never taste of death but once. – „Der Feige stirbt schon vielmal, eh er stirbt, / Die Tapfern kosten einmal nur den Tod.“ (Julius Cäsar II,2; Cäsar am Morgen seiner Ermordung)
  • … not in our stars, / But in ourselves. – „Nicht durch die Schuld der Sterne, lieber Brutus, / Durch eigne Schuld nur sind wir Schwächlinge.“ (Julius Cäsar I,2; Cassius)
  • O brave new world, / That has such people in’t! – „Wackre neue Welt, / Die solche Bürger trägt!“ (Der Sturm V,1; Miranda, die zum ersten Mal fremde Menschen sieht)

Auch hier lohnt der Blick auf die Sprecher. Cassius redet Brutus den Mord nicht aus, sondern ein; der Satz über die Sterne ist Überredung. Mirandas Staunen gilt einer Gesellschaft, unter der sich Verräter befinden, und Aldous Huxley nahm die Wendung 1932 als bitteren Titel für seinen Roman. Deutschsprachige Lebensweisheiten mit Quelle findest du bei den Goethe-Zitaten.

Shakespeares Sonette: Sonett 18 und andere in eigener Übersetzung

Die 154 Sonette erschienen 1609. Die frühen richten sich an einen jungen Mann, spätere an eine dunkle Dame; wie viel davon Erlebnis und wie viel Kunst ist, weiß niemand sicher. Hier stehen eigene, schlichte Übersetzungen ohne Reim.

Shall I compare thee to a summer’s day? / Thou art more lovely and more temperate: / Rough winds do shake the darling buds of May, / And summer’s lease hath all too short a date.

Vergleich ich dich mit einem Sommertag? / Du bist viel schöner, bist viel maßvoller. / Der raue Wind zerzaust die Maienknospen, / und was der Sommer leiht, ist bald vorbei. (Sonett 18, Verse 1–4; eigene Übersetzung)

Das Gedicht endet selbstbewusst: Der Sommer vergeht, die besungene Person bleibt, solange jemand diese Zeilen liest. So long as men can breathe or eyes can see, / So long lives this, and this gives life to thee. Auf Deutsch etwa: Solang ein Mensch noch atmet, Augen sehen, / so lange lebt dies Lied und gibt dir Leben. (Sonett 18, Verse 13–14; eigene Übersetzung)

  • Let me not to the marriage of true minds / Admit impediments. – Lass mich der Ehe treuer Seelen nicht / ein Hindernis entgegenhalten. (Sonett 116, Verse 1–2; eigene Übersetzung; die Zeile spielt auf die Frage nach Ehehindernissen bei der Trauung an)
  • O no! it is an ever-fixed mark / That looks on tempests and is never shaken. – O nein, sie ist ein unverrückbares Zeichen, / das Stürme sieht und niemals wankt. (Sonett 116, Verse 5–6; eigene Übersetzung)
  • My mistress’ eyes are nothing like the sun. – Die Augen meiner Liebsten gleichen nicht der Sonne. (Sonett 130, Vers 1; eigene Übersetzung)

Sonett 130 ist das Gegengift zu Sonett 18. Der Sprecher verweigert alle üblichen Vergleiche mit Sonne, Korallen und Rosen und schwört am Ende beim Himmel, seine Liebste sei so kostbar wie jede, die man mit falschen Bildern schönredet. Für eine Hochzeitskarte ist das oft die ehrlichere Wahl.

Shakespeare Zitate Englisch: Tipps fürs Original

Wer Shakespeare Zitate auf Englisch für eine Karte oder ein Tattoo nutzen will, stößt auf Frühneuenglisch. Diese Formen helfen beim Lesen:

  • thou, thee, thy, thine sind die vertrauten Formen von you und your, ähnlich dem deutschen Du.
  • art und doth sind alte Verbformen: thou art heißt „du bist“, she doth heißt „sie tut“.
  • wherefore fragt nach dem Grund, nicht nach dem Ort.
  • Apostrophe wie in o’ oder ’em markieren ausgelassene Buchstaben; die Schreibung schwankt zwischen alten Drucken und modernen Ausgaben.

Prüf die Zeile vor dem Druck im Stück, nicht in einer Bildersammlung. Weitere englische Zeilen mit Übersetzung stehen bei den englischen Sprüchen.

Shakespeare zugeschrieben, aber nicht von ihm

Berühmte Namen ziehen fremde Sätze an. Der amerikanische Zitatforscher Ralph Keyes zählt Shakespeare zu den Autoren, denen besonders gern Sprüche untergeschoben werden. Diese Beispiele kursieren auch auf Deutsch, stehen aber nicht in seinen Werken:

  • „Erwartung ist die Wurzel allen Herzschmerzes.“ Die Folger Shakespeare Library in Washington führt den Satz unter den häufigsten Fehlzuschreibungen.
  • „Die Zeit ist zu langsam für die, die warten …“ Die Verse stammen in ähnlicher Form von dem amerikanischen Dichter Henry van Dyke, der sie Anfang des 20. Jahrhunderts für eine Sonnenuhr schrieb.
  • „Liebe mich oder hasse mich, beides ist zu meinem Vorteil.“ Ein Netzspruch ohne jeden Beleg bei Shakespeare.
  • „Oh, welch verworrenes Netz wir weben, wenn wir zu täuschen streben.“ Stammt von Walter Scott, aus dem Versepos Marmion von 1808.

Ein gutes Warnsignal sind glatte Kalenderspruch-Logik und fehlende Stückangabe. Echte Shakespeare-Zeilen lassen sich fast immer einer Figur und einer Szene zuordnen.

Echt, aber oft falsch zitiert oder missverstanden

Häufiger als erfundene Zitate sind echte, die verbogen werden.

  • Yorick: Hamlet sagt nicht „Ich kannte ihn gut“, sondern Alas, poor Yorick! I knew him, Horatio (V,1), bei Schlegel „Ach, armer Yorick! – Ich kannte ihn, Horatio“. Den Schädel hält er auch nicht beim Monolog „Sein oder Nichtsein“, sondern zwei Akte später auf dem Friedhof.
  • Die Dame, die zu viel beteuert: The lady doth protest too much, methinks (III,2) sagt Königin Gertrud über eine Figur im Schauspiel, das Hamlet aufführen lässt. Protest heißt hier „feierlich versprechen“; Schlegel trifft es mit „Die Dame, wie mich dünkt, gelobt zu viel“.
  • Der Winter des Missvergnügens: Now is the winter of our discontent wird oft allein zitiert, als ginge es um trübe Zeiten. Der ganze Satz sagt das Gegenteil: Dank der Sonne Yorks, also des Siegs von Richards Familie, ist dieser Winter zum Sommer geworden, bei Schlegel „Nun ward der Winter unsers Mißvergnügens / Glorreicher Sommer …“ (Richard III. I,1).
  • Vergoldete Lilien: Die Wendung to gild the lily verkürzt eine Stelle aus König Johann (IV,2), in der es heißt, feines Gold zu vergolden und die Lilie zu bemalen.
  • Schwachheit, dein Nam’ ist Weib: Kein Urteil über Frauen, sondern Hamlets bitterer Ausbruch über seine Mutter. Als Spruch über ein Geschlecht taugt die Zeile nicht.

Wer spricht? Shakespeare richtig zitieren

Zu einem sauberen Zitat gehören das Stück, die Stelle als Akt und Szene, etwa Hamlet III,1, und am besten die Figur. Schreib lieber „Polonius in Hamlet“ als nur „Shakespeare“, wenn eine zwielichtige Figur spricht; so wirkt ein ironischer Rat nicht wie eine Botschaft des Autors.

Bei deutschen Fassungen kommt der Übersetzer dazu. August Wilhelm Schlegel übertrug zwischen 1797 und 1810 siebzehn Stücke. Ludwig Tieck vollendete die Ausgabe mit seiner Tochter Dorothea und Wolf Graf Baudissin. Alle drei Übersetzer sind seit weit über siebzig Jahren tot, ihre Texte sind frei. Jüngere Übertragungen, etwa von Erich Fried oder Frank Günther, sind dagegen geschützt. Im Zweifel nimm Schlegel oder das Original oder formuliere selbst und schreib „frei nach Shakespeare“ dazu.

Häufige Fragen

Was ist das berühmteste Zitat von Shakespeare?

Das berühmteste Shakespeare-Zitat ist To be, or not to be, that is the question, auf Deutsch „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“. Es eröffnet Hamlets Monolog im dritten Akt, erste Szene. Darin wägt der Prinz ab, ob es edler ist, das Unglück zu ertragen oder sich dagegen zu wehren.

Was ist das berühmteste Zitat aus Romeo und Julia?

Am berühmtesten ist Julias Ruf O Romeo, Romeo, wherefore art thou Romeo? aus der Balkonszene (II,2), bei Schlegel „O Romeo! Warum denn Romeo?“. Fast ebenso bekannt ist ihre Frage „Was ist ein Name?“ mit der Rose, die unter jedem Namen gleich lieblich duften würde.

Welche berühmten Zitate stammen aus Shakespeares „Hamlet“?

Aus Hamlet stammen unter anderem „Sein oder Nichtsein“, „Etwas ist faul im Staate Dänemarks“, „Die Zeit ist aus den Fugen“, die Kürze als Seele des Witzes, die Tollheit mit Methode und „Der Rest ist Schweigen“. Mehrere davon spricht nicht Hamlet selbst, sondern Polonius oder Marcellus.

Was bedeutet „Sein oder Nichtsein“?

Hamlet fragt, ob es besser ist, weiterzuleben und das Schicksal zu erdulden oder ihm ein Ende zu setzen. Im Monolog vergleicht er den Tod mit dem Schlaf und fürchtet, was danach kommen könnte. Heute steht die Wendung allgemein für eine Entscheidung, an der alles hängt.

Wer hat Shakespeare ins Deutsche übersetzt?

Die prägende Übersetzung stammt von August Wilhelm Schlegel, der ab 1797 siebzehn Stücke übertrug; Dorothea Tieck und Wolf Graf Baudissin ergänzten unter Ludwig Tiecks Leitung die übrigen. Diese Schlegel-Tieck-Ausgabe ist gemeinfrei. Erste Prosaübertragungen hatte zuvor Christoph Martin Wieland vorgelegt.

Ist „Die Hölle ist leer und alle Teufel sind hier“ von Shakespeare?

Ja, der Satz ist echt und stammt aus Der Sturm (I,2). Der Luftgeist Ariel berichtet Prospero, dass der junge Ferdinand im Schiffbruch genau das rief, bevor er ins Meer sprang. Bei Schlegel heißt es „Die Höll’ ist ledig, / Und alle Teufel hier!“.

Fazit: Shakespeare zitieren heißt, die Bühne mitzudenken

Shakespeare hat kaum Sprüche geschrieben, sondern Figuren in Not, Liebe und Größenwahn. Nimm beim Zitieren Stück, Szene und Sprecher mit, schlag im Text nach und greif zu Schlegel oder zum englischen Original. Dann wird aus einer schönen Zeile ein Satz mit Geschichte, und niemand kann dir einen Henry van Dyke als Shakespeare unterjubeln.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Keyes, R. (2006): The Quote Verifier: Who Said What, Where, and When. St. Martin's Griffin
  2. William Shakespeare / August Wilhelm Schlegel (Übers.) (1797–1810): Shakespeare's dramatische Werke. Unger, Berlin
Redaktionell geprüft von Nina Hofmann2 Quellen angegeben
Nina Hofmann

Nina Hofmann

Nina schreibt über die großen Fragen der Liebe: Selbstliebe, Trennungen, toxische Muster und emotionale Heilung. Ihr Ansatz verbindet Psychologie mit echtem Mitgefühl.

Seit 2024 · Liebespsychologie, Selbstentwicklung, Emotionale Muster

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