Stille Nacht Text: alle 6 Strophen, Original und Entstehung

Stille Nacht Text: die drei gesungenen Strophen, alle sechs Originalstrophen von Joseph Mohr, die englische Fassung und wie das Lied 1818 in Oberndorf entstand.

von Laura Bergmann13 Min. Lesezeit
Stille Nacht Text: alle 6 Strophen, Original und Entstehung
Inhalt 11 Abschnitte
  1. Stille Nacht Text: die drei Strophen, die heute gesungen werden
  2. Welche Strophe kommt zuerst? Zwei Reihenfolgen im Umlauf
  3. Stille Nacht: alle Strophen in Mohrs Originalfassung
  4. Original und Singfassung: was sich geändert hat
  5. Die vergessenen Mittelstrophen: worum es darin geht
  6. Stille Nacht Entstehung: von Mariapfarr nach Oberndorf
  7. Kaputte Orgel und Mäuse: was Legende ist
  8. Vom Zillertal bis Berlin: wie das Lied die Welt erreichte
  9. Stille Nacht auf Englisch: „Silent Night“
  10. Wann man Stille Nacht singt: Brauch und Kirchenjahr
  11. Stille Nacht Liedtext zum Ausdrucken und Mitsingen

Kaum ein Lied hält so viele Menschen am Heiligabend zusammen wie dieses: Den Stille-Nacht-Text singen Familien unterm Baum, Gemeinden in der Christmette und Chöre auf der ganzen Welt, oft auswendig und doch nicht ganz sicher bei der zweiten Strophe. Hier findest du beides, was du suchst: die drei Strophen, die heute gesungen werden, und alle sechs Strophen, so wie Joseph Mohr sie aufgeschrieben hat. Dazu erfährst du, wie das Lied 1818 in Oberndorf bei Salzburg entstand, welche Geschichten darum Legende sind, wie es als angebliches Tiroler Volkslied um die Welt reiste und wann man es nach altem Brauch anstimmt.

Stille Nacht Text: die drei Strophen, die heute gesungen werden

Die bekannte Fassung besteht aus drei Strophen. Sie stammen alle von Mohr, wurden aber im 19. Jahrhundert sprachlich geglättet: Aus „Jesus“ wurde „Christ“, aus „lockigten“ wurde „lockigen“. Die folgende Reihenfolge entspricht dem katholischen Gotteslob (Nr. 249) und dem Evangelischen Gesangbuch (Nr. 46), also dem, was du in den meisten Gottesdiensten am 24. Dezember hörst.

Stille Nacht, heilige Nacht! / Alles schläft, einsam wacht / nur das traute, hochheilige Paar. / Holder Knabe im lockigen Haar, / schlaf in himmlischer Ruh, / schlaf in himmlischer Ruh.

Stille Nacht, heilige Nacht! / Hirten erst kundgemacht, / durch der Engel Halleluja / tönt es laut von fern und nah: / Christ, der Retter, ist da, / Christ, der Retter, ist da!

Stille Nacht, heilige Nacht! / Gottes Sohn, o wie lacht / Lieb aus deinem göttlichen Mund, / da uns schlägt die rettende Stund, / Christ, in deiner Geburt, / Christ, in deiner Geburt.

Joseph Mohr (1792–1848), Text; Franz Xaver Gruber (1787–1863), Melodie. Gebräuchliche Singfassung; Text und Melodie sind gemeinfrei.

Welche Strophe kommt zuerst? Zwei Reihenfolgen im Umlauf

Wenn bei dir zu Hause die Strophe mit „Gottes Sohn“ an zweiter Stelle steht und in der Kirche plötzlich die Hirten kommen, irrt sich niemand. Es kursieren schlicht zwei Anordnungen. Viele Liederbücher und Textsammlungen folgen Mohrs eigener Zählung und singen erst die Gottessohn-Strophe, dann die Hirten. Die Gesangbücher der beiden großen Kirchen stellen die Hirten nach vorn, wodurch die Weihnachtsbotschaft der Engel in die Mitte rückt.

Die Umstellung ist alt. Schon ein Dresdner Druck aus den frühen 1830er-Jahren bringt das Lied in einer dreistrophigen Form, die aus Mohrs Vorlage die erste, die sechste und die zweite Strophe nimmt, in genau dieser Folge. Der Hamburger Theologe Johann Hinrich Wichern verbreitete die Kurzfassung später über sein Liederbuch für das Rauhe Haus. Für dich heißt das praktisch: Wenn ihr gemeinsam singt, sprecht vorher kurz ab, welche Reihenfolge gilt, oder legt den Text aus.

Stille Nacht: alle Strophen in Mohrs Originalfassung

Mohr schrieb sechs Strophen. Die älteste erhaltene Niederschrift von seiner Hand trägt den Titel „Weyhnachts-Lied“ und den Vermerk, dass er den Text 1816 verfasst habe; das Blatt selbst entstand vermutlich zwischen 1820 und 1825 und tauchte erst 1995 in Salzburg wieder auf. Heute gehört es dem Salzburger Museumsverein. Die Schreibweise ist die der Handschrift, auch dort, wo sie heute ungewohnt wirkt, etwa bei „himlischer“, „Geburth“ oder „befreyt“.

Stille Nacht! Heil’ge Nacht! / Alles schläft. Einsam wacht, / Nur das traute heilige Paar, / Holder Knab’ im lockigten Haar; / Schlafe in himlischer Ruh! / Schlafe in himmlischer Ruh!

Stille Nacht! Heil’ge Nacht! / Gottes Sohn! O! wie lacht / Lieb’ aus Deinem göttlichen Mund, / Da uns schlägt die rettende Stund; / Jesus! in Deiner Geburth! / Jesus in Deiner Geburth!

Stille Nacht! Heil’ge Nacht! / Die der Welt Heil gebracht, / Aus des Himmels goldenen Höh’n, / Uns der Gnade Fülle läßt seh’n / Jesum in Menschengestalt! / Jesum in Menschen-Gestalt!

Stille Nacht! Heil’ge Nacht! / Wo sich heut alle Macht / Väterlicher Liebe ergoß, / Und als Bruder Huldvoll umschloß / Jesus die Völker der Welt! / Jesus die Völker der Welt!

Stille Nacht! Heil’ge Nacht! / Lange schon uns bedacht, / Als der Herr vom Grimme befreyt, / In der Väter urgrauer Zeit / Aller Welt Schonung verhieß! / Aller Welt Schonung verhieß!

Stille Nacht! Heil’ge Nacht! / Hirten erst kundgemacht / Durch der Engel „Hallelujah!“ / Tönt es laut bey Ferne und Nah / „Jesus der Retter ist da!“ / „Jesus der Retter ist da!“

Joseph Mohr, „Weyhnachts-Lied“, alle sechs Strophen; Wortlaut nach Mohrs Autograph (um 1820/25, Salzburg Museum) in der Transkription von Wikisource. Spätere Abschriften Grubers weichen in Kleinigkeiten ab, etwa „Alleluja“ statt „Hallelujah“.

Original und Singfassung: was sich geändert hat

Legst du beide Fassungen nebeneinander, fallen zuerst die fehlenden Strophen auf. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich aber auch kleine Eingriffe in die Wörter selbst. Die wichtigsten:

  • „Jesus“ wird „Christ“: Mohr nennt den Namen in vier der sechs Strophen, die Singfassung setzt den Titel „Christ“ ein.
  • „heilige Paar“ wird „hochheilige Paar“: Die Singfassung ergänzt eine Silbe; warum, ist nicht überliefert.
  • „lockigten“ wird „lockigen“: Die ältere Form weicht der heute üblichen.
  • „bey Ferne und Nah“ wird „von fern und nah“: eine modernere Wendung für dieselbe Aussage.
  • „Jesum“ fällt weg: Der alte Akkusativ stand in der dritten Strophe, die heute fehlt.

Inhaltlich verschiebt die Kürzung das Lied. Mohrs Fassung ist eine kleine Heilsgeschichte vom Kind in der Krippe bis zur Verheißung an alle Welt. Die Singfassung bleibt beim Stall, bei den Hirten und beim Kind, und genau das macht sie so leicht mitzusingen.

Die vergessenen Mittelstrophen: worum es darin geht

Die dritte, vierte und fünfte Strophe wirken auf den ersten Blick theologisch dichter als der Rest. Die dritte spricht von der Menschwerdung: Gott zeigt sich „in Menschengestalt“. Die vierte weitet den Blick auf „die Völker der Welt“, die Jesus als Bruder umschließt. Die fünfte greift weit zurück in die „urgraue Zeit“ der Väter, also auf die alttestamentliche Zusage, dass Gott der Welt Schonung gewährt.

Viele Deutungen lesen diese Strophen vor dem Hintergrund von Mohrs Gegenwart: Das Salzburger Land hatte in den Napoleonischen Kriegen mehrfach den Herrscher gewechselt, die Menschen waren arm, das Land erschöpft. Ob Mohr das bewusst im Sinn hatte, lässt sich nicht belegen, die Lesart liegt aber nahe. Wer die vierte Strophe als Lesung am Heiligabend sucht, findet sie mit einer Einordnung bei den besinnlichen Weihnachtsgedichten für Erwachsene.

Stille Nacht Entstehung: von Mariapfarr nach Oberndorf

Joseph Mohr wurde am 11. Dezember 1792 in Salzburg geboren, als Kind einer ledigen Mutter, und wurde Priester. Als junger Hilfspriester in Mariapfarr im Lungau schrieb er 1816 ein Gedicht, das mit „Stille Nacht! Heil’ge Nacht!“ beginnt. Ein Jahr später kam er nach Oberndorf an der Salzach, ein Dorf der Salzachschiffer, und wirkte dort an der Kirche St. Nikola.

Franz Xaver Gruber, geboren am 25. November 1787 in Hochburg im Innviertel, war Lehrer im benachbarten Arnsdorf und versah in Oberndorf den Organistendienst. Am 24. Dezember 1818 bat Mohr ihn, zu seinem Gedicht eine Melodie für zwei Solostimmen mit Chor und Gitarrenbegleitung zu schreiben. Gruber lieferte noch am selben Tag. In der Heiligen Nacht, im Zusammenhang mit der Christmette, erklang das Lied zum ersten Mal: Mohr sang Tenor und spielte Gitarre, Gruber sang Bass.

Musikalisch ist das Stück ein Wiegenlied im schaukelnden Sechsachteltakt, ursprünglich in D-Dur. Die Kirche St. Nikola gibt es nicht mehr; sie wurde nach wiederholten Hochwasserschäden Anfang des 20. Jahrhunderts abgetragen. An ihrer Stelle steht heute die Stille-Nacht-Kapelle. Mohr starb am 4. Dezember 1848 als Vikar in Wagrain, Gruber am 7. Juni 1863 in Hallein.

Kaputte Orgel und Mäuse: was Legende ist

Die bekannteste Geschichte zum Lied geht so: Mäuse hätten den Blasebalg der Orgel zerfressen, und in seiner Not habe Mohr kurzerhand ein Lied für Gitarre bestellt. Belegt ist davon nichts. Verbreitet hat die zugespitzte Fassung vor allem eine erfundene Erzählung, die in den 1930er-Jahren in den USA erschien, und später eine Reihe von Filmen.

Etwas vorsichtiger ist die Vermutung, die Orgel sei damals in schlechtem Zustand gewesen. Möglich ist das, nachweisen lässt es sich nicht. Ebenso plausibel ist eine schlichtere Erklärung: Das Lied war für eine Andacht an der Krippe gedacht, die nicht zur eigentlichen Liturgie gehörte, und dort passte eine Gitarre gut. Auch ein angeblicher Auftritt vor Kaiser und Zar im Zillertal 1822, bei dem „Stille Nacht“ gesungen worden sein soll, gilt als Legende. Wer solche Geschichten in einem Weihnachtsquiz verwendet, sollte die Lösung entsprechend formulieren.

Vom Zillertal bis Berlin: wie das Lied die Welt erreichte

Den ersten Schritt verdankt das Lied einem Handwerker. Der Orgelbauer Carl Mauracher aus Fügen im Zillertal arbeitete an den Orgeln der Gegend und nahm eine Abschrift mit in seine Heimat. Dort griffen es Sängerfamilien auf, die im Winter als Händler durch Europa zogen und mit Liedern Kundschaft an ihre Stände lockten. Die Geschwister Rainer trugen ihre „Tiroler Lieder“ bis nach England, die Geschwister Strasser bis auf den Leipziger Weihnachtsmarkt.

In Leipzig machten die Strassers das Lied Anfang der 1830er-Jahre bekannt, und bald darauf erschien es beim Verlag Friese in Dresden im Druck, unter den „Vier ächten Tyroler Liedern“ und ohne die Namen seiner Schöpfer. So galt es lange als Volksweise. In Berlin sang es der Domchor, König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen soll es besonders geschätzt haben. Als seine Hofkapelle 1854 im Salzburger Stift St. Peter nach dem Original fragte, vermutete man dort zunächst Michael Haydn als Komponisten. Erst so stieß man auf Gruber, der daraufhin seine „Authentische Veranlassung“ niederschrieb, einen kurzen Bericht über die Entstehung, datiert auf den 30. Dezember 1854.

Seitdem ist das Lied ein fester Teil der Weihnacht, die im 19. Jahrhundert zum Familienfest im bürgerlichen Wohnzimmer wurde. Häufig ist von Übersetzungen in mehr als 300 Sprachen und Dialekte die Rede; eine vollständige, überprüfbare Liste gibt es allerdings nicht. Im März 2011 nahm die Österreichische UNESCO-Kommission „Stille Nacht“ in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich auf.

Stille Nacht auf Englisch: „Silent Night“

Im englischen Sprachraum sind Dutzende Übertragungen bekannt. Durchgesetzt hat sich die des US-amerikanischen Geistlichen John Freeman Young (1820–1885), der an der Trinity Church in New York wirkte und später Bischof von Florida wurde. Seine Fassung wird meist auf 1859 datiert und erscheint ab den 1860er-Jahren in Gesangbüchern. Sie folgt der Reihenfolge erste, sechste, zweite Strophe und ist gemeinfrei.

Silent night! Holy night! / All is calm, all is bright / Round yon virgin mother and child! / Holy infant, so tender and mild, / Sleep in heavenly peace! / Sleep in heavenly peace!

Silent night! Holy night! / Shepherds quake at the sight! / Glories stream from heaven afar, / Heavenly hosts sing Alleluia! / Christ the Saviour is born! / Christ the Saviour is born!

Silent night! Holy night! / Son of God, love’s pure light / Radiant beams from thy holy face / With the dawn of redeeming grace, / Jesus, Lord, at thy birth! / Jesus, Lord, at thy birth!

John Freeman Young, „Silent Night“, Übertragung nach Joseph Mohr; Wortlaut nach Youngs „Great Hymns of the Church“, New York 1887.

Young übersetzt frei. Aus dem „lockigen Haar“ wird ein Kind, das „zart und sanft“ ist (eigene Übersetzung), und bei ihm „zittern“ die Hirten vor dem Anblick, wo Mohr nur von einer Verkündigung spricht. „Alles schläft“ fehlt ganz, stattdessen ist alles „ruhig und hell“ (eigene Übersetzung). Neuere englische Fassungen, etwa eine 1998 vom Salzburger Stille-Nacht-Museum in Auftrag gegebene, holen Mohrs Bilder teilweise zurück, sind aber urheberrechtlich geschützt. Für englischsprachige Freunde und Familie passen die Weihnachtsgrüße auf Englisch gut zum Lied auf der Karte.

Wann man Stille Nacht singt: Brauch und Kirchenjahr

Ein Gesetz dazu gibt es nicht, wohl aber einen Brauch, der vor allem im Alpenraum ernst genommen wird. Im Salzburger Land gilt „Stille Nacht“ traditionell als Lied des 24. Dezember: Es wird erst am Heiligabend angestimmt, im Kreis der Familie oder in der Christmette, und nicht schon auf Adventsfeiern. Manche Gemeinden halten es ähnlich, weil die Kirche zwischen Adventsliedern, die auf das Fest warten, und Weihnachtsliedern unterscheidet, die es feiern. „Stille Nacht“ ist eindeutig ein Weihnachtslied.

Wie lange es danach erlaubt ist, beantwortet das Kirchenjahr. In der katholischen Liturgie endet die Weihnachtszeit mit dem Fest der Taufe des Herrn im Januar; im Volksbrauch bleiben Krippe und Baum vielerorts noch länger stehen, und so lange darf auch gesungen werden. Anderswo, etwa auf Weihnachtsmärkten, im Radio oder auf einer Weihnachtsfeier im Team, hält sich kaum jemand an den Kalender. Ob du die Tradition übernimmst, ist deine Entscheidung. Viele empfinden es als schön, sich das Lied für den Abend aufzuheben, an dem die Heiligabend-Grüße verschickt sind und es still wird.

In Oberndorf erinnert jedes Jahr am 24. Dezember eine Gedenkfeier vor der Stille-Nacht-Kapelle an die Uraufführung. Dort werden inzwischen wieder alle sechs Strophen gesungen.

Stille Nacht Liedtext zum Ausdrucken und Mitsingen

Weil Mohr 1848 und Gruber 1863 gestorben sind, darfst du Text und Melodie frei abschreiben, ausdrucken und verteilen. Vorsicht gilt nur bei modernen Bearbeitungen: Neue Übersetzungen, Chorsätze oder Notenausgaben können eigenen Schutz genießen. Wie das bei Gedichten allgemein aussieht, steht im Abschnitt zu gemeinfreien Texten bei den Weihnachtsgedichten. Ein paar Tipps, damit das Singen unterm Baum gelingt:

  • Fassung festlegen: Entscheidet euch vorher für die drei bekannten Strophen oder für alle sechs, und druckt nur diese aus. Wer alle sechs singt, sollte vorher einmal laut lesen, weil die Mittelstrophen ungeübt holpern.
  • Reihenfolge auf das Blatt schreiben: Nummeriert die Strophen, damit niemand zwischen Hirten und Gottes Sohn springt.
  • Tonart anpassen: Das Original steht in D-Dur. Für eine gemischte Runde mit Kindern und tiefen Stimmen ist eine etwas tiefere Lage oft angenehmer.
  • Gitarre statt Klavier: Das Lied wurde für Gitarre geschrieben und kommt mit wenigen Griffen aus. Das passt gut zu einem Wohnzimmer ohne Instrument.
  • Langsam bleiben: Der wiegende Sechsachteltakt trägt nur, wenn niemand hetzt. Lieber ruhig beginnen als in der dritten Strophe abbremsen.
  • Großdruck für alle: Eine große Schrift hilft Älteren und allen, die im Kerzenlicht singen.

Wer den Liedtext in eine Karte schreiben möchte, nimmt meist nur die ersten beiden Zeilen und ergänzt einen eigenen Gruß; Anregungen dafür findest du bei den Weihnachtssprüchen für die Karte.

Häufige Fragen

Wer hat den Text von Stille Nacht geschrieben?

Den Text schrieb der Salzburger Priester Joseph Mohr (1792–1848) im Jahr 1816 in Mariapfarr im Lungau, zunächst als Gedicht mit sechs Strophen. Die Melodie komponierte der Lehrer und Organist Franz Xaver Gruber (1787–1863) am 24. Dezember 1818 für die Christmette in Oberndorf bei Salzburg.

Wann darf man das Lied „Stille Nacht“ singen?

Verboten ist es nie, aber nach altem Brauch, vor allem im Alpenraum, singt man „Stille Nacht“ erst ab dem Heiligabend und nicht schon im Advent. Danach passt es die ganze Weihnachtszeit über, liturgisch bis zum Fest der Taufe des Herrn im Januar. Auf Märkten und im Radio hält sich kaum jemand an diese Regel.

Wie lautet der Text der 3. Strophe von „Stille Nacht, heilige Nacht“ auf Deutsch?

In Gotteslob und Evangelischem Gesangbuch lautet die dritte Strophe: „Stille Nacht, heilige Nacht! Gottes Sohn, o wie lacht Lieb aus deinem göttlichen Mund, da uns schlägt die rettende Stund, Christ, in deiner Geburt.“ Viele Liederbücher setzen dort die Hirten-Strophe. In Mohrs Original beginnt die dritte mit „Die der Welt Heil gebracht“.

Wie entstand das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“?

Joseph Mohr schrieb 1816 ein Weihnachtsgedicht und bat am 24. Dezember 1818 seinen Freund Franz Xaver Gruber um eine Melodie für zwei Stimmen, Chor und Gitarre. Noch in derselben Nacht sangen beide das Lied in der Kirche St. Nikola in Oberndorf. Über Orgelbauer und Sängerfamilien aus dem Zillertal verbreitete es sich weiter.

Wie viele Strophen hat „Stille Nacht“?

Mohrs Originaltext umfasst sechs Strophen, im Gottesdienst und unterm Baum erklingen in der Regel drei davon: die erste, die zweite und die sechste, je nach Liederbuch in unterschiedlicher Reihenfolge. Die drei Mittelstrophen über Menschwerdung, Völker der Welt und alte Verheißung hört man selten, etwa bei der Gedenkfeier in Oberndorf.

Wie heißt „Stille Nacht“ auf Englisch?

Auf Englisch heißt das Lied „Silent Night“. Die meistgesungene Übertragung stammt von John Freeman Young, einem amerikanischen Geistlichen, und wird meist auf 1859 datiert. Sie beginnt mit „Silent night! Holy night! All is calm, all is bright“ und überträgt drei der sechs Strophen recht frei.

Ist der Text von „Stille Nacht“ gemeinfrei?

Ja. Joseph Mohr starb 1848, Franz Xaver Gruber 1863, die Schutzfrist ist also längst abgelaufen, und auch John Freeman Youngs englische Fassung ist frei. Geschützt sein können nur neuere Übersetzungen, Arrangements und Notensätze, deshalb lohnt beim Kopieren ein Blick auf die Vorlage.

Fazit: Ein Lied aus Oberndorf, das allen gehört

„Stille Nacht“ ist kürzer, als Mohr es gedacht hat, und gerade deshalb weltweit zu Hause. Die drei bekannten Strophen tragen den Abend, die drei vergessenen erzählen, wie weit der Blick des jungen Priesters reichte. Wenn du in diesem Jahr unterm Baum singst, nimm ruhig einmal alle sechs mit, oder lies die vierte vor. Und wenn jemand fragt, ob die Mäuse wirklich die Orgel zerfressen haben: Das ist eine schöne Geschichte, mehr nicht.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Joseph Mohr (1818): Stille Nacht, heilige Nacht (Liedtext). Nachdruck gemeinfrei
Redaktionell geprüft von Laura Bergmann1 Quellen angegeben
Laura Bergmann

Laura Bergmann

Laura ist Psychologin und Beziehungsexpertin. Sie schreibt über Partnerschaft, Bindungsverhalten und Sexualität – immer ehrlich, fundiert und alltagsnah.

Seit 2024 · Beziehung, Sexualität, Bindungspsychologie

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