Adventsgedichte haben gegenüber jedem Weihnachtsvers einen Vorteil: Sie dürfen warten. Sie erzählen von der ersten Kerze am Kranz, von Nachmittagen, an denen es um vier schon dunkel ist, von Teig auf dem Blech und von dem Gefühl, dass etwas kommt, das noch nicht da ist. Hier findest du Gedichte für jeden der vier Adventssonntage, Verse über Kerzen, Warten und Stille, kurze Gedichte für Kinder, ruhige Texte für Senioren und Paare sowie Zweizeiler für den Adventskalender.
Jeder Sonntag beginnt mit einem gemeinfreien Klassiker. Den Wortlaut haben wir mit der Fassung in Wikisource abgeglichen, der freien Textsammlung mit Scans der Druckvorlagen; alte Schreibweisen bleiben deshalb stehen. Danach folgen neue, eigene Gedichte, die du für Karte, Kalender oder Gemeindebrief verwenden kannst. Der Schrägstrich markiert einen Zeilenwechsel.
Was der Advent ist – und warum er eigene Gedichte hat
Das Wort Advent geht auf das lateinische adventus zurück, Ankunft. Gemeint ist die Zeit, in der sich Christinnen und Christen auf Weihnachten vorbereiten; mit dem ersten Adventssonntag beginnt zugleich das neue Kirchenjahr. Weil der Anfang an einen Sonntag gebunden ist und das Ende am 24. Dezember liegt, schwankt die Länge: Der vierte Advent fällt frühestens auf den 18. und spätestens auf den 24. Dezember. Im Gallien des 5. Jahrhunderts ließ Bischof Perpetuus von Tours die vorweihnachtliche Fastenzeit sogar schon am Martinstag beginnen – mehr zu diesem Tag steht bei Sankt Martin.
Den Adventskranz führte 1839 der Hamburger Theologe Johann Hinrich Wichern ein. Im Rauhen Haus, einem Heim für Kinder aus armen Familien, hängte er ein Wagenrad mit vier großen weißen Kerzen für die Sonntage und zwanzig kleinen roten für die übrigen Tage auf, damit die Kinder bis zum Fest mitzählen konnten. Aus diesem Bild leben die meisten Adventsgedichte bis heute: Licht, das Woche für Woche zunimmt. Für das Fest selbst sind die Weihnachtsgedichte da, für kurze Zeilen auf Karte und Handy die Adventsgrüße. Rilkes berühmtes „Advent“ mit dem Anfang „Es treibt der Wind im Winterwalde“ steht samt Wortlaut bei den Weihnachtsgedichten. Rilke datierte es auf Dezember 1897 in Schmargendorf, gedruckt erschien es 1898 in seinem gleichnamigen Gedichtband.
Gedichte zum 1. Advent
Der erste Advent ist ein Anfang im Halbdunkel. Draußen hält sich oft noch der November, drinnen brennt ein einziges Licht. Theodor Fontane hat diesen Übergang in drei Strophen gefasst und sie in seinen Roman „Unwiederbringlich“ eingefügt, der 1891 als Buch erschien.
Noch ist Herbst nicht ganz entflohn, / Aber als Knecht Ruprecht schon / Kommt der Winter hergeschritten, / Und alsbald aus Schnee’es Mitten / Klingt des Schlittenglöckleins Ton.
Und was jüngst noch, fern und nah, / Bunt auf uns herniedersah, / Weiß sind Türme, Dächer, Zweige, / Und das Jahr geht auf die Neige, / Und das schönste Fest ist da.
Tag du der Geburt des Herrn, / Heute bist du uns noch fern, / Aber Tannen, Engel, Fahnen / Lassen uns den Tag schon ahnen, / Und wir sehen schon den Stern.
Theodor Fontane, „Verse zum Advent“, Wortlaut nach Wikisource.
Dazu zwei neue Gedichte – eines über das erste Licht, eines über die vier Wochen, die jetzt vor dir liegen:
Am Kranz ist erst ein Licht entfacht, / es reicht nicht weit in diese Nacht. / Doch wer es sieht, der weiß genau: / Ab heute wird das Dunkel grau.
Vier Wochen liegen vor uns still / wie Seiten, die noch keiner kennt. / Ich lese langsam, wie ich will, / seitdem die erste Kerze brennt.
Gedichte zum zweiten Advent
Am zweiten Sonntag ist der Advent kein Versprechen mehr, sondern Alltag: Es wird gebacken, geschrieben, besorgt. Der schlesische Schriftsteller Paul Keller (1873–1932) erzählt in seinem „Adventslied“ von genau dieser Vorbereitung – nur dass hier Maria näht, statt Plätzchen auszustechen.
Heil’ge Maria am Rocken spann / Den Flachs gar wunderfein, / Heil’ge Maria saß und sann / Und nähte ein Hemdelein.
Da kamen herein zur Kammertür / Zwei liebliche Engelein, / „Maria, wir wollen spielen mit dir, / Wir sind so jung und klein!“
„Ich kann nicht singen und spielen mit euch, / Die Stund’ nicht ferne ist, / Braucht Hemdchen und Windeln und Linnenzeug / Mein Söhnlein Jesus Christ!“
Paul Keller, „Adventslied“, aus dem Zyklus „Vier Lieder aus dem Wendischen“, gedruckt 1933 in „Gedichte und Gedanken“, Wortlaut nach Wikisource.
Die eigenen Verse dazu: ein Vierzeiler zur Halbzeit und ein freies Gedicht für einen Sonntag, an dem endlich Zeit ist.
Zwei Lichter brennen, zwei sind still, / der halbe Weg ist schon geschafft. / Und wer am Kranz kurz rasten will, / dem gibt das Licht ein wenig Kraft.
Am zweiten Advent / schreibe ich die Briefe, / die ich seit dem Sommer schulde. / Die Kerzen sehen mir zu. / Sie haben Zeit. / Ich auch, / zum ersten Mal seit Wochen.
Gedichte zum dritten Advent
Der dritte Adventssonntag heißt in der katholischen Liturgie bis heute „Gaudete“, nach dem lateinischen Anfang des Eingangsgesangs: Freut euch. In manchen Kirchen ist die Farbe des Tages deshalb ein aufgehelltes Rosa statt Violett. Dazu passt ein Lied, das viele für ein Weihnachtslied halten, obwohl es auf das Fest erst wartet. Eduard Ebel (1839–1905) veröffentlichte es 1895 als „Weihnachtsgruß“ mit dem Untertitel „Ein Kinderlied“.
Leise rieselt der Schnee, / Still und starr liegt der See, / Weihnachtlich glänzet der Wald: / Freue Dich, Christkind kommt bald.
In den Herzen ist’s warm, / Still schweigt Kummer und Harm, / Sorge des Lebens verhallt: / Freue Dich, Christkind kommt bald.
Bald ist heilige Nacht; / Chor der Engel erwacht; / Horch’ nur, wie lieblich es schallt: / Freue Dich, Christkind kommt bald.
Eduard Ebel, „Weihnachtsgruß“, bekannt als „Leise rieselt der Schnee“, Wortlaut des Erstdrucks nach Wikisource. Wer das Lied mit leicht anderen Worten im Ohr hat: So stand es 1895 im Original.
Zwei eigene Gedichte für den Sonntag der Vorfreude:
Drei Flammen tanzen, eine nicht: / Die vierte steht noch weiß und kalt. / Sie lehnt sich an das fremde Licht / und weiß, ihr Sonntag kommt schon bald.
Heute ist der Sonntag, / an dem sich manche Kirche / ein wenig Rosa erlaubt. / Ich nehme das als Einladung: / kein Zettel mit Erledigungen, / nur ein Teller mit Plätzchen, / ein Fenster, ein Licht / und die Frage, worauf ich mich freue.
Gedichte zum vierten Advent
Am vierten Advent brennen alle Kerzen, und je nach Kalender bleibt bis Heiligabend noch fast eine Woche oder gar kein Tag mehr. Joachim Ringelnatz, sonst vor allem für komische Verse um den Seemann Kuttel Daddeldu bekannt, hat für diese letzte Strecke ein überraschend zartes Gedicht geschrieben. Es erschien 1933 in seinem Band „103 Gedichte“.
Ein Kind – von einem Schiefertafel-Schwämmchen / Umhüpft – rennt froh durch mein Gemüt.
Bald ist es Weihnacht! – Wenn der Christbaum blüht, / Dann blüht er Flämmchen. / Und Flämmchen heizen. Und die Wärme stimmt / Uns mild. – Es werden Lieder, Düfte fächeln. –
Wer nicht mehr Flämmchen hat, wem nur noch Fünkchen glimmt, / Wird dann doch gütig lächeln.
Wenn wir im Traume eines ewigen Traumes / Alle unfeindlich sind – einmal im Jahr! – / Uns alle Kinder fühlen eines Baumes.
Wie es sein soll, wie’s allen einmal war.
Joachim Ringelnatz, „Vorfreude auf Weihnachten“, Wortlaut nach Wikisource.
Und zwei neue Gedichte für den letzten Sonntag vor dem Fest:
Jetzt brennen alle vier am Kranz, / der Kreis aus Licht hat sich geschlossen. / Wir haben jede Woche ganz / und jedes Licht für sich genossen.
Manchmal liegt der vierte Advent / eine knappe Woche vor dem Fest, / manchmal fällt er auf Heiligabend selbst. / Wie viel Zeit dir bleibt, / bestimmt der Kalender. / Wie du sie füllst, / bestimmst du.
Adventsgedichte über Kerzen, Warten und Stille
Der Advent ist auch für Menschen, die mit Kirche wenig anfangen, eine Übung im Langsamsein. Wie ernst Warten sein kann, zeigt ein Gedicht von Jochen Klepper (1903–1942). Er schrieb es am 18. Dezember 1937, in einer Zeit, in der die Reichsschrifttumskammer seine Veröffentlichungen wegen der jüdischen Herkunft seiner Frau behinderte. Als Lied steht es heute in evangelischen wie katholischen Gesangbüchern. Die erste Strophe:
Die Nacht ist vorgedrungen, / der Tag ist nicht mehr fern. / So sei nun Lob gesungen / dem hellen Morgenstern! / Auch wer zur Nacht geweinet, / der stimme froh mit ein. / Der Morgenstern bescheinet / auch deine Angst und Pein.
Jochen Klepper, „Die Nacht ist vorgedrungen“, erschienen 1938 in „Kyrie. Geistliche Lieder“ unter dem Titel „Weihnachtslied“, Wortlaut nach Wikisource.
Die folgenden drei eigenen Gedichte kommen ohne Kirchenjahr aus: eines über das Anzünden, eines über das Warten und eines über die Geräusche, die du erst im Advent bemerkst.
Ein Streichholz zischt, ein Docht fängt an, / ein Licht, das niemand halten kann. / Es zittert kurz, dann steht es still / und leuchtet, wie es leuchten will.
Wer wartet, hat die Hände frei / und muss nicht greifen, nicht erreichen. / Er lässt die Tage, eins, zwei, drei, / an seinem Fenster still verstreichen.
Im Advent / klingt das Haus anders. / Der Kühlschrank summt, / die Heizung knackt, / irgendwo tropft Wachs auf einen Teller. / Du hörst das alles erst, / wenn du aufhörst, etwas zu wollen.
„Advent, Advent, ein Lichtlein brennt“: Herkunft und Parodien
Kaum ein Vers ist in der Adventszeit so verbreitet wie dieser. Die Volkskundlerin Ingeborg Weber-Kellermann zählte ihn zu den Zeilen, die Kindergartenkinder als Erstes lernen. Einen bekannten Verfasser gibt es nicht. Der Reim wurde mündlich weitergegeben; gedruckt lässt er sich erst ab der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre nachweisen, unter anderem in einer Sammlung alter Kinderreime von 1966 und in einer Gedichtauswahl für die Grundschule von 1969. Wie alt er tatsächlich ist, weiß niemand. Inhaltlich zählt er die Kerzen am Kranz von eins bis vier und endet mit dem Christkind vor der Tür; gesungen wird er auf verschiedene Melodien.
Wo ein Vers so bekannt ist, sind Parodien nicht weit. Ältere Kinder hängen gern eine fünfte Kerze an – mit der Pointe, dass dann das Fest verschlafen ist. Auch diese Zeilen haben keinen bekannten Urheber. Die wohl bekannteste Parodie auf die ganze Gattung stammt dagegen von Loriot: Sein Gedicht „Advent“, 1969 zuerst im Fernsehen zu sehen, ahmt den Ton besinnlicher Festtagsverse nach und erzählt dabei schwarzhumorig von einem Verbrechen im Forsthaus. Weil der Text urheberrechtlich geschützt ist, steht er hier nicht.
Kurze Adventsgedichte für Kinder in Kita und Schule
Für Kinder zählt bei einem Gedicht vor allem, dass es im Mund bleibt. Kurze Reimpaare mit Dingen, die sie kennen – Teig, Kerze, Morgenkreis –, reichen völlig. In der Kita sprichst du die Zeilen vor und die Kinder wiederholen sie, in der Grundschule trauen sich viele schon an vier Zeilen allein. Für den 6. Dezember gibt es eigene Nikolausgedichte.
Kerze, Kerze, klein und hell, / brenne langsam, nicht zu schnell! / Denn ich möchte lange sehen, / wie die kleinen Flammen stehen.
Teig ausrollen, Sterne stechen, / heimlich eine Ecke brechen, / Zucker drauf und rein damit – / und mein Bruder nascht schon mit.
Im Morgenkreis, da sitzen wir / und schauen in das Licht. / Wir sind ganz still, wir flüstern nur – / das schafft man sonst fast nicht.
Adventsgedichte für Senioren
Bei der Adventsfeier im Seniorenheim, beim Besuch bei den Großeltern oder im Gemeindekreis tragen vor allem Texte, die schon da sind. „Leise rieselt der Schnee“ können viele auswendig mitsprechen, und Fontanes Schlittenglöckchen holen Winter zurück, die lange vorbei sind. Lies langsam, lass nach jeder Strophe eine Pause und druck das Blatt in großer Schrift aus, damit alle mitlesen können. Oft ergibt sich danach ein Gespräch darüber, wie der Advent früher war – nicht selten der schönste Teil des Nachmittags. Zwei neue Gedichte, die genau dort ansetzen:
Der Kranz war früher selbst gebunden / aus Tannengrün vom nahen Wald. / Wir saßen da in langen Stunden, / die Fenster weiß, die Füße kalt.
Und brennt die erste Kerze heute, / dann sitzen sie noch einmal hier, / die alten, längst vertrauten Leute, / und rücken still ein Stück zu mir.
Die Jahre laufen schneller fort, / kaum ist es Herbst, ist schon Advent. / Ich bleibe gern an einem Ort, / an dem ein Licht in Ruhe brennt.
Adventsgedichte für Paare
Zu zweit ist der Advent oft die ruhigere Hälfte des Dezembers: weniger Pflichtbesuche als an den Feiertagen, mehr Abende auf dem Sofa. Ein kurzes Gedicht auf einem Zettel neben dem Kranz oder in der Manteltasche sagt dann mehr als ein großes Geschenk. Ideen für gemeinsame Abende in der kalten Jahreszeit findest du bei den Date-Ideen für den Winter.
Du zündest an, ich koche Tee, / und draußen fällt vielleicht schon Schnee. / Vier Wochen lang, vier kleine Flammen – / wir rücken jedes Mal zusammen.
Ich wünsche mir von dir im Advent / keine Pläne für den Heiligabend, / keine Liste, keinen Einkauf. / Nur einen Sonntag, / an dem wir das Licht anzünden / und vergessen, wie spät es ist.
Kurze Verse für den Adventskalender
Hinter ein Türchen passen selten mehr als zwei Zeilen. Diese Zweizeiler sind für bestimmte Tage geschrieben – den ersten, den siebten, den zwölften und den dreiundzwanzigsten –, lassen sich aber leicht anpassen. Soll am 6. Dezember ein Gruß vom Nikolaus im Kalender stecken, findest du kurze Zeilen bei den Nikolaussprüchen.
Ein Türchen auf, ein Tag vorbei, / und morgen wartet Nummer zwei.
Hinter Nummer sieben: Zeit – / ein Spaziergang, nicht sehr weit.
Zwölf ist halb, und halb ist viel. / Noch zwölf Türen bis zum Ziel.
Noch einmal schlafen, nur noch eins, / dann wird das letzte Türchen deins.
Häufige Fragen
Welches Gedicht passt zum 1. Advent?
Zum 1. Advent passt ein Gedicht über Anfänge: das erste Licht, die frühe Dunkelheit, den langen Weg bis zum Fest. Ein Klassiker dafür sind Theodor Fontanes „Verse zum Advent“, in denen der Herbst gerade geht und Weihnachten noch fern ist. Kürzer und für eine Karte geeignet sind Vierzeiler über die erste Kerze am Kranz, etwa die beiden neuen Gedichte im Abschnitt zum ersten Sonntag.
Welche kurzen Zitate gibt es zum Advent?
Gemeinfrei und gut belegt sind zum Beispiel „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ aus Georg Weissels Adventslied aus dem 17. Jahrhundert, Jochen Kleppers „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern“ und der knappe Ausruf „Bald ist es Weihnacht!“ von Ringelnatz. Aus der Bibel stammt ein Vers, der traditionell zur Lesung des ersten Advents gehört: „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen“ (Römer 13,12, Lutherbibel von 1912). Angebliche Zitate ohne Quelle, wie sie im Netz kursieren, lässt du besser weg.
Woher stammt „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt“?
Der Vers ist ein überlieferter Kinderreim ohne bekannten Verfasser. Er wurde mündlich weitergegeben, sein Alter lässt sich nicht bestimmen. Schriftlich nachweisen lässt er sich erst seit den späten 1960er-Jahren, etwa in Sammlungen von 1966 und 1969. Heute wird er in Kitas und Grundschulen aufgesagt oder auf verschiedene Melodien gesungen.
Ist „Leise rieselt der Schnee“ ein Advents- oder ein Weihnachtslied?
Dem Inhalt nach ein Adventslied: Der Kehrreim „Freue Dich, Christkind kommt bald“ blickt auf das Fest voraus, statt es zu feiern. Eduard Ebel veröffentlichte den Text 1895 allerdings unter dem Titel „Weihnachtsgruß“. Die Melodie wird ihm oft zugeschrieben; sicher belegt ist das nicht, denn sein Gedichtband enthält nur den Text.
Welche Adventsgedichte eignen sich für Senioren?
Gut geeignet sind Lieder und Gedichte, die ältere Menschen noch von früher kennen, etwa „Leise rieselt der Schnee“, dazu kurze neue Verse mit klarem Reim und Bildern aus vergangenen Wintern. Vertrautes lädt zum Mitsprechen ein. Achte auf ein ruhiges Tempo, große Schrift auf dem Textblatt und Pausen zwischen den Strophen, damit niemand den Faden verliert.
Was unterscheidet ein Adventsgedicht von einem Weihnachtsgedicht?
Ein Adventsgedicht handelt vom Warten, ein Weihnachtsgedicht vom Fest selbst. Typische Bilder im Advent sind Kerzen, die nach und nach dazukommen, dunkle Nachmittage, Vorbereitungen und Vorfreude; Krippe, Bescherung und Heiligabend gehören ins Weihnachtsgedicht. Manche Klassiker liegen genau auf der Grenze, etwa Fontanes Verse, die das Fest schon ahnen, aber noch nicht feiern.
Fazit: vier Sonntage, vier Arten zu warten
Ein gutes Adventsgedicht muss weder fromm noch lang sein. Es braucht ein Bild vom Davor – eine Kerze, die noch nicht brennt, einen Brief, der endlich geschrieben wird, einen Teller mit den ersten Plätzchen – und den Mut, das Fest noch nicht vorwegzunehmen. Nimm für jeden Sonntag einen Klassiker oder einen neuen Vers, leg ihn neben den Kranz und lies ihn laut, bevor das Streichholz zischt. Wenn danach die Feiertage kommen, helfen dir die Weihnachtsgrüße weiter.









