Herbstgedichte haben es leicht: Die Jahreszeit bringt ihre Bilder gleich mit, vom reifen Apfel bis zum Nebel, der morgens über den Wiesen liegt. Vielleicht haben deshalb so viele Dichter ein Herbstgedicht hinterlassen, von Goethe bis Trakl. Hier findest du die bekanntesten Klassiker, deren Text ich mit den Vorlagen auf Wikisource und bei Projekt Gutenberg-DE abgeglichen habe, und dazu neue Verse: kurze für Karte und Chat, eines für jeden Herbstmonat, Reime für Kinder, Gedichte über die Liebe und ein paar nachdenkliche Zeilen.
Alles ohne Autorennamen ist neu geschrieben und gehört dir: abschreiben, umbauen, verschicken. Bei den gemeinfreien Klassikern ist es guter Stil, den Dichter zu nennen. Brauchst du nur einen Satz für eine Nachricht, spring zu den Herbstsprüchen und Herbstgrüßen.
Bekannte Herbstgedichte: Klassiker mit geprüftem Wortlaut
Die folgenden Gedichte stammen von Autoren, die lange vor 1956 gestorben sind, ihre Texte sind deshalb frei nutzbar. Zitiert wird nach den Ausgaben, die Wikisource und Projekt Gutenberg-DE als Vorlage verwenden. Angepasst habe ich nur einzelne alte Schreibungen (etwa lass statt laß, gib statt gieb); Großbuchstaben am Zeilenanfang und Zeichensetzung folgen der Vorlage. Wer nach Monaten sortieren will: Mörike passt in den September, Storm in den Oktober, Rilkes „Herbst“ in den November.
Rainer Maria Rilke: „Herbsttag“ (1902)
Das wohl bekannteste deutsche Herbstgedicht entstand 1902; Wikisource gibt es nach der erweiterten Ausgabe von Rilkes Band „Das Buch der Bilder“ aus dem Jahr 1906 wieder. Die erste Strophe bittet um Reife und Süße, die letzte blickt auf jemanden, der nicht angekommen ist. Diese Spannung zwischen Fülle und Alleinsein dürfte erklären, warum der Text bis heute so oft geteilt wird.
Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. / Leg Deinen Schatten auf die Sonnenuhren / und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein; / gib ihnen noch zwei südlichere Tage / dränge sie zur Vollendung hin und jage / die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat baut sich keines mehr. / Wer jetzt allein ist wird es lange bleiben, / wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben / und wird in den Alleen hin und her / unruhig wandern wenn die Blätter treiben.
Rainer Maria Rilke: „Herbst“ (1902)
Ebenfalls 1902 entstanden und ebenfalls im „Buch der Bilder“ enthalten. Rilke beginnt bei den fallenden Blättern und weitet den Blick, bis die Erde fällt und schließlich die eigene Hand. Die beiden Schlusszeilen fangen den Sturz auf. Wer das Gedicht in einer Trauerkarte verwenden möchte, kann den „Einen“ religiös lesen oder offen lassen.
Die Blätter fallen, fallen wie von weit, / als welkten in den Himmeln ferne Gärten; / sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde / aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt. / Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer welcher dieses Fallen / unendlich sanft in seinen Händen hält.
Eduard Mörike: „Septembermorgen“ (1827)
Sechs Zeilen, ein einziger Bogen: Erst liegt alles im Nebel, dann hebt sich der Schleier, und die Landschaft leuchtet. Kurz und hell, deshalb ideal für Postkarten und zum Auswendiglernen.
Im Nebel ruhet noch die Welt, / Noch träumen Wald und Wiesen: / Bald siehst du, wenn der Schleier fällt, / Den blauen Himmel unverstellt, / Herbstkräftig die gedämpfte Welt / In warmem Golde fließen.
Theodor Storm: „Oktoberlied“ (1848)
Storm schreibt gegen das Grau an: Nebel, Laub, und trotzdem wird eingeschenkt. Das Lied hat sechs Strophen, hier stehen die erste und die beiden letzten, in denen schon der Frühling durchscheint. In älteren Drucken heißt es „Octoberlied“.
Der Nebel steigt, es fällt das Laub; / Schenk’ ein den Wein, den holden! / Wir wollen uns den grauen Tag / Vergolden, ja vergolden!
[…]
Wohl ist es Herbst; doch warte nur, / Doch warte nur ein Weilchen! / Der Frühling kommt, der Himmel lacht, / Es steht die Welt in Veilchen.
Die blauen Tage brechen an, / Und ehe sie verfließen, / Wir wollen sie, mein wackrer Freund, / Genießen, ja genießen!
Friedrich Hebbel: „Herbstbild“
Ein windstiller Tag, und doch fallen ringsum die Früchte. Hebbel (1813–1863) deutet das nicht als Verlust, sondern als Lese, die die Natur selbst hält. Die acht Zeilen eignen sich gut zum Vorlesen an Erntedank.
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah! / Die Luft ist still, als atmete man kaum, / und dennoch fallen raschelnd, fern und nah, / die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur! / Dies ist die Lese, die sie selber hält; / denn heute löst sich von den Zweigen nur, / was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.
Georg Trakl: „Verklärter Herbst“ (1912)
Zuerst gedruckt im November 1912 in der Innsbrucker Zeitschrift „Der Brenner“, ein Jahr später in Trakls erstem Gedichtband. Für einen Dichter, dessen Verse oft dunkel sind, klingt es erstaunlich mild: Wein, Glocken, ein Vogelzug und die Zeile über die Liebe.
Gewaltig endet so das Jahr / Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten. / Rund schweigen Wälder wunderbar / Und sind des Einsamen Gefährten.
Da sagt der Landmann: Es ist gut. / Ihr Abendglocken lang und leise / Gebt noch zum Ende frohen Mut. / Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.
Es ist der Liebe milde Zeit. / Im Kahn den blauen Fluss hinunter / Wie schön sich Bild an Bildchen reiht – / Das geht in Ruh und Schweigen unter.
Herbst-Zitate: gemeinfreie Zeilen mit Quelle
Für eine Karte oder einen Post reicht oft eine einzige Zeile. Jedes dieser Herbstzitate lässt sich auf Wikisource im vollständigen Gedicht nachlesen; die Jahreszahl nennt die Entstehung oder die Ausgabe, nach der dort zitiert wird.
- „Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.“ – Rainer Maria Rilke, „Herbsttag“
- „Wer jetzt allein ist wird es lange bleiben“ – Rainer Maria Rilke, „Herbsttag“
- „Die Blätter fallen, fallen wie von weit“ – Rainer Maria Rilke, „Herbst“
- „Fetter grüne, du Laub’, / Am Rebengeländer / Hier mein Fenster herauf!“ – Johann Wolfgang von Goethe, „Herbstgefühl“ (1775)
- „Das mögen die letzten Küsse / Des scheidenden Sommers sein.“ – Heinrich Heine, „Das gelbe Laub erzittert“ (1834)
- „Mir gefällt der Herbst, der klare“ – Friedrich Rückert, „Der klare Herbst“ (1841)
- „Nun ist es Herbst, die Blätter fallen“ – Nikolaus Lenau, „Herbst“
- „Es fällt das Laub wie Regentropfen“ – Theodor Fontane, „Im Herbst“ (1851)
- „Die Sonnenblumen leuchten am Zaun“ – Georg Trakl, „Im Herbst“ (1913)
Gerade bei Rilke lohnt ein zweiter Blick. Unter seinem Namen kursieren viele Herbstsprüche, die weder einen Gedichttitel noch einen Brief als Fundstelle nennen. Findest du eine Zeile nicht in seinen Werken, teile lieber eine aus „Herbsttag“ oder „Herbst“. Wer mehr lesen will: Auf Wikisource stehen außerdem seine frühen Gedichte „Herbststimmung“ und „Im Herbst“ von 1895 sowie „Ende des Herbstes“ aus dem „Buch der Bilder“.
Kurzes Herbstgedicht gesucht? Verse für Karte und Chat
Ein kurzes Herbstgedicht sollte auf eine Postkarte passen und auf dem Handy ohne Scrollen lesbar sein. Die folgenden Verse sind neu und halten ihren Takt, damit sie auch laut vorgelesen funktionieren.
Sockenwetter
Bunte Blätter, kalter Wind, / Tage, die schon kürzer sind. / Hol die dicken Socken raus, / heute bleiben wir zu Haus.
Einmachglas
Die Tage werden kurz und klar, / der Apfel fällt ins nasse Gras. / Was gestern noch im Garten war, / steht morgen schon im Einmachglas.
Licht im Nebel
Der Nebel legt sich auf die Welt / und nimmt den Dingen ihre Ränder. / Ein Licht, das aus dem Fenster fällt, / ist heute Abend mein Geländer.
Vogelzug
Hoch oben zieht ein Vogelzug / und ruft herab: Es ist genug! / Wir aber bleiben hier und sehen, / wie draußen bunte Blätter wehen.
Regentag
Regen trommelt an die Scheiben, / heute will ich drinnen bleiben, / mit der Katze, einem Buch / und der Decke als Besuch.
Ohne Reim: Kastanie
In meiner Jackentasche / liegt seit Sonntag eine Kastanie. / Ich halte sie fest, / wenn der Tag zu früh dunkel wird.
Gedichte für September, Oktober und November
Der Herbst ist keine einheitliche Stimmung. Der September hat noch Sommerwärme, der Oktober leuchtet und stürmt, der November wird still und grau. Darum gibt es hier für jeden Monat ein eigenes Gedicht.
September: das letzte Gold
Noch liegt der Sommer auf dem Land, / noch wärmt die Sonne dein Gesicht. / Doch an der alten Gartenwand / glüht schon das Weinlaub, Schicht um Schicht.
Die Äpfel hängen schwer und rund, / die Schwalben sammeln sich am Draht. / Wir bleiben draußen, ohne Grund, / und zählen, was der Sommer tat.
Oktober: Laub, Wind und Ernte
Kürbis, Nüsse, frischer Most / und am Morgen erster Frost. / Drachen tanzen überm Feld, / Blätter fliegen um die Welt.
Abends wird es früher Nacht. / Hast du schon den Tee gemacht? / Komm, wir sitzen Knie an Knie, / so gemütlich war es nie.
November: was der Nebel zeigt
Für den grauen Monat ein Gedicht ohne Reim, weil der November selten gefällig ist.
Jetzt, wo die Bäume nichts mehr tragen, / sieht man die Nester im Geäst. / Sie waren den ganzen Sommer da. / Der November nimmt nicht nur. / Er zeigt auch, / was das Laub verborgen hat.
Herbstgedichte für Kinder zum Aufsagen
Kinder lernen ein Gedicht am schnellsten, wenn sie den Takt mitklatschen können und jedes Wort etwas meint, das sie kennen: Igel, Drachen, Pfützen. Lest die Zeilen erst gemeinsam, dann im Wechsel. Für Laternenumzug und Martinsfest im November findest du alles Nötige bei Sankt Martin.
Der Igel
Raschel, raschel, wer ist da? / Unterm Laub, ganz nah, ganz nah. / Spitze Nase, Stachelkleid: / Igel ist zum Schlaf bereit.
Mein Drachen
Mein Drachen hat ein langes Band, / das halte ich in meiner Hand. / Der Wind holt Schwung und hebt ihn an, / so hoch, wie ich nicht springen kann.
Blätterzählen
Blätter fallen, eins, zwei, drei, / rot und gelb und braun dabei. / Sammle sie in deine Mütze. / Und die andern? In die Pfütze!
Klassiker zum Singen: „Bunt sind schon die Wälder“
Das „Herbstlied“ des Schweizer Dichters Johann Gaudenz von Salis-Seewis entstand 1782 und ist vielen als Lied bekannt. Die erste Strophe reicht für kleine Kinder völlig, die übrigen erzählen von Trauben, Pfirsichen und Winzerfesten. Schreibung hier modernisiert (Rote statt Rothe).
Bunt sind schon die Wälder; / Gelb die Stoppelfelder, / Und der Herbst beginnt. / Rote Blätter fallen, / Graue Nebel wallen, / Kühler weht der Wind.
Liebe im Herbst: Verse für zwei
Wenn es draußen ungemütlich wird, rückt man näher zusammen. Diese Verse passen in eine Nachricht an die Partnerin, den Partner oder jemanden, in den du dich gerade verliebst. Ganzjährige Verse über die Liebe sammeln die Liebesgedichte; wenn du aus dem Gedicht gleich eine Verabredung machen willst, helfen die Date-Ideen für den Herbst oder ein Blick auf Herbst-Dates bei Regen und Sonne.
Wilhelm Busch: „Im Herbst“ (1904)
Busch (1832–1908) veröffentlichte das Gedicht in seinem späten Band „Zu guter Letzt“. Es beschreibt die feinen Fäden, an denen junge Spinnen im Frühherbst durch die Luft segeln, und lässt sie am Ende zwei Verliebte verbinden. Heiter, mit einem Augenzwinkern beim „kunstgeübten Hinterbein“.
Der schöne Sommer ging von hinnen, / Der Herbst, der reiche, zog ins Land. / Nun weben all die guten Spinnen / So manches feine Festgewand.
Sie weben zu des Tages Feier / Mit kunstgeübtem Hinterbein / Ganz allerliebste Elfenschleier / Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.
Ja, tausend Silberfäden geben / Dem Winde sie zum leichten Spiel, / Sie ziehen sanft dahin und schweben / Ans unbewusst bestimmte Ziel.
Sie ziehen in das Wunderländchen, / Wo Liebe scheu im Anbeginn, / Und leis verknüpft ein zartes Bändchen / Den Schäfer mit der Schäferin.
Dein Schal
Um meinen Hals liegt jetzt dein Schal, / er riecht nach dir und nach dem Wald. / Die Bäume draußen werden kahl, / doch mir ist neben dir nicht kalt.
Für langjährige Paare: Oktober
Wir sind schon lange nicht mehr Mai, / wir sind Oktober, du und ich. / Die Eile ist für uns vorbei, / ich habe Zeit, und du hast mich.
Die Hände, die sich jetzt berühren, / sind nicht mehr glatt, doch sie sind warm. / Wir lassen uns vom Wind nicht führen, / wir gehen langsam, Arm in Arm.
Ohne Reim: frisch verliebt
Ich habe heute ein Blatt aufgehoben, / weil es die Farbe hatte / von deinem Pullover. / So weit ist es schon mit mir.
Nachdenkliche Verse über Ernte und Loslassen
Der Herbst lädt zur Bilanz ein, auch ohne Jahreswechsel. Die beiden Gedichte sind für ruhige Abende gedacht oder für jemanden, der gerade viel loslassen muss. Weitere Gedanken zum Innehalten findest du in den Sprüchen zum Nachdenken.
Erntebilanz
Der Herbst stellt keine lauten Fragen, / er legt nur auf den Tisch, was war: / die Körbe, die wir heimwärts tragen, / die Ernte aus dem ganzen Jahr.
Was nicht gereift ist, darf noch bleiben, / was reif ist, bring zu jemand hin. / Den Rest lass mit den Blättern treiben / und frag nicht gleich nach seinem Sinn.
Ohne Reim: um fünf
Um fünf wird es dunkel. / Früher fand ich das traurig. / Heute zünde ich eine Kerze an / und lasse den Tag / einfach früher aufhören.
Herbstsprüche und Herbstgrüße
Oft braucht es kein ganzes Gedicht, sondern einen Satz unter einem Foto oder einen kurzen Gruß. Alle Herbstsprüche hier sind neu formuliert und kurz genug für WhatsApp oder eine Bildunterschrift.
Kurze Herbstsprüche
- Jedes Blatt fällt anders. Keins fällt falsch.
- Kürzere Tage, längere Abende: Ich nehme beides.
- Der Baum wirft sein Laub ab, nicht seine Wurzeln.
- Nebel ist der Herbst, wenn er leise spricht.
- Erst wird geerntet, dann wird es gemütlich.
- Das Licht wird nicht weniger, es fällt nur flacher.
Herbstgrüße für WhatsApp
- Herbstgrüße aus dem Nebel! Hier ist alles grau, nur meine Laune nicht.
- Draußen wird es früher dunkel. Gute Zeit für lange Telefonate: Ruf an, wenn du magst.
- Ich schicke dir einen Gruß mit Laub und Zimt und die Einladung auf einen Tee, wann immer es passt.
- Hier fallen die Blätter und ich denke an dich. Ich hoffe, bei dir ist es warm und hell.
- Ein Gruß für den ersten kalten Morgen: Hast du deine Handschuhe schon gefunden? Ich noch nicht.
Lustige Herbstsprüche
- Mein Plan für den Herbst: Decke, Tee, Decke. Genau in dieser Reihenfolge.
- Endlich wieder Jacken mit Taschen. Endlich wieder Platz für Kastanien.
- Ich wollte heute das Laub zusammenrechen. Der Wind hatte andere Pläne.
- Ich bin kein Morgenmuffel. Ich bin im Nebelmodus.
Wird es Ende Oktober gruselig, findest du passende Zeilen bei den Halloween-Sprüchen.
Reime zum Herbst: Wortpaare zum Selberdichten
Wer selbst ein Herbstgedicht schreiben will, scheitert oft an einem einzigen Wort: Für „Herbst“ gibt es kaum reine Reime, nur Verbformen wie „färbst“ oder „erbst“. Setz das Wort deshalb in die Mitte der Zeile und reime auf etwas anderes. Diese Paare reimen sich sauber:
- Laub – Staub – Raub
- Wind – Kind – geschwind – sind
- Blatt – satt – matt – Stadt
- Drachen – lachen – machen – Sachen
- Regen – Segen – wegen – entgegen
- Most – Frost – Trost – Rost
- Igel – Spiegel – Riegel
- Pilz – Filz
- Ernte – lernte – entfernte
- Nacht – sacht – gemacht – bedacht
Schwierig bleiben „Apfel“, „Kürbis“ und „Nebel“, auf den sich kaum mehr als „Hebel“ und „Knebel“ reimen. Für den Takt hilft ein Trick: Lies jede Zeile laut und klopfe die betonten Silben mit. Haben zwei Reimzeilen nicht gleich viele Schläge, kürze die längere. Klingt ein Reim gezwungen, schreib lieber frei.
Häufige Fragen
Welche bekannten Herbstgedichte gibt es?
Zu den bekanntesten zählen Rilkes „Herbsttag“ und „Herbst“, Mörikes „Septembermorgen“, Storms „Oktoberlied“, Hebbels „Herbstbild“, Trakls „Verklärter Herbst“ und das „Herbstlied“ von Salis-Seewis („Bunt sind schon die Wälder“). Alle sind gemeinfrei. Dazu kommen heitere Verse wie Wilhelm Buschs „Im Herbst“.
Gibt es ein schönes kurzes Herbstgedicht?
Ja. Mörikes „Septembermorgen“ hat nur sechs Zeilen, Hebbels „Herbstbild“ acht, und beide passen auf eine Postkarte. Noch knapper sind die neuen Vierzeiler weiter oben, etwa der über das Einmachglas.
Welche Zitate von Rilke gibt es zum Herbst?
Die meistzitierten Zeilen stammen aus „Herbsttag“: „Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.“ und „Wer jetzt allein ist wird es lange bleiben“. Aus „Herbst“ wird oft der Anfang „Die Blätter fallen, fallen wie von weit“ geteilt. Bei angeblichen Rilke-Sprüchen ohne Titel oder Fundstelle ist Vorsicht angebracht.
Welche Reime gibt es zum Herbst?
Gut funktionieren Laub und Staub, Wind und geschwind, Blatt und satt, Drachen und lachen, Regen und Segen, Most und Frost sowie Igel und Spiegel. Auf das Wort „Herbst“ selbst reimen sich nur seltene Verbformen wie „färbst“, deshalb steht es besser mitten in der Zeile.
Darf ich Rilkes Herbstgedichte abschreiben und posten?
Ja. In Deutschland endet der Urheberrechtsschutz 70 Jahre nach dem Tod des Autors, gerechnet ab Ende des Todesjahres. Da Rilke 1926 starb, sind seine Werke seit dem 1. Januar 1997 frei. Stammt ein Herbstgedicht von jemandem, der 1956 oder später gestorben ist, brauchst du zum Posten des ganzen Textes in der Regel eine Erlaubnis.
Welches Herbstgedicht eignet sich für Kinder im Kindergarten?
Für Kindergartenkinder eignen sich kurze Reime mit klarem Takt und vertrauten Wörtern, etwa die Verse über Igel, Drachen und Blätter in diesem Artikel. Als Klassiker zum Singen passt die erste Strophe von „Bunt sind schon die Wälder“. Mehr als vier bis sechs Zeilen sind für die Kleinsten selten nötig.
Fazit: Ein Herbstgedicht für jede Stimmung
Ob du Rilkes „Herbsttag“ in eine Karte schreibst, mit Kindern über Igel und Pfützen reimst oder dem Menschen, den du liebst, vier Zeilen über einen Schal schickst: Der Herbst hat für jede Stimmung ein Bild. Nimm die Klassiker mit Namen, die neuen Verse ohne Bedenken, und wenn ein eigener Reim nicht sitzen will, darf er frei bleiben. Brennt die erste Kerze am Adventskranz, geht es mit den Adventsgedichten weiter.









