Wenn es im November schon am späten Nachmittag dunkel wird, ziehen in vielen Orten Kinder mit leuchtenden Laternen durch die Straßen, vorneweg ein Reiter im roten Umhang. Sankt Martin gehört zu den wenigen Festen, die Familien fast überall in Deutschland kennen, ob katholisch, evangelisch oder ganz ohne Kirche. Doch wer war dieser Martin eigentlich, warum teilt er seinen Mantel, und was hat eine Gans damit zu tun?
Hier findest du alles an einem Ort: was über Martin von Tours gesichert ist und was Legende bleibt, warum der Martinstag am 11. November liegt, woher Laternenumzug und Martinsgans stammen und welche Lieder dazugehören. Dazu kommen Tipps für den Umzug mit Kindern und ein paar eigene Martinsverse.
Wer war Sankt Martin? Martin von Tours in den Quellen
Der Mann hinter dem Fest heißt Martin von Tours, lateinisch Martinus. Fast alles, was wir über ihn wissen, geht auf einen einzigen Zeitgenossen zurück: den gallischen Schriftsteller Sulpicius Severus, der Martin persönlich kannte und noch zu dessen Lebzeiten eine Lebensbeschreibung verfasste, die „Vita Sancti Martini“. Die Quelle ist also nah dran, aber nicht neutral: Sulpicius schrieb als Verehrer und wollte seine Leser zum Nachahmen anspornen.
Nach dieser Darstellung stammte Martin aus Sabaria in der römischen Provinz Pannonien, dem heutigen Szombathely in Ungarn, und wuchs im italienischen Pavia auf. Sein Vater war Offizier. Mit zehn Jahren ging Martin gegen den Willen der Eltern in die Kirche und ließ sich als Taufbewerber aufnehmen. Als Sohn eines Veteranen musste er trotzdem mit fünfzehn ins Heer. Später verließ er die Armee, schloss sich Bischof Hilarius von Poitiers an, lebte zeitweise als Einsiedler und gründete in Ligugé bei Poitiers eine Mönchsgemeinschaft, die als eines der frühesten Klöster Galliens gilt. Anfang der 370er-Jahre wählten ihn die Menschen in Tours zum Bischof, gegen den Widerstand einiger Bischöfe, denen der ungepflegte Mönch in einfacher Kleidung zu unscheinbar war. Nahe der Stadt gründete er das Kloster Marmoutier.
Bei den Jahreszahlen wird es unscharf. Die Altersangaben des Sulpicius passen nicht lückenlos zu anderen Daten, deshalb nennt die Forschung als Geburtsjahr teils 316/317, teils um 336. Als Todesjahr gilt meist 397: Martin starb Anfang November auf einer Reise in Candes an der Loire, am 11. November wurde er in Tours beigesetzt. Er gehört zu den ersten Heiligen, die verehrt wurden, ohne als Märtyrer gestorben zu sein. Heute gilt er unter anderem als Patron Frankreichs, des Burgenlands und der Bistümer Mainz und Rottenburg-Stuttgart, außerdem der Armen, Bettler und Reisenden. Wer Martin heißt, hat am 11. November übrigens Namenstag, passende Worte dafür findest du bei den Glückwünschen zum Namenstag.
Die Sankt-Martin-Geschichte: die Mantelteilung von Amiens
Die berühmteste Szene spielt am Stadttor von Amiens in Nordfrankreich. Sulpicius erzählt sie so: In einem ungewöhnlich harten Winter, in dem viele Menschen erfroren, begegnete ihm dort ein kaum bekleideter Armer, der die Vorbeigehenden vergeblich um Hilfe bat. Martin, damals Soldat und noch nicht getauft, hatte außer Waffen und Mantel nichts mehr bei sich, weil er alles andere bereits verschenkt hatte. Er zog sein Schwert, schnitt den Mantel in zwei Teile, gab dem Mann die eine Hälfte und legte sich die andere selbst um. Einige Umstehende lachten über den halb bekleideten Soldaten, andere schämten sich, weil sie trotz ihres Wohlstands nichts gegeben hatten.
In der folgenden Nacht sah Martin im Traum Christus, bekleidet mit dem halben Mantel. Sulpicius verbindet die Szene ausdrücklich mit einem Satz aus dem Matthäusevangelium, der bis heute zum Martinstag gehört:
„Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25,40, Lutherbibel 1912)
Ob sich die Begegnung so zugetragen hat, lässt sich nicht prüfen. Sulpicius versichert zwar, nur Zuverlässiges aufzuschreiben, doch seine Vita folgt den Regeln der Heiligenerzählung, in der Wunder und Träume dazugehören. Die Mantelteilung ist deshalb eine Legende, die einen wahren Kern haben kann, aber nicht muss. Aufschlussreich ist, was in der ältesten Fassung fehlt: Von einem Pferd ist dort keine Rede, und die Farbe des Mantels wird nicht genannt. Der Reiter auf dem Schimmel im roten Umhang ist ein späteres Bild, geprägt von Gemälden, Skulpturen und schließlich vom Martinsumzug selbst.
Nach Sulpicius ließ sich Martin bald darauf taufen, blieb aber noch eine Weile beim Militär. Als er vor einer Schlacht bei Worms um seine Entlassung bat, weil er als Christ nicht kämpfen wolle, bot er der Erzählung nach an, unbewaffnet vor die Reihen zu treten. Diese Verweigerung des Kriegsdienstes ist für Martins Biografie zentral, im heutigen Brauch spielt sie aber kaum eine Rolle.
Warum der Martinstag im November liegt: Grablegung, Zinstag, Fastenbeginn
Dass Sankt Martin am 11. November gefeiert wird, hat einen schlichten Grund: Es ist der überlieferte Tag seiner Beisetzung in Tours. Bei Heiligen ist sonst meist der Todestag der Gedenktag, bei Martin setzte sich das Begräbnisdatum durch. Mit der Verehrung seines Grabes verbreitete sich der Tag im ganzen Frankenreich.
So tief im Alltag verankert wurde der Termin aber erst durch zwei weitere Stränge. Der erste ist kirchlich: Gregor von Tours berichtet, dass Bischof Perpetuus im 5. Jahrhundert festlegte, zwischen Martinstag und Weihnachten an drei Tagen pro Woche zu fasten. Diese rund sechswöchige Vorbereitungszeit, die auch „Martinsquadragese“ genannt wird, setzte sich im Frankenreich weiter durch. Der Martinstag war damit, ähnlich wie später die Fastnacht vor Ostern, der letzte Tag, an dem noch einmal kräftig gegessen und gefeiert wurde. Darauf führt man auch zurück, dass am 11.11. die Session im Karneval beginnt.
Der zweite Strang ist bäuerlich-wirtschaftlich. Martini lag am Ende des landwirtschaftlichen Jahres: Die Ernte war eingebracht, der neue Wein gekeltert, das Vieh kam von den Weiden zurück. An diesem Stichtag wurden Pacht, Zins und Abgaben fällig, Knechte und Mägde wechselten ihre Dienststellen, Verträge liefen aus oder begannen. Weil nicht jedes Tier über den Winter gefüttert werden konnte, wurde geschlachtet. So kam zusammen, was den Martinstag bis heute prägt: ein Festessen, ein Jahresabschluss und der Übergang in die dunkle Jahreszeit.
Martinsgans: zwischen Gänsestall-Legende und Zinstag
Die Gans ist neben der Laterne das bekannteste Symbol des Tages, und um sie ranken sich gleich mehrere Legenden. Die verbreitetste erzählt, Martin habe sich in einem Gänsestall versteckt, weil er nicht Bischof werden wollte, doch die aufgeregt schnatternden Tiere hätten ihn verraten. Eine andere Fassung lässt Gänse so laut in seine Predigt hineinschnattern, dass sie danach im Bratofen landeten.
Ein Blick in die älteste Quelle macht skeptisch. Bei Sulpicius wird Martin nicht von Gänsen verraten, sondern mit einer List nach Tours gelockt: Ein Bürger namens Rusticius gab vor, seine Frau sei krank, und bat den Mönch, mitzukommen. Unterwegs warteten bereits die Menschen, die ihn zum Bischof machen wollten. Die Gänsegeschichten tauchen erst viele Jahrhunderte später auf und gelten als nachträgliche Erklärungen für einen Brauch, den es da schon gab.
Wahrscheinlicher ist ein praktischer Ursprung. Weil am Martinstag Abgaben fällig waren, wurden sie oft in Naturalien beglichen, und eine Gans eignete sich dafür bestens. Wer seine Tiere nicht teuer durch den Winter bringen wollte, schlachtete sie im November. Dazu kam der letzte Festschmaus vor der Fastenzeit. Heute kommt die Martinsgans klassisch mit Rotkohl und Knödeln auf den Tisch, in Österreich heißt sie Martinigansl.
Martinsumzug und Laternenumzug: wie der Brauch entstand
Der Laternenumzug wirkt uralt, ist in seiner heutigen Form aber erstaunlich jung. Älter sind Martinsfeuer und Heischegänge. Schon im 16. Jahrhundert ist aus Köln überliefert, dass Kinder am Vorabend des Martinstags singend von Haus zu Haus zogen und Gaben bekamen. Vielerorts im Rheinland sammelten Jungen über Wochen Reisig und Stroh, um am Martinsabend auf einer Anhöhe ein großes Feuer anzuzünden, um das getanzt wurde, während die Älteren mit Fackeln durch die Dunkelheit liefen. Friedlich ging es dabei nicht immer zu: Überliefert sind Raufereien zwischen rivalisierenden Gruppen und Beschimpfungen für Hausbewohner, die nichts herausrückten.
Im 19. Jahrhundert galt das als unzeitgemäß. Vereine, Pfarreien und Schulen begannen, den Brauch zu ordnen. Ein geordneter Martinszug ist 1867 im niederrheinischen Dülken belegt, in Düsseldorf zog 1890 erstmals ein organisierter Zug durch die Stadt, und viele Städte folgten in den Jahrzehnten danach. Im Mittelpunkt standen nun die Kinder mit Laternen, begleitet von Zugordnern und Musikkapellen. Die alten, oft derben Mundartlieder wurden bewusst durch neue ersetzt. Mit der Zeit kamen der Reiter als Martin, das Nachspielen der Mantelteilung und das Teilen als pädagogische Botschaft dazu.
Woher die Lichter stammen, wird oft mit einem germanischen Herbstfest erklärt. Diese Deutung gilt in der Volkskunde als widerlegt. Brauchforscher wie Dietz-Rüdiger Moser und Werner Mezger verweisen stattdessen auf die Liturgie: Vor der Reform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde am Martinstag ein Evangelium gelesen, in dem es um das Licht geht, das man nicht versteckt, sondern auf den Leuchter stellt (Lukas 11,33). Früher bestanden Laternen oft aus ausgehöhlten Rüben, die Schweiz kennt solche Räbenlichter bis heute. Seit 2026 steht die Martinstradition im Rheinland im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.
Martinsfeuer, Weckmann, Martinssingen: Bräuche nach Region
Wie der Martinstag aussieht, hängt stark davon ab, wo du wohnst:
- Martinsfeuer und Martinsspiel: Am Ende vieler Umzüge brennt ein großes Feuer, oft auf einem Platz am Ortsrand. Davor wird häufig die Mantelteilung als kleines Martinsspiel nachgestellt, mit Reiter, Bettler und manchmal einem echten Pferd.
- Weckmann und Stutenkerl: Nach dem Zug bekommen Kinder vielerorts eine Figur aus süßem Hefeteig, im Rheinland Weckmann genannt, in Westfalen und im Ruhrgebiet Stutenkerl. Anderswo gibt es Martinsbrezeln oder Martinshörnchen. Die Tonpfeife im Arm des Weckmanns wird oft als umgedeuteter Bischofsstab erklärt, wann und warum aus dem Stab eine Pfeife wurde, ist aber nicht gesichert. In manchen Gegenden gehört der Weckmann eher zum Nikolaustag.
- Martinssingen: Kinder ziehen mit Laternen von Tür zu Tür, singen und bekommen Süßigkeiten. Im Rheinland heißt das je nach Ort Schnörzen, Gripschen oder Dotzen, im Bergischen Land Mätensingen. Das Klingeln an fremden Türen verbinden viele heute vor allem mit Halloween und seinen Halloween-Sprüchen, das Martinssingen ist im Rheinland aber seit Jahrhunderten belegt.
- Martini im Süden und in Österreich: In Bayern und Österreich ist die Kurzform Martini verbreitet. In Österreich gehören Martinigansl und junger Wein dazu, und im Burgenland, dessen Landespatron Martin ist, wird besonders ausgiebig gefeiert. In Teilen Süddeutschlands bringt der Pelzmärtel kleine Gaben.
- Sint-Maarten in den Niederlanden: Auch dort ziehen Kinder rund um den 11. November mit Laternen singend von Haus zu Haus.
Sankt Martin und Luther: der evangelische Martinstag
Dass auch evangelische Familien den Martinstag feiern, hat einen eigenen Grund: Martin Luther. Er kam am 10. November 1483 in Eisleben zur Welt und wurde am nächsten Tag getauft, also am Martinstag. Wie damals üblich, erhielt er den Namen des Tagesheiligen. In evangelisch geprägten Gegenden, vor allem im Norden, entwickelte sich daraus das Martinisingen am Abend des 10. November: Kinder ziehen mit Laternen los und singen, der Anlass ist hier Luthers Geburtstag. Ältere Martinslieder wurden dafür umgedichtet. In Erfurt, wo Luther studierte und ins Kloster eintrat, wird am 10. November auf dem Domplatz ein Martinsfest gefeiert, das an beide Namensträger erinnert.
Heute verschwimmt der Unterschied vielerorts. Viele evangelische Gemeinden feiern ebenfalls am 11. November und erzählen die Mantelgeschichte, und auch im evangelischen Kalender ist der Tag ein Gedenktag für Martin von Tours. Für Kinder zählt ohnehin vor allem die eigene Laterne.
Laternenlieder: die bekanntesten Martinslieder
Ohne Singen kein Umzug. Die meisten Kinder lernen die Lieder in Kita und Grundschule, und viele Erwachsene können sie Jahrzehnte später noch auswendig. Wir nennen hier bewusst nur die Titel: Von den älteren Liedern kursieren viele regionale Textfassungen, und neuere Laternenlieder haben Urheber, deren Texte geschützt sind. Die Liedblätter deiner Kita, Schule oder Gemeinde enthalten in der Regel die Fassung, die vor Ort gesungen wird.
- „Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind“: erzählt die Mantelteilung in mehreren Strophen und ist für viele das Martinslied schlechthin.
- „Ich geh mit meiner Laterne“: mit dem lautmalerischen Kehrreim, den schon die Kleinsten mitsingen, auch beim Martinisingen im Norden beliebt.
- „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne“: kurz, eingängig und für Krippen- und Kitagruppen gut geeignet.
- „Durch die Straßen auf und nieder“: ein jüngeres Lied mit Text von Lieselotte Holzmeister und Melodie von Richard Rudolf Klein.
Dazu kommen vielerorts Mundartlieder fürs Martinssingen, die oft nur in einem einzigen Ort gesungen werden. Frag ruhig ältere Nachbarn danach.
Sankt Martin mit Kindern: Ablauf, Laterne und Teilen
Die meisten Martinsumzüge finden in den Tagen um den 11. November statt. Kitas, Schulen und Pfarreien legen ihre Termine selbst fest, oft gibt es in einem Ort mehrere Züge. Der Ablauf ähnelt sich fast überall: Man trifft sich an Kirche, Schule oder Kita, oft gibt es eine kurze Andacht oder ein Martinsspiel. Dann setzt sich der Zug in Bewegung, vorneweg Sankt Martin hoch zu Ross, dahinter eine Kapelle und die Kinder mit ihren Laternen. Am Ziel brennt das Martinsfeuer, es wird noch einmal gesungen, und zum Schluss gibt es Weckmann, Brezel oder warmen Kinderpunsch. Für Kleinkinder reicht oft ein Teil der Strecke, eine Stunde in der Novemberkälte kann lang werden.
Die Laterne entsteht meist in der Kita oder am Küchentisch, etwa aus einer runden Käseschachtel, Pappe und Transparentpapier. Als Licht empfehlen viele Einrichtungen inzwischen einen elektrischen Laternenstab mit LED statt einer Kerze: Damit fängt die Laterne kein Feuer, wenn sie schwankt oder herunterfällt, und das Licht hält den ganzen Abend durch. Helle Kleidung oder Reflektoren helfen auf dem Heimweg, und am Martinsfeuer gilt einfach: Abstand halten und kleine Kinder an die Hand nehmen.
Der Kern des Festes passt in einen Satz, den schon Kindergartenkinder verstehen: Martin hat geteilt. Lohnend ist dabei ein Detail: Er gab nicht den ganzen Mantel weg, sondern die Hälfte. Teilen heißt also nicht, selbst nichts mehr zu haben, sondern so abzugeben, dass beide etwas davon haben. Daraus lassen sich kleine Rituale machen: den Weckmann mit dem Geschwisterkind brechen, ein Kind aus der Nachbarschaft zum Umzug mitnehmen oder beim Abendessen überlegen, wem in der Familie oder im Haus gerade etwas fehlt. Eine schöne Frage für den Abend lautet: Wer hat heute mit dir geteilt, und mit wem hast du geteilt?
Kurze Martinsverse und Sprüche zum Martinstag
Die folgenden Verse haben wir selbst geschrieben. Du kannst sie für die Kita-Pinnwand, eine Karte oder zum Aufsagen am Martinsfeuer frei verwenden. Wer längere Verse über Nebel, Laub und kurze Tage sucht, wird bei unseren Herbstgedichten fündig.
Sankt Martin reitet durch die Nacht, / hat seinen Mantel mitgebracht. / Er teilt ihn mit dem armen Mann / und zeigt uns, wie man teilen kann.
Ein halber Mantel, warm und weit, / hat einen Menschen froh gemacht. / Wer teilt, der schenkt Geborgenheit / und Licht in einer kalten Nacht.
Ich zieh hinaus in Wind und Nacht / und sing in allen Gassen. / Ein Licht, von Kinderhand gemacht, / will keinen frieren lassen.
Die Gans ist knusprig, Rotkohl dampft, / die Schüsseln voll bis an den Rand. / Am schönsten ist am Martinstag / noch Platz am Tisch für jede Hand.
Und für eine kurze Nachricht oder die Karte:
- Ein halber Mantel hat gereicht, um eine Geschichte zu schreiben, die seit über sechzehnhundert Jahren erzählt wird.
- Fröhlichen Martinstag! Möge dein Licht heute jemanden erreichen, der es gerade braucht.
- Teilen macht nicht ärmer. Es macht nur den Abend heller.
Nach dem Martinstag rückt der Dezember schnell näher: Für den 6. Dezember gibt es Nikolaussprüche und längere Nikolausgedichte, für die Wochen danach Adventsgedichte und Adventsgrüße.
Häufige Fragen
Warum feiert man den Martinstag?
Man feiert den Martinstag zur Erinnerung an Martin von Tours, einen Bischof des 4. Jahrhunderts, der der Legende nach seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte. Der 11. November ist der überlieferte Tag seiner Beisetzung. Im Mittelpunkt steht der Gedanke des Teilens, dazu kommen alte Bräuche rund um Erntejahr, Zinstermin und den früheren Fastenbeginn vor Weihnachten.
Warum ist Martini am 10. November?
Eigentlich ist Martini der 11. November. Viele Bräuche finden aber am Vorabend statt, denn Martinsfeuer und Martinssingen waren seit jeher Abendbräuche, und kirchliche Feste begannen traditionell schon am Abend davor. In evangelischen Gegenden kommt Luthers Geburtstag am 10. November hinzu, dort ziehen Kinder an diesem Abend zum Martinisingen los.
Warum essen wir zu St. Martin eine Gans?
Die Martinsgans hat vermutlich praktische Gründe: Am Martinstag waren Pacht und Abgaben fällig, die oft in Gänsen beglichen wurden, und vor dem Winter wurde geschlachtet. Außerdem war Martini der letzte Festtag vor der früheren Fastenzeit bis Weihnachten. Die Geschichte vom Gänsestall, in dem sich Martin versteckt haben soll, ist eine viel spätere Legende.
Wie wird der Martinstag noch genannt?
Gebräuchlich sind auch Martini, Martinsfest und Sankt Martin, kurz St. Martin. In Bayern und Österreich sagt man meist Martini, den Vorabend nennen viele Martinsabend. Für das Singen an den Haustüren gibt es eigene regionale Namen, etwa Martinisingen im Norden, Schnörzen oder Gripschen im Rheinland und Mätensingen im Bergischen Land.
Ist der Martinstag ein Feiertag?
Ein gesetzlicher Feiertag ist der Martinstag in keinem deutschen Bundesland, Schulen, Geschäfte und Behörden haben also normal geöffnet. Kirchlich ist er ein Gedenktag. Die Umzüge finden deshalb meist am frühen Abend statt, wenn Kinder und Eltern Zeit haben. 2026 fällt der 11. November auf einen Mittwoch, 2027 auf einen Donnerstag.
Fazit: ein Fest mit Licht und einer einfachen Botschaft
Sankt Martin ist ein Fest mit vielen Schichten: ein Bischof des 4. Jahrhunderts, den wir fast nur durch einen begeisterten Zeitgenossen kennen, ein Stichtag im bäuerlichen Jahr, der letzte Schmaus vor einer vergessenen Fastenzeit und ein Laternenzug, den das 19. Jahrhundert aus wilden Feuerbräuchen geformt hat. Die Gans verdankt sich eher fälligen Abgaben als frommen Legenden. Geblieben ist eine Botschaft, die Kinder sofort verstehen: Wer die Hälfte abgibt, hat immer noch genug, und ein kleines Licht macht eine dunkle Straße für alle heller.








