Lustige Weihnachtsgedichte haben ihren großen Auftritt in dem Moment, in dem alle satt unterm Baum sitzen, die Kerzen brennen und niemand so recht weiß, wer jetzt etwas sagen soll. Vier gereimte Zeilen über eine verknotete Lichterkette lösen diese feierliche Starre schneller als jede Rede. Auf dieser Seite findest du 43 eigene Verse mit Pointe – sortiert nach Plätzchen, Baum, Geschenken, Familie, Pannen beim Weihnachtsmann, für Kinder, für Erwachsene, für die Weihnachtsfeier und für WhatsApp.
Dazu kommen vier heitere Klassiker, deren Verfasser seit über siebzig Jahren tot sind, mit am Original geprüftem Wortlaut, und am Schluss ein Kapitel darüber, wie eine Pointe beim Vortragen tatsächlich zündet. Der Schrägstrich markiert jeweils den Zeilenumbruch. Alle eigenen Verse darfst du frei verwenden. Suchst du ernste oder besinnliche Strophen, wirst du bei den Weihnachtsgedichten fündig; Humor ohne Reim steht bei den lustigen Weihnachtsgrüßen.
Was ein lustiges Weihnachtsgedicht zum Lachen bringt
Der Witz eines Weihnachtsgedichts entsteht fast immer aus Fallhöhe. Die Form klingt feierlich – Paarreim, ruhiger Takt, Wörter wie Kerzenschein und Heiligabend –, und dann landet die letzte Zeile mitten im Alltag: bei der Katzenklappe, beim leeren Raclette-Pfännchen, beim Hund. Je ernster die ersten drei Zeilen daherkommen, desto lauter wird gelacht.
Drei Bauformen tauchen in den Versen unten immer wieder auf:
- Steigerung mit Absturz: Erst läuft alles nach Plan, Schritt für Schritt, und im letzten Schritt kippt die Reihe. Das funktioniert, weil das Ohr nach zwei Wiederholungen eine dritte erwartet.
- Perspektivwechsel: Der Weihnachtsmann, ein Schneemann oder ein Kind erzählt. Wer aus einer fremden Sicht spricht, darf Dinge sagen, die in der eigenen Stimme frech wären.
- Das Reimwort als Pointe: Die Lacher kommen auf dem letzten Wort. Steht die Pointe mitten in der Zeile, verpufft sie, weil das Publikum noch auf den Reim wartet.
Eine Grenze gilt für alle drei: Gelacht wird über Situationen oder über dich selbst, nicht über einen Menschen, der mit am Tisch sitzt. Ein Onkel, der in der Pointe vorkommt, sollte mitlachen können.
Lustige Weihnachtsgedichte kurz: Vierzeiler mit Pointe
Vier Zeilen sind die ideale Länge für Humor: kurz genug zum Auswendiglernen, lang genug für Anlauf und Landung. Diese Strophen passen auf eine Karte, an den Platzteller oder als Einlage zwischen Hauptgang und Bescherung.
- Die Lichterkette, frisch entstaubt, / hat sich zum Wollknäul hochgeschraubt. / Drei Stunden lang knot ich sie frei – / dann leuchten von den hundert: drei.
- Am ersten Dezember, um Viertel nach acht, / hab ich das erste Türchen aufgemacht. / Um neun dann das letzte, ganz ohne Plan – / jetzt fängt das Warten erst richtig an.
- Die erste Strophe läuft wie Butter, / die zweite kennt nur noch die Mutter, / die dritte summt man irgendwie – / und eine vierte gab es nie.
- Der Schlitten steht seit Wochen hier, / gewachst und blank, gleich vor der Tür. / Am Heiligabend: Regen, Matsch. / Ich rodle trotzdem: Platsch, platsch, platsch.
- Ich schrieb dem Christkind, kurz und klar: / „Nur Ruhe bitte dieses Jahr.“ / Es kam: ein Schlagzeug für den Sohn / vom Nachbarn drüben. Danke schon.
- In unsrer Krippe, warm und klein, / liegt heuer nicht das Jesulein: / Der Dackel hat sich reingelegt / und schnarcht, dass sich kein Ochse regt.
Plätzchen, Gans und Festessen
Rund ums Essen sitzen die sichersten Lacher, weil jeder am Tisch dieselbe Erfahrung teilt: Es ist immer zu viel, und es dauert immer zu lange. Die Verse eignen sich als Tischrede vor dem ersten Bissen oder als Zettel unter dem Plätzchenteller.
- Laut Buch reicht dieser Teig für vier / Bleche mit Sternen. Aber hier, / nach dreimal Kosten, liegt allein / ein Stern. Der Rest? Ging roh hinein.
- Beim Raclette gilt ein stilles Recht: / Wer nicht aufpasst, der isst ganz schlecht. / Ich hol nur kurz den Pfeffer her, / komm wieder – und mein Pfännchen: leer.
- Die Oma möchte Gans wie immer, / die Tochter isst seit Mai vegan, / der Onkel will nur Würstchen, schlimmer: / Der Hund will alles. Und fängt an.
- Nach Gans und Klößen hört man klar: / „Ein Gang ums Haus wär wunderbar!“ / Wir stehn auch auf, ganz ohne Hast – / und schaffen’s bis zum Sofa. Rast.
Der Tannenbaum und seine Tücken
Kaum ein Gegenstand sorgt im Dezember für so viele kleine Dramen wie der Baum: Er ist zu groß, er steht nicht, er nadelt, und irgendwer klettert hinein. Wer schon einmal zu zweit am Christbaumständer gekniet hat, erkennt sich in mindestens einer Strophe wieder.
- Am Stand sah er ganz zierlich aus, / wir trugen stolz ihn heim ins Haus. / Doch drinnen dann – wie kann das sein? – / passt nur die untre Hälfte rein.
- „Ein Stück nach links!“ – „Jetzt rechts!“ – „Zurück!“ / So drehn wir Schrauben, Stück für Stück. / Nach einer Stunde steht er grade. / Dann fällt er um. Na, das ist schade.
- Die Katze sieht den Baum und denkt: / „Ein Kletterbaum! Wie nett geschenkt!“ / Jetzt sitzt sie oben, stolz und keck, / und unser Stern? Der Stern ist weg.
- Der Baum hat Nadeln Tag und Nacht / ins Sofa und den Flur gebracht. / Im Juli noch, ganz unverhofft, / singt man „O Tannenbaum!“ – und oft.
Geschenkechaos und Last-Minute-Einkauf
Geschenke sind die heimliche Hauptfigur des Abends, und genau deshalb lohnt sich der Spott über sie. Die folgenden Verse passen als Anhänger ans Päckchen – sie nehmen dem Geschenk die Erwartung und dem Schenkenden den Druck.
- Ich packe ein mit viel Gefühl / und Klebeband – ein bisschen viel. / Fängst du am Abend damit an, / bist du Silvester auch noch dran.
- Auch dieses Jahr kam’s über Nacht, / das Fest. Die Tankstelle hielt Wacht. / Drum gibt’s von dort, ganz unverhohlen, / Eiskratzer und zwei Sack voll Kohlen.
- Die Vase hier, ich muss gestehn, / die hast du sicher schon gesehn: / Du gabst sie mir im letzten Jahr. / Sie kehrt zurück. Wie wunderbar.
- „Ich wünsch mir nichts“, hast du gesagt. / Ich habe brav nicht nachgefragt / und schenk dir, wie du’s wolltest, bloß / ein leeres Päckchen. Riesengroß.
Wer in der Familie oder im Freundeskreis Geschenke auslost, findet beim Wichteln Regeln, Varianten und Ideen für kleine Budgets.
Familie unterm Baum
Weihnachten ist das Fest, an dem Menschen mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen vom Abend an einem Tisch landen. Humor hilft, wenn er die Lage beschreibt, statt Schuldige zu suchen – darum sind die Figuren hier austauschbar. Setz gern eure eigenen Namen ein.
- Familienfoto vor dem Baum, / zehn Leute, enger geht es kaum. / Wir lächeln, zählen bis auf drei – / und scharf ist nur der Hund dabei.
- Wir schworen uns am Morgen schon: / kein Wort von Politik und Lohn, / kein Wort von Erbe, Job und Kind. / Jetzt reden wir nur noch vom Wind.
- Ein Würfelspiel, ganz harmlos, klein, / um acht – so soll’s gemütlich sein. / Um zehn ruft Oma: „Das war Betrug!“ / Seitdem herrscht Schweigen. Laut genug.
- Am Heiligabend bei den Meinen, / am Fünfundzwanzigsten bei deinen, / am Sechsundzwanzigsten bei Paul – / am Siebenundzwanzigsten: faul.
Für die Stunden zwischen Essen und Bescherung, in denen solche Runden entstehen, gibt es bei den Weihnachtsspielen Quizfragen, Wichtelspiele und Ideen für Groß und Klein.
Pannen bei Weihnachtsmann und Christkind
Längere Gedichte mit kleiner Geschichte wirken am besten, wenn eine Person sie vorliest und die anderen nicht wissen, wohin es geht. Diese drei erzählen jeweils eine Panne und lösen sie in den letzten zwei Zeilen auf.
Kein Kamin
Der Weihnachtsmann, so hört man, steigt / durch den Kamin, wenn alles schweigt. / Bei uns im Neubau gibt’s doch keinen, / drum stand er da auf kalten Beinen. / Er schaute sich nach Wegen um / und lief dreimal ums Haus herum. / Dann nahm er, weil’s nicht anders ging, / die Katzenklappe. Und – er hing.
Das schlaue Haus
Wir haben jetzt ein schlaues Haus, / das kennt sich mit Besuchern aus. / Um Mitternacht, im dunklen Flur, / erfasste es den Bart – und schwur: / „Ein Fremder! Rot! Mit großem Sack!“ / Und rief die Polizei. Zack, zack. / Die Gaben kamen trotzdem, nur / im Streifenwagen. Halb vier Uhr.
Das Christkind trug Pantoffeln
Das Glöckchen klingelt hell im Flur: / Das Christkind war schon da! Doch nur / die Kleinste bleibt am Türrahmen stehn / und flüstert: „Ich hab’s doch gesehn! / Es trug, Mama, ich sag’s ja bloß, / Papas Pantoffeln. Und war groß.“ / Seitdem trägt unser Christkind sacht / nur Socken in der Heiligen Nacht.
Am 6. Dezember hat ein anderer Gabenbringer seinen Auftritt; heitere Verse aus seiner Sicht stehen bei den Nikolausgedichten.
Lustige Weihnachtsgedichte für Kinder zum Aufsagen
Kinder lieben Gedichte, in denen etwas schiefgeht, solange sie selbst die Pointe liefern dürfen. Die Verse sind kurz, kommen ohne schwierige Wörter aus und haben einen klaren Takt, den man mitklatschen kann. Mit ein paar Tagen Übung klappen sie ohne Zettel.
- Ich sag es laut, und es ist wahr: / Ich war ganz brav das ganze Jahr. / Na ja, fast ganz. So bis auf drei, / vier Tage. Fünf. Ist doch vorbei!
- Mein Schneemann hatte eine Nase, / die fraß am Morgen gleich ein Hase. / Jetzt steht er da, ganz ohne Duft, / und schnuppert nur noch kalte Luft.
- Den Teller für den Weihnachtsmann / hab ich gefüllt, so gut ich kann. / Doch weil er gar nicht kommen wollte, / aß ich, was er bekommen sollte.
- Ich warf den Schneeball hoch und weit – / genau auf Opa. Tut mir leid! / Doch Opa lacht und wirft zurück – / jetzt bin ich weiß. Was für ein Glück!
- Im Krippenspiel bin ich der Stern, / ich leuchte hell und mach das gern. / Doch einmal lief ich in den Saal / der Nachbarklasse. Ganz egal: / Die Könige folgten treu dem Licht / und sangen dort. Gestört hat’s nicht.
Augenzwinkernde Weihnachtsgedichte für Erwachsene
Für Erwachsene darf der Humor eine Spur trockener werden: Glühwein, Pullover mit Batterie, nächtliche Montage von Kinderspielzeug. Anzüglich muss es dafür nicht werden – die Verse funktionieren auch, wenn die Schwiegereltern zuhören.
- Den Mistelzweig hab ich gehängt / und mich darunter hingedrängt. / Wer kam nach einer Stunde Wacht? / Der Bote mit Paket. Er lacht.
- Der erste Glühwein wärmt die Hand, / der zweite macht mich sehr charmant, / beim dritten sing ich – weiß nicht wie – / den vierten trink ich lieber nie.
- Mein Pulli blinkt, mein Pulli singt, / sobald man nur die Arme schwingt. / Die Batterie hält bis Silvester – / ich klinge wie ein Blasorchester.
- Es ist schon eins. Wir schrauben still / am Kaufmannsladen, den sie will. / Zwei Schrauben bleiben übrig. Gut: / Wir nennen das jetzt Übermut.
Lustige Weihnachtsgedichte für die Weihnachtsfeier
Auf der Feier mit Kollegen oder im Verein trägt ein Gedicht, das alle betrifft und niemanden bloßstellt. Am sichersten ist Selbstironie: Wer über die eigene Rede oder den eigenen Schreibtisch reimt, hat den Saal auf seiner Seite. Programmideen rund um den Vortrag findest du bei den Ideen für die Weihnachtsfeier.
- Die Duftkerze mit Zimt und Nelke / wandert seit Jahren durch das Haus: / Wer sie bekommt, stellt sie ins Fach / und wichtelt sie im Jahr drauf raus.
- Die Feier läuft per Video, / wir prosten in die Kamera. / Ich halte meine schönste Rede – / mein Mikrofon war aus. Na ja.
- Kurz vor der Feier, halb nach drei, / schwebt noch ein Auftrag schnell herbei: / „Nur eine Kleinigkeit, ganz bequem!“ / Ich lächle: „Sicher. Kein Problem.“ / Er liegt jetzt gut in meinem Fach – / bis Januar. Dann werd ich wach.
Weihnachtsgedichte lustig für WhatsApp: Zweizeiler
Im Chat liest niemand acht Zeilen. Zwei gereimte Zeilen dagegen passen in eine Vorschau und brauchen keinen Kontext. Kopier sie in die Gruppe oder unter ein Foto vom Festtagsteller. Weitere Einzeiler ohne Reim sammeln die Weihnachtssprüche.
- Statt Päckchen schick ich nur per Handy diesen Reim – / der ist als Einziges pünktlich bei dir daheim.
- Mein Akku reicht nur noch für diese Zeilen: / Frohe Weihnachten! Ich muss mich jetzt beeilen.
- Die Gans ist knusprig, der Baum steht krumm – / frohe Weihnachten, und frag nicht, warum.
- Ich wünsch dir Plätzchen, Glanz und Ruh / und drei Tage Jogginghose dazu.
- Ein Gruß vom Sofa, satt und rund: / Frohe Weihnachten, bleib gesund!
- Ich wollte singen, doch du hast Glück: / Ich schick nur Text. Kein Ton. Kein Stück.
Heitere Klassiker: gemeinfrei und am Original geprüft
Wer in den Sammlungen von Wikisource oder Projekt Gutenberg-DE stöbert, findet vor allem fromme und gemütvolle Weihnachtslyrik; komische Texte sind dort die Ausnahme. Die Volkskundlerin Ingeborg Weber-Kellermann hat in ihrer Kulturgeschichte des Weihnachtsfests beschrieben, wie sich Christbaum, Bescherung und Familienidyll im Bürgertum dieser Zeit verfestigt haben – genau dieses Idyll nehmen die folgenden Dichter aufs Korn. Die vier Wortlaute unten sind an diesen Ausgaben gegengelesen.
Joachim Ringelnatz: „Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Daddeldu“
Ringelnatz (1883–1934) schickt seinen Matrosen am Heiligabend an Land. Eigentlich will Daddeldu mit seiner Braut feiern, landet aber im Lokal „König von Schweden“, verschenkt sein Mitbringsel an fremde Gäste, und irgendwann brennt der Weihnachtsbaum. Das Gedicht steht im Band „Kuttel Daddeldu“ (hier nach der Ausgabe von 1924) und beginnt so:
Die Springburn hatte festgemacht / Am Petersenkai. / Kuttel Daddeldu jumpte an Land, / Durch den Freihafen und die stille heilige Nacht
Mit Kneipenschlägerei und Schnaps ist es ein Text für die Runde der Erwachsenen, nicht für den Kindertisch.
Joachim Ringelnatz: „Einsiedlers heiliger Abend“
Leiser, aber nicht weniger komisch: Ein Einzelgänger schlägt sich einen krummen Baum, schmückt ihn mangels Kugeln mit Besteck und Trichter, kocht Erbsensuppe und öffnet nicht, als es klopft. Das Gedicht ist in der Sammlung „103 Gedichte“ (1933) enthalten. Die erste Strophe:
Ich hab’ in den Weihnachtstagen – / Ich weiß auch, warum – / Mir selbst einen Christbaum geschlagen, / Der ist ganz verkrüppelt und krumm.
Kurt Tucholsky: „Großstadt-Weihnachten“
Tucholsky (1890–1935) veröffentlichte die Verse unter dem Pseudonym Theobald Tiger am 25. Dezember 1913 in der Zeitschrift „Die Schaubühne“. Er beobachtet das Berliner Weihnachtstreiben mit spitzer Feder, vom Geschenkeumtausch bis zum satten Bürger nach dem Karpfen. Die dritte Strophe:
Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen / auf einen stillen heiligen Grammophon. / Das Christkind kommt und ist bereit zu tauschen / den Schlips, die Puppe und das Lexikohn.
Christian Morgenstern: „Das Weihnachtsbäumlein“
Für Kinder eignet sich Morgensterns Märchen vom Tännchen, das nach dem Fest im Garten verdorrt, bis der Gärtner es zum Heizen holt – mit einem überraschend fröhlichen letzten Funkenflug. Es ist im Band „Klein Irmchen“ (1921) enthalten, der sieben Jahre nach Morgensterns Tod herauskam. Der Anfang:
Es war einmal ein Tännelein, / mit braunen Kuchenherzlein / und Glitzergold und Äpflein fein / und vielen bunten Kerzlein
Von Wilhelm Busch wird zu Weihnachten vor allem „Der Stern“ zitiert – ein hintersinniges, kein komisches Gedicht; es steht mit Wortlaut bei den Weihnachtsgedichten. Viele der heute beliebtesten heiteren Texte sind dagegen noch geschützt: Loriots „Advent“, „Die Weihnachtsmaus“ von James Krüss und alles von Heinz Erhardt. Du darfst sie nennen und im Familienkreis vortragen, solltest sie aber nicht abtippen und online stellen.
Mit Pointe vortragen: Timing unterm Baum
Ein lustiges Gedicht scheitert selten am Text, sondern am Timing. Diese Regeln gelten für das Kind unterm Baum genauso wie für die Rede auf der Firmenfeier.
- Nicht ankündigen, dass es lustig wird. Wer sagt „Jetzt kommt was zum Lachen“, nimmt der Pointe die Überraschung. Ein neutrales „Ich hab da ein paar Zeilen“ reicht.
- Ernst bleiben. Je feierlicher du die ersten Zeilen sprichst, desto stärker wirkt der Absturz. Wer beim eigenen Witz schon vorher grinst, verrät ihn.
- Vor dem letzten Wort eine Pause. Eine Sekunde Stille vor dem Reimwort gibt dem Publikum Zeit, die Pointe selbst zu ahnen – und genau das macht den Lacher aus.
- Den Lacher abwarten. Sprichst du sofort weiter, geht die nächste Zeile im Gelächter unter. Bei längeren Gedichten lohnt eine Pause nach jeder Strophe, die zündet.
- Ein Requisit hilft. Ein Glöckchen beim Christkind-Gedicht, eine Socke beim Pantoffel-Vers: Ein Gegenstand gibt den Händen etwas zu tun und dem Publikum etwas zu sehen.
- Nervosität umdeuten. In Experimenten der Psychologin Alison Wood Brooks (2014) schnitten Menschen beim Singen und bei Reden besser ab, wenn sie sich vorher sagten, sie seien aufgeregt im Sinne von freudig gespannt, statt sich zur Ruhe zu zwingen. Für den Auftritt unterm Baum heißt das: Herzklopfen ist Vorfreude.
Willst du einen der Verse lieber schriftlich verschenken, zeigt der Leitfaden zum Text für die Weihnachtskarte, wie Anrede, Gedicht und persönlicher Satz zusammenpassen.
Häufige Fragen
Was ist ein lustiges Weihnachtsgedicht?
Ein lustiges Weihnachtsgedicht ist ein gereimter Text zum Fest, der die feierliche Form mit einer Pointe aus dem Alltag bricht – verknotete Lichterketten, misslungene Plätzchen, Pannen bei der Bescherung. Typisch sind vier bis acht Zeilen im Paarreim, bei denen der Witz im letzten Reimwort steckt. Es soll zum Lachen bringen, ohne jemanden im Raum vorzuführen.
Wie lang sollte ein Weihnachtsgedicht zum Aufsagen sein?
Zum Aufsagen sind vier bis acht Zeilen ideal; Kindergartenkindern genügen vier, Schulkinder schaffen oft auch acht. Als Faustregel sollte ein heiteres Gedicht nach etwa einer Minute vorbei sein, weil die Spannung bis zur Pointe sonst nachlässt. Lieber zwei kurze Gedichte nacheinander als ein langes, in dem sich die Lacher verlieren.
Welches lustige Weihnachtsgedicht ist kurz?
Kurz sind die Zweizeiler für WhatsApp und die Vierzeiler im ersten Abschnitt dieser Seite – etwa der Vers über die Lichterkette, bei der von hundert Lämpchen nur drei leuchten. Für Kinder eignen sich die vier Zeilen über den Schneemann, dessen Möhrennase ein Hase gefressen hat. Alle lassen sich in wenigen Minuten auswendig lernen.
Darf man bekannte Weihnachtsgedichte abschreiben?
Für die private Karte und den Vortrag in der Familie ja. Wer ein Gedicht öffentlich macht, etwa in sozialen Netzwerken, auf einer Website oder in einem gedruckten Vereinsheft, braucht die Erlaubnis der Rechteinhaber, solange der Text geschützt ist. Das Urheberrechtsgesetz behält Vervielfältigung und öffentliche Wiedergabe in § 15 dem Urheber vor. Frei sind Gedichte von Verfassern, die vor mehr als siebzig Jahren gestorben sind, etwa Ringelnatz, Tucholsky und Morgenstern.
Welches lustige Weihnachtsgedicht passt für die Weihnachtsfeier?
Für die Weihnachtsfeier passen Verse, die alle im Raum betreffen und niemanden bloßstellen: über das Wichtelgeschenk, das jedes Jahr weiterwandert, über die Feier per Video oder über den Auftrag, der kurz vor Feierabend noch hereinschneit. Selbstironie ist am sichersten, weil der Spott nur dich selbst trifft. Witze über einzelne Kollegen oder den Chef bleiben besser in der Schublade.
Gibt es lustige Weihnachtsgedichte von Ringelnatz?
Ja. Am bekanntesten ist „Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Daddeldu“, eine derbe Geschichte über einen Matrosen, dessen Heiligabend in einer Kneipe eskaliert. Leiser und tragikomisch ist „Einsiedlers heiliger Abend“ über einen Einzelgänger mit krummem Baum. Da Ringelnatz 1934 starb, sind beide Texte gemeinfrei und dürfen frei zitiert werden.
Fazit: feierlicher Ton, alltägliche Landung
Lustige Weihnachtsgedichte leben von einem einfachen Trick: Sie klingen wie ein Festgedicht und enden beim Dackel in der Krippe. Wer eine Strophe auswählt, die zur eigenen Runde passt, sie ernst vorträgt und vor dem letzten Wort kurz innehält, hat die Lacher sicher. Für den Rest des Abends darfst du dich dann wieder dem Pfännchen widmen – solange es noch voll ist.











