Weihnachtszitate von Dichtern, Predigern und Präsidenten klingen auf der Karte oft gewichtiger als jeder selbst gereimte Vers. Ob ein Satz wirklich von der Person stammt, deren Name darunter steht, lässt sich allerdings selten auf den ersten Blick sagen. Deshalb findest du hier nur Zitate zu Weihnachten, die wir an einer konkreten Stelle nachgelesen haben: in Charles Dickens’ „A Christmas Carol“, in der Lutherbibel von 1912, in Romanen von Goethe, Louisa May Alcott und Thomas Mann, in Kirchenliedern und in einem berühmten Zeitungsartikel aus New York.
Zu jedem Satz steht, wo er herkommt und wer ihn in welcher Lage sagt. Englische Zitate bekommen das kurze Original und eine deutsche Fassung, die wir selbst übersetzt haben. Ein eigener Abschnitt sammelt Sätze, die zwar unter einem großen Namen kursieren, sich dort aber nicht nachweisen lassen. Anonyme Kartentexte findest du dagegen bei den Weihnachtssprüchen, ganze Verse bei den besinnlichen Weihnachtsgedichten.
Zitate zu Weihnachten: Woran du ein echtes Zitat erkennst
Ein Spruch gehört allen, ein Zitat gehört jemandem. Diese einfache Unterscheidung hilft enorm, wenn du im Dezember durch Sammlungen im Netz scrollst. Hinter einem echten Zitat steht ein Text, den du aufschlagen kannst: ein Roman, ein Brief, eine Predigt, ein Lied, eine Zeitungsseite. Fehlt diese Angabe, ist der Name darunter zunächst nur eine Behauptung.
Für die Auswahl in diesem Artikel galten drei Regeln. Erstens: Jeder Satz wurde in einer Ausgabe des Werks nachgelesen, meist in den frei zugänglichen Volltexten bei Project Gutenberg. Zweitens: Wir zitieren wörtlich nur Autorinnen und Autoren, die vor mehr als siebzig Jahren gestorben sind, deren Texte also gemeinfrei sind. Drittens: Englische Sätze übersetzen wir selbst, weil auch ältere Übersetzungen eigene Rechte haben können, wenn der Übersetzer erst später gestorben ist.
Achte außerdem auf die Sprecherrolle: Bei Dickens sagt nicht der Autor „Humbug“, sondern sein Geizhals, und bei Goethe spricht ein verzweifelter Werther. Das gleiche Prinzip gilt bei den belegten Liebeszitaten, wo viele berühmte Sätze aus Theaterstücken stammen und einer Figur gehören.
Charles Dickens: Weihnachtszitate aus „A Christmas Carol“
Kein anderes Buch hat das Bild von Weihnachten im englischsprachigen Raum so geprägt wie „A Christmas Carol“, das im Dezember 1843 bei Chapman & Hall in London erschien. Dickens teilte die Geschichte nicht in Kapitel, sondern in fünf „Staves“, also Strophen, wie bei einem Lied. Die folgenden Stellen stammen aus dem englischen Text, die deutschen Fassungen sind eigene Übersetzungen.
- „I will honour Christmas in my heart, and try to keep it all the year.“ Eigene Übersetzung: „Ich will Weihnachten in meinem Herzen ehren und versuchen, es das ganze Jahr über zu bewahren.“ Vierte Strophe. Scrooge spricht den Satz am eigenen Grabstein, als er den Geist der künftigen Weihnacht anfleht, ihm eine zweite Chance zu lassen.
- „a kind, forgiving, charitable, pleasant time“ Eigene Übersetzung: „eine gütige, versöhnliche, mildtätige, freundliche Zeit“. Erste Strophe. So beschreibt Scrooges Neffe Fred das Fest, als ihn der Onkel mit seinem Spott abwimmeln will.
- „the only time I know of, in the long calendar of the year, when men and women seem by one consent to open their shut-up hearts freely“ Eigene Übersetzung: „die einzige Zeit im langen Kalender des Jahres, in der Männer und Frauen wie aus stillem Einverständnis ihre verschlossenen Herzen öffnen“. Erste Strophe, ebenfalls Fred. Der Satz geht noch weiter: Man denke dann an andere, als wären sie Mitreisende auf demselben Weg und nicht Wesen einer fremden Art.
- „God bless us every one!“ Eigene Übersetzung: „Gott segne uns, jeden Einzelnen!“ Dritte Strophe. Der kranke kleine Tim spricht den Segen als Letzter am Tisch der armen Familie Cratchit. Dickens wiederholt ihn im allerletzten Satz des Buches.
- „he knew how to keep Christmas well, if any man alive possessed the knowledge“ Eigene Übersetzung: „er verstand es, Weihnachten gut zu feiern, wenn überhaupt ein lebender Mensch dieses Wissen besaß“. Fünfte Strophe, das Urteil über den verwandelten Scrooge.
Für eine Karte eignet sich vor allem das Versprechen aus der vierten Strophe. Es trägt eine Idee, die viele Menschen an Weihnachten bewegt: dass die Freundlichkeit dieser Tage nicht am 27. Dezember enden muss.
Dickens hatte das Thema schon vorher entdeckt. In den „Pickwick Papers“, die 1836 und 1837 in Fortsetzungen erschienen, trägt das 28. Kapitel die Überschrift „A Good-humoured Christmas Chapter“. Darin steht ein Ausruf, der heute fast wie ein Programm für das Fest klingt: „Happy, happy Christmas, that can win us back to the delusions of our childish days“. Eigene Übersetzung: „Glückliche, glückliche Weihnacht, die uns zurückholen kann in die schönen Täuschungen unserer Kindertage“. Dickens fährt fort, das Fest bringe dem alten Mann die Freuden der Jugend zurück und versetze Seeleute und Reisende in Gedanken an den eigenen Herd.
Weihnachtszitate aus der Bibel nach Luther 1912
Die meisten Bibelworte, die an Weihnachten gelesen werden, stehen im zweiten Kapitel des Lukasevangeliums. Wir zitieren nach der revidierten Lutherbibel von 1912, deren Wortlaut gemeinfrei ist. Neuere Ausgaben formulieren an einigen Stellen anders, und auch die Verszählung kann abweichen. Den Lobgesang der Engel aus Vers 14 lassen wir hier aus, er steht bei den besinnlichen Weihnachtsgedichten.
- „Fürchtet euch nicht!“ – Lukas 2,10, der Beginn der Engelsbotschaft an die Hirten. Gleich danach kündigt der Engel eine „große Freude“ an, die dem ganzen Volk gelten soll. Den vollständigen Wortlaut bis zur Stadt Davids zitiert die Weihnachtsgeschichte für Kinder, dort auch in kindgerechter Nacherzählung.
- „Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“ – Lukas 2,7. Der nüchternste Satz der Erzählung.
- „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ – Lukas 2,19. Während alle anderen staunen und weitererzählen, bleibt Maria still. Viele Menschen wählen diesen Vers für eine nachdenkliche Karte.
- „Das Volk das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht“ – Jesaja 9,2 in der Zählung von 1912. Die Christenheit liest das Prophetenwort traditionell als Vorausdeutung auf Weihnachten.
- „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben“ – Jesaja 9,6 in der Zählung von 1912; neuere Lutherausgaben führen den Vers als 9,5.
- „Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht begriffen.“ – Johannes 1,5. Eine Krippe kommt bei Johannes nicht vor, sein Evangelium setzt beim Wort und beim Licht an.
Berühmte Zitate zu Weihnachten aus Kirchenlied und Dichtung
Viele Weihnachtszitate, die Menschen auswendig können, stammen gar nicht aus Büchern, sondern aus Liedern. Martin Luther schrieb 1535 „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, den Wortlaut der ersten Strophe findest du bei den Weihnachtsgedichten zusammen mit Theodor Storms „Knecht Ruprecht“, aus dem die Wendung „es weihnachtet sehr“ stammt.
Paul Gerhardt veröffentlichte 1653 sein Krippenlied „Ich steh an deiner Krippen hier“, aufgenommen in eine Neuauflage von Johann Crügers Gesangbuch. Die heute bekannte Melodie stammt von Johann Sebastian Bach und erschien 1736. Die ersten vier Zeilen lauten:
Ich steh an deiner Krippen hier, / o Jesu, du mein Leben; / ich komme, bring und schenke dir, / was du mir hast gegeben.
Bemerkenswert ist die Umkehrung im letzten Vers: Wer an der Krippe etwas schenkt, gibt nur zurück, was er selbst empfangen hat. Das passt auf eine Karte an Menschen, denen du für ein ganzes Jahr danken möchtest. Ein dritter Klassiker ist der Zweizeiler des Barockdichters Angelus Silesius (1624–1677) aus dem „Cherubinischen Wandersmann“, in dem die Geburt in Bethlehem erst dann etwas bedeutet, wenn sie auch im Innern des Menschen geschieht.
Weihnachtszitate aus Romanen: Goethe, Alcott und Thomas Mann
Romane zeigen Weihnachten selten als reines Idyll. Gerade deshalb liefern sie Sätze, die ehrlicher klingen als manche Grußkarte.
Johann Wolfgang von Goethe, „Die Leiden des jungen Werthers“ (1774). Am Sonntag vor Weihnachten besucht Werther Lotte, die gerade Spielsachen für ihre kleinen Geschwister herrichtet. Er erinnert sich an die Zeiten, da einen „die unerwartete Öffnung der Tür und die Erscheinung eines aufgeputzten Baumes mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln in paradiesische Entzückung setzte“. Wir zitieren nach der überarbeiteten Fassung, wie sie bei Project Gutenberg vorliegt. Die Stelle wird oft als eine der frühen literarischen Schilderungen eines geschmückten Christbaums genannt. Lotte antwortet freundlich und doch mit einer Grenze: „Donnerstag abend […] ist Weihnachtsabend, da kommen die Kinder, mein Vater auch, da kriegt jedes das Seinige“. Weitere geprüfte Sätze des Dichters stehen bei den Goethe-Zitaten.
Louisa May Alcott, „Little Women“ (1868). Der Roman beginnt mit einem Satz, den fast jede Familie kennt, auch ohne das Buch gelesen zu haben: „Christmas won’t be Christmas without any presents,“ grumbled Jo. Eigene Übersetzung: „Weihnachten ist kein richtiges Weihnachten ohne Geschenke“, murrte Jo, die auf dem Teppich liegt. Ihre Schwestern stimmen ein, und das ganze erste Kapitel erzählt, wie die vier Mädchen trotzdem ein Fest daraus machen.
Thomas Mann, „Buddenbrooks“ (1901). Thomas Mann starb 1955, seine Werke sind seit Anfang 2026 gemeinfrei. Im achten Kapitel des achten Teils erlebt der kleine Hanno das Fest bei der Großmutter. Mit einem Abreißkalender, den ihm seine Kinderfrau Ida angefertigt hat, verfolgt er „pochenden Herzens das Nahen der unvergleichlichen Zeit“. Später steht er vor der verschlossenen Flügeltür, durch deren Spalten der Tannenduft dringt. Kaum ein Roman fängt die Erwartung eines Kindes am Heiligabend so genau ein.
Zitate zu Weihnachten über Kinder und Kindheit
Erwachsene feiern Weihnachten oft mit dem Blick zurück. Die schönsten Zitate zu diesem Gefühl stammen von Autoren, die selbst Kinder beobachteten oder sich an die eigene Kindheit erinnerten.
- „it is good to be children sometimes, and never better than at Christmas, when its mighty Founder was a child himself.“ Eigene Übersetzung: „es tut gut, manchmal Kinder zu sein, und nie besser als an Weihnachten, da sein mächtiger Stifter selbst ein Kind war.“ Charles Dickens, „A Christmas Carol“, dritte Strophe, bei der Feier im Haus von Fred, wo die Gäste Pfänderspiele und Blindekuh spielen.
- „Yes, Virginia, there is a Santa Claus.“ Eigene Übersetzung: „Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann.“ Am 21. September 1897 beantwortete die New Yorker Zeitung „The Sun“ den Brief der achtjährigen Virginia O’Hanlon. Verfasser war der Redakteur Francis Pharcellus Church, was erst nach seinem Tod 1906 bekannt wurde. Er schrieb, den Weihnachtsmann gebe es so gewiss, wie es Liebe, Großzügigkeit und Hingabe gebe.
Zwei Märchen gehören in diese Reihe, auch wenn wir sie hier nur nacherzählen. In E. T. A. Hoffmanns „Nussknacker und Mausekönig“ von 1816 dürfen die Geschwister Fritz und Marie am 24. Dezember den ganzen Tag nicht in das Zimmer, in dem die Bescherung vorbereitet wird. Hans Christian Andersen erzählt 1844 in „Der Tannenbaum“ von einem Baum, der nie mit dem Augenblick zufrieden ist und erst ganz am Ende, verdorrt im Hof, begreift, wie schön sein Abend im Lichterglanz war. Am Ende seufzt er auf Dänisch „Forbi! forbi!“, also „Vorbei, vorbei!“. Für Erwachsene ist das vielleicht das traurigste und klügste Weihnachtszitat überhaupt: Freu dich, solange du mittendrin bist.
Zitate Weihnachten besinnlich: über Stille, Haltung und Mitgefühl
Besinnliche Zitate fragen weniger nach Geschenken als nach der inneren Verfassung, mit der man in die Festtage geht. Ein Präsident und ein Erzähler aus New York beantworten sie überraschend ähnlich.
- „Christmas is not a time or a season, but a state of mind.“ Eigene Übersetzung: „Weihnachten ist kein Zeitpunkt und keine Jahreszeit, sondern eine Geisteshaltung.“ Calvin Coolidge, Weihnachtsbotschaft an die amerikanische Bevölkerung, 1927. Der Präsident schrieb sie von Hand auf Briefpapier des Weißen Hauses und bat die Zeitungen, sie abzudrucken. Der nächste Satz: „To cherish peace and good will, to be plenteous in mercy, is to have the real spirit of Christmas.“ Eigene Übersetzung: „Frieden und guten Willen zu pflegen und reich an Barmherzigkeit zu sein, das ist der wahre Geist von Weihnachten.“
- „Of all who give gifts these two were the wisest.“ Eigene Übersetzung: „Von allen, die Geschenke machen, waren diese beiden die weisesten.“ O. Henry, „The Gift of the Magi“ (1905). Ein junges Paar verkauft heimlich das Wertvollste, das jeder besitzt, um dem anderen ein Geschenk zu kaufen. Die Pointe: Beide Geschenke sind dadurch nutzlos geworden, und trotzdem nennt der Erzähler die zwei Weise wie die Könige an der Krippe.
Beide machen Weihnachten nicht am Kalender fest, sondern am Verhalten: am Frieden, an der Barmherzigkeit, am Verzicht zugunsten eines anderen. Für das stille Innehalten steht außerdem der Marienvers aus Lukas 2,19, den du oben bei den Bibelzitaten findest. Wer jemandem schreiben möchte, der die Feiertage allein verbringt, findet passende eigene Worte bei den besinnlichen Weihnachtsgrüßen.
Weihnachtszitate mit Humor: Scrooge, Jo und andere Festmuffel
Nicht jeder Satz über Weihnachten muss feierlich sein. Einige der beliebtesten Zitate stammen von Figuren, die das Fest zunächst gar nicht mögen, und gerade das macht sie sympathisch.
- „Bah!“ said Scrooge, „Humbug!“ Eigene Übersetzung: „Pah!“, sagte Scrooge, „Humbug!“ Charles Dickens, „A Christmas Carol“, erste Strophe. Das englische „Humbug“ bedeutet so viel wie Schwindel oder Unfug. Seit Dickens ist es die Standardantwort aller Weihnachtsmuffel.
- „I am as light as a feather, I am as happy as an angel, I am as merry as a schoolboy.“ Eigene Übersetzung: „Ich bin leicht wie eine Feder, glücklich wie ein Engel, vergnügt wie ein Schuljunge.“ Fünfte Strophe. Scrooge wacht am Weihnachtsmorgen auf, lacht und weint zugleich und verheddert sich dabei in seinen Strümpfen.
- „Christmas won’t be Christmas without any presents.“ Jo March aus „Little Women“ ist die Schutzheilige aller, die im Dezember ehrlich zugeben, dass sie sich auf Päckchen freuen.
Ein „Humbug!“ auf der Bürokarte wirkt charmant, wenn der Rest des Textes herzlich ist. Kartentexte mit Augenzwinkern ganz ohne berühmten Namen stehen in der großen Spruchsammlung bei den lustigen Weihnachtssprüchen.
Weihnachtszitate kurz: Zeilen für Karte und Geschenkanhänger
Auf einen Anhänger passen selten mehr als zehn Wörter. Diese kurzen Weihnachtszitate stammen alle aus den Abschnitten oben, mit Name und Fundstelle, damit du sie korrekt daruntersetzen kannst:
- „Fürchtet euch nicht!“ – Lukas 2,10 nach Luther 1912
- „Gott segne uns, jeden Einzelnen!“ – Dickens, „A Christmas Carol“, eigene Übersetzung
- „Ich will Weihnachten in meinem Herzen ehren.“ – Dickens, „A Christmas Carol“, gekürzt, eigene Übersetzung
- „Weihnachten ist eine Geisteshaltung.“ – nach Calvin Coolidge, 1927, gekürzt, eigene Übersetzung
- „Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann.“ – „The Sun“, New York, 1897, eigene Übersetzung
- „Euch ist heute der Heiland geboren“ – Lukas 2,11 nach Luther 1912, gekürzt
- „Pochenden Herzens das Nahen der unvergleichlichen Zeit“ – Thomas Mann, „Buddenbrooks“
Wenn du ein Zitat kürzt, kennzeichne das: mit dem Wort „gekürzt“ oder mit eckigen Klammern und drei Punkten an der Stelle, an der etwas fehlt. So bleibt der Satz ehrlich, auch wenn er auf ein kleines Kärtchen passen muss.
Zugeschrieben, aber unbelegt: Weihnachtszitate mit Fragezeichen
Je beliebter ein Satz, desto öfter wandert er von Name zu Name. Bei Weihnachtszitaten fällt das besonders auf, weil jedes Jahr neue Bilder mit alten Sätzen geteilt werden. Zwei Beispiele zeigen, wie solche Zuschreibungen entstehen.
„Wer Weihnachten nicht im Herzen trägt, wird es nie unter einem Baum finden.“ Im Englischen wird der Satz meist dem methodistischen Prediger Roy L. Smith (1887–1963) zugeordnet. Der früheste Beleg mit seinem Namen, den Zitatforscher bisher gefunden haben, steht in einer Zitatensammlung von 1966, also nach seinem Tod. Ähnliche Fassungen ohne Namen tauchten schon in den 1940er-Jahren in amerikanischen Zeitungen auf. Einen verwandten Gedanken formulierte Helen Keller bereits 1906. Ob Smith den Satz geprägt oder nur verbreitet hat, ist offen. Schreib ihn also lieber mit dem Zusatz „zugeschrieben“ auf die Karte.
„Weihnachten, Kinder, ist kein Datum, sondern eine Geisteshaltung.“ Diese Fassung wird oft der amerikanischen Schriftstellerin Mary Ellen Chase zugeschrieben, in Zeitungen der späten 1940er-Jahre aber auch dem Journalisten Heywood Broun. Ein Originaltext ist für keinen der beiden nachgewiesen. In Chases Weihnachtsbuch „Mary Christmas“ von 1926 haben wir den Satz im Volltext gesucht und nicht gefunden. Auffällig ist die Nähe zur Botschaft von Calvin Coolidge aus dem Jahr 1927, die gut belegt ist. Vermutlich hat sich hier ein echtes Zitat beim Weitererzählen verändert und einen neuen Namen bekommen.
Auch unter dem Namen Astrid Lindgren werden im Dezember viele Sätze geteilt, meist ohne Buchtitel. Ob sie wirklich aus ihren Büchern stammen, lässt sich so nicht prüfen. Ein Zitat ohne Werkangabe ist bei ihr wie bei allen anderen ein Grund, genauer hinzusehen.
So setzt du ein Weihnachtszitat richtig ein
Allein auf weißem Karton wirkt selbst der schönste Satz etwas verloren. Ein Satz von Dickens auf der Vorderseite und zwei eigene Zeilen darunter sagen mehr als drei aneinandergereihte Klassiker.
- Nenne Name und Werk. „Charles Dickens, A Christmas Carol“ genügt. Bei Bibelversen gehören Buch, Kapitel und Vers dazu.
- Prüf die Rechte, wenn du druckst. In Deutschland sind Texte siebzig Jahre nach dem Tod des Urhebers frei, gezählt ab dem Ende des Todesjahres. Für eine private Karte ist das selten ein Problem, für Kalender, Postkarten zum Verkauf oder eine Firmenkarte schon eher.
- Übersetzungen haben eigene Urheber. Eine moderne deutsche Übertragung von Dickens ist geschützt, auch wenn das Original frei ist. Nutze das englische Original, eine alte gemeinfreie Übersetzung oder formuliere selbst und schreib „eigene Übersetzung“ dazu.
- Achte auf den Empfänger. Bibelverse berühren gläubige Menschen, im Büro passen Dickens oder Coolidge oft besser.
- Passe das Zitat an den Tag an. Für den 24. Dezember passen andere Worte als für die Karte, die schon Mitte Dezember im Briefkasten liegt. Ideen für den Heiligen Abend selbst findest du bei den Heiligabend-Grüßen.
Häufige Fragen
Welche berühmten Zitate gibt es zu Weihnachten?
Zu den berühmtesten gehören Scrooges Versprechen aus Dickens’ „A Christmas Carol“, Weihnachten im Herzen zu ehren, der Segen des kleinen Tim, das „Fürchtet euch nicht!“ aus Lukas 2,10 und „Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann“ aus der New Yorker „Sun“ von 1897. Im Deutschen sind außerdem Liedzeilen von Luther, Gerhardt und Storm weit verbreitet.
Welche Zitate von Astrid Lindgren gibt es zu Weihnachten?
Astrid Lindgren starb 2002, ihre Texte sind daher urheberrechtlich geschützt, und wir geben sie hier nicht wörtlich wieder. Weihnachtliche Geschichten von ihr sind etwa „Tomte Tummetott“ über einen Wichtel, der in der Winternacht über den Hof wacht, „Weihnachten im Stall“ und „Wie wir in Bullerbü Weihnachten feiern“. Wer einen Satz daraus verwenden möchte, schlägt am besten das Buch selbst auf, nennt den Titel und verzichtet auf Sätze, die ohne Fundstelle im Netz kursieren.
Was ist ein kurzer, lustiger Weihnachtsspruch?
Ein kurzer, lustiger Spruch lebt von einer kleinen Pointe aus dem Festalltag, zum Beispiel: „Mein Weihnachtswunsch: eine Lichterkette, die schon beim ersten Versuch leuchtet.“ Oder: „Ich bin nicht satt, ich mache nur eine Plätzchenpause.“ Wer lieber einen berühmten Namen darunter hätte, greift zu Scrooges „Pah, Humbug!“ und lässt die Karte danach herzlich weiterlaufen.
Was ist das bekannteste Weihnachtszitat aus der Bibel?
Am bekanntesten ist die Botschaft des Engels an die Hirten in Lukas 2,10–11, die mit „Fürchtet euch nicht!“ beginnt, dicht gefolgt vom Lobgesang „Ehre sei Gott in der Höhe“ in Vers 14. Beide Stellen werden in vielen Familien am Heiligabend vorgelesen und in fast jedem Krippenspiel gesprochen.
Was hat Charles Dickens über Weihnachten gesagt?
In „A Christmas Carol“ von 1843 lässt Dickens den bekehrten Scrooge versprechen, Weihnachten im Herzen zu ehren und das ganze Jahr zu bewahren. Scrooges Neffe nennt das Fest eine gütige, versöhnliche Zeit, in der Menschen ihre Herzen öffnen. Schon 1836 und 1837 widmete Dickens in den „Pickwick Papers“ dem Fest ein eigenes Kapitel.
Darf ich Weihnachtszitate auf Karten drucken lassen?
Für die private Karte an Freunde und Familie ist ein kurzes, korrekt gekennzeichnetes Zitat in der Regel unproblematisch. Bei Drucksachen zum Verkauf oder Werbung solltest du nur gemeinfreie Texte verwenden, also von Urhebern, die vor mehr als siebzig Jahren gestorben sind, und bei Übersetzungen auch den Übersetzer beachten.
Fazit: Ein Weihnachtszitat ist ein kleines Geschenk mit Herkunft
Die schönsten Zitate zu Weihnachten haben eine Geschichte hinter sich. Scrooge spricht sein Versprechen an einem Grab, Werther seine Kindheitserinnerung kurz vor dem Ende, Hanno Buddenbrook wartet zitternd vor der Flügeltür. Wer diese Herkunft kennt, wählt genauer und kann auf der Karte in einem Halbsatz erzählen, warum gerade dieser Satz passt. Nimm dir ein Zitat, das zu deinem Empfänger passt, schreib Name und Werk dazu und ergänze ein paar eigene Worte. Dann klingt der Gruß nach dir und trotzdem nach etwas Größerem.











