Wilhelm Busch Zitate: lustige Verse mit Werk, Jahr und Fakes

Wilhelm Busch Zitate mit Fundstelle: lustige Verse über Liebe, Glück und Alter, die Klassiker aus Max und Moritz – und welche Sprüche Busch nie geschrieben hat.

Zu den Sprüchen
von Sophia Richter16 Min. Lesezeit
Wilhelm Busch Zitate: lustige Verse mit Werk, Jahr und Fakes
Inhalt 9 Abschnitte
  1. Die bekanntesten Wilhelm Busch Zitate
  2. Lustige Wilhelm Busch Zitate und Sprüche
  3. Wilhelm Busch Zitate über Liebe und Ehe
  4. Wilhelm Busch über Glück und Lebensweisheit
  5. Wilhelm Busch Sprüche zu Alter und Geburtstag
  6. Max und Moritz: Verse, die jeder kennt
  7. Wilhelm Busch Zitate kurz: Einzeiler zum Mitnehmen
  8. Falsch zugeschrieben: Sprüche, die nicht von Busch sind
  9. Wilhelm Busch kurz: Leben und Werk

Wilhelm Busch Zitate kennt fast jeder, auch wer nie ein Buch von ihm aufgeschlagen hat: „Vater werden ist nicht schwer“, „Dieses war der erste Streich“ oder der Satz über Likör und Sorgen. Busch (1832–1908) hat seine Weisheiten fast immer in Paarreime gepackt, und genau deshalb bleiben sie hängen. Hier findest du seine besten Verse und Sprüche, sortiert nach Anlass: lustig, über Liebe und Ehe, Glück, Alter und Geburtstag, dazu die bekanntesten Zeilen aus Max und Moritz.

Jedes Zitat haben wir am Wortlaut geprüft, vor allem in den frei zugänglichen Volltexten bei Wikisource, zeno.org und Projekt Gutenberg-DE. Zu jedem Vers steht, aus welchem Werk er stammt, in welchem Jahr das Werk erschien und wer im Zusammenhang spricht. Denn bei Busch redet oft eine Figur, und nicht selten ist es ein selbstzufriedener Spießer, über den der Dichter sich lustig macht. Sprüche, die im Netz nur unter seinem Namen laufen, stehen gesammelt in einem eigenen Abschnitt.

Die bekanntesten Wilhelm Busch Zitate

Viele dieser Zweizeiler sind längst Redensarten. Man benutzt sie im Büro oder auf Familienfeiern, oft ohne zu wissen, dass sie aus Bildergeschichten des 19. Jahrhunderts stammen.

  • „Vater werden ist nicht schwer, / Vater sein dagegen sehr.“ – Julchen (1877), Vorbemerk. Mit diesen Zeilen beginnt der dritte Teil der Knopp-Trilogie, in dem Tobias Knopp und seine Frau ein Kind bekommen.
  • „Dieses war der erste Streich, / Doch der zweite folgt sogleich.“ – Max und Moritz (1865), Erster Streich. Der Reim schließt die Geschichte mit den Hühnern der Witwe Bolte ab und wurde zur Formel für jede Fortsetzung.
  • „Aber hier, wie überhaupt, / Kommt es anders, als man glaubt.“ – Plisch und Plum (1882), erstes Kapitel. Kaspar Schlich will zwei junge Hunde im Teich ertränken, doch zwei Jungen beobachten ihn und retten die Tiere.
  • „Es ist ein Brauch von alters her: / Wer Sorgen hat, hat auch Likör!“ – Die fromme Helene (1872), sechzehntes Kapitel. Mit diesem Reim beginnt das Kapitel, in dem Helenes Vorsätze an der Flasche scheitern.
  • „Das Gute – dieser Satz steht fest – / Ist stets das Böse, was man läßt!“ – Die fromme Helene, Schluss. Gesprochen wird der Satz von Onkel Nolte, einem selbstgerechten Moralapostel. Busch legt die Weisheit also bewusst einer Figur in den Mund, die er nicht ernst nimmt.
  • „Einszweidrei, im Sauseschritt / Läuft die Zeit; wir laufen mit.“ – Julchen (1877), Kapitel „Böse Knaben“. Die Zeilen stehen am Anfang eines Kapitels, in dem Julchen schon zur Schule geht.
  • „Gehabte Schmerzen, / Die hab ich gern.“ – Abenteuer eines Junggesellen (1875), Kapitel „Ein frohes Ereignis“. Knopps Bekannter Sauerbrot glaubt, eine anstrengende Ehe hinter sich zu haben, und stößt darauf an. Die Freude hält nicht lange.
  • „Wie wohl ist dem, der dann und wann / Sich etwas Schönes dichten kann!“ – Balduin Bählamm, der verhinderte Dichter (1883), erstes Kapitel. Hier verspottet Busch den Hobbydichter und ein bisschen auch sich selbst.

Lustige Wilhelm Busch Zitate und Sprüche

Buschs Komik lebt davon, dass er feierlich anfängt und trocken endet. Die erste Zeile klingt nach Lebensweisheit, die zweite holt sie auf den Boden zurück. Wer mehr Witz für Karten und Status sucht, findet eine bunte Mischung bei den lustigen Sprüchen, dort auch mit einigen weiteren Busch-Zeilen.

  • „Mit Recht erscheint uns das Klavier, / Wenn’s schön poliert, als Zimmerzier. / Ob’s außerdem Genuß verschafft, / Bleibt hin und wieder zweifelhaft.“ – Fipps, der Affe (1879), neuntes Kapitel. Eine kleine Spitze gegen das Klavier als Schmuckstück der guten Stube.
  • „Wenn Lügen Haare wären, / Wir wären rauh wie Bären / Und hätten keine Glatzen.“ – Kritik des Herzens (1874), Gedicht „Wenn alles sitzen bliebe“. Busch rechnet hier mit dem Klatsch ab, den Menschen übereinander verbreiten.
  • „Tugend will ermuntert sein, / Bosheit kann man schon allein!“ – Plisch und Plum (1882), siebtes Kapitel. Vater Fittig schickt seine Söhne daraufhin zum Magister Bokelmann in den Unterricht.
  • „Wer sich freut, wenn wer betrübt, / Macht sich meistens unbeliebt.“ – Plisch und Plum, sechstes Kapitel. Der schadenfrohe Kaspar Schlich lacht über fremdes Pech und hat gleich darauf selbst den Schaden.
  • „Froh schlägt das Herz im Reisekittel, / Vorausgesetzt, man hat die Mittel.“ – Maler Klecksel (1884), drittes Kapitel. Ein Reim, der auf jede Urlaubskarte passt, gerade wenn das Budget knapp ist.
  • „Leicht kommt man an das Bildermalen, / Doch schwer an Leute, die ’s bezahlen.“ – Maler Klecksel, fünftes Kapitel. Busch, der selbst Maler werden wollte, wusste genau, wovon er sprach.
  • „Ein Onkel, der Gutes mitbringt, / Ist besser als eine Tante, die bloß Klavier spielt.“ – aus Buschs Aphorismen und Reimen, die unter dem Titel „Spricker“ überliefert sind. Den Namen erklärt er selbst: Spricker heißen dürre Zweige, die man zum Kaffeekochen sammelt.
  • „Gedanken sind nicht stets parat, / Man schreibt auch, wenn man keine hat.“ – Spricker. Ein Trost für alle, die gerade vor einem leeren Blatt sitzen.

Wilhelm Busch Zitate über Liebe und Ehe

Busch blieb sein Leben lang unverheiratet, und seine Liebesverse sind entsprechend zwiespältig: Mal schwärmt er, mal schaut er dem Paar nach der Hochzeit nüchtern beim Alltag zu. Gerade diese Mischung macht seine Zeilen für Hochzeitsreden und Jahrestage so brauchbar, weil sie nicht kitschig werden.

  • „Denn die Summe unsres Lebens / Sind die Stunden, wo wir lieben.“ – Dideldum! (1874), Gedicht „Summa summarum“. Das Gedicht zählt erst alle Mühen und Enttäuschungen auf und landet dann bei diesem überraschend warmen Schluss.
  • „Liebe – sagt man schön und richtig – / Ist ein Ding, was äußerst wichtig.“ – Julchen (1877), Kapitel „Das Gartenhaus“. Der Satz eröffnet die Szene, in der das Dorf munkelt, Julchen treffe sich heimlich mit dem Sohn des Försters, und gleich mehrere eifersüchtige Verehrer der Sache nachgehen.
  • „Hoch ist der Liebe süßer Traum / Erhaben über Zeit und Raum.“ – Maler Klecksel (1884), neuntes Kapitel. Kuno und seine Liebste versprechen sich Liebe und Treue, und Busch lässt den feierlichen Ton einen Moment stehen, bevor er ihn bricht.
  • „Bald klopft vor Schmerz und bald vor Lust / Das rote Ding in meiner Brust.“ – Kritik des Herzens (1874), Gedicht „Ich kam in diese Welt herein“. Statt vom Herzen spricht Busch lieber vom „roten Ding“, das ist typisch für seinen Humor.
  • „Doch, Mädchen, gern hätt’ ich dich auch, / Wenn ich dich gar nicht sähe“ – Kritik des Herzens, Gedicht „Ich sah dich gern im Sonnenschein“. Ein ungewohnt zärtliches Liebesgedicht, das ganz ohne Spott auskommt.
  • „Sie hat nichts und du desgleichen; / Dennoch wollt ihr, wie ich sehe, / Zu dem Bund der heil’gen Ehe / Euch bereits die Hände reichen.“ – Kritik des Herzens. Das Gedicht rät dem jungen Paar zur Vorsicht und meint es eher augenzwinkernd als streng.
  • „Platonische Liebe kommt mir vor wie ein ewiges Zielen und Niemals-Losdrücken.“ – Spricker. Busch in Prosa, kurz und spitz.
  • „Wenn man auch früher verliebt war, das schadet nichts; wenn man nur später gemütlich wird.“ – Spricker. Passt gut zu einer Silberhochzeit.

Wenn du lieber zu Goethes großen Gefühlen greifst, findest du belegte Liebeszeilen bei den Goethe Zitaten. Busch ist die bessere Wahl, wenn im Saal auch gelacht werden darf.

Wilhelm Busch über Glück und Lebensweisheit

Busch las Schopenhauer gründlich und hielt die Welt für einen eher unvollkommenen Ort. Seine Glücksverse sind deshalb selten Kalendersprüche. Sie trösten, aber mit einem Augenzwinkern, und sie misstrauen dem Glück ein wenig. Einen breiteren Überblick über Weisheiten verschiedener Herkunft bieten die Lebensweisheiten.

  • „Scheint dir auch mal das Leben rauh, / Sei still und zage nicht; / Die Zeit, die alte Bügelfrau, / Macht alles wieder schlicht.“ – Spricker. Wohl der freundlichste Trostvers, den Busch hinterlassen hat, und ein guter Satz für eine Karte an jemanden, dem es gerade schlecht geht.
  • „Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, / Kriegt augenblicklich Junge.“ – Schein und Sein (1909, aus dem Nachlass), Gedicht „Niemals“. Wer glaubt, nach dem einen großen Ziel endlich Ruhe zu haben, wird hier freundlich gewarnt.
  • „Die Welt, obgleich sie wunderlich, / Ist mehr als gut genug für mich.“ – Zu guter Letzt (1904), Gedicht „Die Welt“. Ein spätes, versöhnliches Fazit eines Mannes, der lange mit der Welt gehadert hat.
  • „Wem Fortuna ein Haus geschenkt, dem schenkt sie auch Möbel.“ – Spricker. Glück zieht Glück nach sich, das ist hier eher ein trockener Befund als eine Verheißung.
  • „Wer leben will, der muß was tun.“ – Schein und Sein, Gedicht „Unbeliebtes Wunder“. Ein Blinder und eine Lahme werden bei einer Prozession geheilt und müssen nun, statt zu betteln, von eigener Arbeit leben.
  • „Du kennst sie nur von außenwärts. / Du siehst die Weste, nicht das Herz.“ – Schein und Sein, Titelgedicht. Der Sprecher erklärt einem Kind, warum man Menschen nicht vorschnell beurteilen sollte.
  • „Zuviel und zuwenig Vertrauen sind Nachbarskinder.“ – Spricker. Kurz genug für jede Signatur und eine gute Erinnerung daran, dass Maß halten auch beim Vertrauen hilft.

Zum Glück gehört bei Busch übrigens auch der Zufall: Im Gedicht „Peinlich berührt“ aus „Schein und Sein“ kündigt ein Bauer seine Versicherung, kurz darauf verhagelt der Weizen und die Scheune brennt. Daraus stammt der oft zitierte Zweizeiler vom Narren, der das Glück in Massen hat, während der Kluge selten Schwein hat.

Wilhelm Busch Sprüche zu Alter und Geburtstag

Das Älterwerden beschäftigt Busch erstaunlich oft, gerade in den späten Gedichten und Notizen. Seine Verse dazu sind gnädig, ein wenig spöttisch und nie herablassend. Damit eignen sie sich gut für runde Geburtstage, bei denen das Geburtstagskind mitlachen soll. Längere Verse für die Karte stehen bei den Geburtstagsgedichten.

  • „Rotwein ist für alte Knaben / Eine von den besten Gaben.“ – Abenteuer eines Junggesellen (1875), Kapitel „Rektor Debisch“. Ein Klassiker für den 60. oder 70. Geburtstag.
  • „Der alte Junge ist gottlob / Noch immer äußerst rührig;“ – Kritik des Herzens (1874). Das Gedicht beschreibt einen älteren Herrn, der sich noch flott gibt und abends trotzdem müde die Zipfelkappe aufsetzt.
  • „Frühling, Sommer und dahinter / Gleich der Herbst und bald der Winter – / Ach, verehrteste Mamsell, / Mit dem Leben geht es schnell!“ – Spricker. Passt, wenn ein Geburtstag einen eher nachdenklichen Ton haben darf.
  • „Früher, da ich unerfahren / Und bescheidner war als heute, / Hatten meine höchste Achtung / Andre Leute.“ – Kritik des Herzens. In der zweiten Strophe entdeckt das lyrische Ich, dass es auf der Weide noch mehr Kälber gibt, und schätzt seitdem vor allem sich selbst. Ein augenzwinkernder Gruß an alle, die mit den Jahren selbstbewusster geworden sind.
  • „Alte Bäume behämmert der Specht am meisten.“ – Spricker. Für alle, die ständig um Rat gefragt werden, weil sie schon so viel erlebt haben.
  • „Einszweidrei, im Sauseschritt“ – die Zeile aus Julchen (siehe oben) ist wohl der am häufigsten verwendete Busch-Vers auf Geburtstagskarten, weil sie ohne Zahl auskommt und trotzdem jeder versteht, worum es geht.

Ein Tipp für die Karte: Ein Busch-Zweizeiler reicht. Danach ein eigener Satz, der nur zu dieser einen Person passt, wirkt stärker als drei Zitate hintereinander.

Max und Moritz: Verse, die jeder kennt

„Max und Moritz. Eine Bubengeschichte in sieben Streichen“ erschien Ende Oktober 1865 im Münchner Verlag Braun und Schneider. Die Geschichte ist deutlich härter, als ihr Ruf bei Kindern vermuten lässt: Am Ende landen die beiden Jungen in der Mühle, und das Dorf ist erleichtert. Gerade dieses Ende zeigt, wie sehr Busch die Selbstgerechtigkeit der Erwachsenen mit aufs Korn nimmt.

  • „Ach, was muß man oft von bösen / Kindern hören oder lesen!!“ – Vorwort. Der Erzähler tut entrüstet, doch man hört schon, dass er die beiden insgeheim mag.
  • „Aber wehe, wehe, wehe! / Wenn ich, auf das Ende sehe!!“ – Vorwort. Die Warnung nimmt den bösen Schluss vorweg. Das Komma steht so im Druck.
  • „Dieses war der erste Streich, / Doch der zweite folgt sogleich.“ – Erster Streich. Mit Varianten bis zum „letzten Streich“ wird der Reim zum Taktgeber des ganzen Buches.
  • Vierter Streich: Bevor die Jungen Lehrer Lämpels Pfeife mit Pulver füllen, beginnt Busch mit dem Beschluss, „Daß der Mensch was lernen muß“. Die Zeile wird bis heute gern vor Prüfungen und Schulungen zitiert.
  • „Wer in Dorfe oder Stadt / Einen Onkel wohnen hat, / Der sei höflich und bescheiden, / Denn das mag der Onkel leiden.“ – Fünfter Streich. Wenig später sorgen Maikäfer im Bett von Onkel Fritz für eine unruhige Nacht.
  • „Jeder weiß, was so ein Mai- / Käfer für ein Vogel sei.“ – Fünfter Streich. Der Zeilenbruch mitten im Wort ist ein typischer Busch-Kniff, der beim Vorlesen immer funktioniert.
  • „Rickeracke! Rickeracke! / Geht die Mühle mit Geknacke.“ – Letzter Streich. Die Mühle hat ein reales Vorbild: In Ebergötzen verbrachte Busch viel Zeit in der Mühle der Familie seines Jugendfreundes Erich Bachmann, die heute als Wilhelm-Busch-Mühle besucht werden kann.
  • „Gott sei Dank! Nun ist’s vorbei / Mit der Übeltäterei!!“ – Letzter Streich. So reagiert das ganze Dorf auf das Ende der beiden, und gerade diese Erleichterung ist bitterer als jeder Streich.

Wilhelm Busch Zitate kurz: Einzeiler zum Mitnehmen

Neben den Bildergeschichten hat Busch Hunderte kurzer Notizen hinterlassen, viele davon in der Sammlung „Spricker“. Sie sind ideal für Bildunterschriften, Signaturen oder als Einstieg in eine Rede. Wer Verse in ganzer Gedichtlänge sucht, wird bei den kurzen Gedichten fündig, wo auch Busch vertreten ist.

  • „Wer zusieht, sieht mehr, als wer mitspielt.“ – Spricker.
  • „Aus faulen Eiern werden keine Küken.“ – Spricker.
  • „Das Feinste fällt durchs Sieb.“ – Spricker.
  • „Wer rudert, sieht den Grund nicht.“ – Spricker.
  • „Wenn man es nur versucht, so geht’s, / Das heißt mitunter, doch nicht stets.“ – Spricker.
  • „Wer dir sagt, er hätte noch nie gelogen, dem traue nicht, mein Sohn.“ – Spricker.
  • „Wer einsam ist, der hat es gut, / Weil keiner da, der ihm was tut.“ – Zu guter Letzt (1904), Gedicht „Der Einsame“. Achtung, ironisch: Im Gedicht vergisst die Welt den Einsamen nach und nach, bis man nur noch fragt, ob er überhaupt noch lebt.

Falsch zugeschrieben: Sprüche, die nicht von Busch sind

Weil Busch so berühmt für Zweizeiler ist, landet fast jeder gereimte Spruch irgendwann unter seinem Namen. Bei Mark Twain ist es ähnlich, wie die Mark Twain Zitate zeigen. Diese Sätze lassen sich in Buschs Werken nicht nachweisen oder stehen dort anders.

  • „Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.“ In dieser Form haben wir den Satz bei Busch nicht gefunden. Sehr nah dran ist die oben zitierte Stelle aus Plisch und Plum, in der es heißt, dass es „anders, als man glaubt“ kommt. Wer Busch zitieren will, nimmt das Original.
  • „Musik wird störend oft empfunden, dieweil sie mit Geräusch verbunden.“ Eine verbreitete, aber falsche Fassung. Im Gedicht „Der Maulwurf“ aus Dideldum! (1874) reimt Busch „Musik wird oft nicht schön gefunden“ auf „Weil sie stets mit Geräusch verbunden“. Der Sinn ist derselbe, der Wortlaut nicht.
  • „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ Der Satz wird nach gängiger Darstellung dem Schriftsteller Otto Julius Bierbaum zugeordnet, der ihn als Motto seines Reisebuchs „Yankeedoodle-Fahrt“ (1909) verwendete. Bei Busch ist er nicht belegt, auch wenn er gut zu ihm passen würde.
  • „Willst du glücklich sein im Leben …“ Der Vierzeiler steht oft in Poesiealben und Glückwunschkarten mit Buschs Namen darunter. Eine Fundstelle in seinen Werken ist nicht bekannt; manche Sammlungen nennen andere Verfasser, gesichert ist keiner.
  • „Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen, Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge.“ Auf vielen Zitateseiten als Busch-Zitat geführt, aber immer ohne Werk, Band oder Seite. In den Gedichtbänden, Bildergeschichten und Aphorismen, die wir durchsucht haben, taucht der Satz nicht auf. Bis jemand eine Quelle findet, gilt er als unbelegt.

Die Faustregel ist einfach: Echte Busch-Verse haben fast immer einen Reim, einen Sprecher und eine kleine Gemeinheit am Schluss. Glatte Motivationssätze in Prosa stammen dagegen fast nie von ihm. Das gilt übrigens auch für andere Klassiker, deren Namen gern unter fremde Sätze gesetzt wird, etwa bei den Oscar Wilde Zitaten oder den Shakespeare Zitaten.

Wilhelm Busch kurz: Leben und Werk

Heinrich Christian Wilhelm Busch kam am 14. April 1832 in Wiedensahl zur Welt, einem Dorf zwischen Stadthagen und Loccum, als ältestes von sieben Kindern eines Krämers. Mit neun Jahren gaben ihn die Eltern zu seinem Onkel, dem Pfarrer Georg Kleine in Ebergötzen. Dort lernte er den gleichaltrigen Müllerssohn Erich Bachmann kennen; die Freundschaft hielt ein Leben lang.

Ab 1847 studierte Busch Maschinenbau am Polytechnikum in Hannover, wechselte aber 1851 an die Kunstakademie in Düsseldorf, danach nach Antwerpen und schließlich nach München. Als Maler setzte er sich nicht durch. Den Durchbruch brachten die Bildergeschichten, die er ab 1859 für den Verleger Kaspar Braun zeichnete, unter anderem für die „Fliegenden Blätter“. Für „Max und Moritz“ zahlte Braun ihm einmalig 1000 Gulden. Das Buch verkaufte sich anfangs schleppend und wurde erst mit späteren Auflagen zum Dauerbrenner.

Es folgten „Hans Huckebein“, „Die fromme Helene“, die Knopp-Trilogie, „Fipps, der Affe“, „Plisch und Plum“ und „Maler Klecksel“. Mit der Gedichtsammlung „Kritik des Herzens“ wollte Busch 1874 als ernsthafter Dichter wahrgenommen werden, stieß beim Publikum aber eher auf Unverständnis. Viele seiner Gemälde hat er selbst vernichtet. Heute gilt er als einer der Wegbereiter des Comics.

Busch heiratete nie. Lange lebte er mit seiner Schwester Fanny Nöldeke und deren Söhnen in Wiedensahl, ab 1898 im Pfarrhaus von Mechtshausen, wo er am 9. Januar 1908 starb. Das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover sowie Gedenkstätten in Wiedensahl, Ebergötzen und Mechtshausen erinnern an ihn.

Zur Wahrheit gehört auch eine dunkle Seite: Zwei Passagen in „Die fromme Helene“ und „Plisch und Plum“ zeichnen jüdische Figuren mit antisemitischen Klischees. Wie sie zu bewerten sind, ist umstritten. Der Dichter Robert Gernhardt las sie als Spott über die Vorurteile der Dorfbewohner, Busch-Biografen wie Joseph Kraus und Eva Weissweiler urteilen deutlich kritischer. Für eine Glückwunschkarte spielen diese Stellen keine Rolle, für ein vollständiges Bild des Autors schon.

Häufige Fragen

Wie heißt das Zitat von Wilhelm Busch?

Meist ist „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“ gemeint, aus der Vorbemerkung zu „Julchen“ (1877). Ähnlich oft gesucht wird „Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich“ aus Max und Moritz (1865). Wer nur ein Bruchstück im Kopf hat, findet die vollständigen Verse in den Abschnitten oben.

Welche Zitate von Wilhelm Busch über Glück gibt es?

Belegt sind zum Beispiel „Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge“ aus „Schein und Sein“, der Trostvers von der Zeit als „alter Bügelfrau“ aus dem „Spricker“ und „Wem Fortuna ein Haus geschenkt, dem schenkt sie auch Möbel“. Buschs Glücksverse sind meist ironisch; der beliebte Spruch über Aufmerksamkeit in kleinen Dingen ist bei ihm nicht nachweisbar.

Was ist das berühmteste Zitat von Wilhelm Busch?

Eine offizielle Rangliste gibt es nicht. Am häufigsten zitiert werden „Vater werden ist nicht schwer …“ und die Streich-Formel aus Max und Moritz, dicht gefolgt von „Wer Sorgen hat, hat auch Likör“ aus der frommen Helene. Max und Moritz selbst ist sein bekanntestes Werk. Nach einer Angabe der Autorin Michaela Diers, wie Wikipedia sie wiedergibt, gab es 1997 mindestens 281 Übertragungen in Sprachen und Dialekte.

Stammt „Erstens kommt es anders …“ wirklich von Wilhelm Busch?

In dieser Form nicht. Bei Busch steht in Plisch und Plum (1882) „Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt“. Die Fassung mit „erstens“ und „zweitens“ ist in seinen Werken nicht nachweisbar, wird ihm aber oft zugeschrieben. Wer korrekt zitieren will, verwendet das Original mit Werkangabe.

Ist Wilhelm Busch gemeinfrei?

Ja. Busch starb am 9. Januar 1908, der urheberrechtliche Schutz endet in Deutschland siebzig Jahre nach dem Todesjahr. Seine Texte und Zeichnungen sind deshalb seit 1979 gemeinfrei und dürfen frei zitiert, gedruckt und geteilt werden. Geschützt sein können aber Kommentare, Nachworte oder Neuillustrationen moderner Ausgaben.

Welches Wilhelm-Busch-Zitat passt zum Geburtstag?

Für runde Geburtstage eignen sich „Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben“ oder „Einszweidrei, im Sauseschritt läuft die Zeit; wir laufen mit“. Für einen nachdenklicheren Ton passt der Spricker-Vers über Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Fazit: Busch reimt freundlicher, als er denkt

Wilhelm Busch ist der seltene Fall eines Klassikers, den man wirklich im Alltag benutzt. Seine Zweizeiler sind kurz, gereimt und haben fast immer eine kleine Spitze, die über menschliche Schwächen lacht, ohne jemanden bloßzustellen. Wer ihn zitiert, sollte zwei Dinge beachten: die Fundstelle nennen und prüfen, wer im Werk eigentlich spricht. Dann bleibt Busch auch Busch, und die vielen untergeschobenen Sprüche bleiben dort, wo sie hingehören, nämlich ohne seinen Namen.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Wilhelm Busch (1865): Max und Moritz. Eine Bubengeschichte in sieben Streichen. Braun und Schneider, München
  2. Wilhelm Busch (1872): Die fromme Helene. Bassermann, Heidelberg
Verfasst von Sophia Richter2 Quellen angegeben
Sophia Richter

Sophia Richter

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