Weihnachtsmann: Woher er kommt und wer ihn erfunden hat

Weihnachtsmann: Woher die Figur stammt, was Nikolaus, Sinterklaas und der Zeichner Thomas Nast beitrugen und was am Coca-Cola-Mythos wirklich dran ist.

von Markus Lehner14 Min. Lesezeit
Weihnachtsmann: Woher er kommt und wer ihn erfunden hat
Inhalt 11 Abschnitte
  1. Woher kommt der Weihnachtsmann? Drei Wurzeln einer Figur
  2. Weihnachtsmann und Nikolaus: Unterschied und gemeinsamer Ursprung
  3. Santa Claus: wie aus Sinterklaas in New York eine neue Figur wurde
  4. „A Visit from St. Nicholas“: das Gedicht, das den Ablauf festlegte
  5. Thomas Nast: der Pfälzer, der Santa Claus ein Gesicht gab
  6. Weihnachtsmann Geschichte in Deutschland: vom Weyhnachtsmann zu Herrn Winter
  7. Weihnachtsmann und Coca-Cola: was am Mythos stimmt
  8. Father Christmas, Joulupukki, Ded Moros: Verwandte in anderen Ländern
  9. Nordpol, Rovaniemi oder Himmelpfort: wo der Weihnachtsmann wohnt
  10. Mrs. Claus, Rentiere und Rudolph: wie die Familie wuchs
  11. Was der Weihnachtsmann über unser Schenken erzählt

Der Weihnachtsmann wirkt, als hätte es ihn immer gegeben: weißer Bart, roter Mantel, Sack über der Schulter. Tatsächlich ist er eine erstaunlich junge Figur, zusammengesetzt aus einem Bischof der Spätantike, New Yorker Lokalpatriotismus, deutschen Bilderbögen, englischen Festtagsgestalten und amerikanischer Werbegrafik. Wer wissen will, woher der Weihnachtsmann kommt, stößt deshalb nicht auf einen einzelnen Erfinder, sondern auf eine Staffel von Dichtern, Zeichnern und Redakteuren, die über rund 150 Jahre an ihm gebaut haben. Hier findest du diese Spur, sauber getrennt in Belegtes und Legende.

Woher kommt der Weihnachtsmann? Drei Wurzeln einer Figur

Am Anfang steht ein Mann, über den man historisch erstaunlich wenig weiß: Nikolaus, Bischof von Myra im Süden der heutigen Türkei, der im 4. Jahrhundert gelebt haben soll. Um ihn wuchsen Legenden vom heimlichen Schenken, und sein Gedenktag am 6. Dezember wurde in Europa über Jahrhunderte zum Tag, an dem Kinder Gaben bekamen. Was der Nikolaustag bis heute bedeutet, erklären wir ausführlich bei den Nikolaussprüchen.

Die zweite Wurzel sind ältere Personifikationen der Jahreszeit: Figuren, die den Winter oder das Weihnachtsfest selbst verkörpern, etwa der englische Father Christmas. Sie waren ursprünglich keine Kinderfreunde, sondern Sinnbilder für Gelage, Kälte und Überfluss.

Die dritte Wurzel ist das 19. Jahrhundert. In dieser Zeit wurde Weihnachten zum häuslichen Familienfest mit Baum, Bescherung und Kindern im Mittelpunkt. Dafür entstand auf beiden Seiten des Atlantiks fast gleichzeitig eine weltliche Gestalt, deren Zutaten erst später zu dem Bild verschmolzen, das du heute auf jeder Glühweintasse findest.

Weihnachtsmann und Nikolaus: Unterschied und gemeinsamer Ursprung

Verwandt sind die beiden, verwechseln solltest du sie trotzdem nicht. Der Nikolaus ist ein Heiliger der Kirche. Er trägt Mitra und Bischofsstab, kommt am 6. Dezember und hat ein historisches Vorbild, auch wenn die meisten Geschichten über ihn Legenden sind. Der Weihnachtsmann dagegen ist eine Fantasiegestalt ohne Heiligenschein, ohne kirchliches Amt und ohne Gedenktag. Er gehört zum Heiligen Abend, trägt Zipfelmütze statt Mitra und ist gutmütig statt streng.

Gemeinsam haben sie den Kern: Beide bringen Geschenke, beide kommen nachts oder ungesehen, beide sind alte Männer mit Bart. Viele Volkskundler beschreiben den Weihnachtsmann deshalb als weltlichen Ableger des Nikolaus, der im Lauf des 19. Jahrhunderts seine geistliche Kleidung abgelegt hat. Ob dabei auch Züge der dunklen Begleiter wie Knecht Ruprecht eingeflossen sind, wird diskutiert, ist aber schwer zu belegen. Über diese Begleitfiguren, vom Ruprecht bis zur alpenländischen Schreckgestalt, erfährst du mehr im Beitrag zum Krampus.

Warum in manchen Regionen gar nicht der Weihnachtsmann, sondern das Christkind die Geschenke bringt und wie die Reformation dabei mitspielte, ist eine eigene Geschichte. Sie steht ausführlich im Artikel über das Christkind, deshalb hier nur so viel: Der Weihnachtsmann ist die jüngste der drei Figuren.

Santa Claus: wie aus Sinterklaas in New York eine neue Figur wurde

Der englische Name Santa Claus geht auf das niederländische Sinterklaas zurück, die Koseform für Sint Nicolaas. Die übliche Erzählung lautet: Niederländische Siedler brachten den Brauch im 17. Jahrhundert nach Nieuw Amsterdam, das spätere New York, und dort wurde aus ihrem Heiligen allmählich Santa Claus. Ganz so geradlinig war es aber wohl nicht.

Belege für Nikolausfeiern aus der niederländischen Kolonialzeit sind dünn. Eine der frühesten bekannten Spuren ist eine New Yorker Zeitungsnotiz von 1773 über ein Treffen von „Söhnen des heiligen Nikolaus“. Richtig Fahrt nahm die Figur erst nach der Unabhängigkeit auf, als New Yorker Bürger nach eigenen, nicht-britischen Traditionen suchten. John Pintard, Gründer der New-York Historical Society, ließ 1810 ein Flugblatt mit einem Holzschnitt des Heiligen drucken. Washington Irving veröffentlichte 1809, passend am 6. Dezember, seine satirische Stadtgeschichte unter dem Pseudonym Diedrich Knickerbocker, in der der Heilige immer wieder auftaucht.

Der amerikanische Gelehrte Charles W. Jones vertrat 1954 die These, Santa Claus sei im Grunde eine Erfindung dieses New Yorker Kreises um 1800 und habe mit holländischem Volksbrauch wenig zu tun. Andere Forschende halten dagegen, eine gewisse Kontinuität aus der Kolonialzeit sei durchaus plausibel. Sicher ist nur: Das Gerüst des amerikanischen Santa Claus haben Literaten im frühen 19. Jahrhundert gezimmert. Ein 1821 in New York gedrucktes Kinderheft zeigte ihn bereits mit Schlitten und einem Rentier, und zwei Jahre später folgte das Gedicht, das alles zusammenfügte.

„A Visit from St. Nicholas“: das Gedicht, das den Ablauf festlegte

Am 23. Dezember 1823 erschien in der Zeitung Troy Sentinel im Bundesstaat New York ohne Verfassernamen ein Gedicht über den Besuch des heiligen Nikolaus in einer Winternacht. Heute kennt man es meist unter seiner Anfangszeile „’Twas the night before Christmas“. Es legte fast alles fest, was bis heute zum Ablauf gehört:

  • Der Besuch findet in der Nacht vor Weihnachten statt, nicht am Nikolaustag.
  • Der Gast kommt mit einem fliegenden Schlitten, gezogen von acht kleinen Rentieren, die alle einen Namen haben.
  • Er steigt durch den Kamin hinunter, füllt die aufgehängten Strümpfe und verschwindet wieder.
  • Er ist kein würdevoller Bischof mehr, sondern ein rundlicher, lustiger Kerl mit Pfeife und rosigen Wangen.

Zwei der Rentiere hießen in der frühen Fassung übrigens noch „Dunder“ und „Blixem“, nach den niederländischen Wörtern für Donner und Blitz. Erst in späteren Abdrucken setzten sich die heute geläufigen Namen durch.

Wer das Gedicht geschrieben hat, ist bis heute umstritten. 1837 wurde es erstmals dem New Yorker Gelehrten Clement Clarke Moore zugeschrieben, und Moore nahm es 1844 in seinen eigenen Gedichtband auf. Die Nachfahren von Henry Livingston Jr. beanspruchen das Gedicht dagegen schon lange für ihren Vorfahren. Stilanalysen sind zu gegensätzlichen Ergebnissen gekommen: Einige sprechen für Livingston, neuere computergestützte Untersuchungen eher für Moore. Eine endgültige Antwort gibt es nicht.

Thomas Nast: der Pfälzer, der Santa Claus ein Gesicht gab

Was das Gedicht in Worten beschrieb, brachte ein Zeichner aus Deutschland ins Bild. Thomas Nast wurde 1840 in Landau in der Pfalz geboren und kam als Kind 1846 mit seiner Familie nach New York. Ab 1862 zeichnete er über Jahrzehnte für die Zeitschrift Harper’s Weekly, eines der wichtigsten Blätter des Landes.

Seine erste große Santa-Claus-Zeichnung erschien auf dem Titel der Ausgabe vom 3. Januar 1863, mitten im amerikanischen Bürgerkrieg: Santa besucht ein Lager der Nordstaaten-Soldaten und verteilt Geschenke. Damit bekam die Figur auch eine politische Note. In den folgenden Jahren zeichnete Nast immer neue Weihnachtsbilder und erweiterte dabei die Welt um Santa herum. Ein Bild von 1866 zeigt ihn bei der Arbeit an Spielzeug, die Bildunterschrift verortet seine Heimat am Nordpol. 1881 erschien sein wohl bekanntestes Motiv, der freundlich-runde Merry Old Santa Claus mit Pfeife und Spielzeug im Arm.

Nast wird häufig zugeschrieben, Santas Mantel in späteren farbigen Fassungen rot gestaltet zu haben. Fest steht, dass seine Bilder das Aussehen der Figur für Jahrzehnte prägten: Bart, Pelzbesatz, Gürtel, gemütliche Leibesfülle. 1890 fasste er seine Arbeiten in einem eigenen Weihnachtsbuch zusammen.

Weihnachtsmann Geschichte in Deutschland: vom Weyhnachtsmann zu Herrn Winter

Unabhängig von Amerika tauchte der Weihnachtsmann im deutschsprachigen Raum auf. Als frühester bekannter Beleg gilt eine Erwähnung des „Weyhnachtsmanns“ in der Berliner Wochenschrift Mannigfaltigkeiten um 1770. Mit dem Mann im roten Mantel hatte das damals gemeinte Wesen sicher noch wenig gemein.

Bekannter ist das Kinderlied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“, dessen Text August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1835 schrieb. Gesungen wird es auf eine französische Melodie, die man auch von „Twinkle, Twinkle, Little Star“ kennt. Der Name war Kindern in den 1830er-Jahren also schon geläufig.

Ein Bild dazu lieferte Moritz von Schwind. 1847 illustrierte er in den Münchner Fliegenden Blättern mit sieben Zeichnungen ein Gedicht von Hermann Rollett über „Herrn Winter“, eine bärtige, dick vermummte Gestalt, die im Lauf der Geschichte auch das Weihnachtsfest mitbringt. Ein Jahr später druckte der Münchener Bilderbogen die Folge nach. Heute wird Herr Winter gern als frühes Vorbild des deutschen Weihnachtsmanns gezeigt. Das ist allerdings eine spätere Deutung: Rolletts Gedicht trug den Untertitel „Eine Zeitgeschichte“ und war als Anspielung auf ein erstarrtes politisches System gemeint. Erst losgelöst von diesem Hintergrund wurde die Figur zum Sinnbild eines bürgerlichen Weihnachtsmanns.

Im Lauf des 19. Jahrhunderts setzte sich der Weihnachtsmann vor allem in bürgerlichen und evangelisch geprägten Familien durch, während im katholischen Süden das Christkind die Bescherung übernahm. Wie streng dagegen der ältere Gabenbringer in Kinderversen jener Zeit auftrat, zeigen die Klassiker in unseren Nikolausgedichten.

Weihnachtsmann und Coca-Cola: was am Mythos stimmt

Kaum eine Behauptung über den Weihnachtsmann hält sich so beharrlich wie diese: Coca-Cola habe ihn erfunden und ihm die Firmenfarben verpasst. Beides stimmt nicht, auch nach Darstellung des Unternehmens selbst. Rote Mäntel trug Santa schon im 19. Jahrhundert, und um 1900 zeigten ihn amerikanische Zeitschriftentitel und Werbebilder mehrfach in Rot. Allerdings war die Farbe damals nicht festgelegt: Es gab ihn ebenso in Grün, Blau oder Braun. Ein Mineralwasser- und Limonadenhersteller warb bereits in den 1910er- und 1920er-Jahren mit einem Weihnachtsmann, und auch die frühen Coca-Cola-Anzeigen der 1920er-Jahre zeigten ihn schon, damals noch eher streng.

Was 1931 begann, war etwas anderes. Die Werbeagentur des Getränkekonzerns wünschte sich einen warmherzigen, menschlich wirkenden Santa und beauftragte den Illustrator Haddon Sundblom. Er orientierte sich am Gedicht von 1823 und malte von 1931 bis 1964 Jahr für Jahr neue Santa-Bilder. Als Modell diente ihm zunächst ein befreundeter Rentner namens Lou Prentiss, später nach dessen Tod er selbst vor dem Spiegel.

Der Beitrag der Werbung liegt also nicht in der Erfindung, sondern in der Vereinheitlichung und Verbreitung. Über drei Jahrzehnte erschien Sundbloms Santa im immer gleichen Stil: rote Jacke mit weißem Pelz, breiter Gürtel, rosige Wangen. Diese Fassung wurde zum weltweiten Standard. Die Farbe Rot hat der Konzern nicht erfunden, aber er hat dafür gesorgt, dass kaum noch jemand an eine andere denkt.

Father Christmas, Joulupukki, Ded Moros: Verwandte in anderen Ländern

Santa Claus ist nicht die einzige Gestalt dieser Art. In vielen Ländern gibt es eigene Gabenbringer, die sich teils mit dem amerikanischen Vorbild vermischt haben:

  • Father Christmas in England ist deutlich älter als Santa Claus. Er verkörperte lange das ausgelassene Fest der Erwachsenen mit Essen, Trinken und Spielen. Charles Dickens beschreibt 1843 in A Christmas Carol den Geist der gegenwärtigen Weihnacht als freundlichen Riesen in einem grünen, weiß bepelzten Gewand. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts übernahm Father Christmas die Rolle des nächtlichen Geschenkebringers und verschmolz mit Santa Claus.
  • Sinterklaas in den Niederlanden und Belgien ist bis heute ein Bischof geblieben. Er reist der Überlieferung nach aus Spanien an, die Geschenke gibt es meist am Abend des 5. Dezember.
  • Joulupukki in Finnland heißt wörtlich „Julbock“. Der Name erinnert an eine alte Bocksgestalt aus dem Winterbrauchtum, mehr dazu im Beitrag über das Julfest. Heute sieht Joulupukki weitgehend aus wie Santa Claus.
  • Ded Moros, Väterchen Frost, bringt in Russland und anderen Ländern der Region die Geschenke zum Jahreswechsel. Begleitet wird er von seiner Enkelin Snegurotschka, dem Schneemädchen.

In Spanien und Teilen Lateinamerikas sind dagegen die Weisen aus dem Morgenland die klassischen Gabenbringer. Wie diese Tradition entstand, erzählt unser Artikel zu den Heiligen Drei Königen.

Nordpol, Rovaniemi oder Himmelpfort: wo der Weihnachtsmann wohnt

Eine feste Adresse hat der Weihnachtsmann nie bekommen, dafür gleich mehrere. Die amerikanische Tradition verlegte seinen Wohnsitz schon in den 1860er-Jahren an den Nordpol, nicht zuletzt durch Thomas Nasts Bilder.

In Finnland gilt dagegen der Berg Korvatunturi in Lappland als seine Heimat. Besucher empfängt er allerdings in einem Weihnachtsdorf bei Rovaniemi am Polarkreis, wohin auch Briefe an ihn gelangen. In Dänemark wiederum erzählt man, er lebe in Grönland.

In Deutschland ist die bekannteste Weihnachtsmann-Adresse das Dorf Himmelpfort in Brandenburg. Seit 1984, also noch zu DDR-Zeiten, werden dort Kinderbriefe an den Weihnachtsmann beantwortet, und Himmelpfort gilt heute als größte der deutschen Weihnachtspostfilialen. Daneben gibt es Anlaufstellen für Briefe ans Christkind und an den Nikolaus. Die Übersicht dazu und Hinweise zum Wunschzettel stehen im Christkind-Artikel.

Mrs. Claus, Rentiere und Rudolph: wie die Familie wuchs

Ein Weihnachtsmann allein reichte dem 19. Jahrhundert offenbar nicht. 1849 erwähnte der Schriftsteller James Rees in einer Erzählung erstmals eine Ehefrau, zwei Jahre später wurde sie in einer Studentenzeitschrift als Mrs. Santa Claus bezeichnet. Bekannt wurde sie durch das Gedicht „Goody Santa Claus on a Sleigh Ride“ der Lyrikerin Katharine Lee Bates von 1889, in dem die Frau des Weihnachtsmanns zum ersten Mal selbst zu Wort kommt und sich eine Mitfahrt im Schlitten erbittet.

Die Rentiere sind, wie oben beschrieben, seit den 1820er-Jahren dabei. Das bekannteste von ihnen kam aber erst 1939 dazu: Rudolph mit der roten Nase. Erfunden hat ihn der Werbetexter Robert L. May für ein Heftchen, das eine amerikanische Kaufhauskette an ihre Kundschaft verschenkte. Weltberühmt wurde Rudolph zehn Jahre später durch das Lied von Johnny Marks, das 1949 in der Aufnahme des Sängers Gene Autry ein großer Erfolg wurde.

Was der Weihnachtsmann über unser Schenken erzählt

Warum hält sich eine Figur so zäh, an die Erwachsene nicht glauben und die Kinder irgendwann durchschauen? Der Soziologe Theodore Caplow hat in einer 1984 veröffentlichten Studie untersucht, wie in einer amerikanischen Kleinstadt, die in der Forschung als „Middletown“ bekannt ist, Weihnachtsgeschenke ausgetauscht werden. Er beobachtete, dass fast überall eine stillschweigende Regel der Gegenseitigkeit gilt, mit einer großen Ausnahme: Kinder bekommen deutlich mehr, als sie zurückgeben. Genau dafür steht laut Caplow der Weihnachtsmann als Symbolfigur. Er verkörpert das Schenken ohne Gegenleistung, und darin sah Caplow eine der wenigen Brücken zwischen der weltlichen und der religiösen Seite des Festes, in der die Weisen aus dem Morgenland einem Kind Gaben bringen.

Wenn Kinder irgendwann nachfragen, ob es den Weihnachtsmann wirklich gibt, ist das keine neue Frage. 1897 schrieb die achtjährige Virginia O’Hanlon an die New Yorker Zeitung The Sun, und der Redakteur Francis Pharcellus Church antwortete mit einem Leitartikel, der bis heute vielfach zitiert wird. Seine Antwort zielte nicht auf Beweise, sondern auf das, wofür die Figur steht: Großzügigkeit, Fantasie und Zuneigung. Konkrete Ideen, wie du mit dieser Frage in der Familie umgehen kannst, haben wir beim Christkind gesammelt. Für die religiöse Seite des Festes ist die Weihnachtsgeschichte für Kinder ein guter Einstieg, und wer wissen möchte, wie der Christbaum in die Wohnzimmer kam, findet die Antwort in der Geschichte des Weihnachtsbaums.

Häufige Fragen

Wo kommt der Weihnachtsmann ursprünglich her?

Ursprünglich führt die Spur des Weihnachtsmanns zu Nikolaus, der im 4. Jahrhundert Bischof im kleinasiatischen Myra war. Seine heutige Gestalt entstand aber erst im 19. Jahrhundert, in New York durch Dichter und Zeichner, in Deutschland über Lieder und Bilderbögen. Beide Linien flossen später zusammen.

Wie sah Santa Claus vor Coca Cola aus?

Vor Coca-Cola sah Santa Claus ähnlich, aber uneinheitlich aus: mal schlank, mal rundlich, mit Mantel in Rot, Grün, Blau oder Braun. Thomas Nast hatte ihm schon ab 1863 Bart, Pelz und Gemütlichkeit verliehen. Erst Haddon Sundbloms Werbebilder ab 1931 machten die rot-weiße, warmherzige Version zum festen Standard.

Sind der Weihnachtsmann und Nikolaus das Gleiche?

Nein, der Weihnachtsmann und der Nikolaus sind nicht das Gleiche. Der Nikolaus ist ein Heiliger mit Bischofsmütze und Stab, der am 6. Dezember kommt. Der Weihnachtsmann ist eine weltliche Fantasiefigur des 19. Jahrhunderts, die am Heiligen Abend die Geschenke bringt. Er hat sich allerdings aus Nikolausbildern entwickelt.

Was ist der Unterschied zwischen Santa Claus und dem Weihnachtsmann?

Heute meinen Santa Claus und der Weihnachtsmann praktisch dieselbe Figur, nur in unterschiedlichen Sprachen. Historisch entstanden sie getrennt: Santa Claus in New York aus dem niederländischen Sinterklaas, der Weihnachtsmann im deutschen Sprachraum. Ein Unterschied bleibt beim Termin: Santa kommt meist in der Nacht zum 25. Dezember, der Weihnachtsmann schon am Abend des 24.

Welches Land hat die wahre Heimat vom Weihnachtsmann?

Eine wahre Heimat des Weihnachtsmanns gibt es nicht, mehrere Länder beanspruchen sie. Finnland verweist auf Lappland und Rovaniemi am Polarkreis, in den USA wohnt er am Nordpol, in Dänemark erzählt man von Grönland. Historisch liegt sein Ursprung am ehesten in Myra, im Süden der heutigen Türkei, wo sein Vorbild Bischof war.

Wie alt ist der Weihnachtsmann in echt?

Ein echtes Alter hat der Weihnachtsmann nicht, es hängt davon ab, was du zählst. Sein Vorbild Nikolaus lebte vor rund 1.700 Jahren. Das Wort Weihnachtsmann ist im Deutschen seit etwa 250 Jahren belegt, sein heutiges Aussehen bildete sich im späten 19. Jahrhundert heraus. Kindern kannst du augenzwinkernd sagen: steinalt, aber erstaunlich gut in Form.

Wie heißt Santa Claus Frau?

Die Frau von Santa Claus heißt Mrs. Claus, auf Deutsch oft einfach Frau Weihnachtsmann. Einen festen Vornamen hat sie nicht; in Büchern und Filmen trägt sie wechselnde Namen, darunter Mary. Bekannt wurde sie durch ein Gedicht von Katharine Lee Bates aus dem Jahr 1889, erwähnt wird sie aber schon ab 1849.

Fazit: eine Figur, an der viele mitgeschrieben haben

Den einen Erfinder des Weihnachtsmanns gibt es nicht. Ein heiliger Bischof lieferte die Idee des heimlichen Schenkens, New Yorker Literaten machten daraus Santa Claus, ein anonym veröffentlichtes Gedicht legte Schlitten, Kamin und Rentiere fest, ein Zeichner aus der Pfalz gab ihm sein Gesicht, und deutsche Lieder und Bilderbögen schufen parallel den Weihnachtsmann. Die Werbung des 20. Jahrhunderts hat diese Fassung nur noch vereinheitlicht und in die ganze Welt getragen. Wer ihm am Heiligen Abend begegnet, trifft also auf ein Gemeinschaftswerk vieler Generationen, an dem jede ein wenig mitschreiben durfte.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Caplow, T. (1984): Rule enforcement without visible means: Christmas gift giving in Middletown. American Journal of Sociology, 89(6), 1306-1323
  2. Charles Dickens (1843): A Christmas Carol. Chapman & Hall, London
Redaktionell geprüft von Markus Lehner2 Quellen angegeben
Markus Lehner

Markus Lehner

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