Wer nach der Weihnachtsbaum Geschichte sucht, stößt schnell auf eine Jahreszahl, die angeblich alles klärt. Leider gibt es mehrere davon, und nicht jede hält einer Prüfung stand. Sicher ist: Der geschmückte Nadelbaum im Wohnzimmer ist in Mitteleuropa kaum älter als zweihundert Jahre, seine Vorgeschichte reicht aber bis ins späte Mittelalter. Hier erfährst du, welche Stationen sich mit Dokumenten belegen lassen, wo Legenden beginnen und warum zwei Ostseestädte bis heute um den ersten Baum streiten.
Weihnachtsbaum Geschichte im Überblick: die wichtigsten Stationen
Bevor es in die Details geht, hier die belastbaren Wegmarken. Daten, die nur in Legenden oder späteren Nacherzählungen auftauchen, sind bewusst nicht dabei; um sie geht es weiter unten.
- Spätes Mittelalter: In geistlichen Spielen zum 24. Dezember steht ein Baum mit Äpfeln für den Garten Eden.
- 1521: Ein Rechnungsbuch aus Schlettstadt im Elsass, dem heutigen Sélestat, nennt Ausgaben für die Bewachung der Tannen zur Weihnachtszeit. Es gilt als ältester gesicherter Schriftbeleg.
- 1539: Im Straßburger Münster wird ein Weihnachtsbaum aufgestellt.
- 1605: Eine Straßburger Aufzeichnung beschreibt Tannen in den Wohnstuben, behängt mit Papierrosen, Äpfeln, Oblaten und Zucker.
- 1774: In Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ taucht ein geschmückter Baum mit Kerzen auf.
- Ab etwa 1800: Adel und städtisches Bürgertum holen den Baum ins Haus, zunächst vor allem in evangelischen Familien.
- 1848: Eine Londoner Illustrierte zeigt die königliche Familie unter dem Christbaum. Im selben Jahr ist in Lauscha der erste Auftrag für gläserne Weihnachtskugeln dokumentiert.
- 1870/71: Im Deutsch-Französischen Krieg stehen geschmückte Tannen in Lazaretten und Quartieren.
- 1882: In New York leuchtet der erste bekannte Baum mit elektrischen Glühbirnen.
- 1982: Erstmals steht ein Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz in Rom.
Weihnachtsbaum Herkunft: Wintergrün, Maien und frühe Verbote
Grüne Zweige mitten im Winter haben Menschen schon lange vor dem Christbaum fasziniert. Die Römer schmückten ihre Häuser zum Jahreswechsel mit Lorbeer, und in vielen Gegenden Europas hängte man Tannen-, Eiben- oder Stechpalmenzweige in die Stube. Solches Grün wird gern als Zeichen für Lebenskraft und die Hoffnung auf den Frühling gelesen, manchmal auch als Schutz gegen böse Geister. Daraus folgt aber nicht, dass der Weihnachtsbaum ein umgetauftes germanisches Heiligtum wäre. Für eine direkte Linie fehlen die Belege. Wie dünn die Quellenlage zum vorchristlichen Winterfest insgesamt ist, zeigt unser Beitrag über das Julfest, und auch beim Mistelzweig liegen Sage und Überlieferung weit auseinander.
Greifbarer wird es am Oberrhein. Dort sind im 16. Jahrhundert Tannenzweige als sogenannte Weihnachtsmaien belegt, ein Wort, das an den Maibaum erinnert. Auch sonst kannte das Mittelalter geschmückte Bäume zu festen Anlässen, vom Maibaum bis zum Richtbaum. Dass der Brauch schon damals beliebt war, verraten ausgerechnet Verbote: Die Stadt Freiburg schritt 1554 unter Strafandrohung dagegen ein, dass Bürger Bäume für Weihnachten aus dem Wald holten, weil der Wald darunter litt. Ein ähnliches Prinzip kennst du vielleicht von den Barbarazweigen: Auch dort holt man sich ein Stück Natur ins Haus, und auch dort gilt nicht jeder Zweig als frei verfügbar.
Der Paradiesbaum: Adam, Eva und der 24. Dezember
Als christlichen Vorläufer nennen viele Brauchforscher den Paradiesbaum. Im Mittelalter war der 24. Dezember in manchen Kalendern der Gedenktag von Adam und Eva. Passend dazu führte man in Kirchen geistliche Spiele auf, die von der Erschaffung der Menschen bis zur Vertreibung aus dem Garten Eden reichten. Auf der Bühne brauchte man dafür einen Baum, der im Dezember noch grün war und an den sich Äpfel hängen ließen. Eine Tanne bot sich an.
Die Bibel selbst spricht übrigens von keinem Apfel. Im zweiten Kapitel der Genesis, in der Lutherbibel von 1912 nachzulesen, stehen mitten im Garten der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, ohne dass eine Obstsorte genannt wird. Der Apfel kam erst durch die spätere Bildtradition hinzu. Für die Deutung des Christbaums war er trotzdem zentral: Der Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti verweist, wie evangelisch.de ihn wiedergibt, darauf, dass Maria in der Theologie als neue Eva galt und Maler wie Lucas Cranach der Ältere das Jesuskind deshalb mit einem Apfel zeigten. Die Frucht, mit der die Schuld begann, wird so zum Zeichen der Erlösung.
Ganz verschwunden ist das Paradiesspiel nicht. Als erster Teil der Oberuferer Weihnachtsspiele wird es bis heute in der Adventszeit aufgeführt, vor allem an Waldorfschulen. Dass der geschmückte Baum direkt aus diesem Theater stammt, lässt sich nicht beweisen. Viele halten die Verbindung aber für naheliegend, weil Datum, Baumart und Behang zusammenpassen.
Seit wann gibt es Weihnachtsbäume? Die frühesten Belege
Die Frage nach dem allerersten Baum gehört zu den beliebtesten Streitpunkten der Weihnachtszeit. Ehrlich beantwortet lautet sie: Es kommt darauf an, was du als Beleg gelten lässt.
Freiburg 1419: In vielen Texten heißt es, die Bäckerknechte des Freiburger Heilig-Geist-Spitals hätten 1419 einen Baum mit Äpfeln, Nüssen und Lebkuchen behängt. Ein zeitgenössisches Dokument dazu ist nicht bekannt. Der Historiker Klaus Graf hat die Spur der Geschichte verfolgt und konnte sie nach eigener Darstellung nur bis ins 17. Jahrhundert zurückführen. Forstliche Fachportale und kirchliche Medien führen die Erzählung inzwischen ausdrücklich als unbelegt.
Schlettstadt 1521: Deutlich fester ist der Boden im Elsass. Im Stadtarchiv von Sélestat liegt ein Rechnungsbuch, in dem am Thomastag, dem 21. Dezember 1521, vier Schilling für einen Förster verbucht sind, der die Tannen im Gemeindewald hüten sollte. Offenbar durften sich die Einwohner zu Weihnachten einen Baum schlagen. Die Stadt zeigte das Blatt 2021 zum fünfhundertsten Jubiläum in ihrer Humanistischen Bibliothek.
Straßburg 1539 und 1605: Für 1539 ist ein Baum im Straßburger Münster überliefert. 1605 hält eine Straßburger Aufzeichnung fest, dass man in Straßburg zu Weihnachten Tannen in den Stuben aufrichte und mit bunten Papierrosen, Äpfeln, Oblaten, Flittergold und Zucker behänge. Von Kerzen ist dort noch keine Rede. Wenige Jahrzehnte später schimpfte der Straßburger Prediger Johann Conrad Dannhauer über den Baum als Kinderspiel, das vom Wort Gottes ablenke. Kritik setzt voraus, dass der Brauch verbreitet war.
Zunftbäume: Neben Kirchen und Familien griffen Zünfte und Innungen die Sitte auf. Eine Bremer Zunftchronik von 1570 erwähnt ein Bäumchen im Zunfthaus, behängt mit Äpfeln, Nüssen, Datteln und Papierblumen. Die Kinder durften das Bäumchen schütteln, und was herunterfiel, gehörte ihnen oder den Armen.
Auffällig ist, dass sich die frühen, sicheren Belege am Oberrhein häufen. Das Elsass und das gegenüberliegende badische Ufer gelten deshalb als Kerngebiet des Brauchs.
Riga gegen Tallinn: der Streit um den ersten Baum
Zwei Hauptstädte im Baltikum erheben ebenfalls Anspruch auf den Titel. Beide berufen sich auf die Bruderschaft der Schwarzhäupter, eine Vereinigung lediger Kaufleute, die in beiden Hansestädten Häuser unterhielt. Tallinn, das damalige Reval, nennt das Jahr 1441, Riga das Jahr 1510. Nach den überlieferten Berichten stellten die Kaufleute zur Winterzeit einen geschmückten Baum auf, tanzten darum und verbrannten ihn am Ende der Festtage.
Ob das ein Weihnachtsbaum im heutigen Sinn war, ist fraglich. Der Kulturhistoriker Bernd Brunner weist darauf hin, dass das mittelniederdeutsche Wort für Baum in solchen Quellen auch eine geschmückte Stange oder einen Mast meinen kann. Der lettische Historiker Gustavs Strenga von der Nationalbibliothek in Riga erklärte in Medienberichten, er sehe für keine der beiden Städte einen Beleg dafür, dass dort der Weihnachtsbaum entstanden sei. Die Erzählung vom Schwarzhäupter-Baum als Ursprung sei erst Jahrhunderte später aufgekommen. Riga feierte 2010 trotzdem das fünfhundertjährige Jubiläum seines Baumes, Tallinn hält mit dem früheren Datum dagegen. Am fairsten ist es, beide Orte als frühe Schauplätze eines winterlichen Baumbrauchs zu sehen, ohne einem von ihnen die Erfindung zuzuschreiben.
Weihnachtsbaum Tradition im 18. und 19. Jahrhundert: vom Hof ins Wohnzimmer
Lange blieb der Baum eine Sache von Zunfthäusern, Kirchen und wohlhabenden Haushalten am Oberrhein. Wann die ersten Kerzen an die Zweige kamen, lässt sich nicht exakt datieren. In einem Brief aus dem Jahr 1708 erinnert sich Liselotte von der Pfalz an Buchsbäume mit Lichtern auf jedem Zweig, die sie aus ihrer Kindheit kannte, nach verbreiteter Lesart vom Hof in Hannover. Das gilt als einer der frühesten Hinweise auf beleuchtete Weihnachtsbäume.
In der Literatur schlägt der Baum im späten 18. Jahrhundert Wurzeln. Goethes Werther erinnert sich 1774 an das Entzücken der Kinder beim Anblick eines aufgeputzten Baumes mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln. Johann Peter Hebel greift ihn 1805 auf, und in E. T. A. Hoffmanns Märchen „Nussknacker und Mausekönig“ von 1816 gehört er fest zur Bescherung. Ab etwa 1800 wurde der Baum in Adelshäusern und im städtischen Bürgertum Mode. In Wien stellte Fanny von Arnstein 1814 einen der ersten nachweisbaren Christbäume der Stadt auf. Nach dem Wiener Kongress trugen preußische Beamte den Brauch in die Regionen, in die sie versetzt wurden.
Dabei verlief eine deutliche Grenze entlang der Konfessionen. Evangelische Familien nahmen den Baum zuerst an, katholische hielten länger an der Krippe als Mittelpunkt des Festes fest, und die katholische Kirche begegnete dem Baum vielerorts mit Skepsis. Zur gleichen Zeit verschob sich auch der Gabenbringer: Wie der Heilige Christ den Nikolaus allmählich verdrängte, erzählt unser Artikel über das Christkind. Die Lieder folgten dem Brauch. Ernst Anschütz verband 1824 das alte Treuelied von der Tanne mit dem Weihnachtsfest, die Entstehung erklärt unser Beitrag zum O Tannenbaum Text.
Einen kräftigen Schub brachte der Deutsch-Französische Krieg. Zu Weihnachten 1870 ließen die Heerführer in Lazaretten und Quartieren geschmückte Tannen aufstellen, sodass viele Soldaten den Brauch erstmals erlebten und mit nach Hause nahmen. Der Baum bekam damit zusätzlich eine nationale Färbung. Um 1900 stand er schließlich in evangelischen wie katholischen Wohnzimmern. Der Vatikan zog erst viel später nach: 1982 ließ Papst Johannes Paul II. erstmals einen Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz aufstellen.
Christbaum Geschichte weltweit: England, Amerika und darüber hinaus
Ins Ausland reiste der Baum meist mit Menschen aus dem deutschsprachigen Raum. Nach Großbritannien soll ihn Königin Charlotte gebracht haben, eine gebürtige Prinzessin aus Mecklenburg-Strelitz, die im Jahr 1800 für ein Kinderfest in Windsor einen Baum schmücken ließ. Über den Hof hinaus wirkte das zunächst kaum. Das änderte sich mit Prinz Albert, dem aus Coburg stammenden Ehemann von Königin Victoria, der den Brauch in der Familie pflegte. Im Dezember 1848 druckte die Illustrated London News ein Bild der königlichen Familie um ihren Baum in Windsor. Danach wollten viele britische Familien es dem Königshaus nachtun.
Nach Nordamerika gelangte der Baum über deutsche Auswanderer und Militärangehörige. Für 1781 ist ein kerzengeschmückter Baum belegt, den Friederike Riedesel, die Frau eines deutschen Generals, im kanadischen Sorel aufstellte. In Cambridge bei Boston schmückte der aus Hessen stammende Gelehrte Karl Follen 1832 einen Baum. Zum Massenphänomen trug eine amerikanische Frauenzeitschrift bei, die 1850 das Londoner Königsbild nachdruckte. Auch an europäischen Höfen verbreitete sich die Sitte durch Heiraten: In Paris führte die aus Mecklenburg stammende Herzogin Helene von Orléans den Baum 1837 in den Tuilerien ein.
Vom Apfel zur Glaskugel: Geschichte des Weihnachtsbaumschmucks
Der älteste Behang war essbar oder selbst gemacht. Die Straßburger Notiz von 1605 nennt Papierrosen, Äpfel, Oblaten, Flittergold und Zucker. Rote Äpfel erinnerten an den Paradiesbaum, die Oblaten an die Hostie und damit an die Erlösung. Nüsse, Gebäck und kleines Spielzeug kamen hinzu.
- Kerzen: Bienenwachs war lange teuer, Lichter am Baum blieben deshalb ein Luxus. Erst im 19. Jahrhundert machten die neuen Kerzenmassen Stearin und Paraffin Baumkerzen für breite Schichten erschwinglich.
- Glaskugeln: Im thüringischen Lauscha ist für 1848 in einem Auftragsbuch eine Bestellung über sechs Dutzend Weihnachtskugeln in verschiedenen Größen verzeichnet. Die oft erzählte Geschichte vom armen Glasbläser, der sich 1847 keine Äpfel leisten konnte und deshalb Kugeln blies, ist nicht belegt. Nachdem 1867 in Lauscha ein Gaswerk in Betrieb gegangen war, ließen sich mit der heißeren Flamme größere und dünnwandigere Kugeln blasen. Um 1880 gingen sie bereits in die USA.
- Lametta: Die glitzernden Fäden sollen an Eiszapfen erinnern. Klassisch bestanden sie aus Stanniol, einer Zinnfolie mit Bleianteil, deren Gewicht die Fäden schnurgerade fallen ließ. Wegen des Bleis gilt dieses Material heute als problematisch, und der letzte deutsche Hersteller der klassischen Fäden stellte die Produktion 2015 ein.
- Elektrisches Licht: Im Dezember 1882 zeigte Edward H. Johnson, ein enger Mitarbeiter von Thomas Edison, in seinem Haus in New York einen Baum mit roten, weißen und blauen Glühbirnen. Ein Reporter aus Detroit berichtete darüber. Durchgesetzt haben sich elektrische Lichterketten in den Wohnzimmern aber erst im Laufe des 20. Jahrhunderts.
Wie Weihnachtsbäume früher aussahen und wann sie verschwanden
Der große, bis zur Decke reichende Baum ist eine vergleichsweise junge Erscheinung. Im Elsass hängte man den Baum im späten 16. Jahrhundert häufig an einen Deckenbalken. Das sparte Platz und hielt den essbaren Schmuck von Mäusen fern. Erst mit der bürgerlichen Mode des 19. Jahrhunderts rückte ein stehender Baum in die Mitte der Stube. Weil vieles am Baum zum Essen gedacht war, endete die Festzeit vielerorts mit dem Plündern: Kinder durften Süßes und Obst abnehmen, ein Brauch, den schon die Bremer Zunftchronik andeutet.
Für das Abschmücken gibt es keine allgemeine Regel, wohl aber zwei verbreitete Stichtage. Viele Familien räumen um den Dreikönigstag auf, über dessen Bräuche du bei den Heiligen Drei Königen mehr liest. Andere, vor allem in katholisch geprägten Regionen, lassen Baum und Krippe bis zum 2. Februar stehen. Warum das so ist und wie sich der Kalender seit der Liturgiereform verändert hat, steht ausführlich im Beitrag über Lichtmess.
Was der Weihnachtsbaum bedeutet: mehrere Lesarten statt einer Wahrheit
Weil die Geschichte so viele Stränge hat, gibt es auch nicht die eine richtige Deutung. Christlich wird der immergrüne Baum häufig als Lebensbaum verstanden, der an das Paradies erinnert und auf Christus als Licht der Welt verweist. Wer den Brauch eher kulturell sieht, betont das Wintergrün als Zeichen für Durchhalten und neues Leben. Historisch betrachtet war der Baum im 19. Jahrhundert zudem ein Symbol bürgerlicher Familienidylle und zeitweise auch nationaler Selbstvergewisserung. Ähnlich jung und ähnlich vielschichtig ist der Adventskranz, der sogar erst im 19. Jahrhundert erfunden wurde.
Für dich heißt das: Du darfst deinen Baum so lesen, wie er zu dir passt. Vielleicht macht ihr euch als Paar oder Familie einen Spaß daraus, ein Stück Geschichte aufzugreifen. Hängt ein paar rote Äpfel und Papierrosen zwischen die Kugeln, fragt Großeltern, wie ihr Baum früher aussah, oder sucht euch bewusst einen eigenen Abschmücktag aus. So wird aus einer jahrhundertealten Sitte eure eigene kleine Tradition.
Häufige Fragen
Woher kommt die Tradition mit dem Weihnachtsbaum?
Die Tradition stammt aus dem christlichen Brauchtum des späten Mittelalters, vor allem vom Oberrhein. Als Vorläufer gelten der Paradiesbaum aus den Paradiesspielen am 24. Dezember sowie geschmückte Zweige in Zunfthäusern. Ältere Wintergrün-Bräuche spielten vermutlich mit hinein, eine direkte heidnische Abstammung ist aber nicht belegt.
Wo und wann gab es den ersten Weihnachtsbaum?
Der älteste gesicherte Schriftbeleg stammt aus Schlettstadt im Elsass: Eine Rechnung vom 21. Dezember 1521 betrifft Tannen für die Weihnachtszeit. Ältere Angaben wie Freiburg 1419, Tallinn 1441 oder Riga 1510 sind populär, aber entweder nicht belegt oder unter Historikern umstritten.
Ist der Weihnachtsbaum eine deutsche Erfindung?
Weitgehend ja, wenn man den deutschsprachigen Kulturraum meint. Die frühesten sicheren Belege stammen aus dem Elsass, das damals zum Heiligen Römischen Reich gehörte und heute französisch ist. Von dort und später aus deutschen Ländern verbreitete sich der Brauch über Königshäuser und Auswanderer in alle Welt.
In welchem Land entstand der Weihnachtsbaum?
Nach heutigem Wissensstand entstand er am Oberrhein, also im Grenzgebiet des heutigen Frankreich und Deutschland. Sélestat im Elsass hat mit seinem Rechnungsbuch von 1521 den ältesten belastbaren Nachweis. Lettland und Estland beanspruchen den Ursprung ebenfalls, die Quellen dafür sind jedoch dünn.
Wie sahen die Weihnachtsbäume früher aus?
Frühe Weihnachtsbäume waren eher klein und hingen im Elsass oft an einem Deckenbalken. Geschmückt wurden sie mit Äpfeln, Oblaten, Nüssen, Papierrosen, Flittergold und Zuckerwerk. Kerzen kamen erst später hinzu und waren lange teuer, große stehende Bäume setzten sich im 19. Jahrhundert durch.
Was war der erste Weihnachtsbaumschmuck?
Der erste belegte Schmuck bestand aus roten Äpfeln, Oblaten, Papierrosen, Flittergold und Zucker, wie eine Straßburger Notiz von 1605 festhält. Die Äpfel verwiesen auf den Paradiesbaum, die Oblaten auf das Abendmahl. Gläserne Kugeln sind erst ab 1848 in Lauscha dokumentiert.
Warum lässt man den Christbaum bis Lichtmess stehen?
Der 2. Februar, Mariä Lichtmess, galt nach alter Zählung als Abschluss des weihnachtlichen Festkreises, 40 Tage nach Weihnachten. Wer dieser Zählung folgt, räumt Baum und Krippe erst dann weg. Verbreitet ist das vor allem in katholischen Gegenden, viele andere schmücken um den 6. Januar ab.
Fazit: ein Baum mit vielen Anfängen
Die Geschichte des Weihnachtsbaums hat keinen einzelnen Startpunkt. Paradiesspiele, Zunftbräuche und das Grün der Wintermonate laufen am Oberrhein zusammen, wo 1521 der älteste sichere Beleg auftaucht. Zum Wohnzimmerbaum wurde er erst um 1800, zum Allgemeingut im späten 19. Jahrhundert. Wer das nächste Mal eine Kugel aufhängt, darf ruhig an Äpfel, Oblaten und einen umstrittenen Kaufmannsbaum im Baltikum denken.










