Den Es ist ein Ros entsprungen Text kennen viele vom Chor in der Christmette oder von der Weihnachts-CD der Eltern: ruhig, vierstimmig, ein wenig geheimnisvoll. Was da eigentlich „entspringt“ und warum eine Blume ausgerechnet „mitten im kalten Winter“ blüht, fragt man sich beim Singen selten. Hier findest du die Strophen, die heute in den Gesangbüchern stehen, die katholische und die evangelische Fassung der zweiten Strophe im Vergleich und einen Blick in den ältesten Druck von 1599, der erstaunliche 23 Strophen umfasst. Dazu klären wir, was ein „Ros“ ist, was Jesse und der Prophet Jesaja damit zu tun haben und wie Michael Praetorius dem Lied 1609 den Klang gab, den fast jeder im Ohr hat.
Es ist ein Ros entsprungen Text: die drei gesungenen Strophen
In Gottesdiensten und unterm Baum erklingen fast immer drei Strophen. Die erste und die dritte sind in allen großen Ausgaben praktisch gleich, bei der zweiten gehen die Konfessionen getrennte Wege. Hier steht sie zunächst so, wie sie im Evangelischen Gesangbuch (Nr. 30) abgedruckt ist; die katholische Lesart folgt im nächsten Abschnitt.
Es ist ein Ros entsprungen / aus einer Wurzel zart, / wie uns die Alten sungen, / von Jesse kam die Art / und hat ein Blümlein bracht / mitten im kalten Winter / wohl zu der halben Nacht.
Das Röslein, das ich meine, / davon Jesaja sagt, / hat uns gebracht alleine / Marie, die reine Magd; / aus Gottes ewgem Rat / hat sie ein Kind geboren / wohl zu der halben Nacht.
Das Blümelein so kleine, / das duftet uns so süß; / mit seinem hellen Scheine / vertreibt’s die Finsternis. / Wahr’ Mensch und wahrer Gott, / hilft uns aus allem Leide, / rettet von Sünd und Tod.
Strophen 1 und 2: anonym, Trierer Raum, spätes 16. Jahrhundert, Strophe 2 in der Bearbeitung von Michael Praetorius (1609). Strophe 3: zuerst gedruckt 1844 bei Friedrich Layriz (1808–1859). Melodie: anonym, gedruckt Köln 1599. Text und Melodie sind gemeinfrei.
Die Sprache klingt altertümlich, und das ist gewollt: „sungen“ ist die alte Vergangenheitsform von „singen“, „bracht“ steht für „gebracht“, und „Art“ meint hier keine Sorte, sondern die Abstammung.
Es ist ein Ros entsprungen katholisch und evangelisch
Singst du in einer katholischen Kirche, hörst du ab der dritten Zeile der zweiten Strophe etwas anderes. Katholische Gesangbücher (heute das Gotteslob, Nr. 243) singen sie in einer Fassung, die dem ältesten Druck näher steht, sinngemäß so:
Das Röslein, das ich meine, / davon Jesaja sagt, / ist Maria, die reine, / die uns das Blümlein bracht. / Aus Gottes ewgem Rat / hat sie ein Kind geboren / und blieb ein reine Magd.
Der Unterschied ist Theologie in drei Zeilen. In der katholischen Lesart löst die zweite Strophe das Bild der ersten auf: Jesse ist die Wurzel, Maria das Röslein, das daraus wächst, und ihr Kind das Blümlein. Die Schlusszeile betont zudem, dass Maria nach der Geburt Jungfrau blieb, eine Aussage, die in der Marienverehrung großes Gewicht hat.
Praetorius, ein lutherischer Musiker, verschob die Gewichte zugunsten von Jesus. Bei ihm ist das Röslein nicht Maria, sondern das, was Maria „gebracht“ hat, also das Kind selbst. Rose und Blume meinen dann dieselbe Person. Das wird der biblischen Vorlage gerecht, in der Jesaja zweimal dasselbe in anderen Worten sagt, passt aber nicht ganz zur ersten Strophe, in der die Rose das Blümlein ja hervorbringt. An Marias Reinheit rüttelt auch die evangelische Fassung nicht, sie stellt sie nur nicht ans Ende.
Einen gemeinsamen Text gibt es bis heute nicht. Das alte Gotteslob von 1975 bot neben der katholischen Fassung (Nr. 132) eine ökumenisch gedachte (Nr. 133), deren letzte Zeile „welches uns selig macht“ lautete. Im neuen Gotteslob, eingeführt am ersten Advent 2013, steht nur noch die katholische Version.
Der älteste Druck von 1599: ein Erzähllied mit 23 Strophen
Gedruckt erschien das Lied zuerst 1599 in Köln, in einem Gesangbuch, das im Auftrag des Speyerer Bischofs Eberhard entstand und deshalb meist Speyerer Gesangbuch heißt. Die ersten beiden Strophen lauten dort in der damaligen Schreibweise:
Es ist ein Ros entsprungen / auß einer wurtzel zart / Als vns die alten sungen / auß Jesse kam die art / vnnd hat ein blümlein / bracht / mitten in kaltem winter / wol zu der halben nacht.
Das Röselein das ich meine / Daruon Isaias sagt / Ist Maria die reine / Die vns das blümlein hat bracht / Auß Gottes ewigem raht / Hat sie ein Kindlein gboren / Vnd blieben ein reine Magd.
Danach folgen noch 21 Strophen, die die Weihnachtsgeschichte nach Lukas und Matthäus in Reimen nacherzählen: Gabriels Besuch in Nazareth, Marias Weg zu Elisabeth, die Schätzung unter Kaiser Augustus und die kalte Scheune in Bethlehem, die Hirten, die Beschneidung am achten Tag und die drei Könige mit Myrrhe, Weihrauch und Gold. Den Abschluss bilden ein Lob der Dreifaltigkeit, eine Bitte an Maria und ein Amen.
In der Forschung gilt es als wahrscheinlich, dass diese Erzählstrophen später angehängt wurden und das Lied ursprünglich nur aus den ersten beiden bestand. Ein Argument ist die Machart: In den beiden Eingangsstrophen enden acht Zeilen auf Wörter mit betontem „a“, nämlich zart, Art, bracht, Nacht, sagt, bracht, Rat und Magd. Die Folgestrophen wirken dagegen eher wie gereimter Bibelunterricht.
Es ist ein Ros entsprungen Bedeutung: Wurzel, Jesse und Blümlein
Das Bild stammt aus dem Buch Jesaja, in dem der Prophet einen künftigen Herrscher ankündigt. In der Lutherbibel von 1912 beginnt Kapitel 11 mit den Worten „Und es wird eine Rute aufgehen von dem Stamm Isais“; aus seiner Wurzel, heißt es weiter, werde ein Zweig Frucht bringen. Isai ist Luthers Form für den Namen, den das Lied als Jesse kennt. Er war der Vater Davids, wie das erste Buch Samuel erzählt. Ein Spross aus seinem Stamm ist also ein Nachkomme Davids, und als solchen stellen die Evangelien Jesus vor.
Die lateinische Bibel des Mittelalters spricht an dieser Stelle von einer „virga“, einem Reis, und einer Blüte, „flos“, die aus der Wurzel aufsteigt. Schon die Kirchenväter hörten darin ein Wortspiel: „virga“ klingt fast wie „virgo“, die Jungfrau. So ließ sich der Zweig auf Maria und die Blüte auf Christus deuten; andere Ausleger bezogen den ganzen Vers allein auf Christus. Beide Linien leben in den zwei Fassungen der zweiten Strophe weiter.
Auch die übrigen Bilder lassen sich entschlüsseln:
- „wie uns die Alten sungen“: Gemeint sind die Propheten des Alten Testaments, deren Verheißungen sich aus christlicher Sicht in Jesus erfüllen.
- „aus einer Wurzel zart“: Die Wurzel steht für Davids Familie, die zur Zeit Jesu längst keine Königsmacht mehr besaß. Dass aus einem scheinbar abgestorbenen Stumpf noch etwas wächst, ist der Kern der Hoffnung bei Jesaja.
- „mitten im kalten Winter“: Eine Blüte im Frost steht für das Unerwartete. Die Evangelien nennen keine Jahreszeit, der Winter verdankt sich dem Festtermin im Dezember.
- „wohl zu der halben Nacht“: Die halbe Nacht ist Mitternacht, die Stunde, in der traditionell die Christmette gefeiert wurde.
Gern erzählt wird außerdem von einem Mönch, der an einem Weihnachtsmorgen eine Pflanze im Schnee blühen sah und daraufhin das Lied dichtete; manche denken dabei an die Christrose. Belegt ist an dieser Geschichte nichts, und das Lied braucht sie auch nicht.
Ros’ oder Ros: Rose, Reis und die Schreibweise
Ein „Ros“ ist zunächst einfach eine Rose: Das End-e fällt weg, wie in alten Liedern oft, damit Silbenzahl und Rhythmus stimmen. Die zweite Strophe spricht ja ausdrücklich vom „Röslein“. Trotzdem steckt mehr in dem Wort, denn in der biblischen Vorlage wächst aus der Wurzel ein Reis, also ein junger Trieb. Das Historisch-kritische Liederlexikon des Deutschen Volksliedarchivs stellt in seiner Erklärung deshalb „Ros (Reis)“ nebeneinander. Ob der unbekannte Dichter an einen Rosenzweig, an einen Spross oder bewusst an beides dachte, lässt sich nicht entscheiden.
Ein weiteres Missverständnis liefern alte Drucke: Praetorius schrieb 1609 „Roeß“, was heute an ein Pferd denken lässt. Mit dem Ross hat das Lied nichts zu tun; die Rechtschreibung war damals schlicht nicht festgelegt.
Und das Häkchen? Im 19. Jahrhundert setzten viele Herausgeber Apostrophe, um die Verkürzung zu markieren, etwa „Es ist ein’ Ros’ entsprungen“. Die heutigen Gesangbücher verzichten darauf. Falsch ist der Apostroph nicht, nötig aber auch nicht.
Herkunft: aus dem Trierer Raum ins Speyerer Gesangbuch
Die älteste bekannte Aufzeichnung ist handschriftlich. Ein Frater Conradus aus dem Raum Trier trug den Text zwischen 1582 und 1588 in ein Gebetbuch ein, das heute in der Stadtbibliothek Trier liegt; der Liturgiewissenschaftler Andreas Heinz hat die Herkunft dieser Quelle 1980 eigens untersucht. Zur Trierer Spur passt, dass ein Mainzer Gebetbuch das Stück später als „Alt Catholisch Trierer Christliedlein“ bezeichnete. Wer es verfasst hat, ist unbekannt. Gelegentlich liest man, das Lied stamme schon aus dem 14. oder 15. Jahrhundert, eine so frühe datierte Quelle gibt es aber nicht.
Mit Noten taucht es erst im Kölner Druck von 1599 auf. Im 17. Jahrhundert verbreitete es sich rasch in katholischen Gesangbüchern, oft in abweichender Gestalt. Seinen festen Platz im Gottesdienst fand es dennoch spät. Lange galt es als geistliches Volkslied, und evangelischen Gemeinden stand zusätzlich die katholische Herkunft im Weg. Katholische Bücher nahmen es ab der Mitte des 19. Jahrhunderts vereinzelt auf, verbreitet erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts; auf evangelischer Seite war das Deutsche Evangelische Gesangbuch von 1915 eine frühe Ausnahme.
Praetorius 1609: der Satz, den heute fast jeder kennt
Dass ein katholisches Marienlied auch in lutherischen Kirchen erklingt, verdankt es Michael Praetorius, Hofkapellmeister in Wolfenbüttel und einer der fleißigsten Komponisten seiner Zeit. In den sechsten Teil seiner Sammlung „Musae Sioniae“, gedruckt 1609 in Wolfenbüttel, nahm er das Lied als Nummer 53 auf, in einem schlichten vierstimmigen Satz. Dort steht erstmals die veränderte zweite Strophe, die bis heute in evangelischen Gesangbüchern zu finden ist.
Zum Standard wurde der Satz allerdings erst im 19. Jahrhundert. Carl von Winterfeld veröffentlichte ihn 1843 in seinem großen Werk über den evangelischen Kirchengesang neu, danach setzte er sich durch. Die Melodie selbst stammt übrigens nicht von Praetorius: Sie steht schon im Druck von 1599 und hat keinen bekannten Komponisten. Praetorius fügte die drei Unterstimmen hinzu.
Es ist ein Ros entsprungen Strophen: was später dazukam
Praetorius überlieferte nur zwei Strophen. Die dritte, die heute fast überall gesungen wird, erschien 1844 in der Sammlung „Kern des deutschen Kirchenlieds von Luther bis auf Gellert“ des Pfarrers Friedrich Layriz, der drei Strophen ergänzte. Bei ihm beginnt die neue Strophe noch mit „Das Röselein so kleine“, später setzte sich „Blümelein“ durch. Sie wurde so beliebt, dass sie seit 1938 auch in der katholischen Singpraxis üblich ist.
Layriz’ vierte Strophe, ein Lobpreis der Dreifaltigkeit und der Gottesmutter, hat sich nicht durchgesetzt. Seine fünfte, ein Gebet um Begleitung bis zum Lebensende, steht heute als vierte Strophe im Evangelischen Gesangbuch, dort leicht modernisiert. Sie greift erkennbar Formulierungen aus den Schlussstrophen von 1599 auf, etwa das „Jammertal“ und die Bitte „o Gott, uns das verleih“. Bei Layriz lautet sie:
O Jesu, bis zum Scheiden / aus diesem Jamerthal / Laß dein Hilf uns geleiten / hin in der Engel Saal, / In deines Vaters Reich, / da wir dich ewig loben: / o Gott, uns das verleih!
In Chorheften kursieren außerdem jüngere Zusatzstrophen. Solche Neudichtungen können urheberrechtlich geschützt sein, auch wenn das Lied selbst gemeinfrei ist; achte beim Kopieren auf die Quellenangabe.
Melodie und Musik: von Brahms bis Sandström
Kaum ein Weihnachtslied hat Komponisten so oft beschäftigt. Johannes Brahms schrieb 1896 ein Choralvorspiel für Orgel darüber, Nummer 8 seiner Elf Choralvorspiele op. 122. Arnold Schönberg verflocht die Melodie 1921 in seiner „Weihnachtsmusik“ mit „Stille Nacht“. Hugo Distler baute 1933 Chorvariationen darüber in sein Oratorium „Die Weihnachtsgeschichte“ ein, und der Schwede Jan Sandström legte 1990 den Praetorius-Satz über einen zweiten, summenden Chor.
Die bekannteste englische Fassung, „Lo, How a Rose E’er Blooming“, schrieb Theodore Baker 1894; bei ihm steht die Rose für das Christuskind. Zur Geschichte gehört auch ein dunkles Kapitel: 1943 druckten die Nationalsozialisten in der Sammlung „Deutsche Kriegsweihnacht“ eine Umdichtung, die Jesse aus dem Text strich und statt des Kindes in der Krippe Mutterschaft und Volk besang. Durchgesetzt hat sie sich nicht. Wie verbreitet das Original ist, zeigt das Deutsche Volksliedarchiv, das schon 2007 mehr als 900 Tonträger mit dem Lied verzeichnete.
Es ist ein Ros entsprungen Liedtext heute: wann und wie singen
Evangelisches Gesangbuch und Gotteslob führen das Lied unter den Weihnachtsliedern, im Gotteslob nicht weit von O du fröhliche und Stille Nacht. Weil es von einer Verheißung erzählt, erklingt es aber auch oft schon im Advent, bei Konzerten oder Andachten; eine feste Regel gibt es nicht. Welche Lieder eher in die Wartezeit und welche in die Festtage gehören, zeigt unsere Übersicht über die Weihnachtslieder.
- Fassung klären: Sprecht vorher ab, ob ihr die katholische oder die evangelische zweite Strophe singt, und druckt nur diese aus.
- Ruhig bleiben: Die Melodie lebt von langen Bögen. Nimm das Tempo lieber zu langsam als zu schnell, besonders in der Schlusszeile.
- Als Rätsel nutzen: Lies Kindern die erste Strophe vor und lass sie raten, wer mit der Rose gemeint sein könnte. Die zweite liefert die Auflösung.
- Gedicht dazunehmen: Wenn nicht alle singen mögen, passt ein vorgelesenes Gedicht zwischen den Strophen, etwa aus den Adventsgedichten oder den besinnlichen Weihnachtsgedichten.
- Vor der Bescherung: Wo das Christkind die Geschenke bringt, eignet sich das Lied als stiller Moment, bevor das Glöckchen klingelt.
Die Frage nach Praetorius’ Satz steckt auch in unserem Weihnachtsquiz. Und wer Menschen, die nicht dabei sein können, eine Zeile aus dem Lied schicken möchte, findet passende Worte bei den Heiligabend-Grüßen.
Häufige Fragen
Woher stammt das Lied „Es ist ein Ros entsprungen“?
Das Lied stammt vermutlich aus dem Raum Trier. Die älteste bekannte Niederschrift steht in einem handschriftlichen Gebetbuch, das zwischen 1582 und 1588 entstand. Gedruckt erschien es zuerst 1599 im Speyerer Gesangbuch, das in Köln herauskam. Dichter und Komponist sind unbekannt, den heute gesungenen Satz schuf Michael Praetorius 1609.
Was bedeutet es ist ein Ros entsprungen?
Der Satz bedeutet: Aus einer alten Wurzel ist eine Rose oder ein junger Trieb hervorgewachsen. Gemeint ist die Weissagung aus Jesaja 11, nach der aus dem Stamm Isais, des Vaters von David, ein neuer Spross kommt. Christen beziehen das auf die Geburt Jesu, die katholische Fassung deutet die Rose zusätzlich auf Maria.
Was ist ein Ros?
„Ros“ ist eine verkürzte, alte Form von „Rose“, bei der das End-e dem Rhythmus zuliebe wegfällt. Weil die biblische Vorlage von einem Reis, also einem Zweig oder Trieb, spricht, schwingt diese Bedeutung oft mit. Mit dem Pferd hat das Wort trotz der alten Schreibung „Roeß“ bei Praetorius nichts zu tun.
Wie viele Strophen hat „Es ist ein Ros entsprungen“?
Gesungen werden meist drei Strophen, im Evangelischen Gesangbuch stehen vier. Ursprünglich bestand das Lied vermutlich nur aus zwei Strophen, der älteste Druck von 1599 bringt dagegen 23, die die ganze Weihnachtsgeschichte erzählen. Die heute übliche dritte Strophe kam erst 1844 bei Friedrich Layriz hinzu.
Wer hat die Melodie von „Es ist ein Ros entsprungen“ komponiert?
Wer die Melodie erfunden hat, ist nicht bekannt; überliefert ist sie zuerst im Kölner Druck von 1599. Michael Praetorius hat sie 1609 nicht komponiert, sondern vierstimmig gesetzt. Dieser Satz aus seiner Sammlung „Musae Sioniae“ ist die Fassung, die Chöre und Gemeinden heute fast immer singen.
Darf ich den Text von „Es ist ein Ros entsprungen“ frei verwenden?
Ja, die Strophen aus dem 16. Jahrhundert, die Bearbeitung von Praetorius und die Strophen von Layriz sind längst gemeinfrei, ebenso die Melodie. Vorsicht gilt nur bei neueren Zusatzstrophen, modernen Übersetzungen und aktuellen Chorsätzen oder Notenausgaben, deren Rechte du vor dem Kopieren prüfen solltest.
Fazit: ein Rätsel in zwei Strophen
„Es ist ein Ros entsprungen“ beginnt als Rätsel und löst es eine Strophe später auf, nur je nach Konfession ein wenig anders. Hinter der Rose im Schnee steht ein Prophetenwort über einen Spross aus altem Stamm, hinter dem vertrauten Klang ein lutherischer Hofkapellmeister, der ein katholisches Lied für seine Kirche bearbeitete. Wenn du es diesmal singst, weißt du, wer Jesse war, warum die Nacht „halb“ ist und weshalb die zweite Strophe in der Kirche nebenan anders endet. Vielleicht ein Anlass, beide Fassungen einmal nacheinander zu singen.











