Weihnachtslieder: bekannte Lieder, Texte und ihre Herkunft

Weihnachtslieder im Überblick: Adventslieder, Klassiker für Heiligabend, Kinderlieder, alte und internationale Titel, mit Herkunft und Links zu allen Texten.

von Nina Hofmann16 Min. Lesezeit
Weihnachtslieder: bekannte Lieder, Texte und ihre Herkunft
Inhalt 10 Abschnitte
  1. Was ein Weihnachtslied ausmacht
  2. Adventslieder: Lieder für die Wartezeit
  3. Bekannte Weihnachtslieder für den Heiligabend
  4. Weihnachtslieder für Kinder
  5. Alte Weihnachtslieder: vom Mittelalter bis zur Reformation
  6. Deutsche Weihnachtslieder aus dem 19. Jahrhundert
  7. Englische und internationale Weihnachtslieder
  8. Moderne Weihnachtshits: Titel, Interpret, Jahr
  9. Weihnachtslieder Texte: was gemeinfrei ist und was nicht
  10. Weihnachtslieder gemeinsam singen

Weihnachtslieder sind für viele Familien der Teil des Festes, der sich am wenigsten verändert. Der Baum steht jedes Jahr woanders, das Essen wechselt, aber spätestens bei „Stille Nacht“ singen drei Generationen dieselben Zeilen. Dieser Überblick ordnet die bekanntesten Lieder ein: Woher sie kommen, wann sie passen, welche Texte du frei abdrucken darfst und wo du die vollständigen Strophen findest. Die ganzen Liedtexte stehen nicht hier, sondern jeweils in einem eigenen Beitrag, auf den wir bei jedem Lied verlinken.

Ein kleiner Hinweis vorab: Ranglisten wie „die zehn beliebtesten Weihnachtslieder“ liest man oft, belegt sind sie selten. Wo es echte Umfragen gibt, nennen wir sie mit Jahr und Auftraggeber. Wo nicht, sagen wir das auch.

Was ein Weihnachtslied ausmacht

Nicht alles, was im Dezember gesungen wird, handelt von Weihnachten. Wenn du ein Liedblatt zusammenstellst oder ein Programm für die Feier planst, hilft es, vier Gruppen zu unterscheiden. Die Grenzen sind fließend, aber sie erklären, warum manche Lieder schon Ende November erklingen und andere erst am Heiligabend.

  • Adventslieder erzählen vom Warten. Sie sprechen von der offenen Tür, vom kommenden König, von Hoffnung im Dunkeln. Die Krippe kommt darin meist noch nicht vor.
  • Weihnachtslieder im engeren Sinn besingen die Geburt Jesu: Stall, Hirten, Engel, das Kind in der Krippe. Im kirchlichen Kalender gehören sie in die Zeit ab dem 24. Dezember.
  • Nikolaus- und Bescherungslieder sind meist für Kinder geschrieben. Sie kreisen um Geschenke, Vorfreude und die Gestalt, die sie bringt, ob Nikolaus, Christkind oder Weihnachtsmann.
  • Winter- und Baumlieder kommen ganz ohne biblische Geschichte aus. Schnee, Schlitten und der Tannenbaum genügen ihnen als Anlass.

Im Alltag nennt man alle vier Gruppen schlicht Weihnachtslieder, und das ist auch völlig in Ordnung. Wer aber im Gottesdienst singt oder in einer gemischten Runde Rücksicht nehmen möchte, merkt schnell, dass die Unterscheidung praktisch ist. Ein Baumlied stört niemanden, der mit Religion wenig anfangen kann. Ein Krippenlied am ersten Advent wirkt in manchen Gemeinden dagegen verfrüht.

Adventslieder: Lieder für die Wartezeit

Adventslieder sind oft älter und ernster als die Lieder für den Heiligabend. Viele stammen aus dem Gesangbuch und haben eine feierliche, manchmal fast marschartige Bewegung. Das passt zu ihrem Thema: Jemand Wichtiges ist unterwegs, und man bereitet ihm den Weg.

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ schrieb der Königsberger Pfarrer Georg Weissel 1623 zur Einweihung einer neuen Kirche, die am zweiten Advent gefeiert wurde. Das Bild der geöffneten Tore stammt aus dem 24. Psalm. Die Melodie, die heute fast überall gesungen wird, erschien erst 1704 in einem Gesangbuch aus Halle; wer sie komponiert hat, weiß man nicht. Alle Strophen und ihre Bedeutung findest du im Beitrag zum Macht hoch die Tür Text.

„Tochter Zion, freue dich“ verbindet einen deutschen Text mit einer Melodie von Georg Friedrich Händel, die aus seinem Oratorium „Joshua“ von 1747 stammt. Den Text verfasste der Erlanger Theologe Friedrich Heinrich Ranke nach 1820. Ursprünglich war das Lied für den Palmsonntag gedacht, also für den Einzug Jesu in Jerusalem. Weil dieselbe Bibelstelle traditionell auch am ersten Advent gelesen wird, ist es heute vor allem ein Adventslied. Mehr dazu steht im Artikel zum Tochter Zion Text.

Zwei weitere Adventsklassiker zeigen, wie unterschiedlich die Herkunft sein kann. „Es kommt ein Schiff, geladen“ ist als Text bereits in einer Straßburger Handschrift aus der Zeit vor 1450 überliefert. „Maria durch ein Dornwald ging“ war dagegen ursprünglich ein Wallfahrtslied, das erst die Jugendbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts in die Adventszeit holte. Und „Wir sagen euch an den lieben Advent“, das zu jeder Kerze am Kranz eine Strophe hat, ist erst 1954 entstanden. Wenn du lieber Verse vorliest als singst, findest du passende Texte bei den Adventsgedichten.

Bekannte Weihnachtslieder für den Heiligabend

Am 24. Dezember wird es dann eng auf dem Liedblatt. Eine Handvoll Lieder taucht in fast jeder Christvesper, in vielen Wohnzimmern und auf unzähligen Aufnahmen auf. Hier sind die Klassiker, jeweils mit dem Liedanfang als Erkennungszeichen.

„Stille Nacht, heilige Nacht“ erklang zum ersten Mal am Heiligabend 1818 in Oberndorf bei Salzburg. Den Text hatte der junge Hilfspriester Joseph Mohr geschrieben, die Musik schrieb Franz Xaver Gruber, der im Nachbarort unterrichtete und in Oberndorf die Orgel spielte, und begleitet wurde das Lied von einer Gitarre. Mohr dichtete ursprünglich sechs Strophen, gesungen werden heute meist drei. Im Alpenraum gilt vielerorts der Brauch, das Lied bis zum 24. Dezember aufzuheben. Den vollständigen Stille Nacht Text mit allen Strophen haben wir separat aufbereitet.

„O du fröhliche, o du selige“ hat eine ungewöhnliche Vorgeschichte. Der Weimarer Pädagoge Johannes Daniel Falk schrieb 1816 ein Lied, das gleich drei Feste abdeckte: Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Erst eine spätere Bearbeitung machte daraus ein reines Weihnachtslied. In vielen Gemeinden beschließt es den Gottesdienst am Heiligabend. Die Hintergründe zu Falk und zur Melodie stehen im Beitrag zum O du fröhliche Text.

„O Tannenbaum, o Tannenbaum“ kommt ohne Krippe und Engel aus. Es geht auf ältere Baum- und Liebeslieder zurück; der Leipziger Lehrer Ernst Anschütz machte 1824 das Weihnachtslied daraus, das wir heute kennen. Weil es keine religiösen Bilder enthält, funktioniert es auch in Runden, in denen nicht alle gläubig sind. Den O Tannenbaum Text mit allen Strophen findest du hier. Wie der geschmückte Baum selbst ins Wohnzimmer kam, erzählt die Geschichte des Weihnachtsbaums.

„Es ist ein Ros entsprungen“ ist das älteste Lied in dieser Gruppe. Die frühesten Textzeugnisse stammen aus der Gegend von Trier aus den 1580er-Jahren, gedruckt wurde es 1599. Den vierstimmigen Satz, der bis heute in Kirchen und Chören erklingt, schrieb Michael Praetorius 1609. Katholische und evangelische Fassungen deuten die Rose übrigens unterschiedlich. Was es damit auf sich hat, erklärt der Beitrag zum Es ist ein Ros entsprungen Text.

Wer am Abend nicht nur singen, sondern auch ein paar Zeilen in die Karte schreiben möchte, findet Ideen bei den Heiligabend-Grüßen.

Weihnachtslieder für Kinder

Kinderlieder zur Weihnachtszeit haben ein paar gemeinsame Merkmale: kurze Zeilen, viele Wiederholungen, ein Tonumfang, den kleine Stimmen schaffen, und meist ein konkretes Bild statt Theologie. Viele stammen aus dem 19. Jahrhundert, als Pädagogen gezielt Lieder für Schule und Familie schrieben.

„Lasst uns froh und munter sein“ ist das klassische Nikolauslied für den 6. Dezember. Text und Melodie stammen aus dem 19. Jahrhundert, möglicherweise aus dem Hunsrück; wer es gedichtet hat, ist nicht sicher geklärt. Der Refrain mit dem fröhlichen Ausruf ist so eingängig, dass schon Kleinkinder mitsingen können. Die Strophen stehen im Beitrag zum Lasst uns froh und munter sein Text, Verse zum Aufsagen bei den Nikolausgedichten.

„Alle Jahre wieder“ schrieb der Pfarrer Wilhelm Hey; es erschien 1837 im Anhang eines Fabelbuchs für Kinder. Die bekannte Melodie stammt von Friedrich Silcher. Mit nur drei kurzen Strophen ist es oft das erste Weihnachtslied, das Kinder in der Kita lernen. Alles Weitere findest du beim Alle Jahre wieder Text.

„Ihr Kinderlein, kommet“ lädt die Kinder direkt an die Krippe ein. Der Text stammt von dem katholischen Priester und Jugendschriftsteller Christoph von Schmid und wurde 1811 zunächst ohne Namen gedruckt. Die Melodie hatte Johann Abraham Peter Schulz schon 1794 für ein Frühlingsgedicht geschrieben; zusammengebracht wurden beide erst später. Die Details stehen im Beitrag zum Ihr Kinderlein kommet Text.

„Leise rieselt der Schnee“ veröffentlichte der Pfarrer Eduard Ebel 1895 unter einem anderen Titel. Es beginnt als Winterbild und endet mit der Vorfreude auf das Christkind, deshalb wird es mal im Advent, mal an Weihnachten gesungen. Den Leise rieselt der Schnee Text mit allen Strophen findest du hier.

Daneben gibt es eine Reihe von Bescherungsliedern, die ganz auf die Vorfreude setzen. „Morgen, Kinder, wird’s was geben“ erschien 1795 und wird meist Karl Friedrich Splittegarb zugeschrieben. „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ dichtete Hoffmann von Fallersleben 1835; gesungen wird es auf dieselbe französische Volksweise wie „Twinkle, Twinkle, Little Star“. Und „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ von Karl Enslin, gedruckt 1854, lässt das Christkind an die Tür klopfen. Wer die beiden Gabenbringer kennenlernen will, liest weiter beim Christkind und beim Weihnachtsmann. Kurze Reime zum Vortragen gibt es bei den Weihnachtsgedichten für Kinder.

Alte Weihnachtslieder: vom Mittelalter bis zur Reformation

Die frühesten Weihnachtsgesänge des Westens waren lateinische Hymnen für Messe und Stundengebet. Im Mittelalter kamen deutschsprachige Rufe dazu, die das Volk zwischen den lateinischen Teilen singen durfte. Aus dieser Zeit sind erstaunlich viele Lieder bis heute im Gebrauch, wenn auch meist in überarbeiteter Form.

  • „Gelobet seist du, Jesu Christ“: Die erste Strophe ist in einer Handschrift aus dem Kloster Medingen um 1380 überliefert. Martin Luther ergänzte weitere Strophen, gedruckt 1524.
  • „In dulci jubilo“: Das Lied mischt Latein und Deutsch in jeder Zeile. Die älteste bekannte Aufzeichnung stammt aus dem späten 14. Jahrhundert; zugeschrieben wird es dem Mystiker Heinrich Seuse, belegt ist das nicht.
  • „Joseph, lieber Joseph mein“: Ein Wiegenlied aus dem Brauch des Kindelwiegens, bei dem in Kirchen und Klöstern eine Krippe geschaukelt wurde. Überliefert ist es vom sogenannten Mönch von Salzburg aus dem 14. Jahrhundert.
  • „Vom Himmel hoch, da komm ich her“: Luther schrieb den Text wohl 1533 oder 1534 in Wittenberg, gedruckt wurde er 1535. Die Melodie erschien 1539 und stammt vermutlich von Luther selbst.
  • „Es ist ein Ros entsprungen“ und „Macht hoch die Tür“ schließen diese frühe Phase ab: das eine aus dem späten 16. Jahrhundert, das andere aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

Viele dieser Lieder kennen jüngere Menschen kaum noch. Eine Emnid-Umfrage für das evangelische Magazin chrismon fragte 2010 nach der Textsicherheit: Die erste Strophe von „Es ist ein Ros entsprungen“ konnten insgesamt 47 Prozent der 1.001 Befragten mitsingen, unter den 14- bis 29-Jährigen aber nur 16 Prozent. Bei „Vom Himmel hoch“ waren es insgesamt 56 Prozent. Wer ein altes Lied in der Familie wieder einführen will, sollte also den Text auf Papier dabeihaben.

Deutsche Weihnachtslieder aus dem 19. Jahrhundert

Der größte Teil der deutschen Weihnachtslieder, die heute im Wohnzimmer gesungen werden, ist zwischen 1800 und 1900 entstanden. Das ist kein Zufall. In dieser Zeit wurde Weihnachten zum Familienfest mit Baum, Bescherung und Kindern im Mittelpunkt. Lehrer, Pfarrer und Dichter schrieben Lieder für genau diese neue Situation: für die gute Stube, fürs Klavier, für Kinderstimmen. Eine kleine Zeitleiste zeigt, wie dicht diese Jahrzehnte waren.

  • 1816: Johannes Daniel Falk schreibt „O du fröhliche“ in Weimar.
  • 1818: „Stille Nacht“ wird in Oberndorf zum ersten Mal gesungen.
  • 1823: Ranke überträgt das lateinische „Adeste fideles“ als „Herbei, o ihr Gläubigen“.
  • 1824: Ernst Anschütz veröffentlicht seine Fassung von „O Tannenbaum“.
  • 1835: Hoffmann von Fallersleben dichtet „Morgen kommt der Weihnachtsmann“.
  • 1837: Wilhelm Heys „Alle Jahre wieder“ erscheint.
  • 1854: Karl Enslins „Kling, Glöckchen“ wird gedruckt.
  • 1860: „Süßer die Glocken nie klingen“ von Friedrich Wilhelm Kritzinger erscheint, auf die Melodie eines älteren Volkslieds.
  • 1870: Carl Riedel veröffentlicht „Kommet, ihr Hirten“, eine freie deutsche Fassung eines böhmischen Lieds.
  • 1895: Eduard Ebel bringt „Leise rieselt der Schnee“ heraus.

Auffällig ist, wie viele dieser Lieder aus pädagogischen Zusammenhängen stammen. Falk gründete in Weimar ein Rettungshaus für Kinder, Anschütz war Lehrer, Kritzinger bildete Lehrerinnen aus, und Hey wie Ebel waren Pfarrer, die gern für Kinder schrieben. Die Lieder sollten fromm, aber verständlich sein, und viele haben deshalb eine Schlichtheit, die sie bis heute singbar macht. Eine Quizrunde mit Fragen zu genau diesen Entstehungsgeschichten findest du übrigens im Weihnachtsquiz.

Englische und internationale Weihnachtslieder

Viele Lieder sind über Sprachgrenzen gewandert, in beide Richtungen. Manche deutschen Klassiker sind im Ausland bekannter als bei uns vermutet, andere internationale Titel singen wir längst auf Deutsch, ohne es zu wissen.

  • „Silent Night“ ist die englische Fassung von „Stille Nacht“ und gehört im englischsprachigen Raum zum festen Repertoire.
  • „O Christmas Tree“ überträgt „O Tannenbaum“ ins Englische.
  • „Adeste fideles“ ist ein lateinisches Lied aus dem 18. Jahrhundert, auf Englisch „O Come, All Ye Faithful“, auf Deutsch „Herbei, o ihr Gläubigen“.
  • „Jingle Bells“ wurde 1857 von James Lord Pierpont veröffentlicht und erzählt eigentlich von einer Schlittenfahrt; Weihnachten kommt im Text nicht vor.
  • „We Wish You a Merry Christmas“ ist ein englisches Volkslied, das man vor allem vom Refrain kennt.
  • „Minuit, chrétiens“ mit der Melodie von Adolphe Adam stammt aus Frankreich und wurde als „O Holy Night“ weltberühmt.
  • „Nesem vám noviny“ ist das tschechische Original, auf das „Kommet, ihr Hirten“ zurückgeht.

Für eine gemischte Feier mit Gästen aus verschiedenen Ländern ist so eine Liste praktisch: Du kannst ein Lied in zwei Sprachen nacheinander singen, und jeder hat einmal den Text, den er von zu Hause kennt.

Moderne Weihnachtshits: Titel, Interpret, Jahr

Im Radio laufen im Dezember vor allem Popsongs, und viele davon gehören für jüngere Menschen genauso zu Weihnachten wie die Kirchenlieder für die Großeltern. Die folgende Auswahl nennt nur Titel, Interpreten und das Jahr der Veröffentlichung. Texte drucken wir bewusst nicht ab, denn sie sind urheberrechtlich geschützt.

  • „White Christmas“, gesungen von Bing Crosby, 1942, geschrieben von Irving Berlin für den Film „Holiday Inn“
  • „Rockin’ Around the Christmas Tree“, Brenda Lee, 1958
  • „Feliz Navidad“, José Feliciano, 1970
  • „Last Christmas“, Wham!, 1984
  • „Do They Know It’s Christmas?“, Band Aid, 1984
  • „Driving Home for Christmas“, Chris Rea, zuerst 1986 als B-Seite, 1988 neu aufgenommen
  • „Fairytale of New York“, The Pogues mit Kirsty MacColl, 1987
  • „In der Weihnachtsbäckerei“, Rolf Zuckowski, 1987
  • „All I Want for Christmas Is You“, Mariah Carey, 1994

Auf Weihnachtsfeiern sind diese Songs oft die Brücke zwischen den Generationen. Die Kinder kennen „In der Weihnachtsbäckerei“ aus der Kita, die Eltern „Last Christmas“ aus dem Radio, und mit „O Tannenbaum“ bekommst du am Ende alle zusammen. Mehr Ideen für den Ablauf eines solchen Abends findest du bei den Weihnachtsfeier-Ideen.

Weihnachtslieder Texte: was gemeinfrei ist und was nicht

In Deutschland ist ein Liedtext geschützt, bis sein Verfasser siebzig Jahre tot ist. Die Frist läuft bis zum Ende des Kalenderjahres. Für die Melodie gilt dasselbe, gerechnet ab dem Tod des Komponisten. Erst wenn beide Fristen abgelaufen sind, ist ein Lied als Ganzes gemeinfrei.

Für die meisten Klassiker aus diesem Überblick ist das unproblematisch. Mohr, Gruber, Falk, Anschütz, Hey, Ebel, Weissel, Schmid und Ranke sind alle seit weit über hundert Jahren tot, ebenso die alten Volks- und Kirchenlieder ohne bekannten Verfasser. Ihre Texte darfst du abschreiben, ausdrucken, ins Gemeindeblatt setzen oder vorlesen.

Anders sieht es bei jüngeren Liedern aus, auch wenn sie im Gesangbuch stehen und sich wie altes Volksgut anfühlen:

  • „Wir sagen euch an den lieben Advent“: Der Text stammt von Maria Ferschl, die 1982 starb, die Melodie von Heinrich Rohr, gestorben 1997. Beides ist noch geschützt.
  • Lieder von Rolf Zuckowski wie „In der Weihnachtsbäckerei“: Der Liedermacher lebt, seine Texte sind geschützt.
  • Lieder von Rolf Krenzer, die in vielen Kitas gesungen werden: Krenzer starb 2007, der Schutz läuft noch Jahrzehnte.
  • Internationale Popsongs wie „Last Christmas“ oder „All I Want for Christmas Is You“: Hier sind Texte und Musik vollständig geschützt.

Eine Falle gibt es auch bei alten Liedern. Wer ein freies Lied neu arrangiert, setzt oder einspielt, kann an genau dieser Fassung eigene Rechte erwerben, auch wenn das Original längst niemandem mehr gehört. Wenn du also ein Video mit „Stille Nacht“ unterlegen willst, ist die eigene Aufnahme die sicherste Lösung. Für das gemeinsame Singen im Wohnzimmer spielt das alles keine Rolle. Relevant wird es, sobald du etwas veröffentlichst, druckst oder öffentlich aufführst. Bei Unsicherheit lohnt ein Blick auf die Angaben im Gesangbuch, dort sind Verfasser und Lebensdaten meist vermerkt.

Weihnachtslieder gemeinsam singen

Wer selten singt, fühlt sich beim ersten Ton oft unsicher, und das ist völlig in Ordnung. Mit ein paar Kniffen wird das gemeinsame Singen in der Familie oder auf der Feier trotzdem schön, auch ohne Chorerfahrung.

Ein Liedblatt vorbereiten. Kaum jemand kennt mehr als die erste Strophe auswendig. Ein ausgedrucktes Blatt mit drei bis fünf Liedern nimmt allen die Unsicherheit. Nimm dafür gemeinfreie Texte aus den verlinkten Einzelbeiträgen und schreib bei jedem Lied den Verfasser dazu. Wer mag, nummeriert die Lieder, dann muss niemand suchen.

Eine Reihenfolge wählen, die eine Geschichte erzählt. Ein Abend kann mit einem Adventslied beginnen, über ein Kinderlied zur Krippe führen und mit „O du fröhliche“ oder „Stille Nacht“ enden. So wirkt das Singen nicht wie eine Pflichtübung, sondern wie ein kleiner Bogen.

Tief genug anstimmen. Liegt ein Lied für die Runde unbequem hoch, ist das kein Grund aufzugeben. Wer begleitet, ob mit Gitarre, Klavier oder App, darf ruhig ein paar Töne tiefer ansetzen. Bei Kindern ist es oft umgekehrt: Sie singen bequemer etwas höher als die Erwachsenen.

Strophen auswählen. Nicht jedes Lied muss vollständig gesungen werden. Bei langen Kirchenliedern reichen die erste und die letzte Strophe, bei Kinderliedern darf man die Lieblingsstrophe ruhig zweimal singen.

Niemanden zwingen. Wer nicht singen mag, kann zuhören, eine Kerze anzünden oder ein Gedicht vortragen. Auch ein klassisches Gedicht aus unserer Sammlung der Weihnachtsgedichte füllt eine Pause zwischen zwei Liedern gut aus.

Häufige Fragen

Was sind die 10 beliebtesten Weihnachtslieder?

Eine amtliche Rangliste der zehn beliebtesten Weihnachtslieder gibt es nicht. Die beste Annäherung liefern Umfragen: In einer YouGov-Befragung von 2.057 Erwachsenen im November 2016 nannten 44 Prozent „Stille Nacht, heilige Nacht“ als Lieblingslied, so viele wie bei keinem anderen Titel. Eine begründete Auswahl, die in den meisten Liederbüchern steht und durchweg gemeinfrei ist, wären diese zehn: „Stille Nacht“, „O Tannenbaum“, „O du fröhliche“, „Alle Jahre wieder“, „Leise rieselt der Schnee“, „Ihr Kinderlein, kommet“, „Es ist ein Ros entsprungen“, „Macht hoch die Tür“, „Tochter Zion“ und „Lasst uns froh und munter sein“.

Welche sind die Top 5 Weihnachtslieder?

Eine feste Top 5 hängt davon ab, wen du fragst und wonach. Ganz vorn liegt in Umfragen regelmäßig „Stille Nacht“. In der YouGov-Befragung von 2016 nannten außerdem 40 Prozent der Frauen und 26 Prozent der Männer „Last Christmas“; „O Tannenbaum“ war das einzige Lied, das Männer häufiger wählten als Frauen. Wer deutsche Klassiker sucht, ist mit „Stille Nacht“, „O Tannenbaum“, „O du fröhliche“, „Alle Jahre wieder“ und „Leise rieselt der Schnee“ gut beraten. Diese fünf kennen in vielen Familien mehrere Generationen.

Welche sind die 50 schönsten Weihnachtslieder aller Zeiten?

Eine überprüfte Liste der 50 schönsten Weihnachtslieder aller Zeiten existiert nicht, denn „schön“ lässt sich nicht messen. Solche Listen im Netz spiegeln den Geschmack ihrer Verfasser. Sinnvoller ist eine eigene Sammlung nach Anlass: Dieser Überblick nennt rund drei Dutzend Lieder, sortiert nach Advent, Heiligabend, Kindern, alten Liedern, internationalen Titeln und Popsongs. Wähle daraus, was zu deiner Runde passt.

Welche sind die Top 10 deutschen Weihnachtslieder?

Für die Top 10 der deutschen Weihnachtslieder gibt es keine offizielle Wertung, aber Daten zur Bekanntheit. Die Emnid-Umfrage für chrismon von 2010 fragte, wer die erste Strophe mitsingen kann: „O Tannenbaum“ kam auf 90 Prozent, „Stille Nacht“ auf 84, „O du fröhliche“ auf 83, „Vom Himmel hoch“ auf 56 und „Es ist ein Ros entsprungen“ auf 47 Prozent. Abgefragt wurden allerdings nur sieben Lieder. Ergänzt um „Alle Jahre wieder“, „Leise rieselt der Schnee“, „Ihr Kinderlein, kommet“, „Macht hoch die Tür“ und „Süßer die Glocken nie klingen“ ergibt sich eine Auswahl, die in fast jedem Liederbuch steht. Mehr zur Umfrage steht im Beitrag zu O Tannenbaum.

Was ist das älteste Weihnachtslied?

Das älteste Weihnachtslied lässt sich nicht eindeutig bestimmen, weil lateinische Hymnen noch weiter zurückreichen. Unter den deutschsprachigen Liedern, die bis heute gesungen werden, gehören „Gelobet seist du, Jesu Christ“ mit einer ersten Strophe von etwa 1380 sowie „In dulci jubilo“ und „Joseph, lieber Joseph mein“ aus dem 14. Jahrhundert zu den ältesten. Die Fassungen, die wir heute singen, wurden später allerdings mehrfach überarbeitet.

Was ist der Unterschied zwischen Adventsliedern und Weihnachtsliedern?

Adventslieder handeln vom Warten auf die Ankunft, Weihnachtslieder von der Geburt selbst. Typisch für den Advent sind Bilder wie die geöffnete Tür, der kommende König oder das Licht im Dunkeln, etwa in „Macht hoch die Tür“ oder „Tochter Zion“. Krippe, Hirten und Engel gehören in die Lieder ab dem 24. Dezember. Im Alltag verschwimmt die Grenze; in vielen Kirchengemeinden wird sie aber bewusst eingehalten.

Fazit: viele Lieder, ein gemeinsamer Abend

Hinter den bekannten Weihnachtsliedern stecken sehr unterschiedliche Geschichten: Mönche und Reformatoren, Dorfschullehrer und Pfarrer, ein Barockkomponist aus London und ein Popduo aus den Achtzigern. Für dein Liedblatt heißt das vor allem eins: Du kannst aus einem großen, größtenteils freien Schatz schöpfen. Wähle eine Handvoll Lieder, die zu deiner Runde passen, druck die Texte aus den verlinkten Beiträgen aus und fang tief genug an. Der Rest ergibt sich meistens von selbst.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Joseph Mohr (1818): Stille Nacht, heilige Nacht (Liedtext). Nachdruck gemeinfrei
  2. Michael Praetorius (1609): Musae Sioniae, Teil VI. Wolfenbüttel
  3. Ernst Anschütz (1824): O Tannenbaum (Liedtext). Nachdruck gemeinfrei
Redaktionell geprüft von Nina Hofmann3 Quellen angegeben
Nina Hofmann

Nina Hofmann

Nina schreibt über die großen Fragen der Liebe: Selbstliebe, Trennungen, toxische Muster und emotionale Heilung. Ihr Ansatz verbindet Psychologie mit echtem Mitgefühl.

Seit 2024 · Liebespsychologie, Selbstentwicklung, Emotionale Muster

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